Die Design-Anlage ISX-80 gehört zum Yamaha MusicCast-System. ©digitalzimmer

Yamaha MusicCast: das vielseitige Multiroom-System im Test

Über MusicCast habe ich auf diesem Blog schon öfter geschrieben. Allerdings hat die Zeit noch nie für einen ausführlichen Test gereicht. Das möchte ich nun nachholen und die Multiroom-Lösung im Detail vorstellen. Der Aufwand fürs Schreiben und Lesen lohnt sich. Denn: Yamaha MusicCast unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von Mitbewerbern wie Bluesound, Heos, Raumfeld oder Sonos. Das fängt schon beim Produktsortiment an. Kein anderes System bietet eine solche Vielfalt an Gerätetypen.

Restio ISX-80: Design-Anlage mit MusicCast-Funktion von Yamaha. ©digitalzimmer
Restio ISX-80: flache Design-Anlage mit MusicCast-Funktion von Yamaha. ©digitalzimmer
Yamaha MusicCast: Produkte für jedes Einsatzgebiet

Im Gegensatz zu Sonos & Co. handelt es sich bei  ist MusicCast um kein Multiroom-System im klassischen Sinn – ja nicht mal um eine eigene Produktfamilie. Yamaha versteht darunter ein Ausstattungsmerkmal wie Netzwerk-Anschluss und Fernbedienung. Deshalb findet sich die Funktion in WLAN-Radios mit Weckfunktion genauso wie in Stereo-Verstärkern oder den bekannten PianoCraft-Anlagen. Fast 50 aktuelle Geräte listet die Produktübersicht des Herstellers auf. Nimmt man Auslaufmodelle mit dazu, sind es noch mehr.

Den größten Teil machen AV-Receiver und -Verstärker aus. Hier gehört MusicCast inzwischen zum Standard. Nur ganz wenige, preisgünstige Yamaha-Modelle müssen noch ohne auskommen. Dasselbe gilt für Soundbars und Sound-Projektoren. Wer eine Surround-Lösung für den TV kauft, hat die Funktion fast immer an Bord. Er kann sein Multiroom-System dann Schritt für Schritt mit anderen Geräten von Yamaha erweitern. Für Designinteressierte gibt es zum Beispiel die quadratischen Restio-Anlagen ISX 80 und ISX-18D.

Display-Anzeigen des MusicCast-Audiosystems Restio ISX-80. ©digitalzimmer
Display-Anzeigen des MusicCast-Audiosystems Restio ISX-80. ©digitalzimmer

Der Stream-Player WXAD-10 (um 150) verbindet vorhandene Anlagen mit dem System. Ein MusicCast-Verstärker WXA-50 macht beliebige Lautsprecher multiroomfähig und eignet sich auch für den Einbau in Beschallungssysteme: Zwei Exemplare davon passen nebeneinander in ein 19-Zoll-Rack. Und welcher andere Hersteller hat schon Klaviere mit Multiroom-Funktion im Programm? Da gewinnt der Begriff Hausmusik eine völlig neue Bedeutung.

Optimale Funkverbindung mit dem „Extend Modus“

Alle MusicCast-Geräte verfügen über eine LAN-Buchse und WLAN-Funk. Sie senden und empfangen ausschließlich im 2,4 Gigahertz-Band (802.11 b/g/n). Besitzer eines Dualband-WLAN können die höhere 5-GHz-Frequenz ihres Routers also nicht zum Streaming verwenden. Da unterscheidet sich MusicCast nicht von Bluesound oder Sonos. Andere Hersteller wie Bose, Denon, Panasonic und Raumfeld erlauben den Funkverkehr auf beiden Frequenzbändern. Das kann in überfüllten Netzen die Übertragung verbessern.

Nach den Erfahrungen im Digitalzimmer empfiehlt es sich aber ohnehin, mindestens ein MusicCast-Produkt per LAN-Kabel an den Router anzuschließen. Dann geht das System in den sogenannten „Extend Modus“. Die Geräte arbeiten nun quasi als Repeater und bauen –  ähnlich wie Samsung- oder Sonos-Lautsprecher – ihr eigenes Funknetz auf. Ergebnis ist eine gleicbleibend stabile Verbindung der Player. Zum Streamen unkomprimierter Audiodateien oder für High-Resolution-Wiedergabe ist der Extend Modus immer erste Wahl. Schließlich überträgt MusicCast 24-Bit-Signale mit bis zu 192 Kilohertz Auflösung. Einige Produkte wie der HiFi-Receiver R-N402D spielen außerdem DSD-Files mit 2,8 und 5,6 Megahertz über das heimische Netzwerkwerk ab.

Netzwerk-Buchse am MusicCast-Player WXAD-10 von Yamaha. ©digitalzimmer
Netzwerk-Buchse am MusicCast-Player WXAD-10 von Yamaha. ©digitalzimmer

Wichtig: Zum Aktivieren des Extend-Modus muss gleich das erste Gerät per Kabel angeschlossen werden. Erst danach die drahtlosen Player einrichten. Sonst stellen diese eine Verbindung zum WLAN des Routers her. Welche Betriebsart die Player verwenden, ist in der MusicCast-App von Yamaha ablesbar. Steht dort in den Raumeinstellungen der Typ „Standard“, ist das Gerät mit dem normalen WLAN verbunden. Bei einer Kabelverbindung erscheint „Extend 1“. Player, die drahtlos vom MusicCast-Netzwerk versorgt werden, sind an der Bezeichnung „Extend 2“ zu erkennen.

Die MusicCast-App zeigt an, ob der Extend-Modus aktiviert ist. ©digitalzimmer
Die MusicCast-App zeigt an, ob der Extend-Modus aktiviert ist. ©digitalzimmer
AirPlay und Bluetooth – zwei Besonderheiten von MusicCast

Zur Freude vieler Apple-Nutzer sind alle MusicCast-Geräte auch gleichzeitig AirPlay-Empfänger. Sie tauchen als externe Lautsprecher am iPhone, iPad oder in iTunes am Computer auf. Bei anderen Herstellern trifft das nur auf ausgewählte Modelle zu. Denon, Onkyo und Pioneer etwa lassen vor allem AV-Receiver von Apple zertifizieren. Zugegeben: Die Multiroom-Talente von AirPlay sind recht eingeschränkt. Das wird sich erst mit iOS 11 und AirPlay 2 ändern. Und ob Yamaha-Geräte die Neuauflage des Standards ebenfalls unterstützt, muss sich erst noch zeigen. Aber auch so ist die Funktion schon überaus praktisch – um schnell mal etwas Musik abzuspielen, ohne eine extra App dafür starten zu müssen.

Via Bluetooth lassen sich auch Lautsprecher anderer Hersteller mit MusicCast verbinden. ©digitalzimmer
Via Bluetooth lassen sich auch Lautsprecher anderer Hersteller mit MusicCast verbinden.

In dieselbe Kategorie gehört auch Bluetooth. Wobei MusicCast nicht nur den Empfang beherrscht: Alle Geräte können Audiosignale auch an Bluetooth-Headsets oder -Lautsprecher senden. So lässt sich die Musik aus dem System auf tragbare Geräte bringen. Eine Boombox auf dem Balkon wird quasi zum Multiroom-Lautsprecher. Die Einstellung dafür liegt etwas versteckt im Wiedergabemenü des Players. Dort unten rechts auf das Regler-Symbol tippen, um die Klangeinstellungen zu öffnen. Der Begriff „Bluetooth-Übertragung“ führt zur Koppelung. Hier lässt sich der externe Lautsprecher oder Kopfhörer mit dem MusicCast-Gerät verbinden (Bild unten).

Der Bluetooth-Sender wird im Klangmenü des MusicCast-Players aktiviert. ©digitalzimmer
Der Bluetooth-Sender wird im Klangmenü des MusicCast-Players aktiviert. ©digitalzimmer

Bis zur Trennung spielt er nun dasselbe Programm ab, das auch der MusicCast-Player wiedergibt. Weil die Bluetooth-Übertragung nicht vom Multiroom-Netzwerk synchronisiert wird, hat der Ton einen leichten Zeitversatz. Um Echos zu vermeiden, schaltet man den sendenden MusicCast-Player ab besten stumm. Beim Musikhören per Kopfhörer stört die Verzögerung normalerweise sowieso nicht.

Bis hierhin macht MusicCast schon mal einen guten Eindruck. Kein anderes mir bekanntes Multiroom-System ist so universell einsetzbar. FireConnect von Pioneer und Onkyo hat das Zeug dazu. Dank Unterstützung für Chromecast und DTS Play-Fi lassen sich FireConnect-Geräte auch außerhalb ihres eigenen System mit Musik bespielen. Allerdings wirkt die Software von Yamaha robuster. In der FireConnect-App müssen Gerätelisten immer mal wieder aktualisiert werden und einige Funktionen folgen erst noch per Software-Update (siehe Test). Solche Kinderkrankheiten eines noch jungen Systems hat MusicCast schon lange hinter sich.

Doch wie sieht es mit der Bedienung im Alltag aus? Und wie klingen die MusicCast-Geräte? Darum geht es auf der folgenden Seite.

2 thoughts on “Yamaha MusicCast: das vielseitige Multiroom-System im Test”

  1. Super Artikel finde das Yamaha Audio system sehr interessant. Mir erschließt sich nur nicht mit welchen Musik Streaming Diensten der Musiccast kompatibel ist.
    Danke und lg Piet

    1. Dank für das Lob, Piet 🙂 Wie im Artikel beschrieben kann die Auswahl vom Gerät abhängen, weil eventuell noch nicht alle Player ein Update erhalten haben. Auf meinen Modellen hier sind es aktuell: Webradio, Deezer, Juke, Napster, Qobuz, Spotify und Tidal.

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