Comet Dect: der Heizkörperthermostat für die Fritzbox. ©digitalzimmer

Heizungssteuerung mit der Fritzbox

Router von AVM sind in Deutschland weit verbreitet. Die Fritz!Box hat einen Marktanteil von über 50 Prozent. Was viele Nutzer nicht wissen: Mit der Netzwerk-Zentrale aus Berlin lässt sich auch die Temperatur regeln. Seit 2015 gibt es einen Heizkörperthermostat für die Fritzbox. Er kommt vom hessischen Hersteller Eurotronic und funktioniert mit AVM-Routern, die eine Dect-Basis für Schnurlostelefone integriert haben. Außerdem muss das Betriebssystem FritzOS 6.50 oder neuer auf der Fritzbox installiert sein. Dann kann sich der Regler mit dem Router verbinden. Demnächst will AVM auch einen eigenen Thermostat auf den Markt bringen, der dem Eurotronic verblüffend ähnlich sieht. Wer bereits investiert hat, muss sich aber keine Sorgen machen. Beide Modelle sollen parallel unterstützt und mit Software-Updates versorgt werden.

Zum Comect Dect liefert der Hersteller die üblichen Kunststoff-Adapter für Danfoss-Ventile. ©digitalzimmer
Mit dem Comect Dect liefert der Hersteller die üblichen Kunststoffadapter für Danfoss-Ventile.

Im Digitalzimmer verrichtet seit letztem Winter ein Comet Dect von Eurotronic (um 55 Euro) seinen Dienst. Er wurde schon mehrfach abmontiert und wieder angeschraubt, um anderen Testgeräten Platz zu machen. Dabei hat sich bewährt, dass die Überwurfmutter aus massivem Metall besteht. Die Kunststoff-Gewinde anderer Modelle hätten den häufigen Wechsel nicht so reibungslos überstanden. Wer keine Befestigung im ISO-Standard M30x1,5 am Heizkörper hat, findet nur die üblichen Kunststoff-Adapter in der Verpackung. In so einem Fall empfehle ich aber ohnehin die Anschaffung von Messing-Adaptern. Sie sind für wenige Euro bei Versendern wie ELV oder auch im Online-Shop von Eurotronic erhältlich. Das Metall ist langlebiger und sorgt für einen exakten Sitz des Thermostats, was Fehlermeldungen und Regelprobleme vermeidet.

Ein Druck auf die Dect-Taste der Fritzbox meldet den Thermostat am Router an. ©digitalzimmer
Ein Druck auf die Dect-Taste der Fritzbox meldet den Thermostat am Router an.

Die Montage beginnt mit der Anmeldung an der Fritzbox. Sie läuft genauso einfach ab wie bei einem Schnurlostelefon: Batterien einlegen und warten, bis INST im Display des Comet Dect erscheint. Nun die Taste DECT an Fritzbox drücken und gedrückt halten, bis die Info-LED am Router zu blinken beginnt. Sobald ein Antennensymbol im Display des Thermostats erscheint, steht die Funkverbindung und der Comet Dect kann wie üblich am Heizkörper montiert werden. Ein abschließender Druck auf die OK-Taste des Eurotronic startet die Anpassungsfahrt und schließt die Installation ab.

Konfiguration des Comet Dect im Internet-Browser

Nun ist der Thermostat an der Fritzbox registriert und erscheint im Browser-Menü des Routers. Die Einstellungen dort sind selbsterklärend. So gibt es eine Art Stundenplan für jeden Wochentag. In dieser Übersicht lässt sich auf 15 Minuten genau festlegen, wann die Komfort- und wann die Spartemperatur gelten soll. Entsprechend regelt der Thermostat dann hoch oder runter. Wer in Urlaub fährt, kann die Komfortphasen für diesen Zeitraum außer Kraft setzen. Dann gilt durchgängig die Spartemperatur. Eine sogenannte Fenster-auf-Erkennung registriert den Temperaturabfall beim Lüften: Das Ventil schließt automatisch für einen einstellbaren Zeitraum und verhindert so, dass Heizenergie nach draußen verpufft. Sollte es im Raum wärmer oder kälter sein als der Heizkörperfühler misst, ist der Wert mit Plus-/Minus-Tasten am Bildschirm anpassbar. Diese Temperaturkorrektur erklärt sich ebenfalls von selbst. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie ich schon an anderer Stelle beschrieben habe.

Für einen Haushalt mit regelmäßigem Tagesablauf reichen die Optionen aus. Wer immer zur selben Zeit die Wohnung verlässt und abends nach Hause kommt, kann damit gut den Temperaturverlauf optimieren. Schichtarbeiter dürften sich zusätzliche Heizpläne wünschen. Ihre Anwesenheit sieht schließlich von  Woche zu Woche anders aus. Ein System wie Homematic IP ist dann besser geeignet, weil es mehrere Zeitabläufe speichern und auf Wunsch abrufen kann. Auch Smarthome-Komplettlösungen wie Devolo Home Control oder Magenta Smarthome sind dazu in der Lage.

Etwas schade finde ich die Beschränkung auf zwei Temperaturen (Komfort und Spar). Für meinen Geschmack darf es im Bad am Morgen wärmer sein als tagsüber. Zusammen mit der Spartemperatur für die Nacht macht das aber schon drei Werte. Solche individuellen Heizkurven kann die Fritzbox aktuell nicht abbilden. Andere Lösungen wie der Eve Thermo von Elgato übrigens auch nicht. Vielleicht liefert AVM diese Möglichkeit ja noch per Software-Update nach. Dass kontinuierlich an der Steuerung gearbeitet wird, zeigt die Labor-Version des Fritzbox-Betriebssystems. Sie bietet bereits eine Gruppenschaltung für Thermostate. Damit lassen sich zum Beispiel alle Heizkörper zusammen in den Sparbetrieb schicken, wenn man die Wohnung verlässt. Im offiziellen FritzOS klappt die Gruppierung derzeit nur mit Funksteckdosen von AVM.

Volle Temperaturkontrolle  – zu Hause und unterwegs

Ein großes Plus sind die vielen Steuermöglichkeiten. Der Comet Dect funktioniert nicht nur automatisch oder manuell über Tasten am Gehäuse. Dank Integration in das Fritzbox-Betriebssystem stehen ihm alle Fernbedienungsfunktionen des Routers zur Verfügung. Das heißt: Mit dem Online-Dienst MyFritz.net ist die Temperatur von unterwegs aus einstellbar – per Internet-Browser oder über die Smartphone-Apps von AVM. Die neue MyFritzApp 2 für Android baut auf Wunsch sogar automatisch eine verschlüsselte VPN-Verbindung zur Fritzbox auf. Mehr Abhörsicherheit geht nach aktuellem Stand der Technik kaum. Und weil die Steuerung zu Hause am Router stattfindet, landen keine Daten im Internet, die Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Bewohner zulassen würden.

Für Apple-Nutzer bedeutet die Einrichtung etwas mehr Arbeit. Die MyFritzApp für iOS erledigt nicht alle Einstellungen selbst. Zugangsdaten für MyFritz.net müssen von Hand eingetragen werden und die Oberfläche sieht weniger schick aus als beim Android-Pendant. Hier merkt man, dass die App schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Laut AVM befindet sich der Nachfolger aber in Arbeit.

Ein Fritzfon an der Fritzbox kann auch verbundene Heizkörper-Thermostate steuern. ©digitalzimmer
Ein Fritzfon an der Fritzbox kann auch verbundene Heizkörper-Thermostate steuern.

Daheim gibt es noch eine dritte, besonders komfortable Möglichkeit zur Fernbedienung: das Schnurlostelefon. Wer ein FritzFon von AVM an der Fritzbox angemeldet hat, bekommt die Heizungsregler dort angezeigt. Im Menü Smart Home erscheinen sie unter den Funksteckdosen als zusätzliche Aktoren. Jeder Einzelne lässt sich am Hörer auswählen und mit der OK-Taste betätigen. Daraufhin öffnet sich die Temperatureinstellung. Der gewählte Wert bleibt so lange gültig, bis die Zeitschaltung der Fritzbox einen neuen vorgibt.

Fazit: Sanfter Einstieg in das Thema Smarthome

Warum eine Smarthome-Zentrale installieren, wenn es auch ohne geht? Das schlagende Argument für die Heizungsregelung mit der Fritzbox ist für mich … die Fritzbox selbst. Wer einen Router von AVM zu Hause hat, spart damit den Kauf einer zusätzlichen Z-Wave-, Zigbee- oder Sonstwie-Basis. Zugegeben, der verwendete Funkstandard Dect ULE steht noch ziemlich am Anfang. Es gibt gerade einmal zwei Produkte, die sich an der Fritzbox anmelden lassen: der Comet Dect und die Funksteckdose FritzDect 200. Mit dem kommenden AVM-Thermostat FritzDect 300 und der Outdoor-Steckdose FritzDect 210 sind es dann vier. Aber vielen Anwendern genügt das bereits. Wer keine aufwändige Haussteuerung braucht, findet mit Fritz & Co. einen leichten Einstieg ins Thema Smarthome.

Außerdem wird die Auswahl an Geräten zunehmen. Neben AVM unterstützen auch andere Firmen wie Panasonic und die Deutsche Telekom die energiesparende Dect-Variante ULE (Ultra Low Energy). Sie haben sich in der ULE Alliance zusammengeschlossen, um ihre Produkte zu stan­dardsisieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Smarthome-­Erweiterung HAN FUN (Home Area Network ­FUNctional ­protocol). AVM will sie in einer kommenden Labor-Version für die Fritzbox 7490 unterstützen. Damit ist dann auch der Betrieb von ­ULE-Produkten anderer ­Hersteller am Router ­möglich. Ein paar heiße Kandidaten dafür wären die Sensoren und Aktoren aus dem Smarthome-Sortiment von Panasonic.

12 Gedanken zu „Heizungssteuerung mit der Fritzbox“

  1. Hallo,
    kann man die Thermostate auch in Gruppen schalten? Ich habe in meinem Wohnzimmer 3 Heizkörper und würde diese dann gern in eine Gruppe aufnehmen um nicht 3 mal jedes Thermostat regeln zu müssen.

    1. Das müsste gehen. Ich habe gerade keine Thermostate installiert, weil die Ventile von anderen Reglern belegt sind. Aber ab Softwareversion Fritz OS 6.80 gibt es die Gruppenfunktion nicht nur für Schaltaktoren (Steckdosen), sondern auch für Heizkörperregler. Mehrere Geräte lassen sich damit zusammenfassen und gemeinsam steuern.

      Beste Grüße aus dem
      Digitalzimmer

  2. Hallo Herr Grün,

    vielen Dank für den Bericht!

    Mir stellt sich ähnlich wie Mike beim Bericht zu den tado Thermostaten die Frage der Vergleichbarkeit der Produkte miteinander. Ihre Antwort dort war, dass die Fritz-Variante eher für geregelte Tagesabläufe geeignet ist, tado hingegen mehr Flexibilität via App ermöglicht. Aber ist das nicht eine reine Frage der Software? Meines Verständnisses nach bringen beide Lösungen vergleichbare Hardware mit, nur dass tados Software mehr mitdenkt. Was die Fritzbox kann ist in meinen Augen die Einstellung von Tagesabläufen (was auch mein 10 Jahre alter Honeywell Thermostat kann), plus die Steuerbarkeit via App, wobei hier der smarte Aspekt weiterhin beim Nutzer liegen muss.

    Wenn oder eher falls AVM bei der Software eine Schippe nachlegt, sind beide Lösungen aber gleichwertig. Sehen Sie das genau so?

    Beste Grüße
    Johannes

    PS: Noch eine technische Frage, bei der Sie mir evtl. helfen können: Alle Smart Home Lösungen mit Thermostaten ziehen ihre Temperatur-Info direkt von den Thermostaten, richtig? Die Einbindung der Fritz-Temperaturfühler in den 200/210er Steckdosen bringt mir also gar nichts, oder?

    1. Hallo Johannes,

      sie haben natürlich Recht. Bei allen smarten Thermostaten kommt es vor allem auf die Software an. Deshalb ist es schwer, die Zukunft der Geräte vorherzusagen. AVM hat im Grunde erst begonnen, seine Fritzbox zur Smarthome-Zentrale auszubauen. Technisch geht da noch viel mehr. Tado-Produkte sind dagegen von vornherein vernetzt. Sie arbeiten mit IFTTT, der Alexa-Sprachsteuerung von Amazon und sollen künftig auch Apple HomeKit unterstützen. Das meiste davon funktioniert nur, weil die Thermostate eine eigene Cloud haben. Im Falle von Alexa „sprechen“ beispielsweise die Internet-Server von Amazon und Tado direkt miteinander.

      Diese Möglichkeit gibt es im Falle der Fritzbox nicht. Die Steuerung findet zu Hause auf dem Router statt und der Nutzer greift von unterwegs über eine verschlüsselte (VPN-)Verbindung auf die Einstellungen zu. Ob AVM daran etwas ändern will, ist mir nicht bekannt. Schließlich hat die Sicherheit des Routers oberste Priorität. Ich wage es deshalb nicht, Prognosen abzugeben.

      PS. zu Ihrer technischen Frage: Ja, für die Heizungsregelung werden derzeit ausschließlich die Messungen der Thermostatventile herangezogen. Die Temperatursensoren in den Dect-Steckdose haben dabei keine Funktion.

    1. Auf der IFA hatte AVM das 4.Quartal 2016 als Starttermin genannt. Bleibt es bei diesem Zeitplan, müsste der FritzDect 300 noch im Dezember erscheinen.

  3. Wisst ihr ob die Heizungssteuerung der Fritzbox mit DECT Eco funktioniert? Oder strahlt der Heizkörperthermostat im Schlafzimmer dann rund um die Uhr?

    Bei der AVMs intelligenter Schaltsteckdose FritzDECT 200 gibt es diese Funktion nicht, sodass diese auch die ganze Zeit funkt. Da hat meiner Meinung nach Zigbee und Z-Wave echte Vorteile.

    1. Dect Eco ist eine Funktion des Routers. Sie schaltet die Dect-Basis in der Fritzbox ab, sobald sich alle Schnurlostelefone im Standby befinden. Dazu müssen aber sämtliche Geräte den Eco-Modus unterstützen. Das Ist bei der AVM-Steckdose – und auch beim Comet Dect – nicht der Fall. Sind sie an der Fritzbox angemeldet, lässt sich die Eco-Funktion in den Einstellungen des Routers nicht mehr aktivieren. Das hängt mit dem verwendeten Funkprotokoll Dect ULE zusammen. Laut AVM reduziert Dect ULE aber selbst bereits das Datenaufkommen.

  4. Danke für die gute Einschätzung dieses Thermostates. Dass das Thermostat mit myfritz.net kompatibel ist, war mir neu. Danke für die guten Infos.

    1. Wie macht ihr das? Ich habe einen Comet Dect und schon versucht mit myfritz zu steuern. Ich sehe das Thermostat in der Übersicht, kann die Temperatur aber nicht verändern. Für einen Tip wäre ich dankbar.

      1. Verwenden Sie eine App oder melden Sie sich auf http://www.myfritz.net an? Im diesem Fall landen Sie zunächst auf der MyFritz-Übersichtsseite mit Telefonanrufen, den AB-Nachrichten und Smarthome-Geräten. Hier ist der Comect Dect nicht steuerbar. Wechseln Sie über das Menü am oberen Bildrand auf die normale Bedienoberfläche der Fritz Box. Dort sollte es gehen. Ansonsten empfehle ich die MyFritz App2 für Android-Smartphones. Dort gibt es einen komfortablen Schieberegler zum Einstellen der Temperatur.

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