Sprachgesteuerte Musikwiedergabe im Test. ©digitalzimmer

Sprachassistenten: US-Konzerne verbessern den Datenschutz

Die öffentliche Debatte zeigt Wirkung. Nachdem viele Medien in den vergangenen Wochen berichtet haben, dass Amazon, Apple und Google ungefragt Tonaufnahmen ihrer digitalen Sprachassistenten von Menschen auswerten lassen, rücken nun alle drei Unternehmen von dieser umstrittenen Praxis ab.

Google setzt die Auswertung durch Menschen aus

Als Erstes kündigte Google am 1. August an, die Transkription von Mitschnitten seines Assistant für drei Monate auszusetzen – und zwar in der gesamten EU. Mitarbeiter sollen vorerst keine Sprachaufnahmen mehr abtippen, damit Programmierer die Erkennungsrate des Systems verbessern können. Das geschieht nicht ganz freiwillig: Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hatte zuvor ein Verwaltungsverfahren gegen Google eröffnet. Es soll überprüfen, ob der Einsatz von Sprachassistenten den Vorgaben der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entspricht. Laut Pressemitteilung des Datenschutzbeauftragen bestehen daran im Falle des Google Assistant „erhebliche Zweifel“ (LINK). Die Löschfunktion des Google Assistant reicht nicht aus.

Apple stoppt das Mithören von Siri-Aufnahmen weltweit

Einen Tag später folgte Apple. Gegenüber dem Online-Nachrichtenportal TechCrunch erklärte das Unternehmen, die menschliche Qualitätskontrolle von Siri ebenfalls auszusetzen. Und zwar weltweit auf vorerst unbestimmte Zeit (LINK). Ein künftiges Software-Update solle Nutzern die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, ob sie am sogenannten Grading-Programm des digitalen Sprachassistenten teilnehmen wollen. Laut Apple wird dabei nur ein geringer Teil von weniger als einem Prozent der täglichen Siri-Anfragen als Audiodatei an Dienstleister weitergeleitet.

Als erster der drei Anbieter hat Amazon erweiterte Datenschutzeinstellungen eingeführt.
Amazon führt Datenschutz-Optionen für Alexa ein

Amazon ist diesen ersten Schritt bereits gegangen: Seit kurzem gibt es in den Einstellungen der Alexa-App und auf der Webseite alexa.amazon.de ein Datenschutz-Menü. Dort besteht unter anderem die Möglichkeit, Aufnahmen per Sprachbefehl zu löschen. Der Unterpunkt „Legen Sie fest, wie ihre Daten Alexa verbessern sollen“ wurde jüngst erweitert. Nutzer können hier bereits entscheiden, ob Amazon die Audioclips zum Verbessern von Funktionen verwenden darf. Ein zweiter Schieberegler präzisiert diese Freigabe. Wer ihn aktiviert, gestattet es dem Unternehmen, mit den gesendeten Aufnahmen auch die „Genauigkeit der Transkripte“ zu verbessern.

Ob diese  Formulierung einer „transparenten Aufklärung“ und „informierten Einwilligung“ im Sinne des Datenschutz-Gesetzes entspricht, muss sich erst noch zeigen. Die Wahlmöglichkeit ist aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

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