Was ist Amazons Frustration Free Setup?

Im Zusammenhang mit dem Smarthome-Standard Matter spricht Amazon gerne von seinem Frustration Free Setup (FFS). Das „Frustfreie Einrichten“, so die wörtliche Übersetzung, soll Kunden des Unternehmens die Inbetriebnahme von Geräten erleichtern.

Tatsächlich ist FFS aber schon älter und kommt nicht erst bei Matter zum Einsatz. Wer in der Vergangenheit Produkte wie einen FireTV oder Echo im Amazon-Shop gekauft hat, kennt vielleicht die Klickbox zum vereinfachten Einrichten (s.u.). Sie erscheint manchmal auch unter Geräten anderer Marken wie zum Beispiel TP-Link.

Checkbox zur vereinfachten WLAN-Einrichtung von Geräten auf der Amazon-Webseite.
Wi-Fi Simple Setup: WLAN-Geräte einrichten

Ist die Box beim Kauf aktiviert, trifft das Produkt quasi vorkonfiguriert zu Hause ein. Es verbindet sich nach dem Auspacken und Einschalten von selbst mit dem Funknetz. Voraussetzung: Der Kunde hat früher schon ein Amazon-Gerät wie den Echo mit seinem Konto verbunden und dabei die Erlaubnis erteilt, dass Amazon sein WLAN-Passwort speichern darf. Nach eigenen Angaben sendet das Unternehmen die Zugangsdaten verschlüsselt an einen Server, damit sie beim nächsten Mal nicht wieder eingegeben werden müssen.

Zweite Bedingung: Bei der Inbetriebnahme des neuen Geräts, muss ein qualifiziertes Amazon Device in der Nähe sein, das bereits mit dem Internet verbunden und beim Amazon-Konto angemeldet ist – der sogenannte Provisioner (Bereitsteller). Dabei kann es sich um einen Echo jüngerer Generation (inklusive Echo Plus, Echo Dot und Echo Show) oder um ein Produkt aus der Fire-TV-Baureihe (inklusive Cube) handeln. Alternativ kommen auch spezielle Router von Marken wie Eero, TP-Link, und Asus als Hilfsgeräte infrage.

Der Provisioner spannt zum Einrichten neuer Geräte einen getarnten WLAN-Hotspot auf. Über ihn verbindet sich der Neuzugang mit dem Internet und stellt Kontakt zu Amazons DSS-Dienst her (Device Setup Service). Das neue Gerät sendet nun eine Liste aller sichtbaren WLAN-Funknetze in seiner Umgebung an DSS. Findet der Amazon-Server eine Übereinstimmung mit den gespeicherten Netzwerken, schickt er das entsprechende Passwort zurück und das neue Gerät kann sich mit dem WLAN vor Ort verbinden.

Amazons WLAN-Steckdose ist ganz auf die Zusammenarbeit mit Alexa abgestimmt. ©digitalzimmer
Amazons eigene WLAN-Steckdose war 2018 die Erste mit Frustration Free Setup. ©digitalzimmer

Amazon hat dieses WiFi Simple Setup (WSS) mit seinem Smart Plug 2018 eingeführt und immer weiter verfeinert. Mittlerweile gibt es neben WLAN noch weitere Verbindungsmöglichkeiten.

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Simple Setup mit Bluetooth-, Zigbee- und Thread-Geräten

Da viele Produkte im Smarthome nicht mit Wi-Fi arbeiten, hat Amazon 2020 begonnen, das FSS-Prinzip auf andere Funkstandards auszudehnen. Es unterstützt heute drei weitere Protokolle:

  • Bluetooth Mesh. Hersteller, die das BLE Mesh-Protokoll verwenden (Version 1.1 oder neuer), können ihre Produkte für das frustfreie Setup vorbereiten. Die Funktion heißt in diesem Fall Bluetooth Simple Setup oder BSS. Sie wird allerdings derzeit kaum genutzt – von Philips Hue einmal abgesehen. Bluetooth-fähige Leuchtmittel der Marke lassen sich mit Bluetooth-fähigen Echo-Modellen von Amazon verbinden.
  • Zigbee 3.0. Geräte mit dem aktuellen Zigbee-Standard kommen für die Inbetriebnahme mit FSS ebenfalls infrage – wenn der Hersteller sich entschließt, entsprechende Maßnehmen in seiner Software zu ergreifen. Als Provisioner dienen hier wieder Echo-Geräte, die allerdings mit einem Zigbee-Hub ausgestattet sein müssen. In diese Kategorie gehören Echo Plus und Echo Show (ab 2. Generation), aber auch der jüngste Echo (4. Gen.) und der Echo Studio. Sie alle unterstützen das Zigbee Simple Setup (ZSS).
  • Thread. Das jüngste Übertragungsprotokoll im Trio hat unmittelbar mit Matter zu tun. Zwar werden viele Matter-Geräte im Smarthome den WLAN-Standard verwenden. Das Matter Simple Setup von Amazon (MSS) sieht aber zusätzlich Thread als Funkprotokoll vor. Voraussetzung ist ein Matter-fähiger Echo als Kommissionär (Commissioner). Amazon will einigen bisherigen Modellen ein Software-Update dafür spendieren – die Liste gibt es auf matter-smarthome.de. Aufgabe des Kommissionärs: Er fängt während der Installation das Bluetooth-Signal auf, das Matter-Endgeräte nach dem ersten Einschalten aussenden. Damit fügt er sie zu einem vorhandenen Thread-Netzwerk hinzu oder baut selbst eines auf – wenn er über die nötige Technik verfügt. Laut Amazon soll der Echo 4 ein Software-Update bekommen, das Thread als Funkstandard freischaltet.
Ein Software-Update soll dem Echo 4 das Funken mit Thread beibringen. ©matter-smarthome

Wie die Beispiele zeigen, setzt Amazons Frustration Free Setup bestimmte Geräte voraus. Welche das sind, ist nicht immer leicht zu erkennen. Besitzer eines Echo mit Bluetooth- oder Zigbee-Funk etwa haben bis heute keine Kompatibilitätsliste mit geeigneten Produkten. Sie müssen selbst herausfinden, welche Lampen, Sensoren und Steckdosen sich anmelden lassen – ob nun frustfrei oder nicht.

Am Ende hängt es von den Herstellern ab. Nur wenn diese ein frustfreies Setup in ihren Geräten vorsehen, steht das es den Kunden auch zur Verfügung. Vielleicht ist das der Grund, warum Amazon sein Frustration Free Setup gegenüber Entwicklern oft in einem Atemzug mit Matter nennt. Für Matter werden gerade viele Produkte neu entwickelt. Je mehr davon gleichzeitig auch FFS unterstützen, desto besser für Amazon und die Nutzer der Funktion.

Amazons frustfreie Einrichtung deaktivieren

Wer nachträglich Zweifel bekommt, ob seine Zugangspasswörter in der Amazon-Cloud gut aufgehoben sind, kann sie dort übrigens wieder löschen. Im Amazon-Konto unter „Meine Inhalte und Geräte“ im Bereich „Einstellungen“ (Link) gibt es dafür den Menüpunkt „Gespeicherte Netzwerk-Passwörter“. Dort lässt sich die Frustfreie Einrichtung auch jederzeit deaktivieren und wieder einschalten.

Die Einstellungen zum Frustration Free Setup im persönlichen Amazon-Konto. ©digitalzimmer

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