Pro und Kontra Akku im Heizkörperventil. ©digitalzimmer

Pro & Kontra: Akkus im Heizkörper-Thermostat

Dieses Jahr schon Batterien gewechselt? Wer seine Heizkörperventile per Funk steuert, kennt das Prozedere: Alle paar Monate werden neue Mignon-Zellen (AA) fällig, um den Motorantrieb mit Energie zu versorgen. Je nach Hersteller, Modell und Einsatzbedingungen hält so ein Satz etwa 10 bis 15 Monate. Da stellt sich die Frage, ob Akkus keine Alternative zu den Wegwerf-Batterien wären. Sie kosten zwar mehr in der Anschaffung, sind dafür aber mehrere hundert oder gar tausend Mal aufladbar. Und auch wenn das Recycling in Deutschland gut geregelt ist, empfiehlt  das Umweltbundesamt möglichst Akkus einzusetzen.

Akku oder Batterie? Das sagen die Hersteller

Leichter gesagt als getan, denn viele Hersteller raten ausdrücklich davon ab. Danfoss etwa schreibt im Handbuch zu seinen Living-Connect-Modellen: „Wiederaufladbare Batterien dürfen nicht verwendet werden“. Entsprechende Hinweise finden sich in den Anleitungen bauähnlicher Regler von Devolo, Coqon und Popp. AVM stößt ins selbe Horn: „Verwenden Sie keine Akkus!“ Tado ist weniger explizit in der Aussage, teilt auf Nachfrage aber mit, der Einsatz von Akkus werde generell nicht empfohlen. Ähnlich äußert sich Eve Systems zu seinem Heizkörperthermostat Eve Thermo.

Auch EQ-3, mit seinen Sortimenten Eqiva, Homematic und Max einer der ganz großen Anbieter motorbetriebener Regler, rät eigentlich ab – gibt gleichzeitig aber Entwarnung: „Ein Risiko in Bezug auf die Schädigung von Geräten besteht nicht“.  Fehlerhafte Anzeigen des Ladezustands oder häufigere Wechsel würden den Nutzen von Akkus allerdings schmälern. So sehr, dass die meisten EQ-3-Kunden erfahrungsgemäß trotzdem Batterien verwenden.

NiMH-Akkus erreichen nur eine Spannung von 1,2 bis 1,3 Volt. ©digitalzimmer
NiMH-Akkus erreichen nur eine Spannung von 1,2 bis 1,3 Volt. ©digitalzimmer
Akkus im Heizkörperregler: die häufigsten Probleme

Dass akkubetriebene Regler sich merkwürdig verhalten können, hat mehrere Ursachen. Zum einen liefern die wiederaufladbaren Zellen weniger Spannung als eine Einweg-Batterie. Ihr Maximum liegt in der Regel zwischen 1,2 und 1,3 Volt, was laut Eve Systems gerade eben ausreicht, um die vom Regler abgerufene Leistung bereitzustellen. Zum Vergleich: Eine volle Alkali-Zelle schafft mindestens 1,5 Volt. Meist zeigt das Messgerät sogar Werte um 1,6 V an. Die Differenz führt dazu, dass manche Smarthome-Systeme einen 1,2-Volt-Akku bereits für weitgehend entladen halten. Die App mahnt dann ständig auf einen Batteriewechsel an, obwohl noch Energie für viele Monate zur Verfügung steht.

Akkus halten ihre Spannung über längere Zeit konstant. Batterien entladen sich dafür gleichmäßiger. ©digitalzimmer
Akkus halten ihre Spannung über längere Zeit konstant. Batterien entladen sich gleichmäßiger.

Der zweite Unterschied besteht im Spannungsverlauf während des Entladens, der sogenannten Entladekurve (Bild oben). Sie verläuft bei Einmal-Batterien kontinuierlich nach unten. Mit der Ladung nimmt auch die Zellenspannung ab. Ein Nickelmetallhydrid-Akku, wie er heutzutage meist in wiederaufladbaren Batterien verwendet wird, verhält sich anders. Er hält seine Spannung über einen relativ langen Zeitraum konstant, ehe sie plötzlich einbricht. Mit jedem Ladezyklus steigt außerdem der Innenwiderstand des Akkus, wodurch sich die Entladekurve ändert. Das alles macht es für die Elektronik im Thermostat schwierig bis unmöglich, den genauen Füllstand des Akkus abzuschätzen. Sie ist auf Alkali-Batterien eingestellt und erwartet einen anderen Spannungsverlauf.

Ergebnis: Der Nutzer wird vom plötzlichen Ausfall des Heizkörperthermostats überrascht. Häufig wechselt der Regler mit letzter Kraft in den Frotzschutz-Modus und dreht dabei das Ventil voll auf. Statt angenehmer Temperaturen wartet dann am Abend eine Sauna auf die heimkehrenden Bewohner.


Smarte Heizung nachrüsten – das sind die Möglichkeiten. ©digitalzimmerSmarte Heizung nachrüsten: Das sind die Möglichkeiten. Vom einfachen Thermostatkopf mit Motorantrieb über komplette Funksysteme bis hin zur multifunktionalen Smarthome-Lösung – dieser Beitrag auf digitalzimmer.de erklärt die Unterschiede.


Wenn schon, denn schon: Akkus mit geringer Selbstendladung

Wer sich dieser Probleme bewusst ist, kann das Experiment Akku im Heizkörperregler wagen – sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass er bei Funktionsproblemen kein besonderes Entgegenkommen vom Hersteller erwarten darf. Anbieter, die vor dem Einsatz wiederaufladbarer Batterien warnen, können sich im Zweifelsfall auf diese Aussage berufen. Und wer weiß, vielleicht dokumentiert das System ja irgendwo den Spannungsverlauf und lässt damit Rückschlüsse auf die verwendeten Zellen zu.

Im Digitalzimmer kommen beide Zellentypen zum Einsatz – mit mehr oder weniger guten Ergebnissen. Wer Akkus einsetzt, sollte auf Modelle mit geringer Selbstentladung achten. Sonst sind die Speicher noch vor Beginn der nächsten Heizperiode reif fürs Nachladen. Die Anbieter kennzeichnen solche LSD-Akkus (Low Self Discharge) mit einem Aufdruck wie „vorgeladen“ oder „ready to use“.

Bewährt haben sich bei uns die Eneloop-Modelle von Panasonic. Sie verlangen zwar ein spezielles Ladegerät, überzeugen dann aber mit langer Lebensdauer. Die weiße Standardausführung mit 1900 Milliamperestunden hat laut Hersteller den Vorteil, dass sie rund 2000 Ladezyklen verträgt. Eneloop Pro in Schwarz besitzt zwar mehr Kapazität (2500 mAh), bringt es aber nur auf etwa 500 Zyklen. Ob das stimmt? Keine Ahnung. So viele Heizperioden gab es seit Erfindung smarter Heizkörperthermostate noch nicht.

Werbung:
AA-Batterien und Akkus bei Amazon kaufen

1 Gedanke zu „Pro & Kontra: Akkus im Heizkörper-Thermostat“

  1. Moin,

    sehr guter Artikel. Vielen Dank.
    Noch eine kleine Ergänzung zu den relativ teuren LSD Akkus von Panasonic. Wenn die diversen Berichte im Netz stimmen, dann handelt es sich bei den Amazon Basic Akkus um Eneloops. Bei 8 AA Zellen fallen so nur €13 statt 20 an.

    Beste Grüße
    Bastian aka mkshb.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.