Smarthome für Senioren: länger zu Hause wohnen

Wenn es um das Thema Smart Home geht, dann ist häufig von Komfort und Sicherheit die Rede. Energieeffizienz, Sprachsteuerung & Co. werden unter dem Blickwinkel technischer Innovationen gesehen – als Betätigungsfeld für „Early Adopter“, die in ihrer Freizeit gerne an Geräten herumschrauben. digitalzimmer.de und andere Smarthome-Blogs machen da keine Ausnahme. Ein Aspekt kommt aber regelmäßig zu kurz: Was vernetzte Technik im Haushalt für Menschen in der zweiten Lebenshälfte tun kann.

Smarthome als Antwort auf den demografischen Wandel

Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2015 rund 21 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mindestens 65 Jahre alt. Bis 2030 wird dieser Wert auf 26,3 Prozent steigen. Und 2060, so Experten-Schätzungen, soll jeder Dritte zu dieser Altersgruppe gehören.

Im Jahr 2060 ist ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland mindestens 65 Jahre alt.

Langfristig werden also immer mehr Menschen Unterstützung im Alltag brauchen. Dabei herrscht schon heute„Pflegenotstand“. Gesundheitsminister Jens Spahn und Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, wollen mit einer konzertierten Aktion dagegen angehen. Sie wird voraussichtlich zwischen 1,4 und 5,2 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Und das, obwohl drei Viertel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden – meist von Angehörigen, unterstützt durch ambulante Dienste (siehe Grafik).

Smarthome-Technik kann fehlende Pflegekräfte nicht ersetzen. Aber sie kann Angehörige entlasten und dafür sorgen, dass die Betreuungskosten nicht ins Unermessliche steigen. Unternehmen wie die Berliner Casenio AG (Link zur Firmenwebseite) oder die Cibek GmbH mit ihrer Software-Plattform mein Paul (Link zur Firmenwebseite) haben das erkannt. Ihr Angebot richtet sich an professionelle Organisationen wie Pflegeheime, Kommunen oder Wohnbaugesellschaften. Es erweitert den klassischen „Notfall-Knopf“ um Smarthome-Funktionen. So steuern die Systeme zum Beispiel Licht und Rollläden, überwachen mit Sensoren die Wohnung oder stellen per Türkontakt fest, wenn das Haus verlassen wird.

Die eigenen vier Wände fürs Alter fit machen

Für viele dieser Aufgaben braucht es gar keine spezielle Senioren-Lösung. Gängige Smarthome-Systeme erledigen sie gleich mit. Zu Gigaset Elements etwa bietet der Hersteller einen Service namens Smart Care an (ab 13 Euro/Monat, Link zur Herstellerseite). Er verbindet Angehörige übers Internet mit dem Smarthome-System der Eltern oder Großeltern. Über eine eigene Smart-Care-App kann der Nutzer typische Tagesabläufe programmieren. Weicht die häusliche Routine davon ab – etwa weil am Morgen noch niemand im Badezimmer war – informiert die Zentrale per Push-Nachricht die Angehörigen. Dasselbe passiert, wenn der Senior oder die Seniorin einen von mehreren Funk-Notknöpfen in ihrer Wohnung drückt.

Smart Care ist eine Zusatzfunktion für das Elements-System von Gigaset ©digitalzimmer

Mit etwas mehr Aufwand lässt sich so gut wie jede Smarthome-Installation zu einem Senioren-tauglichen Assistenzsystem umfunktionieren. Häufig sogar ohne laufende Kosten und im Offline-Betrieb ohne Internet-Verbindung. Das Haus reagiert dann automatisch auf seine Bewohner. Ambient Assisted Living oder AAL heißt so etwas im Fachjargon. Typische Anwendungsbeispiele:

  • Das Licht schaltet sich per Bewegungsmelder ein und aus
  • Brandmelder warnen, wenn in der Küche Rauch entsteht
  • Beim Verlassen der Wohnung schaltet sich der Herd ab
  • Das System bemerkt, wenn Türen zu lange offen stehen
  • Timer erinnern per Lichtsignal an die Medikamenteneinnahme
  • Ungewöhnlich langer Aufenthalt im Bett löst Alarm aus
  • Sensoren stellen fest, wenn im Bad das Wasser überläuft
  • Eine Smartwatch überwacht wichtige Vitalfunktionen
Was Senioren sich von der Technik wünschen

Damit nicht der Eindruck totaler Überwachung entsteht, sollte die Entscheidung für ein Smarthome-System in gegenseitigem Einvernehmen fallen. Am besten möglichst früh. So können Eltern oder Großeltern mit der Technik quasi alt werden und müssen sich später nicht umgewöhnen. Die Erfahrung zeigt: Wer früh ein Smartphone und Messenger-Dienste wie WhatsApp nutzt, ist auch anderer Technik gegenüber aufgeschlossen. Und er nimmt nicht jede pauschale Smarthome-Kritik in den Medien für bare Münze.

Zwei Drittel der Bundesbürger zwischen 65 und 74 Jahren surfen im Internet. Darüber nimmt die Nutzung stark ab.

Bislang ist die Akzeptanz digitaler Medien und Lösungen stark altersabhängig. Das Versicherungsunternehmen Generali hat sie in seiner Altersstudie 2017 untersucht. Dafür wurden mehr als 4100 Bundesbürger zwischen 65 und 85 Jahren vom Institut für Demoskopie in Allensbach befragt. Ergebnis: Jeder Zweite nutzt das Internet. Allerdings ist der Anteil unter den 65- bis 74-jährigen deutlich größer (zwei Drittel) als bei den 75- bis 85-jährigen (ein Drittel). Und Mitglieder der Oberschicht sind viel öfter im Netz unterwegs (81 Prozent) als Menschen mit geringem Einkommen (23 %)

Diese Anteile verschieben sich, wenn neue Generationen ins Rentenalter kommen. Laut einer aktuellen Studie von Deloitte sind  Babyboomer (Jahrgang 1946 bis 1964) bereits digitaler als ihre Eltern. 81 Prozent von ihnen nutzen ein Smartphone, 96 Prozent der heute 55- bis 74-Jährigen haben einen Laptop oder PC. Mit den folgenden Generationen X (Generation Golf), Y (Millennials) und Z (Generation YouTube) dürfte sich der Trend weiter beschleunigen.

Smartphones: Für die Generation der Babyboomer schon fast selbstverständlich. Bild: iStock

Er spielt einem Grundbedürfnis in die Hände. Denn nach der Gesundheit von Körper und Geist wünschen sich Senioren vor allem eines: Selbstbestimmung. Sie möchten so lange wie möglich unabhängig bleiben und nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein. Eine intelligente Haussteuerung und Sprachassistenten wie Siri oder Alexa können dabei Helfen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.

Sollten dafür Umbaumaßnahmen nötig sein, greift sogar der Staat unter die Arme: Mit ihrem Förderprogramm „Altersgerecht umbauen“ unterstützt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entsprechende Maßnahmen. Eigentümer bekommen bis 6 250 Euro Zuschuss je Wohnung für Maßnahmen zur Barriere­reduzierung – oder alternativ einen Kredit in Höhe von bis zu 50 000 Euro. Alle Informationen dazu liefert die KfW-Webseite. Voraussetzung: Die „Altersgerechten Assistenzsysteme“ (AAL) müssen fest im Haus installiert und von einem Fachbetrieb montiert werden.

Professionelle Smarthome-Installationen fördert die KfW-Bank mit einem Bauzuschuss von bis zu 6 250 Euro.

Aufmacherfoto: iStock

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