Eve Light Strip mit adaptivem Licht

So funktioniert adaptives Licht in HomeKit

Eine relativ junge Funktion in Apple HomeKit heißt Adaptives Licht (auf Englisch: Adaptive Lighting). Sie wurde mit iOS 14 eingeführt und passt die Farbtemperatur von weißem Licht dynamisch an. LED-Lampen, die damit arbeiten, verändern stufenlos ihren Weißton – zwischen einem warmen, glühlampenähnlichen Licht und kühlem Tageslichtweiß. Das geschieht in zwei Situationen:

1. Beim Dimmen verschiebt sich der Farbton von Kaltweiß in Richtung Warmweiß. Je dunkler die Lichtquelle eingestellt ist, desto wärmer erscheint sie. Der Effekt erinnert an Glühlampen, die beim herunterdimmen einen leichten Rotstich bekommen.

2. Im Tagesverlauf folgt die Farbtemperatur dem natürlichen Sonnenlicht. Am Morgen ist die Einstellung warm, um mit fortschreitender Zeit immer kühler zu werden, bis sie am Mittag ihren kaltweißen Höhepunkt erreicht. Danach fällt die Kurve wieder ab, um mit Warmweiß am Abend zu enden (siehe unten).

Beide Effekte laufen parallel ab. Die Rotverschiebung während des Dimmens fällt um die Mittagszeit allerdings stärker auf, weil die Leuchtmittel dann auf ein kühles Licht eingestellt sind. Der Unterschied in der Farbtemperatur ist also größer als am Morgen oder Abend, wenn die LEDs sowieso schon warmweiß leuchten.

Technische Voraussetzungen für adaptives Licht

Um in den Genuss der Farbautomatik zu kommen, muss mindestens eine HomeKit-Zentrale in der Wohnung installiert sein. Dafür kommen infrage: ein Apple TV 4/4K oder neuer, HomePod, HomePod mini oder ein iPad, das als Steuerzentrale dient (LINK). Außerdem sind Leuchtmittel nötig, die das adaptive Licht in HomeKit unterstützen.

Aktuell trifft das auf den Eve Light Strip und Philips Hue zu. Beide Anbieter haben die Funktion mit einem Software-Update im November 2020 freigeschaltet. Bei Eve handelt es sich um die Firmware-Version 1.1.0, auf der Hue-Bridge hat Adaptives Licht mit der Software-Version 1941132070 seinen Einzug gehalten. Voraussetzung ist natürlich immer, dass die Lichtquelle verschiedene Weißtöne darstellen kann. Monochrome Lampen wie die Hue White oder die Hue Filament-Modelle sind dazu nicht in der Lage, selbst wenn die Bridge den Farbwechsel unterstützt.

Sonnensmbol für Adaptives Licht in HomeKit.
Die Schaltfläche mit Sonnensymbol aktiviert Adaptives Licht in HomeKit. ©digitalzimmer
Adaptives Licht aktivieren und nutzen

Sobald HomeKit ein geeignetes Leuchtmittel im Netzwerk erkennt, bietet die Home-App von Apple automatisch eine neue Schaltfläche an. In den Einstellungen der Lampe erscheint dann oben links neben den gewohnten Farbkreisen ein Feld mit Sonnensymbol. Ist es ausgewählt, wird die Lampe zum adaptiven Licht.

Die Einstellung lässt sich – wie jede normale Lichtfarbe – in Szenen oder Automationen verwenden. Beim Einschalten sorgt HomeKit für die passende Tönung. Umgekehrt deaktiviert die Auswahl eines fixen Farbtons die Automatik auch wieder. Wer abends Party mit bunter Beleuchtung macht, muss am nächsten Tag den Zyklus also neu starten – entweder von Hand in der App oder mit einer Automation. Beides geht übrigens nur in der Home-App von Apple. Andere HomeKit-Programme haben keinen Zugriff auf die Funktion.

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So kontrolliert HomeKit die Lampen

Um den gewünschten Effekt zu erzielen, arbeiten die HomeKit-Zentrale und das Leuchtmittel zusammen. Der HomePod, das iPad oder die Apple-TV-Box schicken eine mathematische Formel zur Lichtquelle. Aus dieser Formel berechnet das Leuchtmittel selbst, welche LEDs es aktiviert und in welcher Intensität diese zu leuchten haben. Das erklärt auch, warum adaptives Licht nicht mit allen Lampen funktioniert – und wahrscheinlich auch nie funktionieren wird. Nur Modelle mit genug eigener Prozessorleistung sind in der Lage, solche Berechnungen durchzuführen. Oder es gibt – wie im Falle von Phlips Hue – eine Bridge, die den Job übernimmt.

Eve Light Strip und Hue-Lampe mit adaptivem Licht und 10 Prozent Helligkeit. ©digitalzimmer

Die Arbeitsteilung ist notwendig, weil Leuchtmittel ihren Weißton aus verschiedenfarbigen LEDs zusammenmischen. Manche Exemplare verfügen nur über kalt- und warmweiße Dioden. Andere nehmen Rot, Grün und Blau (RGB) dazu. Wieder andere setzen auf Zwischentöne wie Limonengrün und Rotorange. Nur der Hersteller weiß, wie er die Zielfarbe erreicht. Den Vorgang kann man sich ähnlich vorstellen wie bei der Videoübertragung mit Dolby Vision. Auch dort gibt das Signal die Richtung vor. Für die Umsetzung ist aber eine Dolby-Vision-Schaltung im TV-Gerät zuständig. Sie steuert das Display an und berücksichtigt dabei die Eigenschaften des Bildschirms – damit die Anzeige dem Ausgangssignal möglichst nahe kommt.

Eve Light Strip und Hue-Lampe mit adaptivem Licht und 50 Prozent Helligkeit. ©digitalzimmer

Ganz nebenbei soll die Berechnung dafür sorgen, dass bei einem Markenmix die Farben stimmen. Sind Hue-Lampen und ein Eve Light Strip im selben Raum installiert, würde es auffallen, wenn die Hersteller verschiedene Farbtemperaturen abliefern. Wie die Fotos auf dieser Seite zeigen, klappt das „color matching“ ziemlich gut. Leichte Unterschiede gibt es trotzdem. So wirkt das Philips-Licht um die Mittagszeit zum Beispiel einen Tick kühler als der Leuchtstreifen von Eve. Die Abweichung ist aber so gering, dass sie im Alltag kaum auffällt. Zumal die Lichtfarbe auch von der Umgebung – sprich: den Reflexionsflächen – abhängt. Und die können an zwei Installationsorten im selben Raum völlig unterschiedlich sein.

Eve Light Strip und Hue-Lampe mit adaptivem Licht und 100 Prozent Helligkeit. ©digitalzimmer

Mir persönlich ist das Farbspektrum des adaptiven Lichts noch nicht breit genug. Vor allem abends beim Entspannen bevorzuge ich einen warmen, gemütlichen Ton. In den Spezifikationen ist (nach allem was ich weiß) ein Bereich von 2000 bis 5600 Kelvin vorgesehen. Davon scheint Apple bislang aber nur einen Teil zu nutzen. Im Vergleich mit den Philips-Hue-Filamenten, die eine Farbtemperatur von 2100 Kelvin haben, wirkt selbst die wärmste Einstellung nicht übertrieben heimelig. Sie dürfte ungefähr bei 2700 Kelvin liegen – und damit auf dem Niveau der meisten warmweißen Lampen.

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Allerdings ist die Funktion noch jung und beruht auf komplett Algorithmen. Soll heißen: Apple kann die Abstimmung nachträglich per Software-Update ändern. Die HomeKit-Zentrale muss nur eine andere Formel an die Leuchtmittel im Netzwerk senden. Vielleicht geschieht das ja irgendwann, wenn sich noch mehr Nutzer ein wärmeres Licht wünschen. Und da wir gerade dabei sind: Eine Funktion als Lichtwecker wäre prima. Ich hätte gerne einen Timer mit adaptivem Licht, der ganz geschmeidig den Sonnenaufgang simuliert.


Verschiedene Farbtemperaturen von Warm- bis Kaltweiß

Licht als Wellnessfaktor: Die richtige Farbtemperatur hilft beim Wachwerden oder Einschlafen. LED-Lampen mit einem änderbaren Weißton (Tunable White) können sich diesen Effekt im Smarthome zunutze machen. Mehr dazu im Beitrag über biologisch wirksames Licht


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