Da schau her: Netatmo Welcome – die Kamera mit Gesichtserkennung

Eine Überwachungskamera, die Gesichter erkannt. Das erinnert an Hollywood-Spielfilme wie Der Staatsfeind Nr. 1 und die TV-Serie Person of Interest. Ganz so viel Big Brother steckt dann aber doch nicht in der Netatmo Welcome. Die Smart-Home-Kamera aus Frankreich entpuppt sich bei näherem Hinsehen eher als hübsche kleine Schwester der 24-Stunden-Überwachung. Zwar verlangt auch sie ein Cloud-Konto, ohne Registrierung scheint heute nichts mehr zu funktionieren. Die Kamera nimmt es mit dem Datenschutz aber ziemlich genau. So findet laut Hersteller keine Aufnahme in der Cloud statt. Sämtliche Videos bleiben auf einer MicroSD-Karte in der Kamera und sind verschlüsselt gespeichert. Der Test mit einem Kartenleser am Computer scheint das zu bestätigen: Die Karte wird nicht einmal als Datenträger erkannt, das Betriebssystem bietet sie direkt zur Formatierung an.

Die Withings Welcome speichert ihre Videos auf eine SD-Karte in der Kamera. ©digitalzimmer
Die Netatmo Welcome speichert ihre Videos auf eine SD-Karte in der Kamera. ©digitalzimmer

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Live-Bilder und Aufzeichnungen anzuschauen: eine offizielle App für Android und iOS oder das Webinterface auf my.netatmo.com. In beiden muss man mit seinem kostenlosen Netatmo-Nutzerkonto angemeldet sein, um die Inhalte der Speicherkarte zu sehen. Beim Antippen eines Eintrags beginnt die Kamera mit dem Streaming. Sie schickt das Video auf einen Webserver, der es weiter zum Smartphone oder PC überträgt. Diesen Umweg übers Internet nimmt der Clip selbst dann, wenn sich Kamera und Empfangsgerät im selben WLAN befinden. Zur Wiedergabe ist also immer eine Online-Verbindung nötig.

Mit ihrer schlanken Säulenform  erinnert die Netatmo an die Wetterstation aus gleichem Hause. Ihr goldenes Aluminiumgehäuse passt gut zum gleichfarbigen iPhone, harmoniert aber auch mit den aktuellen, warmen Einrichtungstönen. In den meisten Wohnungen dürfte sie weniger auffallen als eine Withings Home oder die Überwachungskameras von Myfox und Gigaset. Die Installation ist mit wenigen Handgriffen erledigt. Im Digitalzimmer lieferte die Kamera bereits nach weniger als fünf Minuten erste Bilder.

Die Installation der Überwachungskamera ist mit wenigen Handgriffen erledigt. ©digitalzimmer
Die Installation der Überwachungskamera ist mit wenigen Handgriffen erledigt. ©digitalzimmer

Sobald die Kamera mit dem Netatmo-Konto des Besitzers verbunden ist, beginnt sie mit der Gesichtserkennung. Jeden Kopf, der ins Blickfeld gerät, speichert sie automatisch und listet ihn chronologisch mit Uhrzeit in einer Zeitleiste auf. Gleichzeitig wird der Nutzer aufgefordert, bekannte Gesichter zu identifizieren und mit Namen zu versehen. So lernt die Kamera Bild für Bild, wie Mitbewohner im Profil, im Stehen, Sitzen oder im Vorbeigehen aussehen. Das klappt laut Hersteller mit bis zu 16 Personen. Auch unterschiedliche Beleuchtungssituationen werden dabei trainiert. Eine Nachsichtfunktion erlaubt der Welcome schließlich Aufnahmen in völliger Dunkelheit. Im Test waren etwa drei Dutzend Aufnahmen nötig, um ein Personenprofil zu komplettieren.

Auch danach gibt es noch einzelne Ausreißer. Die Erkennungsquote liegt aber deutlich über 90 Prozent und reicht somit aus, um nicht unnötig Alarm auszulösen. Denn Besitzer der Welcome können das Personengedächtnis auf zweierlei Weise nutzen. Einerseits informiert es darüber, welche Familienmitglieder sich gerade in der Wohnung aufhalten und ob zum Beispiel die Kinder schon von der Schule nach Hause gekommen sind. Zum anderen steuert es die Videoaufnahme: Für jedes einzelne Profil lässt sich festlegen, wann Aufnahmen von der Person gemacht werden sollen: immer, nur bei der Ankunft oder nie. Smartphone-Nutzer mit installierter Netatmo-App können außerdem die Ortungsfunktion ihres Telefons in die Überwachung mit einbeziehen: Verlassen sie das Haus, wird ihr Profil sofort auf „abwesend“ gestellt. Ansonsten ändert die Kamera den Status erst, wenn sie ein Gesicht längere Zeit nicht mehr gesehen hat. Die wählbare Spanne dafür beträgt zwischen einer und zwölf Stunden.

Während der ersten ein bis zwei Wochen lernt die Kamera Gesichter kennen. ©digitalzimmer
Während der ersten ein bis zwei Wochen lernt die Kamera Gesichter kennen. ©digitalzimmer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.