Nachgerechnet: Wie viel Heizkosten spart Tado?

Ende des letzten Winters schrieb ich hier einen recht umfangreichen Test der smarten Heizungssteuerung Tado. Das Fazit fiel recht gut aus, obwohl Tado nicht für jedermann die optimale Heizungssteuerung bietet. Es ist etwa ideal für voll vernetzte Singles und Pärchen mit Smartphone-Vollausstattung, die häufig unterwegs sind und sich keinen Kopf um die Heizungssteuerung machen wollen.

Funktioniert Tado für jeden?

Für meine Familie und mich trifft das nur teilweise zu: Ich arbeite teils zu Hause, teils aber auch in meinem Büro unweit der Wohnung – zu nah, als dass die Abwesenheitsautomatik von Tado aktiv würde. Und ich lebe mit Frau und Tochter zusammen. Letztere hat zwar inzwischen ein Smartphone, aber aus naheliegenden Gründen keine mobile Datenflatrate. Damit fällt für sie die automatische Abwesenheitserkennung bislang aus. Die Steuerung von Tado ausschließlich über eine Nachtabsenkung und die automatische Geolocation-Funktion funktioniert bei uns also nicht.

Deshalb kam uns das letzte große Update der Tado-Software sehr entgegen: Man kann mittlerweile für jeden Tag mehrere manuell Heiz-Zeiten mit unterschiedlichen Zieltemperaturen vorgeben und diese je nach potentiell anwesenden Bewohnern mit der GPS-Ortungsfunktion in den Handys der Nutzer koppeln oder auch nicht. In unserem Fall etwa habe ich für vormittags eine ständige Absenkung programmiert. Nachmittags, wenn unsere Tochter aus der Schule kommt und in der Regel ein Elternteil ebenfalls da ist, wird die Heizung je nach Anwesenheit aktiviert. Auch abends und am Wochenende reagiert die Absenkung auf die An- oder Abwesenheit der Erwachsenen. Geht’s in den Urlaub, dann stelle ich Tado auf generelle An-/Abwesenheitserkennung um. Auch das klappt dank der übersichtlichen Zeitplan-Einstellung inzwischen kinderleicht.

Tado_Temperaturplan_modi
Im Smart Scedule Menü lassen sich Zeitpläne wahlweise für Woche- und Wochenendtage oder auch für jeden Tag einzeln einrichten. Zu verschiedenen Zeiten kann man hier verschiedene Temperaturen voreinstellen – und auch zentral ändern. (Screenshots: digitalzimmer.de)

Das Ganze ist nicht wirklich komfortabel einzurichten, aber immerhin kann man den Online-Thermostat jetzt an fast alle Nutzungsverhalten und -Gruppen anpassen.

Der Einspar-Bericht

Im letzten Winter erlaubte Tado noch keine derart feinen Zeitpläne. Stattdessen experimentierte ich teils von Woche zu Woche  mit den verschiedenen Automatiken und manuellen Zeitplänen. Hin und wieder heizte die Therme auch tagsüber durch, wenn ich mich im Büro zwei Straßen weiter befand, Tado mich aber mangels genügend Distanz zu Hause wähnte.

Umso gespannter war ich, wie sich der Einsatz der Tado-Regelung auf den Energieverbrauch auswirkte. Das kann ich nun berichten. Im letzten Sommer nämlich – noch vor der Heizperiode – begann ich, meinen Gaszähler regelmäßig abzulesen, so dass ich zum Beispiel quartalsweise die Verbräuche summieren kann. Aus den Jahren davor habe ich jeweils nur die Abrechnungen vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. So konnte ich jetzt also die realen Gasverbräuche vom 1. Oktober 2014 bis zum 30. September 2015 aufsummieren und mit den Verbräuchen der kompletten Vorjahre, also 2013  und 2012 – jeweils Januar bis Dezember – vergleichen. So sind in allen Vergleichszeiträumen jeweils alle Monate des Jahres vertreten.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Jahr 2012 liefen 20.288 Kilowattstunden (kWh) durch den Gaszähler, 2013 waren es 20.581 kWh. Und zwischen Oktober 2014 und September 2015 waren es 17.064 kWh. Das entspricht einer Einsparung von 17,1 Prozent gegenüber 2013 und knapp 16 Prozent gegenüber 2012. Gemessen an meiner Gasrechnung von 2013 – mit Verbrauchspreisen von 4,7 Cent pro kWh (zuzüglich Grundgebühren) – macht die Ersparnis immerhin 164 Euro aus.

Verbräuche_2014_15
Die Zählerstände wurden etwa wöchentlich abgelesen und in der App „Verbräuche“ erfasst. Gut zu erkennen: Der Weihnachtsurlaub 2014/15. Praktisch: Man kann den Zähler auch unregelmäßig ablesen. Die App mittelt dann den Verbrauch über Wochen, Monate und Quartale. (Screenshot: digitalzimmer.de)

Nach zwei Jahren mit solchen Einsparungen würde sich Tado mit seinem Preis von knapp 250 Euro jedenfalls bei mir mehr als rentieren – früher natürlich, wenn die Gaspreise steigen. Beim „Carbon Footprint“ und dem erklären Anspruch Deutschlands, den CO2-Ausstoß über alle Energieverbraucher hinweg bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, komme ich mit Tado allein allerdings bei unserer Heizung nicht hin. Dafür sollten wir zumindest noch das eine oder andere alte Fenster austauschen oder die Fassade dämmen lassen. Nur: Darauf haben wir als Mieter nur sehr bedingt Einfluss und müssen solche Maßnahmen im Zweifelsfall über Mieterhöhungen mittragen.

Ebenso wenig lässt sich das Ergebnis direkt auf alle anderen Haushalte umrechnen. Wir hatten beispielsweise schon vorher eine Zeitschaltuhr, die die Heizung vormittags und während des Urlaubs absenkte. Die Messung hält auch aus anderen Gründen keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand: Ich vergleiche etwa keine  identischen Zeiträume, ich stelle eine jährliche Zählerablesung einer wöchentlichen Erfassung gegenüber. Außerdem betrachte ich den kompletten Gasverbrauch – inklusive Warmwasserbereitung.

Und es fehlt eine Bereinigung um Witterungseinflüsse – also wie streng etwa der Winter war. Das ist gar nicht so einfach nachzuvollziehen – das erste Quartal 2015 war im Vergleich der Vorjahre recht kalt, dafür war der Herbst davor eher mild. In meiner Verbrauchserfassung ist das gut abzulesen: Vom 1. Januar bis zum 31. März gingen mit 8634,8 kWh mehr als die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs der letzten 12 Monate durch den Schornstein. Für eine witterungsbereinigte Betrachtung müsste ich allerdings Monat für Monat den Verbrauch mit den sogenannten Gradtagszahlen verrechnen und so einen Korrekturfaktor übers Jahr errechnen – das ist angesichts meiner hemdsärmeligen Messmethodik aber nicht seriös nachzuvollziehen. Nur so viel: Nach der Lektüre der Daten würde ich den Zeitraum der letzten zwölf Monate als klimatisch durchschnittlich betrachten.

Ein weiterer, eher weicher Faktor könnte meine Einspar-Betrachtung eher untermauern: Unser Nachwuchs hat seit 2013 seinen Hang zum Dauerduschen entdeckt. Allein unter diesem  Aspekt bin ich recht zufrieden mit dem Ergebnis des Dauertestes.

Fazit

Das Charmante an Tado ist der einfache und günstige Einstieg in die Welt der Heizungssteuerung. Egal ob Mieter oder Eigentümer – fast jeder, der eine individuelle Heiztherme nutzt, kann den smarten Heizungsthermostat daran anschließen , der Preis ist mit knapp 250 Euro überschaubar. Klar – Tado steuert nicht die Temperatur in jedem einzelnen Raum mit individuellen Zeitplänen und schaltet die Therme im wesentlichen nach Plan ein und aus. Einzelraumsteuerung über Heizkörperthermostate  haben die Macher zwar für 2016 angekündigt, die Zusatzfunktion wird das System aber im Zweifelsfall eher komplizierter machen – so wie das auch bei so mancher anderen Heizungssteuerung der Fall ist. Für Altbaubewohner mit Gas-Etagentherme oder Eigenheimbesitzer mit einem zentralen Heizbrenner funktioniert das jetzige System nach wie vor unauffällig und gut. Bei mir zumindest bleibt es auch diesen Winter in Betrieb.

Über diesen Test: Den Tado-Thermostat hat mir der Hersteller im letzten Herbst testweise zur Verfügung gestellt. Der Test fand ohne Einfluss von Tado statt, ich habe ihn nach bestem Wissen (und Wärmegefühl) in den eigenen vier Wänden durchgeführt. Ich habe den Test auch deshalb gemacht, weil ich für Medien wie connect, das intelligente Haus oder die VDI-Nachrichten über Heizungssteuerung schreibe. Klassische Vergleichstests mehrerer Systeme mit einem Ergebnis zum Einsparpotential sind mit solchen Systemen weder praktisch möglich noch hilfreich, man kann es nur über längere Zeit im Einzelfall ausprobieren. Denn jede Wohnumgebung ist anders.  Die allermeisten Herstellerangaben zum Einsparpotential beruhen auf theoretischen Berechnungen.

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8 Gedanken zu „Nachgerechnet: Wie viel Heizkosten spart Tado?“

  1. „Der Preis ist mit 250€ überschaubar“ – also aktuell kostet das Starterkit mit zwei Thermostaten 199€. Und zwei Thermostate reichen ja i.d.R. nicht für eine Wohnung, weitere kosten dann wieder jeweils 80€. Das finde ich noch ganz schön teuer, bedenkt man, dass es hier „nur“ um Heizungsthermostate geht! Dafür bietet der Hersteller auch noch nur 2 Jahre Gewährleistung… also, das Preis/Leistungsverhältnis ist noch nicht sooo gut.

    1. Hallo Ben,
      der Preis bezieht sich auf die Erst-Version von Tado, also den zentralen Heizungsthermostat ohne Einzelraumregelung. Er regelt nur die Therme pauschal herunter, wenn niemand zu Hause ist. Mit den zusätzlichen Heizkörperthermostaten lässt sich prinzipiell noch mehr sparen, indem man z.B. das Bad nur morgens und abends richtig warm macht. In Wohnungen mit Zentral- oder Fernwärme-Heizung funktioniert das Ganze erst, seitdem es die Einzelraum-Thermostate gibt. Es ist aber in der Tat teurer, wenn man pro Raum ein bis zwei Heizkörper ausstattet. Ich selbst nutze seit letzten Winter den Tado-Thermostat an einer Etagentherme zusammen mit einigen Raum-Reglern. Da die erst Ende des Jahres kamen, kann ich bisher noch keine seriösen Einspar-Erfahrungen geben. Außer der Tatsache, dass es schon prima ist, im Bad ohne schlechtes Gewissen morgens für eine Stunde satte 23 Grad einzustellen und nicht vergessen zu können, die Temperatur später wieder runter zu regeln.

    2. Hallo Ben Vegas,
      bitte nicht verwechseln: Der Test oben bezieht sich auf den Wandthermostat von Tado, der als Ersatz für den Regler des Heizungsherstellers gedacht ist. Er steuert keine Heizkörper sondern den Wärmeerzeuger/Kessel. Die Originalthermostate vom Hersteller kosteten damals nicht viel weniger und boten weder einen Fernzugriff übers Internet noch eine temperaturgeführte Steuerung.

      Ob 80 Euro für ein Heizkörperthermostat angemessen sind, entscheidet sich beim Funktionsvergleich – und vielleicht auch beim Design. Wer eine automatische Regelung mit Anwesenheitserkennung wünscht, hat kaum eine Alternative. Schon gar nicht, wenn sich die Temperatur mit HomeKit, Alexa oder Google Assistant steuern lassen soll. All diese Punkte gilt es zu berücksichtigen, auch wenn es „nur um Heizungsthermostate geht“.

      Reicht eine einfache Zeitsteuerung, die sich notfalls aus der Ferne überschreiben lässt, gibt es natürlich günstigere Alternativen. Zum Beispiel das MAX-System von EQ-3.

    1. Danke für diesen Hinweis, der die Werte tatsächlich ein Stückweit relativiert. 17% kälter war jedoch keiner der Vergleichszeiträume, und die weiteren beschriebenen Faktoren machen das Ergebnis ohnehin nicht wissenschaftlich vergleichbar. Darauf wurde im Beitrag ja mehrfach hingewiesen. Aus diesen Gründen ist ein zu 100% nachvollziehbarer Test solcher Systeme unter Praxisbedingungen ja eben nicht ohne Weiteres möglich.

  2. Hallo, ich bin im Prinzip für neue Techhnologien und habe seit einiger Zeit Tado im Einsatz. Immer wieder mit Störungen wie keine Abschaltung der Heizung und andere Störungen. Nun gibt es die Version 2 der Steuerung! Für eine Nachrüstung der offensichtlich untauglichen V1 hat Tado mir einen Rabatt von 15 % angeboten. Für den Austausch eines nicht funktionierenden Systems. Solche Firmen gehören eigentlich vor Gericht, weil technisch nicht ausgereifte Artikel dem Kunden angedreht werden- und die Fachpresse macht mit. Keine „Lügenpresse“, aber eine Interessenpresse.

    1. Hallo Herr Weber,
      zur ersten Version von Tado, die 2012 auf den Markt kam, kann ich leider nichts sagen, weil bei uns nur der aktuelle Thermostat im Einsatz ist. Davon arbeiten aber zwei Exemplare in verschiedenen Wohnungen ohne nennenswerte Probleme. Ein gewisses „Risiko“, dass nachfolgende Generationen eines Produkts besser funktionieren als die Vorgänger, gibt es immer. Schließlich lernen die Hersteller auch aus den Erfahrungen im Masseneinsatz. Deshalb einen Anbieter gleich vor Gericht stellen zu wollen, finde ich etwas hart. Dann dürften wohl gar keine neuen Technologien mehr auf den Markt kommen – weil weder das erste iPhone noch der erste Flachbild-Fernseher oder das erste Elektroauto in der Leistung an spätere Versionen heranreichten. Und meines Wissens nach gaben deren Hersteller überhaupt keinen Rabatt auf den Neukauf der folgenden Generation.

    2. Vielleicht kann ich zum Thema Störungen noch etwas beitragen, das Ihnen weiter hilft. Wie in meinem ersten Test von Tado im Frühjahr dieses Jahres erwähnt, gab es auch bei mir schon den einen oder anderen Ausfall der Automatik. Und erst gestern hatte ich den Fall, dass ich von außerhalb nicht auf Tado zugreifen konnte. Diese Probleme waren aber in meiner Erfahrung nie ein Problem von Tado, sondern stets einem kurzzeitigen Ausfall des Internets oder der Stromversorgung geschuldet.

      Wie viele andere Smarthome-Systeme arbeitet Tado cloudbasiert, d.h. ein Teil der Intelligenz läuft auf einem Server des Herstellers. Ohne Internetverbindung kann Tado keine Automatismen ausführen oder den Ort der Bewohner erkennen. Immerhin lässt sich der Thermostat, den es seit letztem Jahr gibt, dann manuell auf eine Wunschtemperatur einstellen. Außerdem: Es mag im Internet eine ganze Menge Blogs und Seiten geben, die Informationen mit unklarer Herkunft und Motivation verbreiten. Das macht uns die Arbeit auch nicht immer leichter. Aber: Für einen Artikel im eigenen Blog, an dem ich nichts verdiene und zu dem ich von niemandem gedrängt wurde, möchte ich nicht auch nur in die Nähe dieses L-Wortes gestellt werden. Danke für Ihr Verständnis.

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