Der Sonos-Amp im Test. ©digitalzimmer

Sonos Amp im Test: Multi-Talent für Multiroom-Einsätze

Das Multiroom-System von Sonos begleitet mich seit 2011. Es war Thema vieler Tests, die ich in dieser Zeit geschrieben habe, und mittlerweile nutze ich die drahtlosen Lautsprecher auch privat. Zur völligen Zufriedenheit aller Beteiligten muss man sagen. Trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, mein Heimkino damit auszustatten. Am Fernseher hängt ein klassischer AV-Receiver von Denon mit kabelgebundenen Lautsprechern. Er dient als Schaltzentrale für ein halbes Dutzend Geräte – vom Apple-TV über den Blu-ray-Player bis zur Spielkonsole. Außerdem beherrscht er Tonformate, die Sonos hartnäckig ignoriert: DTS, Dolby Atmos und Auro-3D.

Doch nun biegt der neue Sonos Amp für 700 Euro um die Ecke (Link zur Herstellerseite). Er hat mehr Verstärkerleistung als das frühere Modell. Er besitzt endlich einen HDMI-Anschluss mit Audio Return Channel (ARC) zum Anschluss an den Fernseher. Er lässt sich wie eine Beam, Playbase oder Playbar mit drahtlosen Sonos-Boxen zum Surround-System erweitern. Und er kann AirPlay 2. Das motiviert schon irgendwie zum Test.

Die Rückseite des neuen Sonos Amp mit allen Anschlüssen. ©digitalzimmer
Die Rückseite des neuen Sonos Amp mit allen Anschlüssen. ©digitalzimmer
Der eierlegende Wollmilch-Amp von Sonos

Laut Hersteller wurde der Amp mit Blick auf professionelle Installateure entwickelt. Die haben den bisherigen Connect:Amp zwar auch schon genutzt, stießen damit aber an Grenzen. Das neue Modell ist viel flexibler einsetzbar. Als Stereo-Verstärker kann es passive HiFi-Boxen mit Musik versorgen. Wenn die Impedanz der Lautsprecher hoch genug ist (8 Ohm), gehen auch zwei pro Klemme. Mit den Einbau-Speakern von Sonance (mehr dazu hier) sollen insgesamt bis zu sechs Lautsprecher pro Amp möglich sein.

Am TV sind mehrere Konfigurationen möglich. Variante 1: Der Sonos Amp versorgt zwei Passiv-Boxen rechts und links vom Fernseher. Dabei lässt er sich mit zwei drahtlosen Sonos-Lautsprechern hinten im Raum zum 4.0-System erweitern. Alternativ kann auch ein zweiter Amp mit kabelgebundenen Boxen die Surround-Kanäle übernehmen. Variante 2: Vorne am Fernseher spielt ein Heimkino-Lautsprecher wie die Beam oder Playbase von Sonos. Der Amp übernimmt dann die hinteren Kanäle und macht ein virtuelles 5.0-System daraus. Für Variante 3 lassen sich alle Konfigurationen noch mit einem Subwoofer erweitern (siehe Grafik unten). Die Cinch-Buchse zum Anschluss eines aktiven Subwoofers bringt der Amp gleich mir. Aber natürlich kann auch der drahtlose Sonos Sub für mehr Tiefe und Druck im Bass sorgen.

Der Sonos-Amp lässt sich in verschiedenen Surround-Kombinationen einsetzen. ©digitalzimmer
Der Sonos-Amp lässt sich in verschiedenen Surround-Kombinationen einsetzen. ©digitalzimmer

Wesentlicher Unterschied zum Vorgängermodell: In einem Setup mit Amp muss keines der Geräte mehr per LAN-Kabel mit dem Router verbunden sein. Beim Connecp:Amp war das noch der Fall. Er kann dann nur als Verstärker für Surrund-Boxen dienen, wenn das SonosNet aktiv ist. Dass heißt: Wenn die Funkplayer zu Hause über ihr eigenes drahtloses Netzwerk miteinander kommunizieren.

Beim Sonos Amp genügt das normale WLAN – sofern es stark genug ist. Im Test hatte eine Fritzbox 7590 keine Probleme, die Surround-Streams mehr als zehn Meter weit zu transportieren. Erst als es darum ging, den TV-Ton zusätzlich in andere Räume zu übertragen, kämpfte der am weitesten entfernte Player mit Tonaussetzern. Nach Installation eines Repeaters im Mesh-Netzwerk der Fritzbox waren auch diese verschwunden. Erstaunlich, was Sonos aus dem betagten 802.11 b/g/n-Standard so alles herausholt. Trotzdem hat der Amp weiterhin LAN-Anschlüsse. Zwei Buchsen verbinden ihn bei Bedarf mit dem Router oder anderen Sonos-Geräten.

Schnelle Installation ohne Anschluss-Orgien

Über die Einrichtung muss man nicht viele Worte verlieren. Sie nimmt gewohnt wenig Zeit in Anspruch. Sonos hat die Anleitung in seiner App soweit perfektioniert, dass ich noch nie Probleme damit hatte. Der Installationsaufwand ist prinzipiell höher als bei einem WLAN-Lautsprecher ohne Lautsprecherkabel. Allerdings haben die Entwickler vorgesorgt: Statt klassischer Schraubanschlüsse für die Kabel, gibt es am Amp vier abnehmbare Klemmen mit Bananenstecker. So lassen sich die Strippen bequem in der Hand einfädeln und anschließend in die vorgesehene Buchse schieben – ohne Bücken, Fummeln oder hinter dem Regal herumzukriechen.

Steckbare Klemmen erleichtern der Anschluss der Lautsprecherkabel. ©digitalzimmer
Steckbare Klemmen erleichtern der Anschluss der Lautsprecherkabel. ©digitalzimmer

Wer nur Streaming-Musik hört, ist danach schon fertig. Besitzer eines CD-Players oder anderen Zuspielers können das externe Gerät über Cinch-Buchsen auf der Rückseite anschließen. Der gleiche Analog-Eingang eignet sich auch für Plattenspieler – sofern der Phono-Vorverstärker genügend Pegel liefert.

Für den Einsatz am TV gibt es den von der Sonos Beam bereits bekannten HDMI-Anschluss. Er unterstützt den Audio Return Channel (ARC), empfängt also Ton des laufenden Programms vom Fernseher. HDMI-Eingänge für Blu-ray-Player & Co. hat der Sonos Amp nicht. Diese Bildquellen müssen am TV-Gerät angeschlossen werden. Der Fernseher schleift ihr Audiosignal dann zum Amp durch. Für ältere Fernseher ohne HDMI-ARC bietet Sonos einen Adapter an. Er kostet 30 Euro und setzt das Tonsignal des optischen Digitalausgangs am TV (Toslink) ins HDMI-Format um.

Die Einrichtung des Amp in der Sonos-App ist völlig selbsterklärend. ©digitalzimmer
Die Einrichtung des Verstärkers in der Sonos-App ist völlig selbsterklärend. ©digitalzimmer
Der Sonos Amp als Stereo- und Surround-Verstärker

Im ersten Durchgang bekam der Amp zwei HiFi-Standboxen von Nubert als Spielpartner. Die hüfthohen NuLine 100 haben schon einige Jahre auf den Schwingspulen, sind aber gut eingespielt und überzeugen durch satten, unverfärbten Klang. Normalerweise erhalten sie ihr Signal von einem Marantz-Stereoverstärker.

Der Vergleich ist etwas unfair, weil besagter Marantz bereits Anno 2003 mehr als doppelt so viel gekostet hat wie heute ein Sonos Amp. Im direkten Vergleich klingt er auch immer noch seidiger und vor allem voluminöser. Sonos hat seinen Amp so schlank und knackig abgestimmt, dass ich extra noch einmal in der App nachgeschaut habe, ob dort vielleicht die Option für Subwoofer aktiviert ist. Das hätte die leichte Zurückhaltung erklärt, weil die Frequenzweiche des Amp dann tiefe Töne auf eine extrene Bassbox umleitet. Normalerweise machen die Nubert-Standboxen untenrum so viel Druck, dass ich versucht bin, den Bass zurückzunehmen, um Nachbarn nicht zu stören. Am Sonos Amp habe ich ihn eher etwas aufgedreht.

Klangeinstellungen des Sonos Amp in der App des Multiroom-Systems. ©digitalzimmer
Klangeinstellungen des Sonos Amp in der App des Multiroom-Systems. ©digitalzimmer

Im Heimkino-Test kam dieselbe NuLine-Serie zum Einsatz, nur etwas kleiner als Regalbox. Den zwangsläufig fehlenden Tiefbass in dieser Größenklasse steuerte ein aktiver Subwoofer von Nubert bei. Er empfiehlt sich auch für Basseffekte, die erst das richtige Kinofeeling erzeugen. Und siehe da: Von Zurückhaltung keine Spur. Schon in der 2.1-Kombination bringt der Sonos Amp Konzertvideos oder Spielfilme groß raus. Also schnell zwei Play:1 aus anderen Räumen geholt und schräg außen hinterm Sofa platziert. Die Sonos-App fügt sie mit wenigen Handgriffen hinzu. Und schon spielt ein 4.1-System.

Verblüffenderweise stört mich dabei überhaupt nicht, dass es keinen Lautsprecher für den Mittenkanal gibt. Immer wieder schiele ich auf meinen fest installieren Center-Speaker am Fernseher, der gerade arbeitslos ist. Dialoge und Geräusche, die sich auf dem Bildschirm abspielen, scheinen auch tatsächlich von dort zu kommen. Der Sonos Amp platziert sie akustisch in der Mitte und simuliert diesen „Phantom-Center“ wirklich perfekt.

Am Fernseher verhält sich der Amp wie andere TV-Lautstprecher von Sonos. ©digitalzimmer
Am Fernseher verhält sich der Amp wie andere TV-Lautstprecher von Sonos. ©digitalzimmer

Die Bedienung unterscheidet sich nicht von anderen Surround-Setups mit Sonos-Produkten. In der App des Systems lassen sich bei Bedarf die Pegel der hinteren Boxen und des Subwoofers verändern. Im Musikbetrieb können beide Rear-Speaker wahlweise unterstützend eingreifen oder als vollwertige Lautsprecher mitspielen. Bildschirmtasten heben die Lautstärke von Dialogen an – für eine bessere Verständlichkeit – oder setzen die Dynamik herab, damit nachts der Hausfrieden gewahrt bleibt.

Mit Hilfe von Alexa kann der Amp den TV auch sprachgesteuert ein- und ausschalten sowie die Lautstärke ändern. Er sendet dazu Befehle über seinen HDMI-Anschluss an den TV. Anders als die Soundbar Beam verfügt der Multiroom-Verstärker aber über kein integriertes Mikrofon. Er benötigt einen Amazon Echo oder anderen Smart-Speaker im Raum als Befehlsempfänger.

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Eine Alternative zum klassischen AV-Receiver?

Die Frage mag für echte Heimkinofans rhetorisch klingen, und auch ich dachte eigentlich, die Antwort darauf zu kennen: Ist der Sonos Amp eine Alternative zum AV-Receiver? Schließlich haben die meisten TV-Geräte heutzutage drei oder vier HDMI-Eingänge. Das sollte zum Anschluss vorhandener Geräte reichen. Viel mehr werden es im Streaming-Zeitalter auch nicht. Dienste wie Netflix gibt es auf Smart-TVs per App, sie benötigen keine extra Box mehr.

Probieren geht über studieren und so stöpsele zum Test die Anlage um. Apple-TV und Blu-ray-Player kommen per HDMI direkt an den Fernseher, die gute alte Playstation 3 ebenfalls. Ein HDMI-Kabel mit ARC führt von dort zum Amp. Positives Zwischenfazit: Von allen Quellen ist sofort ein Ton zu hören. Der Panasonic-TV wandelt in seiner Automatik-Einstellung alle Surround-Formate, die nicht Dolby Digital entsprechen, in 2.0-Signale um. Das betrifft zum Beispiel DTS-Ton von DVDs und Blu-ray-Discs in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Auf den hinteren Lautsprechern landet dabei kein Surround-Sound mehr, sondern eher ein leiser Mix aus Front- und Rückkanälen, der eine diffuse Räumlichkeit erzeugt.

Jüngere Dolby-Formate wie Atmos oder Dolby Digital Plus erkennt der Amp als klassisches 5.1-Programm, da sie rückwärtskompatibel zu Dolby Digital sind. Mit anderen Worten: Was Amazon, Netflix und deutsche TV-Sender als Mehrkanalton übertragen, kann der Amp mit Raumklang wiedergeben. Und zwar in einer Klangqualität, die überzeugt. Dynamik, Effekte und Sprachverständlichkeit ließen zumindest bei mir und meinen Testhörern keine Wünsche offen.

Der Amp benötigt mit seinen 22 x 25 cm Stellfläche nur wenig Platz. ©digitalzimmer
Der Verstärker benötigt mit seinen 22 x 25 cm Stellfläche nur wenig Platz. ©digitalzimmer

Blu-ray-Discs mit DTS-Tonspur werden ihrer Surround-Information beraubt. Vor ein, zwei Jahren hätte mich das mehr gestört. Da wir inzwischen viel Programm von Streaming-Diensten schauen, verliert dieses Argument jedoch an Bedeutung. Ganz vom Tisch ist es nicht. Sollte ich irgendwann die häusliche Genehmigung für ein paar zusätzliche Surround-Lautsprecher an der Decke bekommen, kehrt das Interesse für neue Tonformate sicher zurück. Schließlich bieten Netflix und Apple im iTunes-Store mittlerweile auch Filme mit Dolby Atmos-Ton an.

Was noch für einen AV-Receiver spricht: Die Synchronisation von Bild und Ton klappt damit zuverlässiger als am Fernseher. Während des Durchschleifens vom Blu-ray-Player zum Sonos-Verstärker passierte es im Test ab und zu, dass Audio- und Videosignal leicht asynchron waren. Ein Nachregeln in den Lip-Sync-Einstellungen der Sonos-App hat dann geholfen. Den Amp trifft daran aber keine Schuld. Da solche Effekte mit dem Apple TV nicht auftraten, dürfte ihre Ursache eher in der Signalverarbeitung des Fernsehers liegen.

Fazit: Surround-Sound für den Rest von uns

Mit dem Amp hat Sonos ein extrem vielseitiges Produkt geschaffen. Wer noch Passiv-Boxen zu Hause herumstehen hat, kann sie spielend einfach in das Multiroom-Audiosystem integrieren. Selbst Surround-Kombinationen mit vier Lautsprechern plus Subwoofer sind in 30 Minuten spielbereit.

Im reinen Stereo-Betrieb ohne Subwoofer klingt der Amp für meinen Geschmack etwas zu schlank. Den Bassregler in der App habe ich noch bei keinem anderen Sonos-Produkt bemüht. Aber vielleicht harmonieren die digitalen Endstufen des Verstärkers einfach nicht richtig mit unseren Testboxen. Perfekt wäre eine Einmessfunktion mit Trueplay, wie sie der Amp für Einbaulautsprecher von Sonance bereits anbietet. Damit würde das System seinen Frequenzgang dann automatisch an die Raumakustik anpassen.

Am TV gefällt mir der Klang ohne jede Einschränkung. Heimkino-Enthusiasten, denen Dolby Digital zu wenig ist, werden die alternativen  Surround-Formate vermissen. Die übrigen Filmfans bekommen imposanten Kinosound, gepaart mit einfacher Bedienung und der wohl größten Auswahl an Musik-Streamingdiensten.

Sonos Amp
  • Ausstattung
  • Installation
  • Bedienung
  • Klang Stereo
  • Klang Surround
4.6

Fazit

Stereo-Verstärker für das Multiroom-Audiosystem von Sonos, der sich auch gut in Surround-Kombinationen einsetzen lässt. Die Bedienung bleibt in allen Varianten einfach. Der Klang ist gut, legt mit Subwoofer aber noch einmal deutlich zu.

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