Tado: Loht sich der Auto-Assist-Skill? ©digitalzimmer

Tado-Thermostate: Lohnt sich der Auto-Assist-Skill?

Die neue Tado-Generation hat für einige Verwirrung gesorgt. Nach ihrer Vorstellung im Herbst fragten sich Nutzer der smarten Thermostate, ob sie in Zukunft ein Abo benötigen. Dann kündigte der Hersteller an, Bestandskunden nach dem Software-Upgrade genauso zu behandeln wie Neueinsteiger. Hätte bedeutet: Der sogenannte Auto-Assist-Skill schlägt auch bei ihnen mit 2,99 Euro im Monat oder 24,99 Euro pro Jahr zu Buche. Dieser Plan ist mittlerweile vom Tisch. Wer bereits Tado-Thermostate der Generationen V1, V2 oder V3 zu Hause hat, behält das kostenlose Geofencing. Auch wenn er Modelle der aktuellen Version V3+ nachkauft – oder wenn er zum Einmalpreis von 19,99 Euro auf die neue App umsteigt. Diese zweite Option soll demnächst zur Verfügung stehen.

Das kann die aktualisierte Heizungs-App von Tado

Aber warum sollte überhaupt jemand umsteigen wollen? Was bringt die neue Software-Version im Vergleich zur bisherigen App, die ja weiterhin funktioniert? Dazu muss man wissen, dass es gar keine zwei Apps gibt. Wer das Programm für Android oder iOS aus dem Store herunterlädt, erhält immer dieselbe Software, egal welche Thermostate zu Hause installiert sind. Erst beim Start der App entscheidet sich, was der Nutzer zu sehen bekommt.

Neue Startpakete erkennt die App automatisch anhand der Tado-Bridge. Sie weist das System als Generation V3+ aus. Für Besitzer älterer Hardware bleibt das bekannte Aussehen erhalten – bis sie per „In-App-Kauf“ das V3+Design freischalten.

Die neue Tado-App (Mitte und rechts) zeigt mehr Thermostate auf einen Blick. ©digitalzimmer
Die neue Tado-App (Mitte und rechts) zeigt mehr Thermostate auf einen Blick. ©digitalzimmer

Die neue Ansicht bietet zunächst einmal mehr Überblick. Statt rechteckiger Flächen beansprucht jeder Thermostat nur noch ein Quadrat auf dem Bildschirm, womit doppelt so viele Geräte Platz haben. Das heißt: weniger scrollen. Wie bisher ändern die Felder je nach eingestellter Temperatur ihre Farbe – von Dunkel- über Hellgrün bis Gelb und Orange. Räume im Frostschutz-Modus (Aus) werden grau dargestellt.

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Unterhalb der Gerätekacheln folgt ein Kleeblatt mit vier neuen Feldern. Eines davon heißt Raumluft-Komfort. Es stellt die eigentliche Systemerweiterung dar. Tippt man darauf, öffnen sich weitere Kacheln. Die oberste heißt Frischluft-Indikator und informiert über die Qualität der Außenluft. Keine Ahnung, welche Werte aus dem Internet Tado dafür verwendet – und wo sie gemessen werden. Die Angabe zur Luftqualität in der Stuttgarter Innenstadt lautete im Test jedenfalls wochenlang „mäßig“. Als der Feinstaubalarm begann, wechselte sie kurioserweise auf „gut”.

Im gleichen Feld darunter gibt Tado die Qualität der Raumluft an. Auch dieser Wert scheint mir nur bedingt aussagekräftig, weil er auf die Fenster-Offen-Erkennung der Thermostate vertraut. Ist sie abgeschaltet – weil etwa türnahe Regler wegen Zugluft häufig falsch auslösen – merkt das System nicht, wenn gelüftet wird. Entsprechend „mäßig” ist dann der angezeigte Wert.

Der „Raumluft-Komfort“ informiert über die Klimaverhältnisse in der Wohnung. ©digitalzimmer
Der „Raumluft-Komfort“ informiert über die Klimaverhältnisse in der Wohnung. ©digitalzimmer

Deutlich informativer und hilfreicher als der Frischluft-Indikator sind die zusätzlichen Flächen darunter. Sie stellen das Raumklima in jedem Zimmer grafisch dar. Neben Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist hier auf einen Blick zu erkennen, ob es zu warm, zu kalt, zu feucht oder zu trocken ist. Solange sich der Messpunkt innerhalb einer markierten Kreisfläche befindet, soll alles in Ordnung sein. Tendiert er in Richtung feucht und kalt, besteht Schimmelgefahr. Zu warm und trocken mögen die Nasenschleimhäute nicht, besonders während der Heiz- und Erkältungssaison im Winter.

Neu auf dem Startbildschirm: eine Kachel für die Anzeige des Home- und Away-Modus. Sie war früher nicht nötig, weil die App selbst diese Entscheidung traf. Nun muss der Nutzer von Hand umschalten, wenn er das kostenpflichtige Abo vermeiden will. Mehr dazu gleich im folgenden Text. Die beiden übrigen Schaltflächen rücken Funktionen ins Rampenlicht, die es vorher auch schon gab. Sie lagen nur etwas versteckt in den Einstellungen der App. Die Rede ist vom Service-Menü für Kundendienst-Aufträge und der monatlich aktualisierten Energiespar-Anzeige.

Handbetrieb ohne abonnnierten Auto-Assist-Skill

Das neue App-Design kommt auf Anhieb sympathisch rüber. Nicht, dass die bisherige Oberfläche kompliziert oder schwer zu bedienen gewesen wäre, im Gegenteil. Aber nun gehen die Einstellungen noch schneller von der Hand. Ein Beispiel: Bislang erschien in jeder Detailansicht der Thermostate dieselbe Grafik mit der Standortanzeige des Smartphones. Einen funktionellen Vorteil hatte diese Anzeige nicht. Jetzt gibt es sie nur noch einmal unter der Home-/Away-Kachel. Das schafft bei den Thermostaten Platz für einen großen Schieberegler. Manuelle Temperaturänderungen sind damit ohne umzugreifen per Daumen möglich. Es scheint ein wenig, als hätten sich die Designer dazu von Apples Home-App inspirieren lassen.

Im manuellen Betrieb wechselt der Nutzer von Hand wischen Home- und Away-Modus. ©digitalzimmer
Der manuelle Betrieb wechselt von Hand zwischen Home- und Away-Modus. ©digitalzimmer

Wesentlicher Unterschied zum bisherigen Programm: Die App schaltet in der Gratis-Version beim Verlassen der Wohnung nicht mehr automatisch auf den Away-Modus um. Genauso wenig reaktiviert sie beim Heimkommen die Home-Betriebsart. Das muss der Nutzer von Hand erledigen. Tado erinnert ihn mit Push-Nachrichten auf dem Smartphone daran. Besitzer einer Apple Watch erhalten zusätzlich auch dort einen Hinweis. Umschalten ließ sich der Modus im Test auf der Uhr aber nicht. Das erledigt eine Bildschirmtaste in der App. Auch blieb die Mitteilung manchmal aus. Ein Startproblem, das inzwischen behoben sein sollte. Ausprobieren kann ich es leider nicht, weil ich mittlerweile den Auto-Assist-Skill aktiviert habe. Damit gibt es keine solchen Push-Nachrichten mehr.

Die Push-Nachricht von Tado erinnert auf der Apple-Watch an den Modus-Wechsel. ©digitalzimmer
Die Push-Nachricht erinnert auf der Apple-Watch an den Modus-Wechsel. ©digitalzimmer

Dieselbe Änderung hat Tado an der Lüftungserkennung vorgenommen. Auch hier gibt es in der Basisversion keine Automatik mehr. Die App warnt, wenn der Thermostat anhand der Temperaturabfalls ein offenes Fenster erkennt. Aktivieren muss der Nutzer die Heizpause aber selbst. Alle übrigen Funktionen blieben – soweit ich sehen konnte – unverändert. So lassen sich etwa Heizpläne für die einzelnen Räume anlegen oder minimale Away-Temperaturen festlegen, damit die Wohnung im Skiurlaub nicht zu sehr auskühlt.

Mit Auto-Assist-Skill: Tado wie man es kennt. Nur besser.

Das Abo stellt den klassischen Zustand wieder her. Die Heizung reagiert damit auf die An- und Abwesenheit von Bewohnern oder drosselt beim Lüften von selbst die Wärmezufuhr. Mal abgesehen vom deutlichen Komfortgewinn dürfte das auch Energie sparen – weil man den Modus-Wechsel nicht vergisst. Trotz Push-Nachricht ist mir das im Test immer wieder passiert. Wie viel zusätzliche Ersparnis der Auto-Assist-Skill bringt, hängt also auch von der persönlichen Disziplin im Handbetrieb ab.

Der Auto-Assist-Skill regelt die Heizung bei Abwesendheit und beim Öffnen von Fenstern automatisch. ©digitalzimmer
Auto-Assist regelt die Heizung bei Abwesendheit und beim Lüften automatisch. ©digitalzimmer

Kurz gesagt: Das Abo lohnt sich für Neukäufer in jedem Fall. Bestandskunden können ein Upgrade zum Einmalpreis von 20 Euro ruhig in Erwägung ziehen. Sie haben dadurch keine Nachteile, wohl aber eine bessere App und die Anzeige, wie es um das Raumklima zu Hause zu bestellt ist. Ein Betrieb ohne Auto-Assist-Skill macht meiner Meinung nach wenig Sinn. Das ist ungefähr so, als würde man eine Limousine mit Automatikgetriebe kaufen, um anschließend immer von Hand zu schalten.

Dass Tado die Klimaautomatik überhaupt kostenpflichtig gemacht hat, kann man kritisieren. Manche Kommentatoren – auch hier auf digitalzimmer.de – meinen, die Thermostate seien kostspielig genug. Da müsse eine lebenslanger Cloud-Service im Preis mit drin sein. Ich finde, das kann man so pauschal nicht sagen. Das System funktioniert nach meinen Erfahrungen sehr zuverlässig. Installieren und vergessen, lautet die Devise. Eventuelle Funkprobleme wegen zur großer Entfernung lassen sich mit diesem Tipp lösen.

Als Cloud-Produkt mit App-Steuerung kostet Tado den Hersteller aber fortwährend Geld. Server müssen betrieben, gewartet und vor Angriffen geschützt werden. Neue Smartphone-Betriebssysteme verlangen Anpassungen der App. Und Software-Entwicklungen wie die Sprachsteuerung mit Alexa, Google & Co. wollen auch bezahlt sein. Ein Abo-Modell hilft, solche Ausgaben zu decken. Die Kosten müssen für den Kunden nur von vornherein transparent sein. Im Falle des Tado-Upgrades blieben anfangs einige Fragen offen. Aber die sind ja nun geklärt.


Smarte Heizung nachrüsten – das sind die Möglichkeiten. ©digitalzimmer

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6 Gedanken zu „Tado-Thermostate: Lohnt sich der Auto-Assist-Skill?“

  1. Vielen Dank für die ganzen Infos! Eine Frage die sich mir stellt wofür ich noch keine Antwort gefunden hab ist ob ein mehrköpfer Haushalt das Upgrade mehrfach per In-App-Kauf erwerben muss oder ob es reicht dass ein Mitglied upgradet und dann über die Hardware alle anderen Haushaltsmitglieder freigeschaltet werden? Weiß da jemand näheres dazu?

    1. Hallo Johannes,
      das Abo gilt für das komplette Tado-System. Auch wenn mehrere Familienmitglieder die Geofencing-Funktion in ihrer Tado-App verwenden, ist nur ein Abonnement nötig.

      Grüße aus dem Digitalzimmer
      Frank-Oliver

      1. Danke für die schnelle Antwort! Ich glaube ich habe mich etwas ungenau ausgedrückt, ich meinte nicht das Abo sondern das App-Upgrade für 19 Euro für Bestandskunden mit der V3-Version. Reicht da wenn ich mit meinem iPhone das Upgrade mache für die neuen Funktionen oder muss meine Freundin auch mit ihrem Androidhandy 19 Euro ausgeben. Zu der Fragestellung habe ich bisher noch keine Antwort gefunden..

        1. Da es das Upgrade noch nicht gibt, kann ich das ehrlich gesagt nicht sagen. Tado hat disbezüglich keine Aussagen gemacht. Auch im Firmen-Blog ist nur allgemein von einem Upgrade die Rede. Ich nehme aber an, dass die einmalige Zahlung von 19,99 Euro auch hier für alle Nutzer gilt. Schließlich wird mit dem Kauf ja das komplette System auf die neue Software umgestellt.

  2. Danke für den schönen Artikel.
    Die Argumente für das Abomodell kann ich aber nicht nachvollziehen. Das eine Cloud fortwährend Geld kostet, weiß man vorher. Es nachträglich den Kunden quasi aufzudrängen grenzt an Betrug. Ich hätte niemals Tado gekauft, wenn es mit einem Abo verbunden gewesen wäre.

    1. Hallo Raphael,
      noch einmal zur Klärung, obwohl es im Beitrag drinsteht: Es wird niemandem nachträglich etwas aufgedrängt. Bestandskunden müssen nicht upgraden und behalten den kompletten Funktionsumfang ihres Tado-Systems. Wer mag, kann für einmalig 19,99 Euro auf die neue App aktualisieren und bekommt damit die Raumluft-Funktionen hinzu. Der Auto-Assist-Skill bleibt für ihn auch dann kostenlos. Die Frage „Abo oder nicht?” stellt sich nur für Neukunden, die mit den jetzt erhältlichen Geräten der Version V3+ in das System einsteigen.

      Viele Grüße aus dem Digitalzimmer
      Frank-Oliver

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