Die Basis von EWE Smart Living arbeitet mit Powerline

EWE Smart Living: Haussteuerung vom Energieversorger

EWE bezeichnet seine Smarthome-Lösung selbst als „Geheimtipp für informierte Nutzer“. Damit umschreibt der norddeutsche Energiekonzern elegant, dass EWE Smart Living vielen potentiellen Käufern noch unbekannt sein dürfte. Das System wurde letztes Jahr eingeführt und zum Start vor allem den hauseigenen Kunden angeboten. Es steht aber jedem offen. Man muss weder Strom und Gas noch Telefon oder Internet aus Oldenburg beziehen, um die Geräte installieren zu können. In den vergangenen Monaten hat EWE sein Angebot weiter ausgebaut, so dass es nun zum Steuern von Licht und Heizung sowie für die Videoüberwachung taugt.

Technisch gesehen handelt es sich bei EWE Smart Living um eine drahtlose Haussteuerung mit Z-Wave-Funk. Der Anbieter nutzt dafür hauptsächlich Produkte von Devolo. Wer mit Devolo Home Control vertraut ist, wird die Sensoren, Regler und Schalter sofort wiedererkennen. Auch die Funkzentrale (Bild oben) baut auf Devolo-Technik auf. Sie ist gleichzeitig ein Netzwerk-Adapter mit Powerline-Technik. Das macht die Installation flexibler, weil die Basis nicht in der Nähe des Routers installiert sein muss. Mehr dazu in unserem Artikel über Devolo Home Control.

Der Tür- und Fensterkontakt von Devolo Home Control
Der Tür-/Fensterkontakt von Devolo Home Control arbeitet auch mit EWE Smart Living.

Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Denn EWE lässt seine eigene Software auf den Geräten laufen. Am Firmensitz in Oldenburg betreibt der Anbieter nach eigener Aussage ein TÜV-zertifiziertes Rechenzentrum, das die Daten aus dem Smart Home verarbeitet. Die Cloud speichert neben Sensordaten auch Bilder von WLAN-Überwachungskameras – zwei passende Modelle von D-Link bietet EWE gleich mit an.

Entsprechend unterschiedlich ist das Geschäftsmodell. Während Devolo am Verkauf der Geräte verdient und die Steuerung weitgehend kostenlos anbietet, verlangt EWE eine monatliche Gebühr für die Funkzentrale. Sie beträgt 4,95 Euro im Monat bei einer Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten. Hinzu kommen die einzelnen Smarthome-Komponenten – wahlweise als Mietkauf über 24 Monate oder für einen einmaligen Kaufpreis. Die Monatsraten  liegen zwischen 1,95 Euro (für den Tür/Fensterkontakt) und 5,45 Euro (für eine WLAN-Kamera). Der Sofortkauf ist teilweise sogar günstiger als bei Devolo. So schlägt der Z-Wave-Zwischenstecker bei EWE mit 46,95 Euro zu Buche. Der Hersteller selbst verlangt in seinem Online-Shop 49,99 Euro.

Die App zu EWE Smart Living ist für Android und iOS erhältlich.
Die Smartphone-App von EWE wirkt übersichtlich und ist für Android oder iOS erhältlich.

digitalzimme.de meint: Trotz teilweise identischer Hardware lassen sich die Systeme von EWE und Devolo schwer vergleichen. So erlaubt Devolo Home Control bislang keine Videoüberwachung im Smarthome. Auch GPS-basierte Regeln, die den Heizkörper aufdrehen oder das Licht einschalten, wenn sich das Telefon der Wohnung nähert, kann Devolo nicht bieten. Dafür ist die Auswahl an Geräten größer. Wassermelder, Alarmsirene und Rauchmelder sucht man bei EWE vergebens. Eine Integration des drahtlosen Lichtsystems Philips Hue ebenfalls. Die Verbindung mit Z-Wave-Komponenten anderer Hersteller wie Fibaro ist angekündigt aber noch nicht umgesetzt. Auf den ersten Blick wirkt Smart Living deshalb eher wie der Spezialist für gewisse Aufgaben. Startpakete für Heizung, Licht und Sicherheit verstärken den Eindruck. Devolo Home Control präsentiert sich dagegen als modulares System mit mehr Möglichkeiten aber auch höherem Konfigurationsaufwand. Ob das wirklich so ist, werden Tests im Digitalzimmer zeigen.

Fotos: Hersteller, digitalzimmer.de

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