Sprachgesteuerte Musikwiedergabe im Test. ©digitalzimmer

Sprachassistenten im Test: Alexa versteht die meisten Songtitel

Musik abspielen gehört zu den Hauptaufgaben digitaler Assistenten. Laut Umfrage des Branchenverbands Bitkom verwenden 69 Prozent aller Nutzer die Sprachsteuerung für diesen Zweck. Ich zähle auch dazu, ärgere mich aber gelegentlich, wenn die Wiedergabe auf Zuruf nicht so richtig klappt. Meist passiert das, wenn ein bestimmter Titel gefragt ist. Denn während der sprachgesteuerte Abruf von Radiosendern, Playlisten oder Musik-Genres ziemlich gut funktioniert, sind Alexa & Co. bei Songtiteln teilweise begriffsstutzig.

Ich wollte wissen, welcher Sprachassistent die Herausforderung am besten meistert und habe es im digitalzimmer einfach ausprobiert. Dort stehen drei Smart-Speaker einsatzbereit im Regal: ein Echo Dot von Amazon, ein Google Home Mini und der HomePod von Apple.

Der Test: 100 zufällig ausgewählte Titel erkennen

Als Testkatalog ließ ich mir von iTunes eine zufällige Liste mit 100 Titeln aus meiner Musikbibliothek zusammenstellen. Alle 100 Songs mussten die Smart-Speaker dann nacheinander abspielen. Der Einfachheit halber waren sie mit den Streaming-Diensten der jeweiligen Anbieter verbunden – also Amazon Music Unlimited, Google Play Music und Apple Music. Ich habe die Abos der Hersteller gewählt, weil sie optimale Bedingungen für so einen Test bieten. Schließlich wissen die Anbieter am besten, welche Titel sie im Katalog haben.

Jede Abfrage lief nach demselben Schema ab: Auf das Aktivierungswort folgte die Suchanfrage nach dem Motto „Spiele den Titel XY von YZ“. Wobei XY für den Titel steht und YZ für den Interpreten oder – im Falle klassischer Musik – für einen Komponisten. Die Suche nach Aufnahmen bestimmter Orchester oder Dirigenten habe ich schnell aufgegeben. Alle drei Sprachassistenten sind damit heillos überfordert. Klassikhörer können froh sein, wenn der Sprachbefehl überhaupt irgendeine Einspielung des gewünschten Werkes liefert.

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Eigenwillige Ergebnisse und Missverständnisse

Auch sonst gab es Überraschungen. So klappt die Erkennung mancher Interpreten besser, wenn man ihren Namen buchstabengetreu ausspricht. Beispiel Rhye: Die Band des kanadischen Sängers Mike Milosh klingt im Englischen nach Roggen („rye“), wollte im Test von Alexa aber „Rühe“ genannt werden. Etwa so wie der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe. Siri kommt dagegen besser mit der englischen Aussprache zurecht. Der Google Assistant kann mit dem Namen gar nichts anfangen. Ähnliches gilt für Titel. Den Cathedral Song von Tanita Tikaram etwa erkannte Apples HomePod erst, als auf Deutsch von einem „Kathedral-Song“ die Rede war.

Siri spricht englische Songtitel oft falsch aus, erkennt sie aber trotzdem. ©digitalzimmer
Siri spricht englische Songtitel oft falsch aus, erkennt sie aber trotzdem. ©digitalzimmer

Lustig wird es, wenn die Assistenten erkannte Namen wiederholen. Aus Nana Mouskouri wird dabei leicht ein japanisch klingendes Mo-Us-Ko-Uri (Alexa) oder ein vernuscheltes Muschguri (Siri). Der Song Porcelain von Mobi mutiert zu „Porkelein“ (Siri), was eher an Schweinchen erinnert als an das besungene Porzellan. Der Google Assistant und noch mehr Siri neigen dazu, fremdsprachige Titel falsch zu betonen oder auszusprechen. Das beeinträchtigt im Alltag nicht die Funktion, klingt aber seltsam.

Testergebnis: Erfolgsquoten zwischen 83 und 89 Prozent

Mit nur elf erfolglosen Abfragen liegt Amazons Alexa in meinem Test vorn. Macht eine Erkennungsrate von 89 Prozent. Knapp dahinter landete der Google Assistant mit 87 Prozent. Selbst Siri schafft als Drittplatzierte noch 83 Prozent. Insgesamt 17 Mal meldete der HomePod: „Ich habe leider nichts zu Deiner Suche gefunden“. Am schwierigsten sind für Siri wohl französische Songtitel. Mit Deutsch und Englisch kommt sie deutlich besser zurecht.

Der Google Assistant überrascht teilweise mit einer unerwarteten Songauswahl. ©digitalzimmer
Der Google Assistant verblüfft mit einer unothodoxen Songauswahl. ©digitalzimmer

Genauso wichtig wie die Trefferzahl ist meiner Meinung nach aber die Qualität der Ergebnisse. Und hier schneidet der Assistant schlechter ab als sein Prozentwert vermuten lässt. So überspielt er Schwächen buchstäblich mit dem nächstbesten Lied. Beispiel Cello von Udo Lindenberg: Statt der gewünschten Version von Udo und Clueso gab der Google Home im Test einen Mitschnitt aus der Frankfurter Batschkapp zum Besten – eingespielt von Clueso während einer Lesung mit Buchautor Benjamin von Struckrad-Barre.

Statt Cry My A River von Nancy Harms spielte er Nancy Lane und Nenas Fragezeichen kam auf Englisch, obwohl ich ausdrücklich nach dem deutschen Titel gefragt hatte. Die Liste lässt sich fortsetzen. An Stelle der gesungenen Fassung von Maria aus Leonhard Bernsteins Musical West Side Story gab der Assistant einer Instrumentalversion von Dave Brubeck den Vorzug. Schuberts Kunstlied Die Forelle kam in einer Interpretation von Hannes Wader dahergeschwommen – und Robbie Williams schmetterte sein Supreme nicht wie erwartet in der Originalaufnahme von 2000, sondern als Swing-Arrangement aus seinem 2013er-Album Swings Both Ways.

And The Winner is: Amazon Alexa

Natürlich ist das Ganze nur eine Momentaufnahme. Da sich die Sprachassistenten ständig weiterentwickeln könnte der Test bei einer Wiederholung völlig anders ausgehen. Zumal der Nutzer keinerlei Einfluss auf die Songauswahl hat. Es kann immer passieren, dass statt der Originalaufnahme ein Remix oder eine Dance-Version des gewünschten Titels erklingt. Aber Alexa erfüllt meine Erwartungen ziemlich gut und absolut alltagstauglich. Deckt sich das mit euren Beobachtungen oder habt ihr andere Erfahrungen gemacht? Dann schreibt es in die Kommentare. Ich bin gespannt auf eure Meinung.

Eine hohe Trefferquote und gute Qualität der Ergebnisse: Amazons Alexa. ©digitalzimmer
Eine hohe Trefferquote und gute Qualität der Ergebnisse: Amazons Alexa. ©digitalzimmer
Ergebnisse im Detail: Diese Abfragen waren erfolgreich
Gesuchter Songtitel … von … A G S
25 Die Fantastischen Vier + + +
? (Fragezeichen) Nena + + +
A Million Dreams Pink + +
A Million Dreams Michelle Williams + +
Alone Heart + + +
And The Healing Has Begun Van Morrison + + +
Ave Maria Nina Hagen + + +
Babooshka Kate Bush + + +
Bad Ideas Alle Farben + + +
Blinded By The Light Manfred Mann’s Earthband + + +
Bohemian Rhapsody Pentatonix + + +
Bongo Bong Manu Chao + + +
Broken Skin Nitin Sawhney + + +
Bruxelles Jacques Brel +
Can’t Stop The Feeling Justin Timberlake + + +
Catherdral Song Tanita Tikaram + +
Cello Udo Lindenberg + Clueso + +
Crazy Love Marianne Faithfull + + +
Cry Me A River Nancy Harms + +
Dance (While The Music …) ABBA + + +
Demon Dance Parov Stelar + + +
Desire Richard Elliot +
Die Forelle Schubert + + +
Disco 2000 Pulp + + +
Don’t Wait Too Long Madleine Peyroux + + +
Duel Propaganda + + +
Échame La Culpa Luis Fonsi / Demi Lovato + +
Everybody Hurts R.E.M. + + +
Fatiguée d’attendre Patricia Kaas +
Ganz und Gar Patricia Kaas + + +
Georgie Girl The Seekers + + +
Get Here Oleta Adams  + + +
Gogol Chilly Gonzales  + +
Gorrion Dino Saluzzi Trio  +
Hedonsim Skunk Anansi  + + +
Horny ’98 Mousse T.  + + +
I Feel It Coming The Weekend + + +
If You Don’t Know Me By Now Simply Red + + +
In A Manner Of Speaking Martin L. Gore + + +
In Other Words Shirley Bassey + + +
In The Ghetto Nana Mouskouri  + + +
It Ain’t Over ‚Til It’s Over Lenny Kravitz + + +
Jenny Jenny AnnenMayKantereit + + +
Just A Friend Of Mine Vaya Con Dios + + +
Kalkutta liegt am Ganges Vico Torriani + + +
Klavierkonzert Nr. 1 Tschaikowski +
La Femme Accident OMD + +
La valse d’Amélie Yann Tiersen + + +
Les parapluies de cherbourg Nana Mouskouri + +
Let It Snow, Let It Snow, Let … Herb Alpert + + +
Man In The Mirror Michael Jackson + + +
Maria Leonard Bernstein + +
Mas Que Nada Pink Martini +
Mercie Chérie Udo Jürgens + + +
Merry Christmas Mr. Lawrence Ryuichi Sakamoto + +
Midnight Yazoo + +
Miracle Chvrches + +
Nachrichten Kraftwerk  –
Ne me quitte pas Jacques Brel + +
Never Sleep Alone Kaskade + + +
Never, Never The Assembly + +
One More Time Daft Punk + + +
Open Rhye + +
Poor Boy Nick Drake + + +
Porcelain Moby + + +
Pride (In The Name Of Love) U2 + + +
Red Rain Peter Gabriel + + +
Roads Portishead + + +
Sanctus The Hilliard Ensemble + +
Schläfst Du schon Michel Van Dyke +
Schland o Schland Vuvuzela +
Shallow Lady Gaga + +
She’s Mine But I’m Not Hers Jay-Jay-Johansson  + +
She’s So High Kurt Nielsen + + +
Sinfonie Nr. 5 Beethoven + +
Sit And Wait Sydney Youngblood + + +
Slave To Love The Brian Ferry Orchestra + + +
So weit wie noch nie Jürgen Paape + + +
Somewhere Only We Know Keane + + +
Spiel mir das Lied vom Tod Ennio Morricone + + +
Stay Shakespears Sister + + +
Story Of A Heart Benny Andersson Band + + +
Sugar Maroon 5 + + +
Supreme Robbie Williams + + +
Teo Torriatte (Let Us Cling …) Queen + + +
The Day Before You Came Mark Northfield + +
The Mambo Craze De-Phazz + +
The Patience Of A Saint Electronic + + +
The Sea Morcheeba + + +
This Is What You Are Mario Biondi + + +
This Is Me Keala Settle + + +
Together Again Janet Jackson + + +
Tudo Por Amor Rita Lee + + +
Turning Tables Piano Dreamers + + +
Una Mattina Ludovico Einaudi + + +
Una notte a Napoli Pink Martini + + +
Video Games Lana Del Rey + + +
When Do I Get To Sing My Way Sparks + + +
Where The Wild Roses Grow Nick Cave / Kylie Minogue + + +
Winter in Kanada Elisa Gabbai + + +

2 Gedanken zu „Sprachassistenten im Test: Alexa versteht die meisten Songtitel“

    1. Alexa spiele Musik von Tschaikowski … Edvard Grieg … etc. … funktioniert bei mir.

      Auch der direkte Titelwunsch „Spiele das erste Klavierkonzert von Tschaikowski“ klappt ohne Probleme. Ich habs gerade ausprobiert. Vielleicht eine zeitweise Störung?

Kommentare sind geschlossen.