Sleep Analyzer unter der Matratze

Withings Sleep Analyzer: Smarthome-Sensor fürs Bett

Wie gesund war der Schlaf? Ein klinisch erprobter Sensor gibt Auskunft. Der Sleep Analyzer soll Atemstörungen erkennen und nebenbei sogar das Smarthome steuern. Wie gut, klärt der Test.



Regelmäßigen Lesern wird der Withings Sleep Analyzer vielleicht bekannt vorkommen. Die Sensormatte fürs Bett war schon mehrfach Thema hier im Blog – etwa in den 10 Smarthome-Geschenken, die keine Gadgets sind. Blogger-Kollege Chris Bertko kürte sie zu seinem persönlichen Smarthome-Highlight 2018 – nach dem damaligen Firmeneigentümer noch Nokia Sleep genannt.

Eine neue Version der smarten Betteinlage

Inzwischen ist viel passiert. Withings-Mitgründer Eric Carreel hat das Unternehmen von Nokia zurückgekauft und neue Blutdruckmessgeräte auf den Markt gebracht. Sein erklärtes Ziel: Withings „zum weltweiten Führer in der verbundenen und vorbeugenden Gesundheitsbranche zu machen“. Dazu passt auch ein verbesserter Sleep Analyzer für 130 Euro. Er zeichnet sich durch einen besonderen Algorithmus aus, der Atemaussetzer erkennen soll. Die sogenannte Schlafapnoe tritt bei älteren Männern und Übergewichtigen gehäuft auf. Laut Deutscher Lungenstiftung sind etwa 20 Prozent der 40- bis 60-Jährigen und bis zu 60 Prozent der Männer zwischen 65 und 70 davon betroffen (LINK).

Der Withings Sleep Analyzer kommt im Bett unter die Matratze. ©digitalzimmer

Bei ihnen stockt während der Nacht immer wieder der Atem. Die Aussetzer dauern meist etwa 20 bis 30 Sekunden, sie können aber auch mehrere Minuten lang anhalten. Betroffene fühlen sich tagsüber oft schlapp und weniger leistungsfähig. Der Sleep Analyzer soll helfen, solche Atemstörungen zu erkennen, damit ein Arzt sie medizinisch behandeln kann. Eine ähnliche Funktion gibt es für Nutzer in den USA bereits seit letztem Jahr. Die jetzige EU-Version wurde jedoch klinisch geprüft und optimiert: Am Universitätskrankenhaus Antoine Béclère bei Paris haben die Withings-Entwickler ihren Algorithmus an echten Apnoe-Patienten trainiert, heißt es.

Hinzu kommen bekannte Funktionen wie die Herzfrequenz-Kontrolle und die Aufzeichnung von Schlafphasen. Da sich der Sleep Analyzer obendrein als Auslöser für Smarthome-Geräte nutzen lässt, war ich gespannt auf das neue Modell. Withings hat mir freundlicherweise ein Muster der Sensor-Matte zur Verfügung gestellt. Es diente buchstäblich als Grundlage für diesen Praxistest.

Der Withings Sleep Analyzer im Praxistest
Die knapp 64 Zentimeter lange Matte enthält Sensoren für Druck und Schall. ©digitalzimmer

Die Installation geht – typisch für Withings-Produkte – leicht von der Hand. Da die Hersteller-App Health Mate wegen unserer täglich genutzten Badezimmerwaage Body und des Blutdruckmessers BPM Core bereits auf dem Smartphone installiert war, konnte ich gleich loslegen. Wer neu einsteigt, sollte darauf achten, dass die App mindestens iOS 12 oder Android 8 auf dem mobilen Gerät verlangt. Ansonsten ist eine Inbetriebnahme nicht möglich.

Die etwa 64 x 20 Zentimeter große, stoffbezogene Matte kommt in Brusthöhe unter die Matratze. Ein USB-Netzteil mit 2,80 Meter langer Zuleitung, ebenfalls textilummantelt, versorgt sie mit Energie. Als Standby-Verbrauch zeigte mein Messgerät im Test 0,4 Watt an – macht unterm Strich etwa 1 Euro pro Jahr auf der Stromrechnung (siehe Tabelle zum Standby-Verbrauch im Smarthome).

Geführt von der App ist die Installation in ein paar Minuten erledigt. ©digitalzimmer

Der Sleep Analyzer soll mit den meisten Bettauflagen kompatibel sein, egal ob Federnkern, Latex oder Schaumstoff. Nur Wasserbetten und Luftmatratzen scheiden aus. Mich hat natürlich interessiert, ob er auch mit unserem Boxspring-Bett harmoniert. Die hohe Federkernmatratze stellt für Funkwellen eine ziemliche Barriere dar. Der Beurer SleepExpert mit Bluetooth hat darunter nie so richtig funktioniert (siehe Test). Aber Withings benutzt ja auch WLAN und verbindet den Sensor direkt per Funk mit dem Router, statt Daten auf ein Smartphone zu übertragen, das währenddessen eingeschaltet neben dem Bett liegen muss.l

Ein 2,80 m langes USB-Kabel mit Netzteil gehört zum Lieferumfang. ©digitalzimmer

Um Elektrosmog im Schlafzimmer zu reduzieren, schaltet sich der Funk erst ein, wenn man am Morgen das Bett verlässt. Dann überträgt der Sleep Analyzer seine Aufzeichnungen in die Withings Cloud, von wo aus sie aufs Smartphone oder Tablet synchronisiert werden. Der Vorgang geht schnell. Erfahrungsgemäß stehen die Daten der letzten Nacht bereits ein oder zwei Minuten nach dem Aufstehen zur Verfügung. Auch tagsüber scheint der Sensor nicht groß nach Hause zu telefonieren. Wann immer ich nachschaute, zeigte meine Fritzbox die WLAN-Verbindung als inaktiv an.

Welche Informationen liefern die Sensoren?

Mit zwei integrierten Sensoren sammelt der Sleep Analyzer jede Menge Daten. Einer der beiden arbeitet pneumatisch, reagiert also auf Druckveränderungen, die entstehen, wenn sich der Körper auf der Matratze bewegt. Aus den Bewegungsmustern lässt sich ableiten, wie ruhig oder unruhig die Nacht verläuft. Gleichzeitig misst der Sensor Atemfrequenz und Herzschlag, ohne dass der Schläfer eine Manschette oder Elektroden tragen muss. Ballistokardiogramm (BKG) heißt so eine Aufzeichnung in der Medizintechnik. Normalerweise braucht man ein SmartBed mit speziell ausgestatteter Matratze dafür. Die Withings-Matte schiebt so ein BKG quasi jedem Schläfer unter.

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Der zweite Sensor misst Geräusche und kommt damit Schnarchen und Atemstörungen auf die Spur. Laut Hersteller ist er für Sprache taub, kann also kein Bettgeflüster aufschnappen. Es findet wohl auch keine Audio-Aufnahme in der Cloud statt. Wer sicher gehen will, schaltet den Geräuschsensor in der App aus, beraubt den Sleep Analyzer damit aber einer wichtigen Funktion. Alle Daten setzt die Withings-App in anschauliche Diagramme um und errechnet einen Schlafindex von 1 bis 100. Die Einzelmessungen decken sich weitgehend mit den Ergebnissen, die meine Apple Watch über Nacht mit der App Autosleep sammelt. Nur was die Dauer der Tiefschlafphasen angeht, sind die beiden öfter uneins.

Verschiedene Diagramme veranschaulichen die Sensor-Messungen. ©digitalzimmer

In der Praxis scheint der Withings-Index gut mit meinem persönlichen Empfinden zu harmonieren. Liegt er hoch, also über 85 oder 90 fühle ich mich wirklich ausgeruht. Außerdem weiß ich nun, dass ich zusammengerechnet etwa 20 bis 30 Minuten pro Nacht schnarche, mitunter auch mehr als eine Stunde. Das Risiko einer Schlafapnoe hält sich dennoch in Grenzen. Die App meint: „normal bis leicht“. Ob die Ergebnisse wirklich einer klinischen Überprüfung standhalten würden, kann ich nicht beurteilen. Das ganze System macht aber zumindest einen hochwertigen, ausgereiften Eindruck.

Smarthome-Steuerung im Schlaf – geht das?

Wir wären nicht auf digitalzimmer.de, wenn es hier nicht auch um die Gebäudeautomatisierung ginge. Der Sleep Analyzer bietet eine einfache Möglichkeit dafür. Er kann Abläufe im Smarthome starten oder stoppen. Voraussetzung ist ein Konto beim US-amerikanischen Online-Dienst IFTTT. Über dessen Server lassen sich Verbindungen zu anderen Geräten herstellen, die ebenfalls IFTTT unterstützen. So schließt der Analyzer beim Zubettgehen etwa das Nuki-Smartlock ab, schaltet ein Hue-Leselicht neben dem Bett ein, drosselt die Tado-Heizung oder stoppt die Musik auf dem Sonos-System.

In IFTTT-Regeln kann das Signal des Sleep Analyzers als Auslöser dienen. ©digitalzimmer

Umgekehrt kann er am Morgen das Haus aufwecken, wenn man das Bett verlässt. Die Programmierung ist simpel und setzt nur etwas Schulenglisch voraus. Ich habe sie hier im Blog schon mehrfach beschrieben – zuletzt am Beispiel Nuki steuert Sonos. Was mich an der einfachen Wenn-dann-Verknüpfung über IFTTT stört: Sie kann immer nur zwei Partner miteinander verheiraten. Sollen – wie im Beispiel oben – mehrere vernetzte Systeme reagieren, muss für jedes eine extra Regel angelegt werden. Mit vielen dieser sogenannten Applets geht dann leicht der Überblick verloren. Und völlig synchron, also zeitgleich, werden sie auch nicht ausgeführt.

Das lässt sich mit einer Smarthome-Zentrale umgehen, die ihrerseits IFTTT unterstützt. Dann muss der Withings-Sensor nur einen einzigen Befehl senden und die Zentrale erledigt den Rest. Als Auslöser für das Smarthome-System dient in vielen Fällen ein Webhook. So heißt eine spezielle Webdresse (URL), die das IFTTT-Applet übers Internet aufruft. Die Smarthome-Zentrale bemerkt diesen Aufruf und führt eine vorher festgelegte Aktion aus.

Im Beispiel unten habe ich die Zentrale von Homee dafür benutzt. Der Sleep Analyzer startet per Webhook eine Homee-Regel – das Homeegramm – in dem sich Fritzbox-Steckdosen von AVM befinden. Mit anderen Zentralen, die Webhooks unterstützen, dürfte das ähnlich funktionieren. Mir fällt da spontan noch Devolo Home Control ein. Zu manchen Systemen wie Coqon oder Fibaro gibt es auch eigene IFTTT-Channels, was ihre Vernetzung weiter vereinfacht.

Der IFTTT-Webhook startet hier eine Automation auf dem Homee-System. ©digitalzimmer

Während des Tests habe ich den Withings Sleep Analyzer unter anderem genutzt, um beim Hinlegen automatisch die Leselampe am Bett einzuschalten. Das klappt ohne Probleme. Noch besser würde es mir gefallen, wenn beim Einschlafen das Licht auch von selbst wieder ausginge. Da der Sensor diesen Moment ziemlich genau erfasst, müsste er ihn dem Smarthome eigentlich nur noch mitteilen. Aktuell sind leider nur zwei Zustände als „IFTTT-Trigger“ wählbar: Aufstehen und Hinlegen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht mit einem künftigen Software-Update.

Withings Sleep Analyzer (2020)
  • Ausstattung
  • Installation
  • Bedienung
  • Smarthome-Funktion
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistung
4.3

Fazit

Komfortabler WLAN-Sensor zum berührungslosen Schlaf-Tracking. Leicht zu installieren und einfach zu bedienen. Einzigartige Funktion zum Erkennen von Atemstörungen. Die Steuerfunktionen im Smarthome könnten  umfangreicher sein.

2 Gedanken zu „Withings Sleep Analyzer: Smarthome-Sensor fürs Bett“

  1. Funktionieren die Produkte nicht auch mit Conrad Connect? Dann ließe sich die Einschränkung auf jeweils ein System doch damit umgehen. Conrad bietet in seinem System ja point-to-multipoint-Verbindungen.

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