Ohne Internet: Smarthome-System im Offline-Betrieb. ©digitalzimmer

Diese Smarthome-Systeme funktionieren auch offline

Um von unterwegs aus erreichbar zu sein, nutzen viele Smarthome-Systeme das Internet. So kann ihre App über das weltweite Datennetz zum Beispiel das Licht schalten oder die Heizung regeln. Eine Funktion, von der auch ich regelmäßig Gebrauch mache.

Cloud-Lösungen vertrauen aufs Internet

Teilweise dient die Online-Verbindung aber noch anderen Zwecken. Manche Hersteller lagern Teile ihres Systems auf Cloud-Server aus. Die Verarbeitung von Befehlen oder Sensordaten findet dann im Web statt. Vor allem bei günstigen Plug-and-Play-Systemen ist diese Methode beliebt, weil sie die Kosten der Hardware senkt. Ungünstiger Nebeneffekt: Fällt zu Hause an der Zentrale das Internet aus, stehen cloudbasierte Funktionen nicht mehr zu Verfügung. Oft streikt in so einem Fall die Smartphone-App komplett oder programmierte Abläufe werden nicht ausgeführt.

Cloudbasierte Smarthome-Systeme benötigen zum Betrieb eine Internet-Verbindung. ©digitalzimmer
Cloudbasierte Smarthome-Systeme benötigen zum Betrieb eine Internet-Verbindung.
Offline-Funktion für mehr Unabhängigkeit

Zum Glück spendieren etliche Anbieter ihrem System einen Offline-Modus. Er hält den Betrieb aufrecht, wenn die Online-Verbindung unterbrochen wird. Die Sirene verscheucht dann immer noch Einbrecher, sollte ein Sensor Alarm auslösen. Der Funktaster schaltet weiterhin das Licht. Auf Push-Mitteilungen am Smartphone muss man allerdings verzichten, weil die Zentrale solche Nachrichten übers Internet verschickt. Auch Smarthome-Komponenten, die auf eine Online-Verbindung angewiesen sind – etwa Sprachassistenten – stellen den Betrieb ein. Standortbasierte Dienste per Handy-Ortung stehen ebenfalls nicht zur Verfügung.

Maximaler Schutz der persönlichen Daten

Für viele Smarthome-Interessenten ist der Offline-Betrieb trotzdem ein Kaufargument. Und sei es zum Datenschutz, weil sie möglichst wenig von sich preisgeben möchten. Ohne Internet-Verbindung landen keine Informationen über die Nutzung der Smarthome-Zentrale beim Anbieter. Umgekehrt können Hacker das System von außen nicht angreifen. Deshalb kommen hier ein paar Lösungen, die auch ohne Internet funktionieren. Teilweise ist der Offline-Betrieb stark eingeschränkt. Was nach meinen Erfahrungen geht – und was nicht – habe ich in der jeweiligen Beschreibung vermerkt.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird ergänzt, sobald ich weitere Smarthome-Zentralen ausprobiert habe. Ihr kennt noch mehr Systeme mit einem Offline-Betrieb oder habt selbst Erfahrungen gesammelt? Dann her damit: In den Kommentaren unten auf der Seite ist Platz dafür.


Apple HomeKit

10 HomeKit-Tipps, die jeder Nutzer kennen sollte. ©digitalzimmer

Die HomeKit-Zentrale muss grundsätzlich mit einer Apple ID in der iCloud angemeldet sein – egal, ob es sich um ein Apple TV, einen HomePod oder ein fest installiertes iPad handelt. Sie erhält von dort alle Regeln zur Automatisierung, die der Nutzer am iPhone oder iPad anlegt. Einmal synchronisiert führt die Zentrale ihre Timer und Befehle aber auch ohne Internet aus. Die Bedienung von Geräten per App klappt wie gewohnt im WLAN.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: nein
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Bosch Smart Home

Bosch Smarthome: Controller und Geräte. ©digitalzimmer

Da Bosch die Daten seines Smarthome-Systems lokal auf der Zentrale ablegt, ist eine Internet-Verbindung im Alltag nur für die Steuerung von unterwegs aus nötig. Der Fernzugriff lässt sich in den Einstellungen der App auch abschalten. Dann arbeitet die Zentrale komplett im Offline-Betrieb, begrenzt auf das heimische Netzwerk. Den ausführlichen Test von Bosch Smart Home gibt es hier.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: ja
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Brematic Pro

BrematicPro von Brennenstuhl: Zentrale und Geräte. ©digitalzimmer

Das Smarthome-System von Brennenstuhl arbeitet weitgehend autark. Sämtliche Funktionen inklusive der Programmierung stehen auch zur Verfügung, wenn die Zentrale nicht mit dem Internet verbunden ist. Eine Anmeldung am Cloud-Server des Herstellers ist lediglich für die Steuerung von unterwegs aus nötig.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: ja
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Coqon

Die Qbox von Coqon. ©digitalzimmer

Die Coqon-Zentrale nutzt intensiv die Cloud. Das heißt: Ohne Internet funktionieren die App und programmierte Regeln nicht. Allerdings kommt meist gar nicht soweit: Ein Mobilfunk-Modul in der Zentrale springt ein, wenn zu Hause der Internetanschluss ausfällt. Wer mag, kann Coqon damit auch ganz autark betreiben. Die Mobilfunkkosten für zwei Jahre sind im Kaufpreis enthalten. Eine Verlängerung um denselben Zeitraum kostet 40 Euro.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja (mit UMTS-Verbindung)
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: ja (mit UMTS-Verbindung)
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja (mit UMTS-Verbindung)


Devolo Home Control

Devolo Home-Control: Zentrale und Geräte. ©digitalzimmer

Die Bedienoberfläche im Browser deutet es an: Das Devolo-System ist zu Hause und unterwegs über einen Webdienst erreichbar. Die Anmeldeadresse lautet www.mydevolo.com. Gleiches gilt für die Smartphone-App. Beide nutzen die Cloud und stehen damit nur zur Verfügung,  solange die Zentrale mit dem Internet verbunden ist. Programmierte Regeln und Abläufe benötigen den Devolo-Server aber nicht. Sie werden lokal auf der Zentrale gespeichert.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: nein
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: nein
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Fibaro Home Center

Fibaro Home Center lite und Home Center 2. ©digitalzimmer

Sowohl das Home Center 2 als auch die Einsteigervariante Home Center Lite legen ihre Daten lokal im Speicher ab. Ein Ausfall der Internetverbindung stört das Fibaro-System also nicht. Der Fernzugriff per Cloud-Dienst streikt allerdings. Die App stellt ebenfalls den Betrieb ein, falls sie in der Cloud angemeldet ist. Für die Steuerung zu Hause im WLAN gibt es aber eine Alternative: Einfach statt der Online-ID die lokale IP-Adresse der Zentrale und ein Benutzerkonto verwenden. Dann funktioniert die App auch ohne Internet.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: ja
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Homee

Homee: Die Würfel sind gefallen. ©digitalzimmer

Die bunten Würfel des Homee-Systems kommunizieren entweder per Internet mit dem Browser und der App – oder lokal im heimischen Netzwerk. Die App wählt automatisch den passenden Weg. Am Browser kann der Nutzer für eine Offline-Verbindung die IP-Adresse der Zentrale eingeben. Programmierte Regeln sind auf der Hardware gespeichert und laufen daher auch offline wie gewohnt ab. Besonderer Clou: Homee bietet in den WLAN-Einstellungen einen „Stand-alone-Modus“. Ist er aktiviert, baut das System einen eigenen Hotspot auf, an dem sich das Smartphone anmelden kann. Damit ist sogar ein Betrieb ohne Router möglich.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: ja
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Homematic IP

EQ-3 Homematic IP: Zentrale und Geräte. ©digitalzimmer

Die Funktionen der cloudbasierten Homematic-Variante sind ohne Internet recht eingeschränkt. Zwar können Sensoren weiterhin Alarm auslösen und zum Beispiel eine Sirene aktivieren. Gängige Automationen wie das Schalten von Steckdosen stehen offline aber nicht zu Verfügung – und auch die Smartphone-App verweigert ihren Dienst. Dafür bleibt der Nutzer anonym: Anbieter EQ-3 verlangt keine Anmeldung mit E-Mail-Adresse oder anderen persönlichen Daten. Tipp: Wer einen richtigen Offline-Betrieb benötigt, kann zum klassischen Homematic und der Funkbasis CCU3 greifen.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: nein
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: nein
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: eingeschränkt


Innogy Smart Home

Innogy Smart Home: Zentrale und Komponenten. ©digitalzimmer

Die Innogy-App ist auf eine Online-Verbindung angewiesen. Ohne Internet bekommt der Nutzer am Smartphone eine Fehlermeldung, die Zentrale sei gerade nicht erreichbar. Bereits konfigurierte Abläufe und Geräte-Verknüpfungen funktionieren aber weiterhin. Es lassen sich nur  keine neuen Automationen erstellen.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: nein
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: nein
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Rademacher Home Pilot

Rademacher HomePilot: Zentrale und Aktoren. ©digitalzimmer

Der Cloud-Service WR Connect von Rademacher ist für den Fernzugriff gedacht. Die Systemzentrale HomePilot lässt sich auch ohne Online-Registrierung oder Anmeldung dort verwenden. Zur Konfiguration genügt ein Browser am Computer. Wer die Smartphone-App nutzen will, braucht allerdings das Online-Konto. Ist die Verbindung zwischen App und Zentrale einmal hergestellt, klappt die Steuerung zu Hause auch ohne Internet – übers WLAN und die lokale IP-Adresse des Systems. Den ausführlichen Test des Rademacher Home Pilot gibt es hier.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: ja
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


Schwaiger Home4you

Schwaiger Home4You: Zentrale und Geräte. ©digitalzimmer

Die Schwaiger-Zentrale benötigt keine Internetverbindung, um Abläufe im Haus zu steuern. Sie funktioniert offline genauso wie online. Zum Einrichten und für die Nutzung der App ist allerdings die Anmeldung auf einem Cloud-Server des Herstellers nötig. Das Online-Konto  wird gleichzeitig benutzt, um das Home4You-System von unterwegs aus zu bedienen.

Das geht im Offline-Betrieb:
Bedienung per App zu Hause im WLAN: ja
Anlegen neuer Regeln für die Automatisierung: ja
Ausführen programmierter Regeln ohne Internet: ja


10 Gedanken zu „Diese Smarthome-Systeme funktionieren auch offline“

  1. Hallo

    Ein sehr interessanter Bericht, ich vermisse allerdings auch die Lösung von EGLO Connect. Hier ist auch alles ohne Internetverbindung möglich. Lediglich, wenn eine Steuerung von ausserhalb bzw. Ein Sprachsteuerung gewünscht ist wird eine Internetverbindung benötigt. Und natürlich zum laden/updaten der APP.

      1. Wie im Beitrag geschrieben: Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird ergänzt, sobald ich weitere Systeme ausprobiert habe. Mit Zipato hatte ich schon zu tun, allerdings ist das eine Weile her und ich aktuell gibt es keine Installation im digitalzimmer, mit der ich die Offline-Funktionen testen könnte. Vielleicht hat einer der anderen Leser ja Erfahrungen damit gesammelt …

    1. Hallo Holger Mitterwald,
      KNX wurde nicht vergessen, genausowenig wie Digitalstrom, Loxone und andere Profilösungen. Im ersten Aufschlag des Thema ging es einfach um Plug-and-Play-Systeme, die jeder Käufer ohne Hilfe eines Fachmanns selbst installieren kann.
      Viele Grüße aus dem Digitalzimmer

  2. Ich vermisse Homematic (nicht HMIP) und IObroker. In Verbindung mit der CCU2/CCU3/Raspberrymatic/piVCCU geht auch das offline. Solange das Heimnetz steht, geht auch IObroker, sogar mit der offline Sprachsteuerung snips.

  3. Vielen Dank für diesen interessannten und ausführlichen Artikel. Ich habe allerdings Philips hue vermisst. Wie sieht es da mit offline-Funktionen aus?

    1. hue braucht einen Offline-Betrieb, weil es ohne Internet funktioniert. Die Anmeldung auf myhue ist nur für außer Haus Bedienung nötig und damit selbst das Licht angeht wenn man heimkommt.

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