Smarthome-Apps: eine Steuerung für alle Geräte ©digitalzimmer

Smarthome-Apps: digitale Kommando-Zentralen

Philips Hue, Sonos, Nuki, Tado: Die Zahl der vernetzen Systeme im Smarthome steigt – und jedes bringt seine eigene App mit. Das kann auf Dauer lästig werden. Denn für Licht, Heizung, Sicherheit etc. sind jeweils eigene Programme zuständig. Außerdem kommunizieren die Geräte nicht miteinander. Es gibt keine Möglichkeit, Lampen eines Herstellers mit dem Taster eines anderen zu schalten. Oder unterschiedliche Fabrikate in eine gemeinsame Szene zu packen.

Smarthome-Apps für die zentrale Steuerung

Als Lösung des Problems bieten sich herstellerübergreifende Apps an. Ähnlich wie Conrad Connect oder HomeKit nehmen sie Produkte verschiedener Anbieter unter ihre Fittiche. Eine zentrale Bedienoberfläche steuert das Smarthome und ermöglicht Abläufe, an denen mehrere Geräte beteiligt sind. Drei Programme finde ich besonders interessant, weshalb ich sie hier vorstellen möchte.


iHaus App: Universal-Fernbedienung vom Spezialisten

Die iHaus AG aus Unterföhring bei München kommt aus dem Profibereich. Sie bietet professionelle Lösungen für die Baubranche an. Ihre gleichnamige App  für Android und iOS kann aber jeder kostenlos nutzen. Sie integriert einige populäre Produkte wie Ikea Trådfri, Philips Hue, Sonos oder das Smartlock von Nuki. Außerdem Home-Connect-Hausgeräte von Bosch und Siemens sowie Netatmo-Produkte und WLAN-Steckdosen von Belkin (Wemo) oder TP-Link.  Eine Liste unterstützter Geräte gibt es auf der iHaus-Webseite im Internet.

Die iHaus-App stellt verbundene Geräte als Symbole dar. ©digitalzimmer
Die iHaus-App stellt verbundene Geräte als Symbole dar. ©digitalzimmer

Besonderheit: Über die HomeKit-Schnittstelle von Apple lassen sich alle von Apple zertifizierten Steckdosen und -Thermostate einbinden. Die iOS-Version der iHaus-App zapft dazu eine vorhandene HomeKit-Installation an. Sie übernimmt deren Geräte und überträgt sie auf einen eigenen Server. So werden zum Beispiel Thermostate von Honeywell, Netatmo oder Tado ein Teil der iHaus-Steuerung. Lampen von Lifx folgen ebenso den Befehlen der App ab wie WLAN-Steckdosen von Koogeek und Parce. Weiterer Vorteil: Nach dem Import haben auch Familienmitglieder ohne iPhone Zugriff auf die HomeKit-Geräte. Sie verwenden ganz einfach die Android-Version der iHaus-App zum Steuern auf ihren Geräten.

Das schwarzgrundige Bildschirmmenü wirkt schlicht und funktional. Verbundene Geräte erscheinen als grafische Symbole in der App. Sie lassen sich dort Räumen zuweisen. Mit horizontalem Wischen am Display wechselt man von Raum zu Raum. Größe und Anordnung der Gerätesymbole sind einstellbar. Ein langer Fingerdruck öffnet weitere Optionen – beispielsweise Regler zum Dimmen von Lampen oder die Temperatureinstellung am Heizkörperthermostat. Im iHaus-Jargon heißen diese Steuerelement LINKIT. Ergänzt werden sie von Regeln, SUM-IT[UP] genannt. Ein SUM-IT[UP] löst programmierte Aktionen aus. So kann der Bewegungsmelder im Flur zum Beispiel nachts Alarm auslösen und die Hue-Lampen blinken lassen, während das Sonos-System eine Durchsage macht.

Nüchternes aber funktionales Screen-Design: die iHaus-App. ©digitalzimmer
Nüchternes aber funktionales Screen-Design: die iHaus-App. ©digitalzimmer

Für automatische Abläufe oder den Zugriff von unterwegs aus muss die iHaus-App zu Hause im Server-Betrieb laufen – am besten auf einem fest installierten Gerät. Die entsprechende Funktion wird in den Einstellungen aktiviert. Ein ausrangiertes Smartphone oder Tablet eignet sich gut für diesen Zweck. Es sollte aber genügend Rechenleistung haben. Sonst reagiert die App nach Erfahrungen im digitalzimmer träge und Regeln werden mit Verspätung ausgeführt.

+  Unterstützt viele Hersteller und Geräte 
+  Umfangreiche Automatisierungsfunktionen
  Verlangt Einarbeitung ins Programm
  Das App-Design ist Geschmacksache


Yonomi: Alternative aus den USA

Mit Yonomi hatte ich als Sonos-Nutzer schon früh Kontakt. Die App war eine der ersten, mit der sich Lautsprecher des Multiroom-Systems automatisch gruppieren und beliebig zusammenfassen ließen.  Allerdings klappt dieses Grouping und Ungrouping nicht immer zuverlässig. Deshalb verwende ich mittlerweile die iOS-App SonoSequencr dafür. Ansonsten funktioniert Yonomi aber ziemlich gut. Das Programm kommt aus den Vereinigten Staaten, was seine englische Benutzeroberfläche erklärt. Auch die Auswahl unterstützter Produkte hat einen Schwerpunkt in den USA: Auf der Herstellerliste im Internet sind viele Marken zu finden, die hierzulande keine Rolle spielen: August, Energenie, Insteon, Lutron, Schlage oder Wink zum Beispiel. Mit Philips Hue, Lifx, dem Logitech Harmony Hub, Netatmo und TP-Link ist aber auch für deutsche Anwender einiges dabei.

Zur Steuerung seines Smart-Homes legt der Yonomi-Nutzer Routinen an. ©digitalzimmer
Zur Steuerung seines Smart-Homes legt der Yonomi-Nutzer Routinen an. ©digitalzimmer

Anders als iHaus bietet Yonomi keine Bedienelemente für die verbundenen Geräte auf dem Startbildschirm an. Die entsprechenden Tasten sind in Untermenüs versteckt. Der Nutzer soll sie im Alltag auch gar nicht benutzen. Stattdessen legt er sogenannte Routinen an. Diese Regeln arbeiten nach dem Wenn-dann-Prinzip und fassen mehrere Aktionen unter einem Befehl zusammen. So kann eine Routine zum Beispiel beim Verlassen der Wohnung die Heizung drosseln und das Licht ausschalten.

Routinen automatisieren Abläufe, die direkte Bedienung von Geräten ist etwas umständlich. ©digitalzimmer
Routinen automatisieren Abläufe, die direkte Bedienung von Geräten ist etwas umständlich.

Um Einsteigern die Programmierung zu erleichtern, liefert die App verschiedene Vorlagen gleich mit. Im Menü Ideas (Ideen) finden sich zum Beispiel Routinen, die zentral alle Lampen schalten oder für den Kinoabend das Licht dimmen. Jahreszeitlich wechselnde Szenen ergänzen das Angebot. So bietet Yonomi etwa vorbereitete Routinen zu Halloween, Weihnachten oder Hanukkha an. Die Vorlagen lassen sich den eigenen Geräten und Bedürfnissen anpassen. Oder der Nutzer legt komplett eigene Regeln mit Auslösern (When), Aktionen (Run these Actions) und Bedingungen (But only if) an.

+  Einfache, regelbasierte Programmierung  
+  Übersichtliches App-Design
  Menü komplett auf Englisch
  Direkte Gerätebedienung umständlich   


Naon Smart Living: ein vielversprechender Anfang

Eher ein Tipp als schon eine vollwertige Empfehlung ist Naon Smart Living. Die App der PipesBox GmbH aus Rostock steht noch am Anfang ihrer Entwicklung. Entsprechend begrenzt ist die Auswahl steuerbarer Geräte: Neben Philips Hue, Osram Lightify und Lifx  unterstützt das Programm aktuell nur die Fritzbox von AVM (ab FritzOS 7) als Partner. Diese Integration hat es aber in sich: Wer den Router von AVM über ein Fritzbox-Benutzerkonto mit der Naon-App verbindet, kann sämtliche Smarthome-Produkte des Routers für die Automatisierung verwenden. So ist es beispielsweise möglich, vernetzte Hue-Lampen mit Funktastern zu steuern, die an der Fritzbox angemeldet sind. Heizkörperthermostate der Fritzbox erhalten über die Naon-App eine Anwesenheitserkennung: Ist der Nutzer mit seinem Smartphone zu Hause, wird automatisch eine höhere Temperatur eingestellt als während der Abwesenheit.

Naon Smart Living gibt es derzeit nur als Smartphone-App, nicht für Tablets. ©digitalzimmer
Naon Smart Living gibt es derzeit nur als Smartphone-App, nicht für Tablets. ©digitalzimmer

Die Einstellung erfolgt über sogenannte Smart Cases. Das sind vorkonfigurierte Regeln, denen man seine Geräte einfach zuweist. Programmierarbeit im klassischen Sinne entfällt damit, was die App besonders einsteigerfreundlich macht. Naon Smart Living bietet die Smart Cases in seiner Rubrik Entdecken an. Sie sind dort nach Kategorien wie Sicherheit, Licht, Heizung oder Steckdosen sortiert. Besonderer Clou: Unter Vorschläge erscheinen automatisch Regeln, die zum persönlichen Verhalten passen. Verlässt der Nutzer beispielsweise nach Sonnenuntergang das Haus, empfiehlt ihm die App später, eine Anwesenheitssimulation mit Licht einzurichten, um potentielle Einbrecher abzuschrecken.

Ergänzt werden die Smart Cases um eine Gerätesteuerung. Sie bietet grundlegende Einstellungen für Helligkeit, Farbe oder Temperatur und zum Schalten von Steckdosen. Als vollwertigen Ersatz für die jeweilige App des Herstellers taugt sie nicht. Dazu sind ihre Möglichkeiten zu eingeschränkt. Aber wie gesagt: Die Entwicklung von Naon Smart Living beginnt ja gerade erst. Und den Ansatz mit vorbereiteten Smart Cases finde ich sehr interessant.

+  Einfache Automatisierung mit vorbereiteten Regeln  
+  Komfortable Integration der AVM Fritzbox 
  Eingeschränkte Geräteauswahl 
  Wenig Möglichkeiten zur Individualisierung


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