Philips Hue und Osram Lightify im Vergleich

Funktion und Farbwiedergabe
Für beide Systeme gilt: Die Lampen reagieren auf normale Wandschalter und -Taster oder auf Schaltwippen im Kabel von Tisch- und Stehleuchten. Dass sie dabei nur ein weißes, nicht dimmbares Licht geben, irritiert viele Käufer. Auch die Tatsache, dass nach einem Stromausfall automatisch alle Lampen angehen, ist zunächst ungewohnt. Die Hersteller erklären dieses Verhalten mit Sicherheitsbedenken. Würde sich jedes Leuchtmittel den zuletzt gewählten Betriebszustand merken, wäre es im Notfall vielelicht nicht einsatzbereit. Statt einen hell erleuchteten Fluchtweg bekämen die Bewohner nur schummriges Stimmungslicht zu sehen. Oder schlimmstenfalls gar nichts, wenn der Timer die Lampen nach dem Zubettgehen auf Null gedimmt hat.

An die Steuerung per App hat man sich aber schnell gewöhnt. In vielen Familien liegen bereits ausrangierte Smartphones herum, die sich gut zur Zweit-Fernbedienung umfunktionieren lassen. Osram hatte letztes Jahr einen etwas unglücklichen Start, weil die erste Marge des Typs CLA A60 RGBW vereinzelt mit Produktionsfehlern kämpfte: Die betroffenen Lampen setzten sich von selbst zurück und gingen in den Default-Zustand (2700 K Farbtemperatur, 100 Prozent Dimm-Level). Auch das Exemplar aus meinem Starter Set hat mir der Händler anstandslos ersetzt, weil es sich alle Stunde von alleine einschaltete. Bei neueren Exemplaren ist dieser Effekt nicht mehr aufgetreten. Die Lightify-Lampen schalten schnell und zuverlässig. Unterschied zur Hue: Osram dreht das Licht abrupt an und aus, die Philips-App zieht ein weiches Fade-In/Fade-Out vor.

Sattes Blau gibt die Hue-Lampe eher Violett wieder. Lightify zeigt, wie's besser wäre.
Sattes Blau gibt die Hue-Lampe eher Violett wieder. Lightify zeigt, wie’s besser wäre.

Sowohl die Philips-Birnen in diesem Vergleich (LCT001) als auch die Osram-Modelle (Classic A60 RGBW) sind laut Hersteller in der Lage, 16 Millionen Farben darzustellen. Dabei sollen sie verschiedene Weißtöne von kühlem Tageslicht bis hin zum warmem Kunstlicht genauso gut treffen wie knallbuntes Feuerwerk – stufenlos variabel natürlich. Das ist eine technische Herausforderung, die gleichzeitig den hohen Preis der Produkte erklärt (50 bis 60 Euro). Denn normale, weiße LED-Lampen nutzen blaue Leuchtdioden, die mit gelb leuchtendem Phosphor auf eine bestimmte Farbtemperatur getrimmt werden. Die Modelle im Test mischen das Licht aus verschiedenfarbigen LEDs zusammen.

Osram nutzt dafür sogenannte RGBW-Technik. Das heißt: Rote, grüne und blaue Leuchtdioden werden um weiße LED-Chips ergänzt. Das ist nötig, weil RGB alleine kein wirklich schönes, glühlampenähnliches Kunstlicht gibt. Als Messlatte dient der sogenannte Farbwiedergabeindex (CRI) in Form des Ra-Werts. Die traditionelle Glühlampe erreicht bis zu 100 Ra, weil sie in den 1930er-Jahren bei der Definition des CRI als Referenz diente. Energiesparlampen mit Leuchtstoff-Technik erreichen oft nur 70 Ra oder weniger, weil in ihrem Spektrum rote und gelbe Wellenlängen unterrepräsentiert sind. Das äußert sich in der Praxis durch ein etwas fahles Licht, das Menschen schnell ein wenig ungesund aussehen lässt.

Für beide Lampenmodelle in diesem Vergleich geben die Hersteller Ra-Werte von mindestens 80 an. Zur Hue-Markteinführung im Jahr 2012 versprach Philips sogar 90 Ra im wichtigen warmweißen Bereich zwischen 2700 und 3000 Kelvin. Ein Trick soll das ermöglichen: Statt klassischen RGB-Dioden verwendet  die LCT001 LEDs mit leicht verschobenen Tönen, die von der Philips-Tochter Lumileds entwickelt wurden. Sie heißen „Lime“ (gelbstichiges Grün) „Royal Blue“ (Ultramarin) und „Red-Orange“ (Rot mit Gelbanteil). Ihr Gemisch soll ein so angenehmes Licht erzeugen, dass Philips meint, auf zusätzliche White-LEDs verzichten zu können. In der Tat trifft das Warmweiß von Hue  besser meinen Geschmack als die Osram-Lampen. In der Warmweiß/Kaltweiß-Skala der Lightify-App driftet mir die A60 RGBW einen Tick zu sehr ins Gelbe ab.

Rottöne bringen beide Systeme gleichermaßen auf den Punkt. Die Farben sind gut gesättigt.
Rottöne bringen beide Systeme gleichermaßen auf den Punkt. Die Farben sind gut gesättigt.
Bei Orange hat Hue die Nase vorn. Der Farbton der Lightify-Lampe (rechts) wirkt in der Realität aber nicht ganz so ausgewaschen wie auf dem Bild.
Bei Orange hat Hue die Nase vorn. Der Farbton der Lightify-Lampe (rechts) wirkt in der Realität aber nicht ganz so ausgewaschen wie auf dem Bild.

Dafür punktet Lightify, wenn es um Farben geht. Vor allem kräftiges Blau ist eine Stärke der Osram-Lampe. Am Hue-Pendant kann man herumschrauben solange man will, es wird immer eine Art Lila daraus – mit leichtem Schwarzlicht-Effekt, der helle Flächen fluoreszieren lässt. Ein wenig so wie in Diskotheken der 80er-Jahre. Das machen die Hue-Lightstrips von Philips besser. Allerdings nutzen die LED-Bänder auch klassische RGB-Technik und sind nicht auf perfekte Weißwiedergabe hin optimiert. Pink und Rot gelingt beiden Systemen ähnlich gut. Türkis und Grün sowie sattes Gelb sind offenbar schwerer zu treffen, sie sehen hier wie dort etwas blass aus. Bei Orange hat Hue die Nase vorn. Um die Farben der Systeme besser darstellen zu können, habe ich Lightify-Lampen an der Hue-Bridge angemeldet und zusammen mit den Philips-Modellen gesteuert. Die Bilder auf dieser Seite zeigen das Ergebnis.

Das Grünspektrum von Gelb bis Türkis fällt beiden schwer. Die Farben erscheinen etwas blass.
Das Grünspektrum von Gelb bis Türkis fällt beiden schwer. Die Farben erscheinen zu blass.

Mit der Farbe ändert sich im übrigen auch der Energieverbrauch. Weil die Lampen ihre Tönung über unterschiedliche Intensität der verschiedenfarbigen LEDs erreichen, wird der vom Hersteller angegebene Maximalwert von 9 Watt (Philips) und 10 Watt (Osram) fast nie erreicht. Mit voll aufgedrehter Helligkeit gönnten sich die Hue-Lampen im Test zwischen 2,2 Watt (Blau) und 6,1 Watt (Kaltweiß), die Lightify-Pendants saugten 3,9 (Blau) bis 8,2 Watt (Gelb) aus der Steckdose. Über den Standby-Verbrauch müssen sich Nutzer keine Gedanken machen. Das stromsparende Zigbee-Funkmodul benötigt im Ruhezustand nur wenige Hundert Milliwatt, um die Lampe aufzuwecken. Beide Modelle blieben im Test daher unter der magischen Schwelle von 0,5 Watt.

19 Gedanken zu „Philips Hue und Osram Lightify im Vergleich“

  1. Hallo Frank-Oliver!

    Erst einmal vielen Dank für den tollen Einblick in die Funktionsweise der beiden Systeme.

    Eine weitere Frage habe ich:

    Wie beurteilst du die Eignung der WLAN-Lampen als Lichtwecker im Vergleich zu dem Phillip „Wake Up Light“?

    Konkrete Merkmale wären:
    1) Fängt der Dimmvorgang bei 0% Helligkeit an oder wird die Lampe erst mit einer Mindesthelligkeit eingeschaltet?

    2)In wieweit lässt sich der Verlauf des Dimmens einstellen? (Farbe, Helligkeit, Dauer)

    3)Wie komfortabel ist die Software der Weckerfunktion?

    1. Die Lampen dimmen nicht aus völliger Dunkelheit. Ich würde sagen, sie fangen bei etwa 5-10 Prozent an. Dasselbe gilt auch auch beim Ausblenden. Da werden sie stufenlos dunkler bis zu einem gewissen Punkt und gehen dann komplett aus.

      In den Alarmeinstellungen lässt sich festlegen, wie lange der Dimmvorgang dauern soll (1 bis 60 Min.) und welche Lichstzene dabei aufgerufen wird. Eine Farbänderung ist in der Hue-App nicht vorgesehen, ich möchte aber nicht ausschließen, dass es Apps von Drittanbietern gibt, die so etwas können.

      Für jeden Alarm lässt sich außerdem festlegen, an welchen Wochentagen er aktiv sein soll (Mo-So) und man kann ihm einen individuellen Namen geben (z.B. Wochenende). Das war’s dann aber mit den Einstellmöglichkeiten. Meiner Meinung nach kein vollwertiger Ersatz für einen Lichtwecker, aber besser als eine Schaltsteckdose an der Nachttischlampe ;-) .

  2. Ich hätte auch noch eine Frage zum Hue: Wir haben das WLAN getimert, es schaltet um 23.00Uhr aus. Seh ich das richtig, dass ich ab dann die Lampen nicht mehr bedienen kann? Oder ginge nur die App nicht? Bzw. läuft die Fernsteuerung (das runde kleine Ding)auch über s WLAN oder über Funk?
    Würde mich sehr über eine Antwort freuen!
    Vielen Dank fürs Teilen Ihrer Erfahrungen! War sehr hilfreich! Cool!

    1. Das WLAN ist nur für bestimmte Funktionen der App nötig – zum Beispiel um Timer oder Alarme am Smartphone zu programmieren oder um neue Lampen hinzuzufügen. Ist das WLAN abgeschaltet, bleibt die Hue-Bridge (das runde Ding) trotzdem funktionsfähig. Sie hängt ja per Netzwerkkabel am Router und kommuniziert über ihren eigenen Zigbee-Funk mit den Lampen. Bereits programmierte Zeitschaltungen (Timer, Alarme) laufen deshalb wie gewohnt ab. Auch ein Smartphone, das per Mobilfunk (Edge, 3G, LTE) mit dem Internet verbunden ist, kann das Hue-System auf diesem Weg fernbedienen und Lichtszenen aufrufen – ohne die oben genannten WLAN-Funktionen. Das Ein- und Ausschalten der Lampen über normale Lichtschalter geht natürlich ebenfalls.

  3. Ich danke für den Bericht. Leider fällt mir auf, dass es bisher noch bei keinem System Lampen mit über 900 Lumen gibt. Wann sind den diese im Handel und wie hell sind diese von Philips und Osram?

    1. Die Lumen-Angaben laut Hersteller sind bei Philips Hue 600 lm und 750 lm (Hue Lux), bei Osram 810 lm. Ob es irgendwann hellere geben wird, weiß ich nicht. Am meisten Power hat meines Wissens nach die WLAN-Lampe von LifX (1020 Lumen).

      1. Ich danke bestens für die Antwort.

        Können die auch mit der App von Philips Hue gesteuert werden und passen diese in eine E27 rein? können die auch Farben erzeugen? Bei der Beleuchtung stelle ich sehr hohe Anforderungen.

        1. E27 ja aber nicht über die Hue-App steuerbar. LIFX aus den USA ist ein eigenes System, das komplett auf WLAN basiert und kein Zigbee Light Link wie Philips und Osram verwendet. Mehr Informationen auf der Hersteller-Webseite

  4. Ich habe es nun geschafft eine GU10 Lightify-Lampe an einer Hue-Bridge anzumelden und über die Philips-App zu steuern. Leider lässt sich die Lampe nicht ganz ausschalten – auch per Timer nicht – sie leuchtet immer noch trotz ausschalte-Befehl. Es gibt mehrere Nutzer die unter diesem Problem leiden. Hätte jemand eine Lösungsidee?

  5. Vielen Dank für die guten Test!
    Ich habe letzten Winter auf das Osram System gesetzt ( meiner Meinung nach bessere Werte bei den reinen Weißlampen) und hoffe jetzt bei jedem Update dass neue sinnvolle Funktionen hinzu kommen.

    Ja es ist auf jeden Fall griffiger und direkter als noch bei Version 1.0 aber noch einen großen Schritt von der Hue Lösung entfernt.

    Der Timer funktioniert in Zusammenspiel mit Szenen auch nicht immer ganz zuverlässig und das Problem mit den unterschiedlichen Hirachien Lampe->Gruppe->Szene hat oft auch noch seine Macken.

    Aber einfach mal Daumen drücken und abwarten was passiert wenn Apple sein HomeKit startet…

  6. Ein sehr informativer und guter Bericht – Danke dafür. Ich hätte noch eine Frage. Du schreibst, dass Dank Zigbee-Standard sich Lightify-Lampen an einer Hue-Bridge anmelden und über die Philips-App steuern lassen. Ich versuche dies leider erfolglos. Kannst Du mir sagen wie Duees geschafft hast?

    1. Ist die Osram-Lampe neu und war noch an keinem Lightify-Gateway angemeldet, müsste sie bei einem Lampen-Suchlauf von der Hue-App (Einstellungen/Meine Lampen/+Neue Lichter anschließen) eigentlich automatisch gefunden werden. Falls das nicht der Fall ist, versuche die Lampe wie im Beitrag beschrieben in den Auslieferungszustand zurückzusetzen. Also fünf Mal hintereinander für jeweils fünf Sekunden ein und wieder ausschalten, am besten mit Stoppuhr. Dann beim sechsten Einschalten solange warten, bis die Lampe einmal kurz blinkt. Das hat zumindest bei mir funktioniert. Alle Erfahrungen beziehen sich allerdings auf das Modell mit E27-Gewinde (Classic A60 RGBW) andere Lightify-Leuchtmittel habe ich noch nicht ausprobiert.

        1. Eigentlich nicht. Weil das sogenannte „Touch Linking“ bei der Installation per App keine Rolle spielt. Die Lampe sollte lediglich in Reichweichte der Bridge sein.

      1. Hallo, vielen Dank für die Tipps.
        Nach Verwendung der Stopp Uhr hat es auf Anhieb funktioniert. Ein paar Sekunden nach dem 6. einschalten blinkt die Osram Leuchte einmal.
        Leider kann meine hue App die Leuchte trotzdem nicht finden. Gibt es weitere Tipps zur Integration der OSRAM an der hue Bridge? Die OSRAM ist etwas heller, was ich sehr gut finde :-).
        Bin über weitere Tipps sehr dankbar!

  7. Vielen Dank für den ausführlichen und kompetenten Test. Was mir allerdings fehlt, ist eine Aussage zum Stromverbrauch der Basisstationen. Sie schreiben im Text nur über die LED-Lampen (<0,5 Watt). Oder habe ich die Messwerte zur Bridge von Hue und dem Lightify-Gateway überlesen?

    1. Ups, diese Informationen sind mir beim Schreiben tatsächlich durchgerutscht. Vielen Dank für den Hinweis. Das Lightify-Gateway verbraucht nach meinen Messungen 1,3 Watt, die Hue-Bridge von Philips minimal mehr: 1,6 Watt. Beides sind also keine Stromfresser.

      1. Aus aktuellem Anlass habe ich gerade noch einmal die Hue-Bridge 2.0 gemessen. Also das Nachfolgemodell mit HomeKit-Unterstüttung. Es liegt mit rund 1,4 Watt sogar leicht unter dem Vorgänger.

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