Silent NAS von QNAP

NAS-Speicher machen sich im Smarthome nützlich

Eine Netzwerk-Festplatte hat normalerweise nicht viel mit dem Thema Smarthome zu tun. Als Network Attached Storage oder NAS-System speichert sie Computerdaten und stellt diese anderen Geräten zur Verfügung – selbst dann, wenn der PC gerade ausgeschaltet ist. So lässt sich zum Beispiel rund um die Uhr MP3-Musik streamen oder per Tablet auf die digitale Fotosammlung zugreifen.

Technisch gesehen handelt es sich um kleine Computer mit genug Rechenleistung, um eigene Programme auszuführen. Das macht sie als Smarthome-Helfer interessant. Bei uns hat das NAS-System mit der Zeit immer mehr Funktionen übernommen, die ich heute nicht mehr missen möchte. Für sich genommen würden viele die Anschaffung eines Geräts für mehrere hundert Euro nicht rechtfertigen. Aber wenn das NAS sowieso zu Hause einzieht, kann es auch gleich noch ein paar Aufgaben im Smarthome übernehmen.

Festplatten-Einschub an einem lüfterlosen NAS-System von QNAP. ©digitalzimmer
Ein NAS-System ist die perfekte Homebridge

Wer HomeKit intensiv nutzt, hat sicher schon von der Software Homebridge gehört. Sie verbindet Geräte mit der Smarthome-Schnittstelle von Apple, die der Hersteller gar nicht dafür vorgesehen hat – Produkte wie zum Beispiel den Harmony Hub von Logitech oder den Waschmaschinen-Sensor Laundrify.

Normalerweise laufen Homebridge-Server auf einem Raspberry Pi oder anderen Minicomputer im Netzwerk, was unter anderem den Nachteil hat, dass noch ein weiteres Gerät mit eigenem Netzteil zu Hause herumsteht. Außerdem sind die SD-Karten in solchen Einplatinencomputern eigentlich nicht für ständige Schreib- und Lesezugriffe ausgelegt, was sich negativ auf die Lebensdauer auswirken kann. Und versagt die Speicherkarte, ist auch die Homebridge-Installation weg – sofern es kein aktuelles Backup gibt.

Anmeldebildschirm des Homebridge-Servers auf einem NAS-System. ©digitalzimmer

Ein NAS-System kennt solche Probleme nicht, weil es für den Dauerbetrieb konzipiert wurde. Es bietet in der Regel auch mehr Rechenleistung, wodurch die Homebridge schneller reagiert und besser erreichbar ist. Darum habe ich unsere Installation vor einiger Zeit aufs NAS verlegt. Eine relativ einfache Möglichkeit dafür ist die Virtualisierungssoftware Docker. Sie lässt sich auf gängigen Systemen von Asustor, QNAP oder Synology direkt aus dem Internet herunterladen und auf dem NAS installieren. In der Docker-Umgebung laufen dann beliebige Programme – isoliert in sogenannten Containern – damit sie den allgemeinen Betrieb nicht gefährden.

Einen entsprechenden Docker-Container gibt es auch für Homebridge. Ist er installiert, verhält er sich wie ein eigener Computer mit IP-Adresse und laufender Homebridge im Netzwerk. Anleitungen für die Einrichtung gibt es auf YouTube und im Internet. Einfach mal nach Docker, Homebridge und dem Herstellernamen wie QNAP oder Synology googeln. Das Setup braucht etwas Zeit, vor allem, wenn man neu im Thema ist. Aber der Aufwand lohnt sich.

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Home Assistant, ioBroker, OpenHAB & Co.

Das Docker-Prinzip funktioniert aber nicht nur mit Homebridge. Zu allen gängigen Automatisierungslösungen gibt es solche Container. Wer nicht weiß, für welche Open-Source-Software er sich entscheiden soll, kann alle gefahrlos ausprobieren. Einfach das Image für FHEM, Home Assistant, ioBroker, openHAB oder ein anderes System herunterladen und auf dem NAS einrichten. Ich habe so zum Beispiel herausgefunden, dass mir Home Assistant am meisten liegt, weil es relativ wenig Aufwand für die Einarbeitung verlangt.

Theoretisch ist auch ein paralleler Betrieb mehrerer Automatisierungssysteme auf dem NAS möglich, die dann übers Netzwerk dieselbe Hue-Bridge, Sonos-Lautsprecher und andere Geräte steuern. Ich wüsste allerdings nicht, wozu das gut sein sollte – außer um Verwirrung zu stiften. Weil am Ende niemand mehr weiß, welche Regel da gerade das Licht einschaltet oder Musik spielt ;-)

Mehrere Docker-Container mit Automatisierungssoftware auf einem NAS. ©digitalzimmer

Tipp: Die Docker-Container am besten so konfigurieren, dass sie ihre Smarthome-Daten und -Einstellungen außerhalb des Containers in einem Verzeichnis auf dem NAS speichern. Dann lassen sich die Softwarebehälter aktualisieren oder austauschen, ohne alle Geräte neu einrichten zu müssen. Auch dafür gibt es Anleitungen im Web.

Musik-Streaming mit dem NAS als Roon-Server

Als Besitzer einer umfangreichen Musiksammlung mit mehr als 25.000 Titeln nutze ich schon länger Roon als Audioserver (LINK). Ich komme eben aus einer Zeit, in der man Musik noch als CD oder Download gekauft hat – auch wenn inzwischen Apple Music seinen festen Platz im Alltag hat. Manche Perlen der Sammlung und ganz besonders Klassik-Alben fehlen einfach im Streamingkatalog der großen Anbieter. Die hole ich mir dann vom NAS.

Der Vorteil eines Roon-Servers besteht dabei in der Aufbereitung. Was Roon mit den spärlich gepflegten Metadaten meiner Tracks anstellt, ist einfach phänomenal. Coverbilder, (englische) Künstler-Biografien und Plattenkritiken sowie zahllose Querverweise helfen mir, vergessene Schätze neu zu entdecken. Die Navigation darin fällt leichter und ist viel transparenter als jede automatisierte Vorschlagsliste von Amazon, Apple, Spotify & Co.

Der Roon-Server verwaltet ohne Probleme auch große Musikbibliotheken. ©digitalzimmer

Alle Möglichkeiten im Smarthome habe ich noch gar nicht ausgeschöpft. So kann eine Automatisierungssoftware wie Home Assistant zum Beispiel die Roon-Wiedergabe steuern und bei dieser Gelegenheit auch AirPlay-Geräte einbinden – um lokal gespeicherte Musiktitel ganz ohne Internetverbindung abzuspielen.

Im einfachsten Fall läuft der Roon-Server – auch Roon Core genannt – auf einem Windows-, Mac- oder Linux-Computer im Netzwerk. Es gibt aber auch eine Lösung für NAS-Systeme von Asustor, ONAP und Synology, die das System unabhängig vom Rechner macht.

Ein echter Wermutstropfen: Obwohl die Roon-Software relativ teuer ist und 120 US-Dollar pro Jahr oder einmalig 700 US-Dollar kostet, zählen patentierte Audio-Codecs wie MP3 und AAC nicht zum Lieferumfang. Das heißt: Von Haus aus kann der Server zum Beispiel keine AAC-Downloads aus dem iTunes-Store abspielen (Lese-Tipp: Warum spielt meine Audio-Datei nicht?).

Auf einem Mac oder Windows-PC spielt das keine große Rolle, der Roon-Server nutzt einfach die vorinstallierten Audio-Codecs des Betriebssystems. Auf einem NAS gibt es diese nicht immer. Dann bleiben betroffene Dateien stumm. QNAP etwa hat mit Veröffentlichung der NAS-Software QTS 4.5 die nötige Softwarekomponente ffmpeg aus dem Installationspaket entfernt. Lösung: ffmpeg manuell installieren. Roon empfiehlt auf seinen Support-Seiten (LINK) die Version von John van Sickle (LINK). Eine englischsprachige Anleitung dafür gibt es im QNAP-Forum (LINK).

Auf einem QNAP-NAS muss ffmpeg extra installiert und ausgewählt werden. ©digitalzimmer
Welche NAS-Systeme eignen sich dafür?

Anwendungen wie Homebridge & Co., die sonst auf einem Raspberry Pi laufen, schütteln moderne NAS-Systeme quasi aus dem Finger. Der Prozessor muss dafür nur wenige Prozent seiner Leistung aufbringen. Auch der zusätzliche Energieverbrauch fällt kaum ins Gewicht. Natürlich hat ein NAS mehr Hunger als ein Minicomputer. In meinem Fall sind es durchschnittlich 30 Watt, also rund zehnmal mehr als bei einem RasPi (3 bis 5 Watt). Allerdings läuft der NAS-Speicher sowieso, um jederzeit Daten, Musik und Videos liefern zu können. Man könnte auch sagen, ich spare den zusätzlichen Verbrauch eines Smarthome-Servers wieder ein.

Für Roon gelten etwas strengere Maßstäbe. Die Software verlangt dem Computer mehr Leistung ab. Ein Prozessor der Kategorie Intel i3 oder besser sollte es schon sein, damit die Wiedergabe nicht stottert. Auch empfiehlt sich ein NAS mit schnellem SSD-Speicher oder zumindest eine Kombination aus SSD und HDD für die Datenbank des Roon-Systems. Sonst dauern das Scrollen und die Suche in umfangreichen Bibliotheken eine gefühlte Ewigkeit.

Ich für meinen Teil habe mir letztes Jahr ein lüfterloses Silent NAS von QNAP gegönnt (HS-453DX). Es gibt seine Wärme über einen massiven Metalldeckel an die Umwelt ab und produziert deshalb kaum Geräusche. Nur der Zugriff auf die Festplatten ist aus kurzer Entfernung leise wahrnehmbar. Mit zwei SSDs und zwei konventionellen Festplatten von Western Digital bestückt, hat es mich noch nie enttäuscht. Im Dauerbetrieb erreicht seine 22 mal 40 Zentimeter große Oberfläche aber auch so hohe Temperaturen, dass man sie bei Tisch als Tellerwärmer verwenden könnte.

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