Hue & Co: drahtlose Lichtsysteme im Vergleich

Mein Beitrag über Funksysteme für die Lichtsteuerung war lange Zeit beliebt auf diesem Blog. Allerdings ist er von 2017 und damit völlig veraltet. Weitere Updates kamen nicht mehr infrage, eine Neufassung musste her. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen, um einen besseren Überblick zu geben – für alle, die neu ins Thema einsteigen und sich fragen, wie sie das am besten anstellen sollen.

Denn der Kauf einer smarter Lampe ist auch eine Systementscheidung. Das merkt man spätestens dann, wenn neue Leuchtmittel hinzukommen sollen und der Wunsch nach Zubehör wie Lichtschaltern und Bewegungsmeldern wächst. Darum noch einmal von vorn:

Was ist ein drahtloses Lichtsystem?

Drahtlose Lichtsysteme steuern Lampen und Leuchtmittel per Funk – entweder vom Smartphone aus oder mit anderen Methoden wie Sprache, Schalter und Sensoren.

Der Funkstandard entscheidet, ob sich Lampen und Zubehörteile miteinander verbinden können. Traditionell gibt es drei Kommunikationswege: Bluetooth, WLAN und Zigbee. Ihre Vor- und Nachteile sind in diesem Beitrag ausführlich erklärt. Mit dem HomePod mini von Apple kommt ein Vierter hinzu: Thread. Außerdem verwendet AVM in seiner Fritzbox das Funkprotokoll Dect ULE.

Darüber hinaus kann jeder Anbieter noch individuell festlegen, welche Produkte er in seinem System zulässt. Ein Funkstandard wie Zigbee oder Thread erlaubt zwar prinzipiell den Herstellermix, in der Praxis gibt es aber gewisse Einschränkungen, was die Kompatibilität angeht. Deshalb ist die Auswahl des Lichtsystems so entscheidend.

Systeme für die drahtlose Lichtsteuerung im Vergleich

Der folgende Überblick stellt die wichtigsten Lösungen und ihren Funktionsumfang im Februar 2021 vor. Darunter sind auch Systeme, die mehr können, als nur das Licht zu regeln. Sie eignen sich für diesen Zweck aber besonders gut. Dass sie darüber hinaus auch andere Geräte steuern, sollte eigentlich kein Hinderungsgrund sein.


Lichtsteuerung mit dem Amazon Echo

Amazon Echo 4 von der Seite.

 WAS BRAUCHT’S?  Einen sprachgesteuerten Alexa-Lautsprecher von Amazon, allgemein unter dem Namen Echo bekannt. Allerdings fährt der Hersteller mehrgleisig, wenn es ums Thema Licht geht. Das macht die Sache etwas unübersichtlich. Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, um Lampen mit dem Echo zu steuern. Welche davon zur Verfügung stehen, hängt vom Modell ab.

 WAS GEHT?  Methode eins funktioniert mit Bluetooth-fähigen Lampen der Marke Philips Hue. Sie lassen sich per Funk an jeden aktuellen Echo-Lautsprecher koppeln. Methode zwei setzt einen Echo mit Zigbee-Funkzentrale voraus. Früher hieß diese Ausstattungsvariante Echo Plus. Inzwischen taucht stattdessen der Zusatz „mit Smarthome-Hub“ in der Produktbeschreibung auf. Solche Modelle können Zigbee-Leuchtmittel sehr vieler Anbieter kontrollieren.

Methode drei nutzt kleine Hilfsprogramme, die Alexa-Skills, und klappt mit allen Echos. Der Lautsprecher funkt die Lampen dabei nicht selbst an, sondern dient als Sprachsteuerung für andere Lichtsysteme. Arbeiten diese mit einer eigenen Bridge wie Philips Hue oder Ikea Trådfri, ist zusätzlich diese Funkzentrale nötig.

Einfache Struktur und voreingestellte Lichtfarben: die Alexa-App von Amazon. ©digitalzimmer

 WIE GEHT’S?  Die Einrichtung übernimmt in jedem Fall Alexa: Bluetooth- oder Zigbee-Lampen in den Kopplungsmodus versetzen und die Assistentin per Sprachbefehl oder Alexa-App nach neuen Geräten suchen lassen. Für die Sprachsteuerung externer Lichtsysteme muss vorher noch der jeweilige Alexa-Skill aktiviert werden. Dann tauchen neue Lampen im Smarthome-Überblick der App auf. Hier lassen sie sich schalten, dimmen, umbenennen und Gruppen zuweisen. Alexa-Routinen automatisieren das Licht, auch abhängig von der Tageszeit oder vom Sonnenauf- und -untergang.

 WOMIT GEHT’S?  Sprache steht bei Amazon im Mittelpunkt. Ein Echo 4 oder anderes Modell kontrolliert das Licht am besten auf Zuruf. Die Alexa-App kann aushelfen, wenn die persönliche Stimme mal wegbleibt oder in der Nacht niemand gestört werden soll. Andere Kontrollmöglichkeiten gibt es kaum, weil es an Produkten fehlt. Ich kenne zwei Zigbee-Bewegungsmelder, die an einem Echo mit Smarthome-Hub funktionieren – von Ledvance und Philips Hue. Taster oder Fernbedienungen? Fehlanzeige, seit Amazon seine Echo Buttons aus dem Programm genommen hat.

FunkstandardBluetooth, WLAN, Zigbee (teilweise)
Funkzentrale / BridgeAmazon Echo
Leuchtmittel vonIkea, Innr, Ledvance, Philips Hue, Tint u.a.
Zwischenstecker vonAmazon, Ledvance, Philips Hue u.a.
Bewegungsmelder vonLedvance, Philips Hue
Taster / Fernbedienungen
SprachsteuerungAlexa (teilweise mit Skill)
Fernzugriff über Internetja
Betrieb ohne Internetnein
Nutzerkonto nötig?ja (Amazon-Konto)
Werbung:
Echo-Lautsprecher bei Amazon kaufen

Weiter geht’s mit HomePod, Fritzbox und Ikea auf Seite 2 …

4 Gedanken zu „Hue & Co: drahtlose Lichtsysteme im Vergleich“

  1. Eine Ergänzung noch. Ich denke der Conbee Stick von Dresden Elektronik wäre eine Erwähnung wert. Damit kann man eine HUE Basis (fast) komplett ersetzen und nicht nur alle HUE Lampen nutzen sondern auch praktisch ALLE anderen Zigbee Geräte. Also auch IKEA, Müller, Aqara und und …
    Und das ganze auch weiterhin mit HUE Apps wie z.B. (HUE Essentials)

    1. Vielen Dank für Deinen Beitrag. Ja, den Conbee-Stick kenne ich. Da es ein Systemvergleich sein sollte, habe ich Zigbee-Gateways aber bewusst rausgelassen. Es gibt in dieser Hinsicht ja noch mehr Lösungen. Ich denke, die Ausgangssituation dafür ist eine andere.

      Der Stick verlangt technische Kenntnisse und hat höhere Einstiegshürden. So muss man einen ständig laufenden Computer wie den RaspberryPi oder ein NAS-System haben, um ihn zu nutzen. Die Installation mit IP-Adresse über das Webinterface und das Anlernen von Geräten ist komplizierter als mit einer System-App. Es gibt von Haus aus keinen Fernzugriff und so weiter.

      Mit Herumprobieren kriegt man das hin, aber es ist halt sehr viel mehr Aufwand, als eine Hue-Bridge oder ein Trådfri-Gateway zu installieren.

  2. Eine Korrektur evtl. du beschreibst anscheinend den „alten“ Bewegungssensor von IKEA, der aktuelle hat nach diversen Forenbeiträgen keinen Schalter mehr um die Zeit einzustellen und ist wohl fest auf mehrere Minuten eingestellt.

    1. Stimmt, ich habe beide Melder hier und gerade noch einmal nachgeschaut. Beim Nachfolger gibt es nur noch Knöpfe für Helligkeit und den Tag-/Nachtbetrieb. Die Zeiteinstellung wurde gestrichen – ist im Text oben schon korrigiert, danke für den Hinweis.

      Viele Grüße aus dem Digitalzimmer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.