Ist Philips Hue den höheren Preis wert? ©digitalzimmer

Sind Hue-Lampen ihren höheren Preis wert?

Ein viel diskutiertes Thema in Facebook-Gruppen und Internetforen sind die Preise von Philips Hue. Nutzer des drahtlosen Lichtsystems suchen nach günstigen Erweiterungslampen. Da Hue den Funkstandard Zigbee verwendet, kommen gleich mehrere Anbieter als Zulieferer in Frage. Gut für Schnäppchenjäger: Produkte von Marken wie Osram, Innr oder Ikea kosten teilweise deutlich weniger als das Original. Ein Blick ins Internet zeigt die Unterschiede:

Preisvergleich Zigbee-Lampen
Online-Stichprobe, ermittelt am 9. Februar 2019

Anbieter / ModellGünstigster Preis
Philips Hue White & Color Ambiance E2743,38 Euro
Innr Smart Bulb Color E2729,80 Euro
Osram Smart+ Classic E27 Multicolor24,99 Euro
Ikea Trådfri E27 Farb- und Weißspektrum24,99 Euro
Müller Licht Tint E27 RGB22,02 Euro
Paulmann LED Soret E27 RGBW19,99 Euro

Wer seine Hue-Bridge mit diesen Lampen bestückt, kann also leicht 20 Euro bei der Anschaffung sparen. Selbst über die angegebene Lebensdauer von 25.000 Stunden macht das bei fünf Stunden Betrieb am Tag mehr als einen Euro pro Leuchtmittel und Jahr.

Aber ist die Rechnung wirklich so leicht? Entscheidet allein der Preis? Beim Einsatz an einem Zigbee-Gateway wie dem Echo Plus von Amazon vielleicht. Dann stehen exklusive Funktionen des Hue-Systems ohnehin nicht zur Verfügung. Wer seine Lampen an der Hue-Bridge betreibt, sollte zweimal überlegen. Hier bringt das Fremdgehen ein paar Einschränkungen mit sich. Nur wer sie kennt, kann entscheiden, ob sich die Mehrausgabe für ihn lohnt.

Argument 1: Lichtqualität

Im Laufe der Zeit hat Philips die Farbintensität seiner Leuchtmittel verbessert. Das macht sich bei den E27- und E14-Modellen in satteren Blau- und Grüntönen bemerkbar. Die aktuelle Lampengeneration übertrifft in dieser Hinsicht vor allem Ikea. Das bunte Trådfri-Leuchtmittel ist mit 600 Lumen nicht nur dunkler, es neigt bei aufgedrehter Helligkeit auch zu blassen Farben. Leider hinken die Hue-Strahler mit GU-10-Sockel dieser Entwicklung hinterher. Sie bieten noch nicht die „Richer Colors“ ihrer Kollegen mit Schraubsockel.

Bei Innr, Müller Licht und Osram sind Unterschiede in der Farbsättigung nach den Erfahrungen im digitalzimmer geringer – oder mit bloßem Auge kaum auszumachen. Soll heißen: Die günstigen Lampen eignen sich für bunte Party- und Stimmungsbeleuchtung genauso gut wie ihre Philips-Pendants.

Besonders warmes, gemütliches Licht: eine Spezialität der Hue-Lampen. ©digitalzimmer
Besonders warmes, gemütliches Licht: eine Spezialität der Hue-Lampen. ©digitalzimmer

Wer ein besonders gemütliches Licht sucht, greift trotzdem besser zum Original. Das Weißspektrum von Hue-Lampen erstreckt sich weit in den warmen Bereich. Während Modelle der Konkurrenz normalerweise bei 2700 Kelvin enden, sind mit Philips 2200 Kelvin (White Ambiance) und 2000 Kelvin (White & Color Ambiance) möglich. So weit stößt sonst nur Innr mit seinem E27-Modell für „Tunable White“ in die visuelle Komfortzone vor.

Vorteil solcher Lampen: Ihr Licht kommt einer gedimmten Glühlampe sehr nahe. 2700 Kelvin – allgemein als Warmweiß bezeichnet – wirken dagegen fast neutral. Erfahrungsgemäß lässt sich extremes Warmweiß auch schlecht aus den bunten LEDs farbfähiger Lampen mischen. Das Licht bekommt dabei schnell einen Farbstich und gleitet ins Gelbe, Grüne oder Rote ab.

Argument 2: Zuverlässigkeit

Viele Nutzer eines Fremdfabrikats kennen das: Die Hue-App am Smartphone zeigt das Leuchtmittel als „nicht erreichbar“ an. Oft handelt es sich nur um ein Darstellungsproblem und die Lampen funktionieren trotzdem. Empfindlich reagieren allerdings Smarthome-Systeme, deren Zentrale die Hue-Bridge nebst Lampen in ihre Steuerung einbinden. Lösungen wie Bosch Smart Home, Devolo Home Control oder Innogy SmartHome können mit den unerreichbaren Zigbee-Leuchtmitteln beispielsweise nichts anfangen. Die Lampen erscheinen zwar im System, lassen sich dort aber weder steuern noch in einer Automatisierung verwenden.

Es ist im digitalzimmer auch schon vorgekommen, dass Hue-Bewegungsmelder fremde Lampen nicht zuverlässig schalten oder dass die Leuchtmittel verzögert reagieren. Einige Modelle gingen beim Herunterdimmen nicht gar aus, was per Update zu beheben war (siehe Punkt 4). Der Zigbee-Kanalwechsel klappte teilweise erst nach mehreren Versuchen, weil Fremdfabrikate beim Frequenz-Hopping auf der alten Einstellung sitzen blieben.

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Eher eine Geschmacksache: Originalprodukte begleiten den Schaltvorgang mit weichem Ein- und Ausblenden. Preisgünstige Lampen wie die Tint-Serie von Müller – die es kürzlich auch als Sonderangebot bei Aldi gab – reagieren dagegen eher abrupt. Oder sie dimmen nur ein Stück weit, ehe sie ganz erlöschen.

Argument 3: Software-Updates

In der Vergangenheit machte Zigbee durch Sicherheitslücken von sich reden. So gelang es Forschern 2015 und 2016 das Funkprotokoll zu hacken und sogar Hue-Lampen zu übernehmen. Philips hat diese Schwächen zeitnah durch Software-Updates behoben. Die Möglichkeit von Updates gehört zu den zehn Grundregeln für ein sicheres Smarthome. Allerdings erhalten LED-Lampen solche Aktualisierungen normalerweise nur, wenn sie über das Gateway und die App ihres Herstellers mit dem Internet verbunden sind.

Lampen fremder Hersteller bekommen von der Hue-Bridge keine Software-Updates. ©digitalzimmer
Lampen fremder Hersteller bekommen von der Hue-Bridge keine Software-Updates.

Im Falle von Hue heißt das: Die Bridge aktualisiert ausschließlich Hue-Leuchtmittel. Zum Glück ist die Gefahr weiterer Angriffe nicht sehr hoch. Der Zigbee-Standard 3.0, den auch Philips Hue unterstützt, hat neue Barrieren eingeführt. Und wenn es Hackern doch gelingen sollte in das Lampen-Netzwerk einzudringen, haben sie noch keinen Zugriff auf andere Geräte im Smarthome. Der Zigbee-Funk arbeitet unabhängig vom WLAN des Routers.

Neben der Sicherheit gibt es aber noch andere Gründe für Software-Updates. So mussten 2016 einige Lightify-Leuchtmittel im Test erst aktualisiert werden, ehe sie sich komplett ausschalten ließen. An der Hue-Bridge brannten sie auf minimaler Helligkeit weiter. Ein Reset auf Werkseinstellungen und die zeitweise Verbindung mit einem Lightify-Gateway von Osram lösten das Problem. Hue hat zuletzt per Update einen programmierbaren Einschaltzustand spendiert bekommen. Die Einstellungen gelten aber nur für Hue-Leuchtmittel. Osram hat etwas Ähnliches in Lightify bereits 2015 realisiert – ebenfalls exklusiv für sein System.

Argument 4: Kundendienst

Sollte es Probleme mit Hue-Lampen oder einem Software-Update geben, ist der Philips-Kundendienst telefonisch erreichbar. Die kostenlose Hotline-Nummer steht auf der Support-Seite. Sie ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 20 mit deutschsprachigen Mitarbeitern besetzt. Außerhalb dieser Zeiten oder für schriftliche Anfragen gibt es ein Kontaktformular. Der Hersteller verspricht, binnen 48 Stunden zu antworten.

Von den übrigen Anbietern veröffentlichen nur Innr und Paulmann eine kostenpflichtige Rufnummer auf ihren Webseiten. Ikea, Ledvance (Osram) und Müller setzen komplett auf den Kundenkontakt per Formular. Wer akute Probleme hat, muss sich an den Händler wenden, bei dem er das Produkt gekauft hat, oder er schreibt übers Internet. Im Falle von Ikea lohnt es sich, gleich das nächstgelegene Einrichtungshaus aufzusuchen: Die Antwort auf Online-Anfragen kann im Extremfall mehrere Wochen dauern.

Argument 5: Hue Entertainment

Philips Hue bietet Funktionen, die über den Zigbee-Standard hinausgehen. Das bereits erwähnte Einschaltverhalten gehört dazu. Es lässt sich nur für hauseigene Lampen programmieren. Zwei weitere Beispiele sind Hue Entertainment und die Video-Synchronisation Hue Sync. Ihr reaktionsschnelles Effektlicht lässt Lampen in unmittelbarer Nachbarschaft miteinander kommunizieren, um bildsynchrone Farbwechsel zu ermöglichen.

Auch wenn es bislang nur wenig Einsatzgebiete für Hue Entertainment gibt, reserviert der Systemerfinder die Technik für sich: Wer sie nutzen will, braucht einigermaßen aktuelle Hue-Leuchtmittel dafür. Mit älteren Lampen oder den Modellen der Konkurrenz funktioniert das drahtlose Surround-Licht nicht.

Argument 6: Apple HomeKit

Als erstes Lichtsystem überhaupt unterstützte Philips Hue schon 2015 HomeKit. Andere Hersteller wie Ikea, Lifx und Nanoleaf folgten erst Jahre später. Inzwischen ist Hue zu einer komfortablen Erweiterung der Apple-Haussteuerung herangewachsen. Neben den LED-Lampen reicht die Hue-Bridge auch ihre Bewegungsmelder und Funktaster an HomeKit weiter.

Allerdings gilt das nur für Philips-Produkte. Leuchtmittel anderer Hersteller, die an der Bridge angemeldet sind, bleiben für Siri und HomeKit unsichtbar. Um Trådfri-Lampen von Ikea in das Apple-System zu hieven, ist ihr eigenes für HomeKit zertifiziertes Ikea-Gateway nötig. Aber wer will schon neben der Hue-Bridge eine weitere Zigbee-Zentrale installieren? Das ergibt schon technisch wenig Sinn: Weil die beiden Mesh-Netzwerke miteinander konkurrieren, reduzieren sie im schlimmsten Fall die Funkreichweite statt sie zu verbessern.

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5 Gedanken zu „Sind Hue-Lampen ihren höheren Preis wert?“

  1. Warum wird nur Apple Homekit erwähnt und nicht Google Assistant. Es gibt noch soviel mehr zu entdecken wenn man den Apfelbaum herunter klettert.

    1. Weil es für HomeKit wichtig ist, dass originale Hue-Leuchtmittel zum Einsatz kommen. Lampen anderer Hersteller, die mit der Bridge verbunden sind, tauchen in HomeKit nicht auf. Für den Google Assistant oder Amazon Alexa macht die Herkunft der Leuchtmittel dagegen keinen Unterschied. Deshalb werden die beiden Sprachassistenten hier nicht erwähnt.

  2. Gut geschrieben.
    Eine Sache stört mich an Philips
    Man kauft 3 m Led Strips 34 W und man bekommt nur ein 20w Netzteil. Und die Streifen sollen sogar bis zu 10 m erweiterbar sein …(120w)

    1. Das ist aber bei allen Lightstrips so. Das Netzteil hat eine bestimmte Leistung. Bei der Verlängerung verteilt sich diese Leistung auf mehr Meter, die einzelnen Leds werden einfach dunkler.

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