Philips Hue und Osram Lightify im Vergleich

Die Bedienung der Lightify-App
Anders als das Hue-System, wo jede Lampengruppe automatisch eine Lichtszene ergibt, unterscheidet Lightify in der App drei Hierarchieebenen: Lichter, Gruppen und Szenen. Als Lichter bezeichnet Osram die einzelnen Lampen oder Leuchtmittel. Sie werden auf der Startseite in Gruppen zusammengefasst, wobei jedes Licht seine eigene Farbe und Helligkeit haben kann. Soweit entspricht die Steuerung der Philips-Logik. Allerdings setzt Osram noch eins drauf: Auf Basis der Gruppe lassen sich Szenen mit individuellen Eigenschaften definieren. So kann das Wohnzimmer wahlweise in freundlich hellem Licht erstrahlen (Szene „Willkommen“) – oder auch poppig bunt für eine „Party“. Vorteil: Experimente mit der Lichtstimmung können die Grundkonfiguration nicht verstellen. Lampengruppen bleiben unangetastet.

Gruppen, Szenen und Lichter in der Lightify-App. Für Helligkeit und Farbe gibt es Kreisregler.
Gruppen, Szenen und Lichter in der Lightify-App. Für Helligkeit und Farbe gibt es Kreisregler.

Allerdings macht die Dreiteilung den Bedienablauf auch etwas unübersichtlich. Eigenschaften lassen sich an verschiedenen Stellen ändern und nicht immer reagiert die Steuerung dabei wie erwartet. So gibt es Schalter auf Licht- und auf Gruppenebene, die unabhängig voneinander funktionieren. Beispiel: Die Osram-App (Version 1.1.0) bekam im Test nicht mit, wenn Lampen im Lichtmenü eingeschaltet wurden. Der Gruppen-Knopf auf der Startseite blieb weiterhin auf „Aus“ und war nur durch wiederholtes Drücken vom Gegenteil zu überzeugen.

Hinzu kommt, dass sich zwar einzelne Lampen entfernen lassen, jedoch keine Gruppen und Szenen. Um ein überfülltes Menü zu entrümpeln, bleibt nur die Funktion „Favoriten Löschen“ in den Einstellungen. Dann sind aber alle Lichtkompositionen weg, die Startseite präsentiert sich leer wie am ersten Tag. Der „Timer“ bietet nur grundlegende Funktionen und erlaubt zum Beispiel keine Programmierung über Mitternacht hinaus. Die Schaltuhr „erkennt“ den neuen Tag nicht und vermutet eine Falscheingabe, weil  der Zeitpunkt des Ausschaltens chronologisch vor dem Einschalten liegt. Ein Fade-In und -Out wie bei Philips fehlt ebenfalls.

Farbe, Helligkeit, und die Wahl zwischen Warm- und Kaltweiß (rechts) sind gut einstellbar.
Farbe, Helligkeit, und die Wahl zwischen Warm- und Kaltweiß (rechts) sind gut einstellbar.

Was nicht heißen soll, dass die Lightify-App schlecht gestaltet wäre. Die Einstellseiten für Farbe und Intensität gefallen mir sogar richtig gut. Auf ihren großen, kreisförmigen Reglern sind die Töne leichter zu treffen als mit den etwas fummeligen Bildschirmmarkern von Philips. Einmal ermittelte Farbtemperaturen findet man schnell wieder, weil die App einen Prozentwert angibt. Im Farbspektrum der Philips-App schieße ich dagegen gerne übers Ziel hinaus – vor allem auf kleinen Smartphone-Displays, wo jeder Zentimeter schon deutliche Veränderungen bewirkt.

Neben Presets (links) gibt es Speicherplätze für eigene Favoriten und die Farbauswahl per Foto.
Neben Presets (links) gibt es Speicherplätze für eigene Favoriten und die Farbauswahl per Foto.

Unterhalb der Einstellräder führen Symbole zu weiteren Farbwählern. Der erste mit der etwas merkwürdigen Bezeichnung „Dein Licht“ bietet Voreinstellungen an: Relaxen, Aktiv und Pflanzenlicht, wobei Letzteres mit seinem Violettstich das Pflanzenwachstum positiv beeinflussen soll. Ich erinnere mich dunkel an den Biologieunterricht und dass für die Photosynthese vor allem rote und blaue Wellenlängen zuständig sind. Grünes Licht wird von den Blättern eher reflektiert als absorbiert.

Unter „Favoriten“ erscheinen Farb-/Helligkeitswerte, die an verschiedenen Stellen im Programm mit einem Druck auf das Herzsymbol markiert wurden – eine Funktion, die Philips Hue nicht bietet. Dort lassen sich keine Lieblingsfarben in eine neue Szene übernehmen. Man beginnt stattdessen immer mit vorhandenen Einstellungen, ändert sie nach seinen Wünschen ab und speichert sie unter neuem Namen. Die Seite „Kamera“ schließlich ähnelt dem Hue-Pendant: Fotos von der Smartphone-Kamera oder aus dem Telefonspeicher dienen als Vorlage für eigene Lichtkompositionen.

Ein Symbol zeigt an, ob die Lightify-App Verbindung zum Heimnetz oder auch zur Cloud hat.
Ein Symbol zeigt an, ob die Lightify-App Verbindung zum Heimnetz oder auch zur Cloud hat.

Die Bedeutung des Verbindungssymbols oben links auf der Startseite habe ich nur durch Zufall entdeckt, als eines Nachts das Internet am Router wegblieb. Die App zeigt dann statt eines Wölkchens zwei miteinander verbundene Stecker an. Soll heißen: Es besteht eine Verbindung zum Gateway aber kein Kontakt mit der  Außenwelt. In der Praxis wirkt sich das durch eingeschränkte Funktionen aus. So lassen sich angelegte Lichter steuern, jedoch keine neuen Lampen installieren oder Farben, Gruppen und Szenen definieren. Für solche Speichervorgänge muss das Smartphone mit der Osram-Cloud verbunden sein. Unterwegs, wenn die Steuerung nicht übers heimische WLAN läuft, wird übrigens nur eine Wolke angezeigt. Das Steckersymbol verschwindet ganz.

19 Gedanken zu „Philips Hue und Osram Lightify im Vergleich“

  1. Hallo Frank-Oliver!

    Erst einmal vielen Dank für den tollen Einblick in die Funktionsweise der beiden Systeme.

    Eine weitere Frage habe ich:

    Wie beurteilst du die Eignung der WLAN-Lampen als Lichtwecker im Vergleich zu dem Phillip „Wake Up Light“?

    Konkrete Merkmale wären:
    1) Fängt der Dimmvorgang bei 0% Helligkeit an oder wird die Lampe erst mit einer Mindesthelligkeit eingeschaltet?

    2)In wieweit lässt sich der Verlauf des Dimmens einstellen? (Farbe, Helligkeit, Dauer)

    3)Wie komfortabel ist die Software der Weckerfunktion?

    1. Die Lampen dimmen nicht aus völliger Dunkelheit. Ich würde sagen, sie fangen bei etwa 5-10 Prozent an. Dasselbe gilt auch auch beim Ausblenden. Da werden sie stufenlos dunkler bis zu einem gewissen Punkt und gehen dann komplett aus.

      In den Alarmeinstellungen lässt sich festlegen, wie lange der Dimmvorgang dauern soll (1 bis 60 Min.) und welche Lichstzene dabei aufgerufen wird. Eine Farbänderung ist in der Hue-App nicht vorgesehen, ich möchte aber nicht ausschließen, dass es Apps von Drittanbietern gibt, die so etwas können.

      Für jeden Alarm lässt sich außerdem festlegen, an welchen Wochentagen er aktiv sein soll (Mo-So) und man kann ihm einen individuellen Namen geben (z.B. Wochenende). Das war’s dann aber mit den Einstellmöglichkeiten. Meiner Meinung nach kein vollwertiger Ersatz für einen Lichtwecker, aber besser als eine Schaltsteckdose an der Nachttischlampe ;-) .

  2. Ich hätte auch noch eine Frage zum Hue: Wir haben das WLAN getimert, es schaltet um 23.00Uhr aus. Seh ich das richtig, dass ich ab dann die Lampen nicht mehr bedienen kann? Oder ginge nur die App nicht? Bzw. läuft die Fernsteuerung (das runde kleine Ding)auch über s WLAN oder über Funk?
    Würde mich sehr über eine Antwort freuen!
    Vielen Dank fürs Teilen Ihrer Erfahrungen! War sehr hilfreich! Cool!

    1. Das WLAN ist nur für bestimmte Funktionen der App nötig – zum Beispiel um Timer oder Alarme am Smartphone zu programmieren oder um neue Lampen hinzuzufügen. Ist das WLAN abgeschaltet, bleibt die Hue-Bridge (das runde Ding) trotzdem funktionsfähig. Sie hängt ja per Netzwerkkabel am Router und kommuniziert über ihren eigenen Zigbee-Funk mit den Lampen. Bereits programmierte Zeitschaltungen (Timer, Alarme) laufen deshalb wie gewohnt ab. Auch ein Smartphone, das per Mobilfunk (Edge, 3G, LTE) mit dem Internet verbunden ist, kann das Hue-System auf diesem Weg fernbedienen und Lichtszenen aufrufen – ohne die oben genannten WLAN-Funktionen. Das Ein- und Ausschalten der Lampen über normale Lichtschalter geht natürlich ebenfalls.

  3. Ich danke für den Bericht. Leider fällt mir auf, dass es bisher noch bei keinem System Lampen mit über 900 Lumen gibt. Wann sind den diese im Handel und wie hell sind diese von Philips und Osram?

    1. Die Lumen-Angaben laut Hersteller sind bei Philips Hue 600 lm und 750 lm (Hue Lux), bei Osram 810 lm. Ob es irgendwann hellere geben wird, weiß ich nicht. Am meisten Power hat meines Wissens nach die WLAN-Lampe von LifX (1020 Lumen).

      1. Ich danke bestens für die Antwort.

        Können die auch mit der App von Philips Hue gesteuert werden und passen diese in eine E27 rein? können die auch Farben erzeugen? Bei der Beleuchtung stelle ich sehr hohe Anforderungen.

        1. E27 ja aber nicht über die Hue-App steuerbar. LIFX aus den USA ist ein eigenes System, das komplett auf WLAN basiert und kein Zigbee Light Link wie Philips und Osram verwendet. Mehr Informationen auf der Hersteller-Webseite

  4. Ich habe es nun geschafft eine GU10 Lightify-Lampe an einer Hue-Bridge anzumelden und über die Philips-App zu steuern. Leider lässt sich die Lampe nicht ganz ausschalten – auch per Timer nicht – sie leuchtet immer noch trotz ausschalte-Befehl. Es gibt mehrere Nutzer die unter diesem Problem leiden. Hätte jemand eine Lösungsidee?

  5. Vielen Dank für die guten Test!
    Ich habe letzten Winter auf das Osram System gesetzt ( meiner Meinung nach bessere Werte bei den reinen Weißlampen) und hoffe jetzt bei jedem Update dass neue sinnvolle Funktionen hinzu kommen.

    Ja es ist auf jeden Fall griffiger und direkter als noch bei Version 1.0 aber noch einen großen Schritt von der Hue Lösung entfernt.

    Der Timer funktioniert in Zusammenspiel mit Szenen auch nicht immer ganz zuverlässig und das Problem mit den unterschiedlichen Hirachien Lampe->Gruppe->Szene hat oft auch noch seine Macken.

    Aber einfach mal Daumen drücken und abwarten was passiert wenn Apple sein HomeKit startet…

  6. Ein sehr informativer und guter Bericht – Danke dafür. Ich hätte noch eine Frage. Du schreibst, dass Dank Zigbee-Standard sich Lightify-Lampen an einer Hue-Bridge anmelden und über die Philips-App steuern lassen. Ich versuche dies leider erfolglos. Kannst Du mir sagen wie Duees geschafft hast?

    1. Ist die Osram-Lampe neu und war noch an keinem Lightify-Gateway angemeldet, müsste sie bei einem Lampen-Suchlauf von der Hue-App (Einstellungen/Meine Lampen/+Neue Lichter anschließen) eigentlich automatisch gefunden werden. Falls das nicht der Fall ist, versuche die Lampe wie im Beitrag beschrieben in den Auslieferungszustand zurückzusetzen. Also fünf Mal hintereinander für jeweils fünf Sekunden ein und wieder ausschalten, am besten mit Stoppuhr. Dann beim sechsten Einschalten solange warten, bis die Lampe einmal kurz blinkt. Das hat zumindest bei mir funktioniert. Alle Erfahrungen beziehen sich allerdings auf das Modell mit E27-Gewinde (Classic A60 RGBW) andere Lightify-Leuchtmittel habe ich noch nicht ausprobiert.

        1. Eigentlich nicht. Weil das sogenannte „Touch Linking“ bei der Installation per App keine Rolle spielt. Die Lampe sollte lediglich in Reichweichte der Bridge sein.

      1. Hallo, vielen Dank für die Tipps.
        Nach Verwendung der Stopp Uhr hat es auf Anhieb funktioniert. Ein paar Sekunden nach dem 6. einschalten blinkt die Osram Leuchte einmal.
        Leider kann meine hue App die Leuchte trotzdem nicht finden. Gibt es weitere Tipps zur Integration der OSRAM an der hue Bridge? Die OSRAM ist etwas heller, was ich sehr gut finde :-).
        Bin über weitere Tipps sehr dankbar!

  7. Vielen Dank für den ausführlichen und kompetenten Test. Was mir allerdings fehlt, ist eine Aussage zum Stromverbrauch der Basisstationen. Sie schreiben im Text nur über die LED-Lampen (<0,5 Watt). Oder habe ich die Messwerte zur Bridge von Hue und dem Lightify-Gateway überlesen?

    1. Ups, diese Informationen sind mir beim Schreiben tatsächlich durchgerutscht. Vielen Dank für den Hinweis. Das Lightify-Gateway verbraucht nach meinen Messungen 1,3 Watt, die Hue-Bridge von Philips minimal mehr: 1,6 Watt. Beides sind also keine Stromfresser.

      1. Aus aktuellem Anlass habe ich gerade noch einmal die Hue-Bridge 2.0 gemessen. Also das Nachfolgemodell mit HomeKit-Unterstüttung. Es liegt mit rund 1,4 Watt sogar leicht unter dem Vorgänger.

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