Smarte Heizung nachrüsten – das sind die Möglichkeiten. ©digitalzimmer

Smarte Heizung nachrüsten: Das sind die Möglichkeiten

Die Heizsaison kommt – und mit ihr vielleicht der Wunsch nach smarten Thermostaten. Denn eine intelligente Heistungssteuerung hebt nicht nur den Komfort, sie spart auch Energie. Laut einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP) können Systeme wie Tado den Energiegedarf um 14 bis 26 Prozent senken. In unserem eigenen Praxistest waren es gut 17 Prozent.

Natürlich hängt die Ersparnis vom Gebäude und von den persönlichen Lebensgewohnheiten ab. Ein Plus an Komfort bringt das automatisch temperierte Badezimmer am Morgen aber in jedem Fall. Fragt sich, welche Lösung am besten zur heimischen Anlage passt. Hier kommt ein Überblick der verschiedenen Möglichkeiten.

1. Heizkörperthermostate mit Motorantrieb

Die zweite Generation des Eve Thermo ist an ihren Bedienelementen zu erkennen. ©digitalzimmer

Ein batteriebetriebener Motor im Thermostatkopf nimmt die tägliche Einstellarbeit ab. Er drosselt über Nacht die Heizung und sorgt am Morgen für ein mollig warmes Badezimmer. Der Temperaturverlauf richtet sich nach programmierbaren Heizplänen, die auf dem Thermostat gespeichert sind. Oft hilft eine App bei der Programmierung. Das Smartphone kommuniziert dazu per Funk mit dem Regler – meist handelt es sich um Bluetooth. Einen Fernzugriff von unterwegs aus gibt es nur in Ausnahmefällen. So wie beim Eve Thermo (Bild), der die HomeKit-Plattform von Apple zur Steuerung verwendet. Auch Fritzbox-Thermostate gehören im weitesten Sinne zur dieser Gruppe, nur dass in ihrem Fall der Router von AVM die Kontrolle übernimmt.

Montageaufwand: gering. Es müssen nur die vorhandenen Heizkörperregler gegen neue Exemplare ausgetauscht werden. Wie das geht, ist in unserem Ratgeber zum Thermostatwechsel erklärt.
Typische Anbieter: AVM (FritzDect), Danfoss, EQ-3 (Eqiva, Smart Blue), Eurotronic, Eve Systems, Hama (Xavax)

2. Funksysteme für die Heizungsregelung

Smarte Heizung nachrüsten – Tado. ©digitalzimmer

Geht es um mehr als ein paar Heizkörper, lohnt die Anschaffung eines raumübergreifenden Systems. Das hat verschiedene Vorteile. So lässt sich die Temperatur über Raumthermostate regeln. Die zusätzlichen Fühler hängen an der Wand oder sind bei manchen Herstellern frei aufstellbar. Ihre Werte entsprechen somit eher der realien Temperatur im Zimmer als eine Messung am Heizkörperregler, wo sich vielleicht die Hitze staut. Außerdem kann der Wandthermostat mehrere Heizkörper im Raum steuern. Das erleichtert die Einstellung und das Programmieren von Heizplänen. Meist sind die Timer umfangreicher als an einfachen Motorreglern. Es gibt nicht nur Spar- und Komforttemperatur, sondern individuelle Werte für jeden Zeitblock. Der Raum kann morgens eine andere Temperatur haben als mittags, abends oder in der Nacht. Weiterer Vorteil: Viele der Systeme eignen sich auch für Fußbodenheizung.

Montageaufwand: hängt von der Heizanlage und vom Funksystem ab. Thermostatköpfe am Heizkörper wechseln geht so einfach wie immer. Ist ein Austausch vorhandener Raumthermostate nötig, führen Hersteller wie Netatmo oder Tado mit Online-Assistenten durch den Installationsprozess. Einige Anbieter arbeiten auch mit Fachbetrieben zusammen, die das System beim Kunden montieren.
Typische Anbieter: Danfoss, Eberle (Wiser), Ecozy, EQ-3 (Max), Honeywell, Netatmo, Tado

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3. Smart-Home-Systeme zur Selbstmontage

Smarte Heizung nachrüsten – Homematic IP. ©digitalzimmer

Heizungssteuerung gehört zur den Grundfunktionen einer Hausautomatisierung. Deshalb bieten alle Smart-Home-Hersteller entsprechende Produkte an. Das Prinzip ist immer gleich: Eine Funkzentrale, auch Access Point oder Hub genannt, bekommt Sensor-Informationen aus den Räumen und stellt die Temperatur entsprechend ein. Je nach System geschieht das über Regler an den Heizkörpern, Raumthermostate oder Stellmotore an der Fußbodenheizung. Fensterkontakte drosseln beim Lüften die Heizung, um Energie zu sparen. Solche Öffnungssensoren sind bei reinen Heizsystemen eher die Ausnahme. Die Spezialisten versuchen, anhand des Temperaturabfalls ein offenes Fernster zu erkennen – was aber nur dann zuverlässig funktioniert, wenn alle Räume annähernd gleiche Temperatur haben. Sonst kann schon ein kühler Luftzug beim Öffnen der Zimmertür den Heizstopp auslösen. Wesentlicher Vorteil einer Komplettlösung: Sie steuert auch Licht, Steckdosen und sichert das Haus mit Alarmfunktionen. So ist die Temperatur zusammen mit anderen Einstellungen zentral über Szenen und Regeln steuerbar.

Montageaufwand: hängt vom System und dem Umfang der Installation ab. Manche Produkte wie Bosch Smarthome oder Homemaptic IP machen den Einstieg mit vorbereiteten Regeln leicht. Andere wie Fibaro oder Zipato bieten mehr Funktionen, verlangen dafür aber auch Programmierarbeit vom Nutzer.
Typische Anbieter: Apple (HomeKit) Bosch, Coqon, Devolo (Home Control), EQ-3 (Homematic, Homematic IP), Fibaro, Innogy, Samsung (SmartThings), Telekom (Qivicon), Zipato

4. Smart-Home-Systeme vom Profi

Haussteuerung vom Profi: Nachrüst-Systeme. ©digitalzimmer

Kommt der Fachmann ins Spiel, können Bauherren sich richtig austoben. Professionelle Smart-Home-Systeme leisten alles, was mit Selbstbau auch geht – und noch mehr. Im Prinzip setzt nur das verfügbare Budget setzt dem Aufwand Grenzen. Wer sein Gebäude komplett und dauerhaft vernetzen möchte, nimmt am besten den Bus. Genauer gesagt: einen Installationsbus. So heißen Systeme, die Daten über Steuerleitungen im Haus hin und her transportieren. Vorteil: Bus-Systeme arbeiten auch dort zuverlässig, wo WLAN, Bluetooth, Zigbee & Co. mit Funkproblemen kämpfen. Für die reine Heizungssteuerung sind solche Lösungen überdimensioniert. Ein Installationsbus bringt nicht nur Räume auf die gewünschte Temperatur, er automatisiert das komplette Gebäude. Er kann Alarmanlage sein oder Heimkino im Wohnzimmer inszenieren – mit automatisch schließenden Rollläden, stimmungsvoller Beleuchtung und Fernbedienung der Surround-Anlage. Kosten: auf jeden Fall fünfstellig.

Preiswerter wird es mit Funk zum Nachrüsten oder einem System wie Digitalstrom, das die vorhandenen Elektroleitungen verwendet. Auf jeden Fall wichtig: Fachbetriebe, die sich mit der Hausautomatisierung auskennen. Der Installateur – und sofern eingebunden auch der Architekt – sollte Erfahrung mit dem Thema haben. Wer auf Nummer sicher gehen will, zieht einen Systemintegrator zu Rate. So heißen Experten, die neben der Elektroinstallation auch andere Gewerke des intelligenten Hauses wie Heizung, Sanitär oder die Multiroom- Musikanlage im Blick haben. Die Kollegen von Das intelligente Haus haben eine Expertensuche auf ihrer Webseite integriert.

Montageaufwand: bei Lösungen zum Nachrüsten eher gering. Einen Überblick bietet der Artikel Haussteuerung vom Profi. Bus-Installationen mit Steuerleitungen in den Wänden (Crestron, KNX, LCN) sind aufwändiger und teurer. Sie lohnen sich vor allem im Neubau oder bei umfassenden Sanierungsmaßnahmen.
Typische Anbieter: Afriso, Berker, Busch-Jaeger, Coqon, Digitalstrom, Gira, Hager, Jung, Legrand, Loxone, Merten, Rademacher (HomePilot) Somfy (Tahoma), Wibutler

5. Regelung vom Heizungshersteller

Buderus-App auf einem Tablet. ©digitalzimmer

Immer eine Überlegung wert: Verfügt die installierte Heizung vielleicht selbst schon über smarte Funktionen? Alle großen Hersteller bieten inzwischen Produkte an, die fernbedienbar sind, den Temperaturverlauf optimieren und teilweise sogar Fehler übers Internet an den Monteur melden. An älteren Anlagen lässt sich die smarte Heizungssteuerung teilweise nachrüsten – bei Viessmann etwa über die Service-Schnittstelle Optolink, die es an Produkten des Herstellers schon seit mehr als zehn Jahren gibt. Weitere Informationen liefert unser Artikel über Smarte Heizung ab Werk und die Internetseite des jeweiligen Anbieters. Im Zweifelsfall den Fachbetrieb fragen, der auch regelmäßig die Wartung der Gastherme oder Wärmepumpe, des Ölkessels oder der Solaranlage durchführt.

Montageaufwand: gering, sofern die Heizungsanlage darauf vorbereitet ist. Einen Kostenvoranschlag macht der Fachhandwerker, die die smarte Steuerung installiert. Teilweise kann der Kunde mit einem Steckmodul auch selbst nachrüsten.
Typische Anbieter: Bosch Thermotechnik (Buderus, Junkers), Remeha, Vaillant, Viessmann, Wolf

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