Steckerleisten-Duell: Eve Energy Strip gegen Koogeek. ©digitalzimmer

Eve Energy Strip gegen Koogeek: Test der HomeKit-Steckerleisten

HomeKit-Nutzer haben jetzt die Wahl: Sie können die neue Dreifach-Steckdose von Eve Systems verwenden – oder das schon länger erhältliche Modell von Koogeek. Die Entscheidung hängt nicht zuletzt vom Preis ab. Denn der Eve Energy Strip kostet rund 100 Euro, ein Exemplar der O1EU schlägt mit rund 65 Euro zu Buche. So viel verlangen zum Beispiel chinesische Marketplace-Anbieter auf Amazon für die weiße Steckerleiste von Koogeek.

Der Eve Energy Strip (oben) ist etwas schlanker aber auch länger als die Koogeek-Leiste. ©digitalzimmer
Der Eve Energy Strip ist etwas schlanker und länger als die Koogeek-Leiste. ©digitalzimmer

Beide Produkte erfüllen im Prinzip denselben Zweck. Sie steuern drei Schuko-Steckdosen per WLAN-Signal und machen sich dabei die HomeKit-Schnittstelle von Apple zunutze. Das heißt: Nach der Installation gehorchen die Steckdosen jeder beliebigen HomeKit-App. Sie lassen sich individuell mit Siri per Sprache steuern und in Automationen verwenden. So schaltet die Steckerleiste zum Beispiel nach Bedarf einzelne Geräte der Hi-Fi-Anlage ein. Oder sie trennt bei Nichtgebrauch den Drucker vom Stromnetz, lässt den Computer aber eingeschaltet. Alternativ kommt auch ein HomeKit-Funktaster wie der Eve Button für die Steuerung in Frage.

Die drei Steckdosen der Leisten erscheinen als separate Geräte in HomeKit. ©digitalzimmer
Die drei Steckdosen der Leisten erscheinen als separate Geräte in HomeKit. ©digitalzimmer
Elektrische Unterschiede der Steckerleisten

Beide Hersteller bieten einen Überspannungsschutz und eine thermische Sicherung. Das soll angeschlossene Geräte vor kurzzeitigen Spannungsspitzen im Stromnetz schützen und verhindern, dass leistungshungrige Verbraucher die Elektronik überhitzen. Die Lebensdauer der Schaltelemente geben Eve und Koogeek mit 10.000 Betriebszyklen an. Bei zwei Betätigungen am Tag sollten die Leisten damit etwa 13 Jahre funktionieren. Überprüfen konnte ich die Angaben mangels geeignetem Equipment allerdings nicht.

Tasten für die Überspannungssicherung bei Koogeek und Eve. ©digitalzimmer
Tasten für die Überspannungssicherung bei Koogeek (links) und Eve. ©digitalzimmer

Die Gemeinsamkeiten hören damit auch schon auf. Erster Unterschied: Der Eve Energy Strip ist für höhere Belastung ausgelegt. Seine Nennleistung beträgt laut Datenblatt 3680 Watt oder 16 Ampere. Koogeek gibt für seine O1EU nur 12 A oder 3000 Watt an. Weil sich der Maximalwert über alle drei Steckdosen verteilt, kann das in der Praxis durchaus einen Unterschied machen. Unsere stromhungrige Espressomaschine mit 2400-Watt-Boiler würde ich im Zweifelsfall lieber an die Eve-Leiste anschließen.

Etwas irritierend ist der Warnhinweis von Koogeek in der Bedienungsanleitung, die maximale Betriebstemperatur liege bei 25 Grad. Diese mollige Raumtemperatur wird in heißen Sommern bei uns regelmäßig überschritten. Im vergangenen Jahr sogar wochenlang. Wer keine Klimaanlage besitzt, ist mit dem Eve-Strip eher auf der sicheren Seite. Er verträgt laut Hersteller bis zu 35 Grad.

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Unterschiede gibt es auch im Energieverbrauch. Er setzt sich bei Funksteckdosen aus zwei Werten zusammen: dem Standby-Verbrauch und der zusätzlichen Energie, die das Relais benötigt, um im Ein-Zustand den Stromkontakt geschlossen zu halten. Der Zusammenhang ist im Artikel Wann eine Funksteckdose Energie spart – und wann nicht erklärt. Mit gemessenen 0,8 Watt liegt der Standby des Eve Energy Strip niedriger als bei Koogeek (1,1 W). Auch die Steckdosen gönnen sich weniger Energie, wenn sie eingeschaltet sind. Statt 0,5 W kommen nur jeweils 0,3 W hinzu. Das ergibt unterm Strich rund 1,7 Watt für den komplett eingeschalteten Eve-Strip. Bei Koogeek summieren sich die Werte auf 2,6 W.

Hochwertige Verarbeitung und zusätzliche USB-Buchsen

Das weiße Kunststoffgehäuse von Koogeek macht einen soliden Eindruck und steht mit seinen sechs Gummifüßen fest auf jeder ebenen Fläche. Eve hat es jedoch geschafft, dem profanen Produkt Steckerleiste ein  überaus ansprechendes Design zu geben. Es sieht elegant aus und fühlt sich dank des massiven Aluminium-Rahmens auch gut an. Während man geneigt ist, das Koogeek-Modell hinterm Sofa oder unter dem Schreibtisch zu verstecken, kann der Eve Energy Strip ruhig oben auf dem Präsentierteller stehen.

Am Eve Energy Strip sitzen die Tasten zum Schalten vor den Steckdosen. ©digitalzimmer
Am Eve Energy Strip sitzen die Tasten zum Schalten vor den Steckdosen. ©digitalzimmer

Drei Tasten mit Status-LEDs auf der Oberfläche machen die Steckdosen einzeln per Hand schaltbar. Bei Eve sitzen sie gemeinsam am Ende des Strips, was eine schmalere Bauform ermöglicht. Koogeek hat sie neben den Dosen platziert und nutzt den Platz am Ende für drei USB-Buchsen. Zwei davon können Smartphones wie das iPhone laden. Die dritte ist mit iPad markiert, weil sie einen höheren Strom von 2,1 Ampere liefert, was die Ladezeit des Tablets verkürzt. Alle drei USB-Ports sind übrigens nicht schaltbar. Sie liefern Strom, sobald die Leiste an einer Steckdose angeschlossen ist.

Auf der Koogeek-Leiste gibt es zusätzlich USB-Buchsen zum Laden von Geräten. ©digitalzimmer
Auf der Koogeek-Leiste gibt es zusätzlich USB-Buchsen zum Laden von Geräten. ©digitalzimmer

Ein praktischer Zusatznutzen der Mehrfach-Steckdosen ist ihre Messfunktion. Sowohl Eve als auch Koogeek dokumentieren den Energieverbrauch in ihrer App. Da es sich dabei um keine HomeKit-Funktion handelt, ist man auf das Programm des Herstellers angewiesen. Schlechte Karten für Koogeek: In der laienhaft übersetzen App („Steckdose öffnen“) ist die Energie-Statistik nur auf Umwegen erreichbar. Außerdem gab es im Test deutliche Abweichungen beim gemessenen Verbrauch. Während Eve den Energiekonsum einer 60-Watt-Glühlampe mit 61 Watt ermittelte, meinte Koogeek für dasselbe Leuchtmittel 57 Watt festzustellen.

Eve bereitet die Informationen auch besser auf. In der App lassen sich die Daten auf die Stunde genau herunterbrechen. Koogeek zeigt nur kumulierte Statistiken für Tag, Woche, Monat und Jahr an. In der Eve-App erscheinen Verbrauch, Gesamtverbrauch und die Kosten direkt untereinander. Die Koogeek-App weigerte sich im Test beharrlich, einen Preis für die Kilowattstunde abzuspeichern. Die Stromkosten-Anzeige blieb daher konstant auf 0,0000 € stehen. Beide Leisten geben übrigens den Gesamtverbrauch über alle drei Steckdosen an. Die Energieaufnahme einzelner angeschlossener Geräte lässt sich mit ihnen nicht ermitteln.

Die Eve-App zeigt den Energieverbrauch übersichtlich auf einer Seite an (links). ©digitalzimmer
Die Eve-App zeigt den Energieverbrauch übersichtlich auf einer Seite an (links). ©digitalzimmer

Für Nutzer von Alexa oder Google Assistant interessant: Die Koogeek O1EU kann auch mit diesen beiden Sprachassistenten verbunden werden. Allerdings ist dafür zusätzlich ein Konto bei Koogeek nötig, das die Kommunikation übers Internet ermöglicht. Der Vorteil einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über Apples HomeKit-Server wird dabei teilweise ausgehebelt. Außerdem funktioniert die Steuerung über Alexa nach meinen Erfahrungen nicht sehr zuverlässig, was auch die  Bewertungen des Koogeek-Skills auf Amazon.de zeigen.

Eve Energy Strip und Koogeek O1EU in der Praxis

Die Einrichtung und der Betrieb mit HomeKit bereiten erwartungsgemäß keine Probleme. Da beide Leisten ein 2,4-GHz-Funknetz benötigen, empfehlen sich die üblichen Grundregeln für WLAN-Steckdosen. Im Test reagierte die Koogeek-Leiste empfindlich auf Dual-Band-Netzwerke, in denen beide Funkzweige denselben Namen tragen. Der Eve-Energy-Strip konnte sich auf Anhieb mit unserem Fritzbox-Mesh verbinden. Gut möglich, dass mein iPhone ohnehin gerade über 2,4 GHz angemeldet war. Wer sicher gehen will, gibt dem 5-GHz-Zweig einen anderen Namen oder schaltet das obere Frequenzband für die Dauer der Einrichtung ab.

Die Koogeek-Steckdosen liegen für große Netzteile zu dicht beieinander. ©digitalzimmer
Die Koogeek-Steckdosen liegen für große Netzteile zu dicht beieinander. ©digitalzimmer

Danach reagieren beide Leisten zuverlässig auf Schaltbefehle. Die Reaktionszeit beträgt hier wie dort weniger als eine Sekunde. Und dank WLAN können die Steckdosen deutlich weiter von der HomeKit-Zentrale entfernt sein als beispielsweise die Bluetooth-Produkte von Eve. In der Steuerung und in Automationen reagieren die drei Steckdosen erwartungsgemäß wie einzelne, voneinander unabhängige Geräte.

Auf dem Energy Strip haben auch dicke Steckernetzteile genügend Platz. ©digitalzimmer
Auf dem Energy Strip haben auch dicke Steckernetzteile genügend Platz. ©digitalzimmer

In einem Punkt unterscheidet sich der Eve Energy Strip vom Eve Energy desselben Herstellers: Der Solo-Plug stellt seine Messwerte in der Eve-App als Bedingung zur Verfügung. So kann sich die Steckdose beispielsweise  abschalten, wenn der Verbrauch einen bestimmten Wert über- oder unterschreitet. Diese Möglichkeit fehlt dem Strip. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht liefert Eve Systems die Funktion per Software-Update nach. Den Koogeek-Steckdosen – einzeln wie mehrfach – fehlt sie ohnehin.

Unabhängig von HomeKit gibt es in der Eve-App noch eine Timer-Funktion. Die dort angelegten Zeitpläne erscheinen nicht in anderen HomeKit-Apps. Sie steuern die Steckdosen aber zu bestimmten Zeiten oder zum Sonnenauf- und Untergang. Etwas Ähnliches hat Koogeek unter dem Namen „Zeitliche Koordinierung“ in seiner App ebenfalls versucht. Die Zeitschaltung der Chinesen ist aber so unkomfortabel geraten wie der Rest des Programms. Wer auf die Verbrauchsmessung verzichten kann, nutzt für die Steuerung der Koogeek-Leiste am besten eine andere HomeKit-App.

Zeitpläne zum Energy Strip in der Eve-App. ©digitalzimmer
Komfortable Zeitpläne zum Energy Strip in der Eve-App. ©digitalzimmer
Fazit: Ist der Eve Energy Strip seinen Aufpreis wert?

Für die Koogeek O1EU sprechen ihr 35 Euro günstigerer Preis und die zusätzlichen Buchsen zum Laden von USB-Geräten. In allen anderen Punkten liegt die Leiste von Eve Systems vorn. Ihre Verarbeitung wirkt hochwertiger. Sie fühlt sich besser an und sieht edel aus. Ihre App ist dem Koogeek-Programm haushoch überlegen und bietet wirklich nutzbare Energie-Messfunktionen.

Vor allem aber vermittelt der deutsche Anbieter mehr Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit. Beide Produkte werden in Asien hergestellt. „Made in China“ steht auf der Koogeek-Leiste, „Made in Taiwan“ auf dem Etikett am Energy Strip. Eve Systems hat die Sicherheit seines Mehrfachsteckers aber vom TÜV Rheinland überprüfen lassen. Koogeek kann nur mit dem obligatorischen CE-Zeichen aufwarten. Den Stellenwert eines TÜV-Siegels hat das nicht. Und was mit der laut Datenblatt so hitzeempfindlichen Koogeek-Leiste bei Temperaturen über 25 Grad passiert, muss der Test im  kommenden Hochsommer erst noch zeigen.

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4 Gedanken zu „Eve Energy Strip gegen Koogeek: Test der HomeKit-Steckerleisten“

  1. soviel aufwand für ein nischenprodukt. ihr müsst echt zuviel Zeit haben. Wahrscheinlich bezahlt euch der hersteller dafür dass ihr dieses sündhaft teure luxus-apple-teil in den himmel lobt.

    1. Hallo Gully,
      mich hat das Thema interessiert, deshalb habe ich darüber geschrieben. Ob Nischenprodukt oder nicht, darf jeder Leser selbst entscheiden. Und nein, für diesen Beitrag gab es natürlich kein Geld vom Hersteller. Beide Produkte sind gekauft und privat im Einsatz. Dazu empfehle ich auch einen Blick in unsere Transparenz-Erklärung.

      Beste Grüße aus dem Digitalzimmer
      Frank-Oliver

  2. Danke für den Test. Wie sieht es denn mit dem Geräuschpegel beim Schalten aus. Ich möchte die Steckdose im Schlafzimmer montieren und habe gehört dass die kogeek recht laut sein soll. Ist das eve-Produkt leiser?

    1. Gut hörbar sind beide. Die Koogeek-Leiste ist vielleicht ein kleines bisschen lauter. Wobei der Unterschied eher in der Klangfarbe liegen dürfte: Während unser Eve Energy Strip „Klick“ macht, ist es bei Koogeek eher ein „Klack“ mit mehr Bass. Da ich Serienstreuungen nicht ganz ausschließen möchte, kann es bei anderen Mustern desselben Typs natürlich anders sein.

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