Kaufberatung: So finden Sie die richtige Smart-Kamera. ©digitalzimmer

Kaufberatung: Smarte Überwachungskameras

Auch Überwachungskameras bleiben vom Zeitgeist nicht verschont. Sie heißen neuerdings Smart-Kameras. Zumindest solche Modelle, die per Smartphone oder Tablet bedient werden. Anders als klassische Webcams oder IP-Kameras kommen sie ohne Computer aus. Die Käufer müssen sich auch nicht um IP-Adressen oder Portfreigaben am Router kümmern. Sie schließen die Kamera ans Stromnetz an und verbinden sie mit dem WLAN. Der Rest geht von allein.

Zur Einrichtung und Bedienung dient eine App für Android oder iOS. Manche Modelle bieten zusätzlich die Möglichkeit, per Browser auf die Kamera zuzugreifen – um erweiterte Einstellungen vorzunehmen oder Aufnahmen am Computer zu speichern. Das zeigt schon: Smart-Kamera ist nicht gleich Smart-Kamera. Es gibt große Unterschiede, was die Ausstattung und den Funktionsumfang angeht. Der folgende Ratgeber hilft bei der Kaufentscheidung.

Überwachungskameras gibt es in vielen verschiedenen Größen und Formen. ©digitalzimmer
Smart-Kameras gibt es in vielen verschiedenen Größen und Formen. ©digitalzimmer
1. Cloud-Aufnahme oder nicht?

Praktisch alle smarten Überwachungskameras sind mit einem Cloud-Dienst verbunden. Sonst wäre der Videoabruf von unterwegs aus nicht so einfach. Das Livebild der Kamera läuft dabei über einen Server im Internet, der es zum Smartphone weiterschickt. So lässt sich jederzeit nachschauen, ob zu Hause alles in Ordnung ist: Vorschaubild in der App antippen und der Videostream beginnt.

Anders verhält es sich mit Aufnahmen. Die kurzen Clips, die eine Smart-Kamera speichert, wenn sie Bewegungen oder Geräusche erennt, landen nicht bei allen Modellen in der Cloud. Manche Kameras wie die Netatmo Welcome oder die D-Link Omna 180 HD legen sie lokal im Gerät ab. Das hat den Vorteil, dass die Mitschnitte im Haus bleiben. Wer von unterwegs aus darauf zugreift, nimmt den obligatorischen Cloud-Dienst in Anspruch. Es werden aber keine kompletten Dateien auf den Server des Anbieters übertragen.

Die Netatmo Welcome speichert ihre Videos auf eine SD-Karte in der Kamera. ©digitalzimmer
Die Netatmo Welcome speichert ihre Videos auf eine SD-Karte in der Kamera. ©digitalzimmer

Dafür gibt es andere Risiken. So sind die Aufnahmen zwar vor Hackerangriffen auf die Cloud geschützt, nicht aber vor unbefugtem Zugriff zu Hause. Lassen Einbrecher die SD-Karte oder gleich die ganze Kamera mitgehen, vernichten sie auch die Videobeweise. Hersteller Netatmo geht deshalb auf Nummer sicher und stattet seine Kamera mit Backup-Funktion aus: Auf Wunsch sichert sie den Inhalt ihrer SD-Karte auf einer Netzwerk-Festplatte (NAS-System) oder einem FTP-Server. Das bedeutet zusätzlichen Installationsaufwand, schützt aber vor Diebstahl der Aufnahmen. Wer Kameras mit Cloud-Aufnahme verwendet, muss solche Vorkehrungen nicht treffen. Gigaset, Logitech, Nest & Co. speichern ihre Clips direkt im Internet. Das setzt allerdings rund um die Uhr eine funktionierende Online-Verbindung voraus. Fällt zu Hause das Netzwerk aus, gibt es auch keine Aufnahmen in der Cloud.

Für alle Überwachungskameras gilt: Die Übertragung sollte von Herstellerseite gut verschlüsselt und vor Hackerangriffen geschützt sein. Institute wie AV Test in Magdeburg fühlen regelmäßig Smarthome-Produkten auf den Zahn. In ihren Tests haben Modelle von Logitech, Myfox und Netgear besonders gut abgeschnitten. Eine gewisse Verantwortung trägt aber auch der Nutzer: Er sollte bei der Installation ein sicheres Passwort wählen – und es anschließend geheim halten. Damit sich kein Unbefugter im Online-Konto der Kamera anmelden kann. Was passiert, wenn man mit einer ungesichteren Kamera ins Netz geht, zeigt eindrucksvoll die IOT-Suchmaschine www.shodan.io. Dort sind immer wieder Bilder von frei zugänglichen Web- oder IP-Kameras zu sehen (Beispiel unten).

Das kann mit einem unsicheren Passwort passieren: Kamerbilder unverschlüsselt im Internet.
Das kann mit einem unsicheren Passwort passieren: Kamerbilder unverschlüsselt im Internet.
2. Unterschiede in der Bildqualität

High-Definition-Aufnahmen sind mittlerweile üblich. Allerdings ist HD ein dehnbarer Begriff, wenn es um Überwachungskameras geht. Denn die Bildqualität hängt nicht nur von der Pixelzahl ab. Es kommt auch auf das Bildrauschen und Kompressionsartefakte an. So heißen Klötzchen, die bei starker Datenkompression entstehen. Vor allem unter schlechten Lichtverhältnissen können solche Effekte das Bild überlagern. Hinzu kommt, dass die Geräte ihre Auflösung an die Geschwindigkeit der Internetverbindung anpassen. In einem schlechten WLAN oder beim Abruf unterwegs über ein langsames Mobilfunknetz bleiben von 1080 Bildzeilen (1080p) vielleicht nur 720p oder gar 360p übrig. Tipp: Viele Kameras haben eine Ethernet-Buchse für den Anschluss per Netzwerkkabel. Das schließt zumindest daheim Funkstörungen auf dem Weg zum Router aus.

Ein wichtiges Kaufkriterium ist der Blickwinkel. In engen Räumen kann er darüber entscheiden, ob der zu überwachende Bereich komplett aufs Bild passt. Je stärker der Weitwinkel, desto mehr krümmen sich die Linien am Bildrand. Hersteller wie Netatmo oder Withings wirken dieser tonnenförmigen Verzeichnung entgehen. Ihre Kameras entzerren das Bild so, dass vertikale Linien wieder gerade stehen. In den entzerrten Bereichen geht das zu Lasten der Schärfe. Dafür sind die Bilder schöner anzuschauen.

Fast alle Hersteller spendieren ihren Kameras ein Digitalzoom. Nur wenige wie Gigaset oder Netatmo verzichten darauf. In der Regel lässt sich das Bild ums Acht- bis Zehnfache vergrößern. Smartfrog geht mit seinem 20-fach-Zoom weit darüber hinaus. Ein so stark aufgeblasenes Bild macht allerdings wenig Freude, weil auf ihm fast nur noch Klötzchen zu erkennen sind. Auch zehnfache Vergrößerung kann schon zu deutlichem Pixelrauschen führen. In den Digitalzimmer-Tests überzeugte das Digitalzoom von Myfox bislang am meisten. Das liegt zum einen an der geringen Vergrößerung (4-fach), zum anderen an einer Funktion namens „Magic Zoom“. Sie glättet Kanten und verbessert den Kontrast (siehe Bildergalerie).

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In völliger Dunkelheit sorgen IR-Dioden für ein erkennbares Videobild. Sie erhellen den Bereich vor der Kamera mit unsichtbarem infrarotem Licht . Auch dabei gibt es Unterschiede, was die Reichweite und die Ausleuchtung angeht. Im Zweifelsfall hilft nur Ausprobieren, ob die LEDs stark genug sind. Tipp: Mit seiner LIFX Plus bietet Lifx eine LED-Lampe an, die Infrarotlicht aussendet. Sie kann quasi in ausgeschaltetem Zustand den Nachtsicht-Betrieb von Überwachungskameras unterstützen.

Im Dunkeln schalten Überwachungskameras wie die Smartfrog Cam auf Nachtsicht um. ©digitalzimmer
Im Dunkeln schalten Überwachungskameras wie die Smartfrog auf Nachtsicht um.

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