Amazon Echo 4 und Apple HomePod mini

Kampf der Kugeln: Echo 4 gegen HomePod mini

Beide sind rund, reagieren auf Zuruf und tragen in ihrem Kugelbauch eine Funkzentrale für Smarthome-Geräte. Ja selbst der Preis von knapp 100 Euro liegt auf ähnlichem Niveau. Da drängt sich die Frage auf: Welcher sprachgesteuerte Lautsprecher ist besser – Apples brandneuer HomePod mini oder der Amazon Echo in vierter Generation? Der folgende Test versucht eine Antwort zu geben. Das ist gar nicht so einfach, denn trotz aller Gemeinsamkeiten gibt es große Unterschiede. Deshalb geht der Test über mehrere Runden.


Inhalt
  1. Auf ein Wort: Alexa oder Siri?
  2. Runde Sache: Alles drin, alles dran?
  3. Gerne groß: Wie gut ist der Klang?
  4. Gemachtes Nest: das Ökosystem
  5. Und los: Einrichten um die Wette
  6. Haussteuerung: automatisch gut?
  7. Fazit: eine klare Entscheidung

Auf ein Wort: Alexa oder Siri?

Am Anfang steht die Grundsatzentscheidung: Will man Amazon und seiner digitalen Assistentin Alexa das Vertrauen schenken oder lieber mit Siri kommunizieren? Android-Nutzer haben gar keine Wahl, die künstliche Intelligenz von Apple steht nur auf iOS-Geräten zur Verfügung. Wer es sich aussuchen kann, muss abwägen.

Alexa steht im Ruf, sprachlich fitter zu sein. Im digitalzimmer-Test mit Musik hat sie am meisten Songtitel erkannt. Außerdem setzt Amazon neue Funktionen schneller um. So können Echo-Geräte schon lange die Haushaltsmitglieder an ihren Stimmen erkennen und zwischen Sprachprofilen wechseln. Siri auf dem HomePod besitzt dieses Talent nur, wenn die Systemsprache auf Englisch eingestellt ist. Andererseits verweisen Alexa-Kritiker auch gerne auf Sicherheitsprobleme, die in der Vergangenheit für Schlagzeilen sorgten.

Berichte über Mitarbeiter, die Audioclips anhören, gab es auch bei Apple. Allerdings funktioniert Siri etwas anders als Alexa, zumindest soweit sich das aus öffentlich zugänglichen Informationen ableiten lässt (LINK). Die Apple-ID, sprich E-Mail-Adresse, wird nicht direkt mit Sprachbefehlen verknüpft. Stattdessen arbeitet Siri mit einer zufällig erzeugten Buchstaben- und Ziffernfolge, die für weitgehende Anonymität sorgen soll.

Rotierendes Licht am Lautsprecher zeigt, dass die Sprachassistenten zuhören. ©digitalzimmer

Außerdem müssen Nutzer der Auswertung von Audiclips extra zustimmen. Tun sie das nicht, speichert Apple laut eigener Aussage keine Sprachaufnahmen der Mikrofone auf seinen Servern. Das Unternehmen behilft sich stattdessen mit computergenerierten Abschriften, den sogenannten Transkripten. Amazon macht es nach meinen Erfahrungen umgekehrt: Hier ist die Verwendung von Sprachaufzeichnungen zunächst erlaubt, lässt sich in den Datenschutzeinstellungen der Alexa-App aber deaktivieren.

Für die Sprachsteuerung im Smarthome interessant: Siri kommuniziert mit anderen Geräten über ihre eigenen Kanäle. Lampen, Thermostate, Steckdosen & Co. lassen sich vom Prinzip her steuern, ohne dass eine Cloud des Herstellers dazwischen hängt. Alexa-Skills dagegen setzen die Verbindung zu solchen Servern voraus. Dadurch gilt neben der Datenschutzbestimmungen von Amazon meist noch eine zweite Datenschutzerklärung – die des Geräteherstellers. Und dieser kann sich bei der Installation eigene Rechte einräumen, etwa den Zugriff auf den Namen, die Postleitzahl oder E-Mail-Adresse. Das macht die Sache etwas unübersichtlich.

Alexa kann mehr, dafür schützt Siri die persönlichen Daten besser. Beides lässt sich schwer gegeneinander aufrechnen. Deshalb endet die erste Runde unentschieden – 1:1

Runde Sache: Alles drin, alles dran?

Bei Amazon gibt es mehr Gerät fürs Geld, keine Frage. Der Echo 4 hat mit seiner Höhe von rund 13 Zentimetern gut das dreifache Volumen eines HomePod mini (8,4 cm). Selbst ein Echo Dot der jüngsten Generation überragt die abgeflachte Apple-Kugel ganz knapp. Vom Format her wäre der Dot also eigentlich der passende Gegner in diesem Test. Weil er weder klanglich noch von der Ausstattung her mithalten kann, spare ich mir aber diesen Vergleich.

Großes Kaliber: Der Echo 4 ist deutlich umfangreicher und schwerer als der HomePod mini.

Auch sonst wirft Amazon einiges in die Waagschale, 971 Gramm Gewicht zum Beispiel. Es sorgt dafür, dass der Echo der 4. Generation mit seiner gummierten Unterseite bombenfest auf einem Tisch oder Regal steht. Unverrutschbar sozusagen. Der 317 Gramm leichte HomePod mini wirkt dagegen fast schon filigran. Er muss aber auch nicht so exakt positioniert und ausgerichtet werden wie der Echo 4. Dazu kommen wir gleich noch.

Beide Gehäuse sind tadellos verarbeitet und mit Stoff bezogen. Das Netzgewebe des Mini entspricht dem großen HomePod. Je nach Ausführung hat es wieder eine weiße oder dunkelgraue Farbe. Mir persönlich gefällt der strukturierte Stoff besser als die glatte Echo-Bespannung aber das ist Geschmackssache. Eine Freundin meinte mal, das Rautenmuster erinnere sie an Netzunterhemden. Nun ja, wer den Vergleich sucht, kann im leichten Glanz des Amazonbezugs auch eine Parallele zu Feinstrumpfhosen entdecken.

Auf der abgeflachten Kuppe des Mini sitzt die Sensorfläche für Play/Pause, Lauter/Leiser.

Der Echo 4 ist in drei Farben lieferbar – Weiß, Blaugrau und Anthrazit – sowie in einer roten Sonderedition für die Hilfsorganisation RED (LINK). Zehn Euro vom Verkaufspreis der roten Ausführung spendet Amazon für den Kampf gegen Covid-19 und Aids in Afrika. Weil der Stoff nur etwas mehr als die vordere Halbkugel abdeckt – er reicht bis hinter die Tasten am Scheitelpunkt – besteht der Rest des Gehäuses aus farblich passendem Kunststoff.

Die haptischen Tasten hat der Echo dem HomepPod mini voraus. Apple löst die Bedienung am Gerät stattdessen über eine berührungsempfindliche Fläche. Sie startet oder stoppt die Musikwiedergabe und regelt die Lautstärke. Eine Möglichkeit, die Stromzufuhr der Mikrofone komplett zu unterbrechen, wie am Echo, gibt es nicht. Wer mag, kann aber „Hey Siri“ per Sprachbefehl oder von Hand in der App deaktivieren. Dann reagiert der HomePod nicht mehr auf Zuruf, sondern nur noch auf lange Berührung seiner Sensorfläche.

Die Stummschaltetaste am Echo deaktiviert das Mikrofon. Zur Bestätigung leuchtet rotes Licht.

Weiterer Unterschied: Auf der Rückseite des Echo gibt es eine Klinkenbuchse. Sie dient wahlweise als Ein- oder Ausgang. Während der HomePod ausschließlich drahtlos empfängt, kann die Amazon-Kugel also auch Musik per Kabel von anderen Geräten abspielen – oder die HiFi-Anlage als externe Lautsprecher nutzen. In welche Richtung das Signal fließt, ist in der Alexa-App einstellbar.

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Warum Apple sein Netzkabel untrennbar mit dem Gehäuse verbindet, verstehe, wer will. Dafür gab es schon beim ersten HomePod Kritik. Diesmal wirkt es noch unerklärlicher, weil die 1,50 Meter lange Zuleitung gar keinen Netzstecker mehr hat. Stattdessen endet sie in einem USB-C-Anschluss mit Netzteil. Da hätte man dieselbe USB-C-Buchse auch am Gerät vorsehen können – um den Einsatz längerer oder kürzerer Kabel zu ermöglichen. USB-C-Strippen gibt schließlich es in allen möglichen Varianten von 15 Zentimetern bis zu 5 Metern. Dass Apple – anders als beim iPhone – ein Netzteil mitliefert, ist konsequent. Immerhin soll der Lautsprecher dauernd am Strom hängen. So lässt sich der Stecker ohnehin nicht zweckentfremden und zum Aufladen anderer Geräte verwenden.

Neben dem weißen Stromanschluss des Echo sitzt die Klinkenbuchse für Line-in/Line-out.

Abgesehen davon wirkt das textilummantelte Kabel des HomePod mini viel eleganter und hochwertiger als die wellige Plastikleitung von Amazon – die noch dazu in Weiß daherkommt, selbst wenn der Lautsprecher eine andere Farbe hat. Auch trägt das Steckernetzteil deutlich mehr auf als die USB-C-Lösung von Apple. Wahrscheinlich eine Folge der höheren Leistung (30 statt 20 Watt).

Bei der Ankündigung im September 2020 sprach Amazon davon, dass der im Echo 4 integrierte Prozessor (AZ 1 Neural Edge) besonders stromsparend arbeiten soll. Ein automatischer Energiesparmodus senke den Verbrauch, hieß es. Im Test habe ich während des Standby-Betriebs durchschnittlich 1,9 Watt gemessen – ein guter Wert aber nicht ausgesprochen niedrig. Vielleicht liegt es daran, dass der besondere Ruhezustand im Alltag kaum aktiviert wird. Laut einem Amazon-Dokument gibt es zahlreiche Gründe, die den Tiefschlaf verhindern (LINK). Unter anderem darf der Echo nicht mit Spotify verbunden sein oder Smarthome-Geräte direkt per Funk steuern. Zum Vergleich: Der HomePod mini liegt mit seinem S5-Chip aus der Apple Watch bei 0,6 Watt. Der Standby-Verbrauch eines einzigen Echo 4 reicht also aus, um drei Minis betreiben.

Wenn es nur um Ausstattung geht, liegt Amazon vorn. Mit cleverem Design und niedrigem Standby-Verbrauch holt Apple jedoch auf. Es reicht ganz knapp zum Patt – 2:2

Die Netzteile der beiden Kugellautsprecher im Größenvergleich: links Amazon, rechts Apple.

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