Der Smarthome-Lautsprecher Amazon Echo im Test. ©digitalzimmer

Erster Test: Amazon Echo und die deutsche Alexa

Selten wurde ein Produkt so gespannt erwartet wie der Amazon Echo – und war gleichzeitig so umstritten. Während Kunden dem Marktstart in Deutschland entgegenfiebern, warnt die Bundesbeauftragte für den Datenschutz vor dem smarten Lautsprecher. „Sprachassistenten, die mit einem Mikrofon ihre Umgebung belauschen“, sehe sie kritisch. Auch die Verbraucherzentrale übt Kritik. Schließlich würden Sprachfehle zur Verarbeitung auf Server im Internet übertragen. Was ist also dran am Hype um den Echo?

Über drei Millionen Exemplare hat Amazon laut Branchenberichten in den USA bereits verkauft. Hierzulande beginnt die Auslieferung dieser Tage. Wer Interesse hat, muss sich auf der Webseite des Online-Versandhauses registrieren und auf eine Einladung hoffen. Nur dann kann er den säulenförmigen Echo für 180 Euro oder den Echo Dot zum Preis von 60 Euro bestellen. digitalzimmer.de gehört zu einem Kreis von Testern, die ihr Exemplar aus der ersten Lieferung erhalten haben. Lange Zeit war nicht klar, ob Amazon überhaupt Testgeräte zur Verfügung stellen würde. Der Grund: Alexa, die künstliche Intelligenz des Lautsprechers, ist hierzulande noch nicht so schlau wie in Amerika. Funktionsumfang und Wortschatz werden nach und nach erweitert. Deshalb soll dieser Beitrag auch nicht mein letzer über den Amazon Echo und Alexa gewesen sein. Leser können die Entwicklung des Systems quasi miterleben.

Der Smarthome-Lautsprecher Amazon Echo gibt es in Schwarz oder Weiß. ©digitalzimmer
Der Smarthome-Lautsprecher Amazon Echo gibt es in Schwarz oder Weiß. ©digitalzimmer
Installation des Echo: auch dafür gibt es eine App

In diesem Test geht es vor allem um den Amazon Echo, das 23,5 Zentimeter hohe Modell mit integriertem Zwei-Wege-Lautsprecher. Der kleine Amazon Echo Dot besitzt nur einen Notlautsprecher für Alexas Stimme und die Weckfunktionen. Zur Musikwiedergabe sollte er per Bluetooth oder Audiokabel (3,5 mm Klinke) an einen externen Lautsprecher angeschlossen werden. Die Installation läuft bei beiden gleich ab: Auspacken, mit dem mitgelieferten Netzteil an eine Steckdose anschließen und abwarten. Nach kurzer Zeit beginnt der LED-Ring am Gehäuse in Bernsteingelb zu leuchten. Alexa meldet sich zur Wort und erklärt in einem angenehm natürlichen Tonfall, dass sie bereit für die weitere Installation ist.

Ab hier übernimmt die App für Android oder iOS am Smartphone. Der Nutzer gibt am Bildschirm die Zugangsdaten seines Amazon-Kontos ein. Hat er noch keines, etwa weil der Echo ein Geschenk war, besteht die Möglichkeit, einen neuen Account anzulegen. Laut Beschreibung von Amazon soll es möglich sein, dass zwei Kontoinhaber den Smarthome-Lautsprecher abwechselnd verwenden. Das Kommando dafür heißt im täglichen Betrieb „Konto wechseln“. Zum Testzeitpunkt war die nötige Einstellung für Haushaltsprofile in der App aber noch nicht zu finden.

Nach Anmeldung mit dem Amazon-Konto lässt sich ein neues Alexa-Gerät hinzufügen. Dabei verbindet die App den Echo mit dem heimischen WLAN. Anschließend ist der Lautsprecher betriebsbereit. Von Haus aus hört er auf den Namen Alexa – eine Verbeugung vor der Bibliothek von Alexandria, wo der Legende nach das gesamte Wissen der antiken Welt gesammelt war. Um die Spracherkennung zu aktivieren, nennt der Nutzer zuerst dieses Schlüsselwort und dann seinen Wunsch. Zum Beispiel: „Alexa … wie viel Uhr ist es?“ Gibt es im Haushalt eine gleichnamige Person, ist die Bezeichnung auch änderbar – in Amazon oder Echo. Damit sich der Lautsprecher nicht aus Versehen angesprochen fühlt.

Die App für Android und iOS führt durch den Einrichtungsprozess. ©digitalzimmer
Die App für Android und iOS führt durch den Einrichtungsprozess. ©digitalzimmer

Egal mit welchem Aktivierungswort: Vom Start weg kann die Box das Wetter für beliebige Orte ansagen und mit Allgemeinwissen prahlen. So weiß sie, was der „Brexit“ ist, wie viele Einwohner Deutschland hat und kennt namhafte Politiker wie Angela Merkel, Barack Obama oder Wladimir Putin. Auch zu den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton hat sie etwas zu sagen. Im Unterschied zu Siri von Apple läuft die komplette Kommunikation per Sprache ab. Alexa hat kein Display, auf dem sie die Ergebnisse ihrer Websuchen anzeigen könnte. Deshalb spricht sie das Gefundene aus. Noch ist das Repertoire an allgemeinen Informationen begrenzt. In Zukunft soll eine Anbindung an die Wikipedia aber das komplette Wissen der Internet-Enzyklopädie erschließen.

Ein beliebter Party-Gag dürfte Alexas Talent zum Witzeerzählen werden. Nicht weil ihre Kalauer so lustig sind, sondern weil der Wunsch „Erzähle einen Witz“ von einer besonders angenehmen Computerstimme erfüllt wird. Es macht Spaß, sich mit Alexa zu unterhalten. Wer möchte, kann in den Einstellungen auf Englisch wechseln und bekommt einen Eindruck davon, wie sich das System entwickeln wird. In seiner Muttersprache klingt der Amazon Echo noch natürlicher. Neben der Fähigkeit Gäste zu beeindrucken, sollte er allerdings auch einen praktischen Nutzen bieten. Der Schlüssel dazu ist wieder die Smartphone-App. Sie richtet das Gerät ein und macht aus dem sprechenden Lautsprecher einen intelligenten Sprachassistenten.

Konfiguration des Amazon Echo: Alexa lernt, was sie tun soll

Wie es sich für einen Funklautsprecher gehört, kann der Echo Musik abspielen. Er erfüllt diesen Zweck entweder als Bluetooth-Box, dann liefert ein Smartphone, Tablet oder Computer das Programm. Oder er holt seine Lieder übers WLAN direkt aus dem Internet. Beide Möglichkeiten stehen parallel zur Verfügung. Im Bluetooth-Betrieb funktionieren allerdings nur einfache Kommandos wie „lauter“, „leiser“ oder „zum nächsten Titel springen“. Mit Repertoire aus dem Internet zeigt die Spracherkennung, was sie wirklich kann. Ob ein bestimmtes Lied oder die beliebtesten Songs eines Interpreten: Alexa liefert das gewünschte Programm mit erstaunlicher Treffsicherheit. Von Dutzenden Versuchen im ersten Test schlugen höchstens zwei oder drei fehl. Auch deutsche Titel oder ausländische Künstler bereiten Alexa wenig Probleme. Wo Siri von Apple konsequent „Nana muss Cory“ versteht, erkennt Amazon die griechische Sängerin und Politikerin Nana Mouskouri auf Anhieb.

Voraussetzung: Die Anforderung ist präzise. So empfiehlt es sich, bei der Suche nach einem bestimmten Titel den Namen des Interpreten mit zu nennen. Außerdem muss das System Zugriff auf einen ausreichend großen Musikkatalog haben. Abonnenten von Amazon-Prime können aus mehr als einer Millionen Titeln wählen. Mit dem Start von Amazon Music Unlimited Ende des Jahres dürfte der Katalog auch hierzulande auf die üblichen 30 Millionen Songs anwachsen. Spotify bietet diese Auswahl schon heute: Wer ein Premium-Abo des Streaming-Dienstes besitzt, kann sich mit seinen Zugangsdaten in der Alexa-App anmelden und danach die Musik sprachgesteuert über den Echo hören. Dritte Alternative: Eigene Musikdateien am Computer in die Amazon-Cloud hochladen. Das funktioniert genauso wie mit dem bisherigen Cloud-Player. Der Platz für 250 Songs ist gratis. Wer eine große iTunes-Bibliothek dem Amazon Echo zugänglich machen will, braucht die Speicherweiterung für rund 25 Euro im Jahr. Danach fasst die Musikbibliothek in der Cloud 250.000 Titel.

In den Einstellungen legt der Nutzer Musikdienste und andere Inhalte fest, auf die Alexa zugreift.
In den Einstellungen legt der Nutzer Musikdienste und andere Inhalte fest, auf die Alexa zugreift.

5 thoughts on “Erster Test: Amazon Echo und die deutsche Alexa”

  1. Also ich finde den Echo schon ganz Interessant. Insbesondere nachdem ich in eurem Bericht gehört habe dass er nur was sendet wenn das aufwachwort genannt wird.
    Es sollte jedem User klar sein, das bei einem Cloud Gerät was an den Anbieter gesendet wird!

    Es ist Erstaunlich was man alles so interessantes Alexa Fragen kann – hab mich halb schief gelacht bei den Fragen in diesem Video:
    https://www.youtube.com/watch?v=CXnL3rOVm-M

  2. Schöner und detaillierter Bericht. Allerdings hört sich noch zu viel nach Beta an. Auch ist der Preis für die dots viel zu hoch. Man bedenke, bei einem Haus mit mehreren Räumen… da bleibe ich aktuell doch lieber bei Siri. Mein Handy habe ich meistens bei mir 😉 Der Abschluss mit dem Datenschutz ist auch passend. Wer so einen Komfort möchte, muss sich leider damit abfinden.

    1. Beta trifft es nicht ganz. Denn das, was der Echo zum jetzigen Zeitpunkt kann, macht er schon ziemlich gut. Der Funktionsumfang ist eben eingeschränkt. Bei Siri war das anfangs ähnlich. Auch nachdem Apple den Zusatz „Beta” entfernt hatte, ließ die Erkennungsrate zu Wünschen übrig. Was den Preis des Echo Dot angeht: Amazon plant, auch Sixpacks anzubieten – mit 6 Dots zum Preis von 5 😉

      1. Ich warte auch noch auf die Einladung zum Kauf und kann es kaum erwarten. Dass die Spracherkennung mit Zeit immer besser wird ist doch klar. Wisst ihr noch wie das bei Siri war? Die hat mir monatelang auf jede zweite Frage eine Liste gezeigt. Nach dem Motto: das habe ich im Internet gefunden. Die Suche nach Musik funktioniert bis heute nicht richtig, dass scheint Amazon ja besser hinzukriegen.
        Danke auch für den Bericht. Da merkt man dass der Echo richtig ausprobiert wurde.

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