Ausgeknipst: Senic stoppt sein Lampen-Projekt Covi. Bild: Hersteller

Ausgeknipst: Senic stoppt sein smartes Leuchten-Projekt Covi

Das Unternehmen Senic zieht bei Covi den Stecker. Nun gibt es keine smarte Tischleuchte mit Sprachsteuerung aus Berlin. Eigentlich hätte sie dieser Tage auf den Markt kommen sollen. Auf Nachfrage im Februar ging Senic-Geschäftsführer und Mitgründer Tobias Eichenwald noch von einem Liefertermin im Mai aus. Doch dann kam überraschend die Wende: Am 24. Mai teile Senic seinen Unterstützern auf Kickstarter mit, dass die Entwicklung gestoppt wurde.

Die gute Nachricht: Alle 1.060 Geldgeber, die im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne rund 127.000 Euro eingezahlt haben, bekommen ihr Geld zurück. Ein Antragsformular für die Erstattung hat Senic bereits online gestellt. Im Juni soll es außerdem einen Live-Chat geben, in dem das Team seine Beweggründe erläutert.

Die Senic Covi arbeitet auch mit dem Smarthome-Controller Nuimo zusammen. Bild: Hersteller
Die Senic Covi kommt nicht auf den Markt. Der Hersteller stoppt das Projekt. Bild: Hersteller

Was ist geschehen? Dass die Entwicklung länger dauern würde als geplant, zeichnete sich schon letztes Jahr ab, als der ursprünglich geplante Termin für die Auslieferung im August 2017 überschritten wurde. Offenbar war es komplizierter als gedacht, den Covi-Prototypen massentauglich zu machen. Wie Senic nun auf Kickstarter mitteilt, lag das maßgeblich an der Sprachtechnik.

Wie ein Amazon Echo oder Google Home sollte auch die Covi-Lampe mit mehreren Mikrofonen arbeiten, um Befehle aus dem Raum zu empfangen. Bei den beiden Erstgenannten sitzen die Lauscher allerdings außen an der Oberfläche. Senic hat sie aus Designgründen in einem Aluminiumsockel versenkt. In der Mitte der kreisförmig angeordneten Mikros erhebt sich sich der gläserne Lampenschirm. Er reflektiert den Schall und leitet ihn quasi um sich herum. Ergebnis: Die Mikrofone tun sich schwerer zu erkennen, aus welcher Richtung der Sprachbefehl kommt – und sie verstehen ihn wegen der Reflektionen nicht so gut. Laut Hersteller hätte die Lösung des Problems weitere sechs bis neun Monate in Anspruch genommen. So viel Geduld wollte man den Kunden wohl nicht abverlangen.


Senic Nuimo und Flic bekommen jeweils einen eigenen Hub.©digitalzimmer

Jetzt mit Hub: Die Smarthome-Controller Flic und Senic Nuimo arbeiten mit Bluetooth. Deshalb musste bislang ein Smartphone in der Nähe sein, um Befehle ins WLAN weiterzuleiten. Das ändert sich nun. Beide Controller bekommen ihre eigene Funkzentrale.


Hinzu kommt, dass sich die Berliner nicht von einem Sprachdienst abhängig machen wollten. Ursprüngliches Ziel war ein Gerät, das plattformunabhängig mit beliebigen digitalen Assistenten zusammenarbeiten kann. Im Zuge der Entwicklung musste Senic jedoch einsehen, dass dies „nicht machbar“ war.  Eine Sprachintegration nach Vorstellung des Teams sei im Augenblick zu komplex und nicht komfortabel genug umsetzbar, heißt es auf Kickstarter.com.

Deshalb nimmt das Unternehmen Abstand von sprachgesteuerten Produkten und konzentriert sich künftig auf seinen hochwertigen Smarthome-Controller Nuimo und den neu erschienen Hub. Der bietet dieselben Funktionen zur Haussteuerung wie Covi. Er kann zum Beispiel Sonos-Lautsprecher und smarte Lampen von Philips oder Lifx steuern – nur eben ohne Sprachkommandos.

Smarthome-Steuerung ohne Sprache: Der Senic-Controller Nuimo. ©digitalzimmer
Smarthome-Steuerung ohne Sprache: Der Senic-Controller Nuimo. ©digitalzimmer

digitalzimmer.de meint: Covi ist nicht das erste Crowdfunding-Projekt, das sich schwertut oder scheitert. Allerdings gehen nicht alle Hersteller so fair mit ihren Unterstützern um. Statt ein unfertiges Produkt auszuliefern, das vielleicht nie den Ansprüchen seiner Erfinder und der Kunden genügt, zahlt Senic das eingenommene Geld zurück. Die Geschichte lehrt gleichzeitig, wie schwer es für deutsche Firmen ist, den US-Vorsprung in der Sprachsteuerung aufzuholen. Amazon, Google und Apple geben den Ton an – und bestimmen logischerweise die Spielregeln, wenn ein anderes Unternehmen ihre Technik nutzen will. Vielleicht schafft es die Telekom ja, sich gegen Amazon & Co. Deren digitaler Assistent ist schon länger im Gespräch und soll im Sommer auf den Markt kommen.

Aufmacherfoto: Senic

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