Amazon Echo 4 und Apple HomePod mini

Kampf der Kugeln: Echo 4 gegen HomePod mini

Inhalt
  1. Auf ein Wort: Alexa oder Siri?
  2. Runde Sache: Alles drin, alles dran?
  3. Gerne groß: Wie gut ist der Klang?
  4. Gemachtes Nest: das Ökosystem
  5. Und los: Einrichten um die Wette
  6. Haussteuerung: automatisch gut?
  7. Fazit: eine klare Entscheidung

Gerne groß: Wie gut ist der Klang?

Die Erwartungen an den HomePod mini waren hoch. Sein großer Bruder aus dem Jahr 2018 gilt als einer der klangstärksten Smart Speaker überhaupt. Allerdings hat Amazon mit dem Echo Studio tüchtig aufgeholt. In diesem Kugelduell ist die Lage jedoch eine andere. Faustgroße Lautsprecher bieten wenig Platz für Schallmembranen. Amazon konnte im Echo 4 wenigstens noch einen 76 Millimeter Tieftöner und zwei 20-mm-Hochtöner unterbringen. Im viel kleineren HomePod mini muss ein Breitband-Chassis den Job alleine erledigen, flankiert von zwei passiven Membranen, die sich durch nur den Luftdruck des Hauptlautsprechers bewegen.

Apple zieht deshalb alle Register, um dem Mini einen Maxi-Klang zu entlocken. Der kleine Homepod nutzt seine Mikrofone, um während der Wiedergabe die abgespielte Musik aufzunehmen. Laut Hersteller wird diese Aufnahme 180 mal pro Sekunde mit dem Ursprungssignal verglichen. Gibt es Abweichungen, regelt die Elektronik innerhalb von Millisekunden nach. Computational Audio nennt Apple dieses Verfahren. Der Amazon Echo 4 reguliert sich ebenfalls selbst: Eine nicht näher beschriebene Raumanpassung soll unter anderem den Bass zurücknehmen, wenn der Lautsprecher im Regal steht.

Zwei Echo 4 lassen sich in der Alexa-App zum Stereopaar verbinden, auch mit einem Subwoofer.

Das ist mitunter nötig, weil der Echo über ein ordentliches Tieftonfundament verfügt. Je nach Musik trägt er für meinen Geschmack fast zu dickt auf und übertönt dann etwas die Mitten und Höhen. Mit den Klangreglern in der Alexa-App lässt sich das aber leicht beheben. Bei Apple gibt es solche Einstellungen nicht. Der HomePod entscheidet selbst, welche Frequenzen er absenkt oder anhebt. Er macht das sehr gut, klingt ausgewogen und bei höheren Lautstärken nicht nervig oder angestrengt – wenn auch von Tiefbass kaum die Rede sein kann. Die Gesetze der Physik lassen sich eben auch mit Computational Audio nicht ganz außer Kraft setzen.

Dafür schafft es Apple, die Kugel akustisch weitgehend von ihrer Standfläche zu entkoppeln. Selbst mit maximaler Lautstärke vibriert der Untergrund kaum, während er beim Amazon Echo 4 fühlbar zu schwingen beginnt. Offenbar sind die gegenüberliegenden Passivmembranen des Mini so ausgelegt, dass sie synchron nach innen und außen schwingen, um Gehäusevibrationen zu reduzieren. Ein Trick namens Force-Cancelling, der auch dem 16-Zoll-Macbook oder dem Subwoofer von Sonos zu besserer Performance verhilft.

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Klanglich verkörpern der HomePod mini und der Echo 4 so ziemlich das Gegenteil, was auch mit ihrer Konstruktion zusammenhängt. Amazon hat sich für Schallwandler entschieden, die in eine definierte Richtung strahlen. Der Echo kennt also vorne und hinten. Er steht am besten so, dass seine Front zur Hörzone weist. Seitlich und nach oben hin verlieren seine Höhen an Glanz. Darum sollte er auch nicht zu tief stehen – es sei denn, man hört gerne auf dem Fußboden.

Im Gehäuse des HomePod ist der Schall zunächst nach unten gerichtet, wird allerdings von einer Art Rampe im Fuß horizontal zu den Seiten hin abgelenkt (Waveguide-Prinzip). Er strahlt dadurch ringförmig ab, was ihn flexibler in der Aufstellung macht. Gleichzeitig wirken die Höhen zurückhaltender als beim Echo 4 – wenn dieser optimal steht und man ihn von seiner Schokoladenseite hört.

Der HomePod mini spielt auf Wunsch ebenfalls im Duo – für den richtigen Stereoeffekt.

Als Ersatz für das Küchen- oder Badezimmerradio sowie für alltägliche Beschallung leisten die Kugeln damit gute Dienste. Wer keine besonders hohen Ansprüche stellt, wird auch sonst mit ihnen glücklich. Den Echo 4 sehe ich etwas vor dem HomePod mini, vor allem wegen des kräftigeren Bassfundaments. Allerdings würde ich beide nicht für meine Sonos One eintauschen. Wohl wissend, dass ein Multiroom-System aus diesen Lautsprechern mehr als das Doppelte kostet – und im Standby auch zwei- bis fünfmal so viel Energie verbraucht. Vom Platzbedarf der Boxen ganz zu schweigen.

Für seine Größe liefert der HomePod mini einen phänomenalen Klang. Wer bassbetonte Musik mag, greift aber besser zum Echo. Amazon geht damit in Führung – 3:2

Gemachtes Nest: das Ökosystem

Ein Test sprachgesteuerter Lautsprecher ist immer auch ein Systemvergleich. Denn Echo, HomePod & Co. sind nichts ohne ihre Online-Dienste und die Infrastruktur des Herstellers. Soll heißen: Wer sich die Kugel gibt, kauft das digitale Ökosystem gleich mit dazu. Bei Amazon umfasst es zum Testzeitpunkt im Wesentlichen:

Amazon Echo 4
MusikdiensteAmazon | Apple | Deezer | Spotify | TuneIn | ARD Audiothek
PodcastsAmazon | Apple | Spotify | TuneIn
HörbücherAudible
andere Audiodiensteper Bluetooth
KalenderApple | Google | Microsoft
ListenAmazon | Any.do | AnyList | Todoist
Anfrufevon und zu Echo-Geräten und mit der Alexa-App | auf Skype-Geräte | mit Vodafone-Mobilfunkvertrag auf Telefone
Sprachnachrichtenvon und zu Echo-Geräten und mit der Alexa-App
Textnachrichtenvon der Alexa-App auf Echo-Geräte
Durchsagen („Drop-in“)von und zu Echo-Geräten und mit der Alexa-App
BestellungenAmazon

Die Liste bei Apple ist etwas kürzer und schlanker, weil der HomePod mini fast ausschließlich auf hauseigene Dienste setzt. Alternativen für die Musikwiedergabe sind angekündigt: Den Anfang soll Amazon Music machen, allerdings hat Apple noch keinen Starttermin dafür bekannt gegeben. Bei der Vorstellung des Mini im Oktober 2020 hieß es „in den kommenden Monaten“.

Apple HomePod mini
MusikdiensteApple | Amazon (angekündigt) | TuneIn (Auswahl)
PodcastsApple
Hörbücherper AirPlay
andere Audiodiensteper AirPlay
KalenderApple | Google | Microsoft
ListenApple
Anrufeüber das iPhone auf Telefone
Sprachnachrichten
Textnachrichtenüber das iPhone als SMS und iMessage auf Telefone
Durchsagen („Intercom“)von und zu HomePods sowie auf AirPods-Kopfhörer
Bestellungen

Der Vergleich beider Listen zeigt: Ein HomePod – egal ob groß oder klein – richtet sich an Apple-Aficionados. Um sein Potenzial auszuschöpfen, sollte er mit Diensten und Geräten aus dem Apfel-Imperium verbunden sein. In vielen iPhone-Haushalten ist das ohnehin der Fall. Sie tragen Termine in die serienmäßige Kalender-App von iOS ein. Sie pflegen Einkaufslisten mit der Erinnerungen-App, verschicken Textnachrichten als iMessage oder rufen ihre Kontakte aus dem iOS-Adressbuch mit Siri an. Sie hören Podacsts aus der Apple-Bibliothek und Musik, die sie bei iTunes gekauft haben. Das alles geht ohne Aufwand auch mit dem HomePod.

Auf dem Echo 4 gibt es eine große Auswahl an Streaming-Angeboten und Cloud-Diensten.

Dem Apple-Prinzip „Alles aus einer Hand“ stellt Amazon seine kontaktfreudigere Alexa gegenüber. Echos lassen sich mit einem halben Dutzend Streamingangeboten verbinden, darunter der weltweite Marktführer Spotify. Das gesprochene Nachrichten-Update bezieht seine Informationen aus vielen Quellen und zum Führen von Einkaufslisten gibt es ebenfalls mehrere Alternativen. Doch so kommunikativ die Geräte nach außen hin auch sind, daheim im Netzwerk bleiben sie lieber unter sich: Es gibt zwar eine Multiroom-Wiedergabe, die Musik synchron auf mehreren Lautsprechern abspielt. Die steht aber nur Amazon-Geräten zur Verfügung. Andere Smart Speaker mit Alexa-Sprachsteuerung – etwa von Bose, Sonos oder Teufel dürfen an ihr nicht teilnehmen.

Apple ist da ausnahmsweise sogar offener – AirPlay 2 sei Dank. Die etablierte Technologie verbindet HomePods mit Funklautsprechern (LINK), AV-Receivern (LINK) und Fernsehern (LINK) anderer Hersteller. Alle können miteinander Gruppen bilden und vom HomePod aus kontrolliert werden. Nach dem Motto: „Hey Siri spiele das Programm XY auf Gerät YZ“. Hinzu kommt die Möglichkeit, eigene Audiodateien sprachgesteuert wiederzugeben. Für Abonnenten von iTunes Match (25 Euro/Jahr) oder Apple Music (ab 9,99/Monat) legt Apple eine Kopie der lokalen iTunes-Bibliothek in seiner iCloud an. Die Songs von der heimischen Festplatte sind damit genauso abrufbar wie Titel des Streamingdienst. Bis 2019 bot auch Amazon so einen Upload-Service an. Er wurde jedoch eingestellt.

Alexa ist offener, was dem Echo einen Vorteil verschafft. Viele Apple-Nutzer werden diese Auswahl gar nicht benötigen – trotzdem lautet der Zwischenstand jetzt 4:2.

3 Gedanken zu „Kampf der Kugeln: Echo 4 gegen HomePod mini“

  1. Ich schicke den HomePod Mini heute zurück.
    Siri versteht mich einfach nicht. Englischsprache Musiktitel werden im Gegensatz zu Alexa nicht verstanden. Daher geht es zurück. Zudem gab es öfters Verbindungsprobleme. Zusätzlich fehlt Spotify connect.
    Apple hat noch viel Arbeit vor sich. Schade. Ich hätte es gerne benutzt.

  2. Der homepod mini ist besser durch seine präziseren Mikrofone sowie das er als Home bridge direkt fungiert. Zudem ist der homepod smarter durch in die nähe halten eines iPhones automatisch Sound hin und her geben sowie Thread unterstützung. Zudem klingt der Homepod DEUTLICH besser.
    Auch ist nur ein passivtreiber und trotzdem klingt er besser. Auch besitzt nur er Funktionen wie Airplay 1 & 2 !

    1. da muss ich meinem Vorredner dem Apple Nerd leider widersprechen.. wie auch viele Testergebnisse belegen, liefert der Echo 4 einen deutlich besseren Klang. Mit der Bassstärke des Echo 4 kann der Homepod Mini es aber in keinem Fall aufnehmen. Gemessen am Preis ist der Homepod Mini klanglich eine Enttäuschung, weil er dafür zu wenig bietet.
      Darüber hinaus lässt sich der Echo auch direkt über Bluetooth verbinden, was den Manko des Airplays weg nimmt. Für Leute die nur Apple im Haus haben, sollten vlt zu Apple greifen. Achse.. auch der Sprachassistent ist bei Amazon deutlich präziser und kennt mehr als Siri.

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