Die Smarthome-Knöpfe Niu und Flic im Vergleich. ©digitalzimmer

Kampf der Knöpfe: Die Smart-Buttons Niu und Flic im Vergleich

Geräte im Smarthome schalten, ohne das Smartphone in die Hand nehmen zu müssen. Dafür sind Bluetooth-Buttons da. Den schwedischen Flic gibt es nach einigen Zollproblemen inzwischen auch in Deutschland zu kaufen. Er kostet bei Gravis rund 30 Euro. In derselben Preisregion wird der Niu von Nodon aus Frankreich liegen, wenn er dieser Tage auf den Markt kommt. Auf der IFA habe ich vorab ein Exemplar zum Test bekommen. Eine gute Gelegenheit also, die Produkte im praktischen Einsatz zu vergleichen.

Beide verlangen eine Registrierung mit E-Mail-Adresse beim Hersteller. Danach werden die Buttons per Bluetooth LE mit dem Smartphone verbunden, wo eine App des Anbieters läuft. Sie ist für Android oder iOS erhältlich und legt fest, was beim Druck auf die Taste passiert. Drei Aktionen sind programmierbar: Einzelklick, Doppelklick und Langes Drücken. Damit der Befehl ankommt, muss sich das Smartphone in Funkreichweite des Knopfes befinden – und die beträgt in der Wohnung selten mehr als zehn Meter. Über drei Zimmer hinweg klappte die Steuerung im Test schon etwas unzuverlässig. Wer Flic und Niu nutzen will, sollte das Telefon also am besten mit in den jeweiligen Raum nehmen.

Den Strom zum Betrieb liefern kleine Knopfbatterien, wie sie auch in Uhren, Autoschlüsseln und Fernbedienungen zum Einsatz kommen. Nodon verwendet das Modell CR2032. Der Flic setzt auf die flachere Version CR2016. Die Batterielebensdauer geben beide Hersteller mit einem Jahr oder länger an. So viel zu den Gemeinsamkeiten. Aber wo liegen die Unterschiede?

Der Nui von Nodon hält magnetisch an Metalloberflächen. ©digitalzimmer
Der Niu von Nodon hält magnetisch an Metalloberflächen. ©digitalzimmer
Nodon Niu: wasserdicht und magnetisch

Der Smarthome-Button aus Frankreich ist wie gesagt etwas größer als sein schwedisches Pendant. Dafür haben ihn seine Erfinder gut abgedichtet. Mit der Schutzklasse IP67 übersteht er sogar das Untertauchen in der Badewanne: 30 Minuten in maximal 1 Meter Wassertiefe sollte er schadlos vertragen. Auch Abwaschen unter fließendem Wasser nimmt die Silikonoberfläche nicht krumm. Und weil der Niu magnetisch an Metalloberflächen haftet, eignet er sich gut für den Einsatz in Küche oder Bad. Diese praktische Eigenschaft, hat er von seinen Kollegen mit EnOcean-Funk geerbt.

Der Saugnapf mit Klammer befestigt Niu zum Beispiel am Lüftungsgitter im Auto. ©digitalzimmer
Der Saugnapf mit Klammer befestigt Niu zum Beispiel am Lüftungsgitter im Auto.

Ein mitgelieferter Kunststoff-Clip mit Saugfuß befestigt den Knopf auf Wunsch am Lüftungsgitter im Auto. Dort kann der Button dann etwa Sprachnotizen aufnehmen, Fotos mit der Smartphone-Kamera schießen oder die Videoaufzeichnung starten. In der App steht die Fernbedienung des Telefons im Mittelpunkt. Der Niu löst damit zum Beispiel Fake-Anrufe aus, um seinen Nutzer aus unangenehmen Situationen zu befreien. Er hilft mit Klingeltönen ein verlegtes Smartphone wiederzufinden oder spielt lustige Sounds und Jingles ab. Durch eine Verknüpfung mit dem Online-Dienst IFTTT stehen aber auch Smarthome-Funktionen zur Verfügung.

Die Programmierung geschieht dabei direkt in IFTTT: Der Nutzer abonniert den Niu-Channel und legt drei sogenannte Recipes an: je eines für Einzelklick, Doppelklick und langes Drücken. Nach dem Muster If this than that … definiert er die gewünschten Aktionen. So kann der Einzelklick das Licht einer oder aller Hue-Lampen in der Wohnung schalten. Beim Doppelklick wechselt die Farbe und ein langer Tastendruck dimmt die Helligkeit auf 50 Prozent. Genauso lassen sich Wemo-Steckdosen von Belkin steuern oder Alarmsysteme von Myfox scharfschalten. Ob ein Connected Car von BWM oder smarte Thermostate von Netatmo oder Tado – die Auswahl an IFTTT-fähigen Produkten ist riesig. Nur etwas Geduld muss der Mensch am Drücker mitbringen: Bis die Befehle über den IFTTT-Server ihre Empfänger erreichen, können leicht zehn Sekunden vergehen. Wer mag, aktiviert zusätzlich die Quittungsfunktion von IFTTT. Dann erhält das Smartphone eine Push-Nachricht, wenn das Rezept ausgeführt wurde.

Für die Steuerung im Smarthome nutzt Niu den Online-Dienst IFTTT. ©digitalzimmer
Für die Steuerung im Smarthome nutzt Niu den Online-Dienst IFTTT. ©digitalzimmer
Flic von Shortcut Labs: universell und schnell

Der runde Knopf aus Schweden sollte etwas vorsichtiger behandelt werden. Zwar gilt er als „spritzwasserfest“, eine IP-Zertifizierung wie Nodon spendiert ihm sein Hersteller aber nicht. Immerhin soll er es vertragen, bei Regen an der Kleidung getragen zu werden. Einen Clip zum Festmachen liefert Shortcut Labs gleich mit. Ansonsten haftet der Flic mit einer speziellen Klebefläche auf jedem trockenen, möglichst staubfreien Untergrund. Durch leichtes Drehen lässt er sich von dort auch wieder abnehmen und anderswo befestigen. Staub und Schmutz, der im Laufe der Zeit am Kleber festbackt, soll beim Abwaschen mit Seifenlauge verschwinden. So lange dauert der Test im Digitalzimmer allerdings noch nicht …

Das Batteriefach des Flic – mit Klebepad und Ansteck-Clip für die Kleidung. ©digitalzimmer
Das Batteriefach des Flic – mit Klebepad und Ansteck-Clip für die Kleidung. ©digitalzimmer

Größter Unterschied zum Niu von Nodon: Der Flic steuert auch ohne IFTTT eine große Auswahl an Produkten. Mehr als 40 sogenannte Provider sind in die App integriert. Manche davon erledigen Aufgaben am Smartphone. Sie starten zum Beispiel die Navigation zu einer bestimmten Adresse oder spielen eine vorher festgelegte Playliste. Andere kontrollieren Geräte in der Wohnung. So beginnt bei einem Tastendruck das Sonos-Musiksystem zu spielen – oder es springt zum nächsten Titel. Lampen von LifX oder Philips Hue reagieren ebenso auf den Flic wie eine Wemo-Steckdose oder die Fernbedienungszentrale Harmony Hub von Logitech.

Die Einstellungen finden komplett in der Flic-App statt. Das Programm stellt selbst die Verbindung zum jeweiligen Produkt her. Das macht zum einen die Konfiguration einfacher. Der Nutzer muss keine IFTTT-Rezepte anlegen oder mehrfach zwischen Apps hin und her wechseln. Zum anderen wirkt es sich auf das Reaktionstempo aus. Ein Flic, der als Pausentaste programmiert ist, bringt die Sonos-Lautsprecher wirklich in einer knappen Sekunde zum Schweigen. Als Lichtschalter neben der Tür erfüllt er ohne große Verzögerung seinen Zweck – während Nutzer eines Nodon Niu noch sekundenlang im Dunkeln tappen.

Am besten hat mir aber die Möglichkeit gefallen, mehrere Aktionen unter einem Befehl zusammenzufassen. So kann ein Flic neben dem Bett zum echten Gute-Nacht-Knopf werden: Tastendruck genügt, um abends die Musik abzustellen, die Lampen zu löschen und den Smartphone-Wecker auf 7:00 Uhr zu stellen. In der Nacht sorgt zweimal Klicken für gedämpftes Licht,  ein langer Tastendruck aktiviert die Panikbeleuchtung im ganzen Haus. So viel Komfort bieten sonst nur ausgewachsene Smarthome-Systeme. Und wo das nicht reicht, bleibt wie bei Nodon der Weg über IFTTT.

Die Flic-App kann mit einem Tastendruck mehrere Aktionen auslösen. ©digitalzimmer
Die Flic-App kann mit einem Tastendruck mehrere Aktionen auslösen. ©digitalzimmer

Testfazit: Der Flic macht als Fernbedienung im Smartphone eindeutig die bessere Figur. Er steuert mehr Geräte und reagiert prompt, während der Umweg über IFTTT den Niu etwas ausbremst. Kommt es nicht so sehr auf die Schaltgeschwindigkeit an, punktet der Nodon mit seiner IP67-Zertifizierung. Er lässt sich ohne Bedenken mit schmutzigen Händen in der Küche oder sogar in der Badewanne bedienen. Das ist ein großer Vorteil. Schließlich hat nicht jeder schon ein wasserfestes Smartphone wie das iPhone 7 oder Galaxy S7 von Samsung.

4 Gedanken zu „Kampf der Knöpfe: Die Smart-Buttons Niu und Flic im Vergleich“

  1. Interessanter Weg, alles miteinander zu vernetzen. Da sehe ich auch im Moment die Hauptaufgabe. Weil alle Hersteller bisher ihr eigenes Süppchen gekocht haben, muss man bisher sehr viele Apps bedienen. Das ist nicht wirklich komfortabel oder „smart“. Auch möchte ich nicht abhängig vom Smartphone sein. Ich setze meine Hoffnungen auf Amazon Echo, und sehe diese Knöpfchen eher als Übergangslösung.
    Eine andere Frage, weil ich im Moment mein Hue System am ausbauen bin: Kann man mit dem Hue Dimming Schalter auch Musiksysteme wie Sonos oder Heos steuern?

    1. Nein, das geht leider nicht. Der Wireless Dimming Schalter wird direkt an der Hue-Bridge angemeldet und hat von dort aus keinen Zugriff auf andere Geräte im Netzwerk. Er steuert ausschließlich die Lampen und Szenen, die ihm ihn der Hue-App zugewiesen sind. Eventuell gibt es Apps von anderen Anbietern, die das möglich machen. Mir ist aber keine bekannt.

      1. Ich hatte da an Dienste wie IFTTT gedacht. Könnte man nicht ein Rezept entwerfen, ungefähr im Sinne von: „Wenn diese Lichtszene aktiviert wird, dann schalte die Sonos ein“? Ich hab wenig Erfahrung mit Ifttt, ist so was möglich? Sowohl Hue, als auch Sonos unterstützen ja ifttt…

        Übrigens ist diese Seite eine echte Entdeckung für mich, super geschrieben und genau mein Interessengebiet. Es wundert mich nur, dass so wenig kommentiert wird – entweder sind alles stille Mitleser, oder die Seite hat noch nicht die Reichweite, die ihr gebührt. Ich habe sie auf jeden Fall schon einigen Freunden ans Herz gelegt. Weiter so!

        1. Das wäre im Prinzip möglich, scheitert im Augenblick aber an zwei Dingen:

          1. Der Hue-Channel auf IFFFT ist ein reiner Action-Channel. Das heißt, er kann Aktionen ausführen aber nicht selbst als Auslöser (Trigger) dienen.
          2. Sonos unterstützt kein IFTTT. Das wird die kommende Programmierschnittstelle (API) für Smarthome-Integration vielleicht ändern. Aber im Augenblick lassen sich Sonos-Lautsprecher nicht über den Online-Dienst steuern.

          PS. Vielen Dank für das Lob. Und gerne weiter empfehlen … posten … twittern … teilen. Wir freuen uns über jeden Mitleser. Und natürlich auch über Kommentatoren 😉

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