Der Netatmo-Rauchmelder mit HomeKit im Test. ©digitalzimmer

Doppelt vernetzt: Der Netatmo-Rauchmelder mit HomeKit im Test

Rauchwarnmelder sollen Brände frühzeitig erkennen und größere Schäden verhindern. Allerdings klappt das nur, wenn man ihren Alarm auch hört. Das ist schwierig, wenn alle Bewohner außer Haus sind. Dann steht die Wohnung womöglich schon in Flammen, ehe jemand aus der Nachbarschaft den Brand bemerkt und die Feuerwehr verständigt. Ein Melder mit Internetanschluss löst das Problem. Er schlägt nicht nur zu Hause Alarm, sondern informiert seine Besitzer auch unterwegs mit einer Nachricht auf dem Smartphone.

Der Rauchwarnmelder von Netatmo ist 4,5 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 11,5 cm. ©digitalzimmer
Der Rauchmelder von Netatmo ist 4,5 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 11,5 cm.

Der Netatmo-Rauchmelder gehört in diese Kategorie. Sein Preis wirkt auf den ersten Blick recht ambitioniert: 100 Euro sind kein Schnäppchen. Zumal die integrierten Lithium-Batterien fest verbaut sind. Wie bei anderen Herstellern halten sie ungefähr zehn Jahre. Dann muss das Gerät komplett ersetzt werden. Allerdings trifft das auf alle mir bekannten Modelle mit Zehnjahres-Batterie zu. Der Aufpreis kommt durch die Vernetzung zustande.

Zwei fest verbaute Lithium-Batterien liefern Strom für etwa zehn Jahre. ©digitalzimmer
Zwei fest verbaute Lithium-Batterien liefern Strom für etwa zehn Jahre.

Wer unterwegs Alarmmeldungen bekommen will, braucht normalerweise ein Gateway. Die Funkzentrale hängt zu Hause am Router und stellt die Verbindung ins Internet her. Sowas kostet bei traditionellen Herstellern wie Hekatron einige Hundert Euro extra. iHaus macht es günstiger, verlangt für ein Startpaket aus Melder und WLAN-Gateway aber auch 179 Euro. In Smarthome-Systemen wie Homematic IP oder Innogy übernimmt die Systemzentrale diesen Job. Sie kostet ebenfalls Geld. Mit anderen Worten: Viel billiger wird’s nicht. Gemessen an den Kosten, die ein Brand verursachen kann, sind zehn Euro pro Jahr für den Netatmo-Melder aber keine Riesen-Investition. Zumal der digitale Schnüffler ohne eigenes Gateway auskommt: Sein integriertes WLAN-Modul verbindet sich direkt mit dem Router.

So funktioniert der Netatmo-Rauchmelder

Netatmo fährt zweigleisig: Der Sensor nutzt sowohl Bluetooth als auch WLAN für die Funkverbindung. Per Bluetooth stellt er direkten Kontakt zum Smartphone her. So lässt sich der Rauchmelder zu Hause konfigurieren, sein Status überprüfen und der Alarmton für eine Dauer von 15 Minuten stummschalten. Das WLAN bildet den verlängerten Arm nach draußen. Mit seiner Hilfe kann die Netatmo-App unterwegs Benachrichtigungen empfangen. Das Smartphone bekommt eine Nachricht, sobald der Melder anschlägt, wenn die Batterielebensdauer zu Ende geht oder wenn die in regelmäßigen Abständen erfolgende Systemprüfung einen Fehler feststellt.

Die Security-App von Netatmo bringt Kameras und Rauchmelder des Herstellers zusammen. ©digitalzimmer
Die Security-App von Netatmo bringt Kameras und Rauchmelder des Herstellers zusammen.

Als Steuerzentrale dient praktischerweise dieselbe App, die Netatmo auch für seine Überwachungskameras verwendet. Der Rauchmelder taucht neben einer Netatmo Welcome oder Presence im Programm Netatmo Security auf. So kann der Nutzer im Zweifelsfall gleich nachschauen, ob es wirklich brennt, oder ob ein qualmendes Schnitzel auf dem Herd den Alarm ausgelöst hat. Die App steht für Android- und iOS-Geräte zur Verfügung.

Besondere Funktionen mit Apple HomeKit

Besitzer eines iPhone oder iPad profitieren allerdings doppelt: Die iOS-Version des Programms meldet den Rauchmelder bei HomeKit an. Wer sein Smart Home über die Apple-Plattform steuert, kann den Sensor zusätzlich dort verwenden. Er eignet sich zum Beispiel als Auslöser für Regeln, in HomeKit Automatisierungen genannt.

So geht im Alarmfall automatisch das Licht an oder die Rollläden öffnen sich, um Fluchtwege zu ebnen. Ein Zwischenstecker aktiviert vielleicht noch eine Sirene – damit der Warnton selbst im hintersten Zimmer zu hören ist. Manche Funk-Rauchmelder verbreiten den Alarm selbst im Haus, indem sie sich drahtlos mit ihresgleichen vernetzen. Der Netatmo besitzt diese Fähigkeit nicht. Wer mehrere Exemplare installiert, sieht sie zwar nebeneinander in der App. Es findet aber keine Kommunikation zwischen den Geräten statt.

Als Auslöser in HomeKit kann der Rauchmelder im Brandfall automatisch Szenen starten. ©digitalzimmer
Als Auslöser in HomeKit kann der Rauchmelder im Brandfall automatisch Szenen starten.

Voraussetzung für den automatisierten Betrieb ist wie immer eine HomeKit-Zentrale. Sie hält per Bluetooth Kontakt zum Sensor und überträgt seinen Status in die iCloud. iPhone-Nutzer erhalten ihre Rauchwarnungen also gleich doppelt: über die Netatmo-App und die Home-App von Apple. Wer mag, kann eine der Push-Nachrichten natürlich abschalten. Als Bluetooth-Zentrale kommen die üblichen Verdächtigen in Frage: Apple TV der 4. Generation, HomePod oder ein stationäres iPad auf dem iOS 10.3.3 oder neuer installiert ist.

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Die Funkverbindung über HomePod & Co. hat noch einen interessanten Nebeneffekt. Sie gaukelt der Netatmo-App vor, der Rauchmelder wäre in Bluetooth-Reichweite, also quasi im selben Raum. Damit lässt sich der Alarm auch von unterwegs aus stummschalten, was eigentlich nicht erlaubt ist. Laut europäischer Produktnorm für Rauchwarnmelder (EN 14604) muss der Nutzer in Sichtweite des Geräts sein, wenn er das Pfeifen unterbricht. Eine Warnmeldung in der App weist ausdrücklich darauf hin. Sie betrifft aber nur das Netatmo-Programm, in HomeKit gibt es ohnehin keine Möglichkeit, den Rauchmelder stummzuschalten.

Installation und Betrieb: der Rauchmelder im Test

Zwei mitgelieferte Schrauben halten den Netatmo an der Decke. Wie und wo er am besten montiert wird, zeigt ein Installationsvideo des Herstellers. Außerdem steht’s im Handbuch. Den Rest erledigt die Netatmo Security-App für Android oder iOS. Sie führt Schritt für Schritt durch die Einrichtung und verbindet den Rauchmelder mit dem heimischen WLAN. Dabei muss es sich wie üblich um ein 2,4-Gigahertz-Netzwerk handeln. 5 GHz werden nicht unterstützt, was wegen der geringeren Reichweite auch Sinn macht. Im Test gab es anfangs Probleme. Die App zeigte einen Fehler an („Verbindung fehlgeschlagen“). Auch ein Reset des Geräts auf Werkseinstellungen änderte daran nichts. Jedoch löste sich der Knoten nach einigen Minuten von selbst. Das gelbe Warnzeichen am Symbol des Melders verschwand und die Anzeige wechselte auf „Aktiviert“. Ich sollte vielleicht weniger ungeduldig sein.

Anfängliche WLAN-Probleme lösten sich auf wundersame Weise von selbst. ©digitalzimmer
Anfängliche WLAN-Probleme lösten sich auf wundersame Weise von selbst.

Die Warnung ist seither nicht mehr aufgetaucht. Der Rauchmelder hält offenbar Kontakt zum Router. Weil ich etwas beunruhigt war, habe ich alle möglichen Verbindungsabbrüche durchgespielt. Was passiert, wenn der Netatmo kein WLAN zur Verfügung hat? Er löst dann trotzdem Alarm aus. Über die Bluetooth-Verbindung erreicht mich HomeKit sogar unterwegs. Nur die Netatmo-App funktioniert dann nicht mehr, weil ihre Kommunikation übers Funknetz des Routers läuft. Fällt zu allem Überfluss auch noch die HomeKit-Zentrale aus, ist natürlich Schluss mit Push-Nachrichten. Aber der Melder erfüllt dann weiterhin seinen Zweck und warnt Bewohner vor Ort mit einem durchdringenden 85-Dezibel-Ton.

Die App überprüft regelmäßig die Funktion und den Batteriestand des Sensors, sobald er sich in Bluetooth-Reichweite befindet. Wer lieber auf sein eigenes Urteil vertraut, drückt von unten mit einem Besenstiel gegen die Gehäuseoberfläche, bis es zum zweiten Mal piept. Dieser Handgriff startet ebenfalls der Selbsttest.

Die Netatmo-App zeigt den Status des Rauchmelders an und hilft bei der Funktionskontrolle. ©digitalzimmer
Die Netatmo-App zeigt den Status des Rauchmelders an und hilft bei der Funktionskontrolle.

Wie empfindlich der Sensor reagiert, kann ich mangels Vergleich nicht beurteilen. Im Test löste ins Gerät gepusteter Zigarrenrauch ebenso Alarm aus wie qualmendes Fett und ein Paket brennende Papiertaschentücher. Es hat zwei Tage gedauert, bis sich der Gestank im Digitalzimmer wieder verzogen hatte. Der fotoelektrische Partikelsensor scheint also gut zu arbeiten. Vielleicht bieten Modelle mit einem zusätzlichen Temperatursensor noch mehr Sicherheit, weil sie offene Flammen schneller erkennen können. Die vielen Einsatzmöglichkeiten unter Android und iOS – auch in Kombination mit Überwachungskameras des Herstellers – sprechen aber für den Rauchmelder aus Frankreich.

Netatmo Smarter Rauchmelder
  • Installation
  • Funktionsumfang
  • Bedienung
  • Verarbeitung
4.3

Fazit

Vernetzter Rauchmelder mit Fernwarnung über das Internet. Die Smartphone-App für Android und iOS ist selbsterklärend und einfach zu bedienen. Die reibungslose HomeKit-Integration erlaubt eine umfangreiche Automatisierung im Alarmfall.

2 Gedanken zu „Doppelt vernetzt: Der Netatmo-Rauchmelder mit HomeKit im Test“

  1. Danke für den Test. HomeKit nützt mir aber nichts weil ich kein Appleuser bin. Wie sieht es denn mit der Vernetzung über andere Plattformen aus? Konkret würde mich IFTTT interessieren.

    1. Gerade nachgesehen: Der Netatmo-Rauchmelder taucht in IFTTT als IF-Trigger auf. Er kann sowohl eine Aktion auslösen, wenn er Rauch feststellt (Smole detected), als auch wenn sich der Rauch wieder verzogen hat (Smoke cleared). Conrad Connect unterstützt den Rauchmelder aktuell nicht. Auch in Homee steht er bislang noch nicht zur Verfügung.

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