Corona-Ampel am Spieltisch

Corona-Ampel selber machen – so geht’s

Neulich beim Spieleabend: Wir sitzen zu fünft um den Tisch herum und zocken, was das Zeug hält. Der Raum hat vielleicht 16 Quadratmeter, worüber früher niemand nachgedacht hätte. Doch jetzt ist Pandemie und da spielt Luftvolumen plötzlich eine Rolle.

Wie Smarthome-Sensoren vor Corona-Viren schützen können, davon handelt auch ein anderer Beitrag auf diesem Blog. Aber wer hat beim Spielen schon immer die Sensordaten im Blick? Oder will auf Push-Mitteilungen achten? WhatsApp, LinkedIn, Facebook & Co. produzieren so viele Benachrichtigungen, dass ich mir angewöhnt habe, diese Störenfriede weitestgehend zu ignorieren.

Tipp: Eine Funklampe zeigt die Luftqualität in den bekannten Ampelfarben an.©digitalzimmer

Praxisgerechter scheint mir ein Lichtsignal, das in Farbe anzeigt, wann es Zeit zum Lüften ist. Grün bedeutet: alles in Ordnung, Gelb steht für noch akzeptable Werte und Rot signalisiert den dringenden Bedarf, ein Fenster zu öffnen. Diese Corona-Ampel lässt sich mit einfachen Smarthome-Mitteln selbst bauen. Man braucht dafür:

1 – einen vernetzbaren Sensor für die Luftqualität

Kohlendioxid (CO2) eignet sich gut als Indikator. Es kommen aber auch Fühler für die flüchtigen organischen Verbindungen VOC (Volatile Organic Compounds) infrage. Mögliche Kandidaten sind:

  • der Afriso CO2-Sensor (LINK)
  • der Eve Room (LINK)
  • die smarte Wetterstation von Netatmo (LINK)
  • der smarte Raumluftsensor von Netatmo (LINK)
  • der Twinguard von Bosch (LINK)
Der Eve Room für HomeKit gehört zu den kleinsten VOC-Sensoren. ©digitalzimmer
2 – eine steuerbare Lampe, die ihre Farbe ändern kann

Es gibt mehrere Lichtsysteme, die sich dafür eignen. Welches im Einzelfall passt, hängt vom Sensor und seinen Vernetzungsmöglichkeiten ab. Zu den vielseitigsten Lösungen gehören:

  • der Klassiker Philips Hue (LINK)
  • die WLAN-Leuchtmittel von Lifx (LINK)
  • mit Apple HomeKit auch Trådfri von Ikea (LINK)
3 – eine Lösung, die Sensor und Lampe verbindet

In ihr werden Smarthome-Regeln angelegt, die das Licht entsprechend der Messungen in Rot, Gelb oder Grün leuchten lassen. Hier alle Systeme aufzuzählen, die dafür infrage kommen, würde den Rahmen sprengen. Wer selbst programmiert, findet immer einen Weg, diese Aufgabe zu lösen. Es gibt aber Systeme, die relativ schnell und einfach ans Ziel führen. Dazu gehören:

  • Apple HomeKit (LINK)
    (Sensor: Bosch, Eve, Netatmo – Lampe: Hue, Lifx, Trådfri u.a.)
  • Bosch Smart Home (LINK)
    (Sensor: Bosch – Lampe: Hue)
  • Conrad Connect (LINK)
    (Sensor: Netatmo u.a. – Lampe: Hue, Lifx, Trådfri u.a.)
  • Homee (LINK)
    (Sensor: Afriso – Lampe: Hue, Trådfri u.a.)
  • IFTTT (LINK)
    (Sensor: Netatmo – Lampe: Hue, Lifx, TP-Link u.a.)
  • Magenta Smarthome (LINK)
    (Sensor: Netatmo – Lampe: Hue, Magenta SH, Tradfri)
Netatmo-Wetterstation vor Hue-Lampe.
Luftsensoren von Netatmo sind mit vielen Smarthome-Systemen kompatibel. ©digitalzimmer
Eine Signal-Anlage für die Luftqualität

Die kleine Herausforderung: Jede Steuerung funktioniert anders, und Sensoren verschiedener Hersteller liefern in ein und demselben Smarthome-System zum Teil unterschiedlich aufbereitete Daten. Hinzu kommt: Raumfühler sind meist batteriebetrieben oder beziehen – wie der Eve Room – ihre Energie aus Akkus. Das heißt, sie müssen mit den Stromreserven haushalten. Drahtlose Smarthome-Systeme fragen deshalb gar nicht permanent die Messwerte ab. Sie warten lieber, bis der Sensor sich von selbst meldet.

Das tut er, wenn ein vorher definierter Wert über- oder unterschritten wird. Dazwischen geschieht nichts. Sollte jemand das Licht von Hand ausschalten, geht die Corona-Ampel also erst beim nächsten Statuswechsel wieder an. Um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen, wäre eine Alternative, den Sensor nicht als Auslöser zu definieren, sondern stattdessen als Bedingung. Dann schaltet etwa ein Bewegungs- oder Anwesenheitssensor beim Betreten des Raumes das Licht ein. Die Bedingung legt nur noch die Farbe der Ampel fest.

Oft lassen sich solche Bedingungen auch als Wertebereich definieren. Nimmt man die aktuellen Lüftungsempfehlungen als Maßstab, sieht eine praxisgerechte Zuordnung ungefähr so aus:

  • Werte kleiner oder gleich (<=) 1000 ppm sind hygienisch unbedenklich. Die Ampel bleibt in diesem Fall auf Grün.
  • Werte von 1000 bis 1600 ppm verlangen erhöhte Aufmerksamkeit von den Bewohnern. Die Lampe leuchtet gelb.
  • Werte über 1600 ppm bedeuten, dass es Zeit wird, ein Fenster zu öffnen. Die Farbe wechselt auf Rot.

Ich kann in diesem Beitrag leider keine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu allen möglichen Systemen und Gerätekombinationen liefern. Die folgenden Beispiele zeigen aber exemplarisch, wie die Konfiguration so einer Corona-Ampel aussieht.

Corona-Ampel mit Apple HomeKit

HomeKit teilt die Luftqualität in fünf Stufen ein – von sehr schlecht bis sehr gut. Die Bezeichnung variiert je nach App. So heißt die zweitunterste Kategorie in Apples eigener Home-App zum Beispiel „schlecht“, die Eve-App sagt „mäßig“ dazu. In Homedash steht „mangelhaft“ und in Home+4 die Bezeichnung „minder“. Auch am oberen Ende der Skala herrscht Uneinigkeit darüber, ob nun „ausgezeichnet“, „exzellent“ oder „sehr gut“ der bessere Begriff ist.

In der Home-App lässt sich eine von fünf Qualitätsstufen als Auslöser wählen. ©digitalzimmer

Welche genauen Messwerte hinter den Kategorien stehen, ist unklar. Manche Hersteller geben „Teile pro Million“ als Maßstab an (parts per million, ppm). Aber auch „Teile pro Milliarde“ (parts ber billion, ppb) oder Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) tauchen in den Apps als Kürzel auf. Am besten, man verlässt sich einfach auf die Kategorie und definiert seine Regel so, dass beim Wechsel auf die mittlere Qualitätsstufe die Ampel gelb leuchtet. Die beiden darunter werden dann mit Rot belegt, die zwei darüber mit Grün.

Allerdings funktioniert das nur mit VOC-Sensoren. Für CO2-Messungen, wie sie Netatmo ebenfalls liefert, gibt es keine Kategorien. Die Netatmo-Wetterstation kennt nur einen Wert, bei dem sie eine Kohlendioxid-Warnung an HomeKit ausgibt: 1600 ppm. Alles darüber gilt als „erhöht“ oder „unnormal“, alles darunter als „normal“. Nur diese beiden Zustände stehen in Apples Home-App als Auslöser zur Verfügung – für eine Corona-Ampel mit drei Farben zu wenig. Wer Apps wie die von Eve Systems oder Matthias Hochgatterer (Home+4) nutzt, kann aber eigene ppm-Schwellen als Bedingungen in Regeln definieren. So klappt’s dann auch mit der Ampel.

Als Bedingung stehen in der Eve-App auch CO2-Werte in ppm zur Verfügung. ©digitalzimmer
Corona-Ampel mit Bosch Smart Home

Der multifunktionale Rauchmelder Twinguard misst im Bosch-System die Luftqualität. Er lässt sich in Automationen als Auslöser wählen. Der Schwellenwert in ppm ist stufenlos einstellbar. Farbiges Licht für die Ampel steuert ein verbundenes Hue-System bei.

Der TwinGuard misst neben Temperatur und Feuchte auch VOCs in der Luft. ©digitalzimmer
Corona-Ampel mit Magenta Smarthome

Im Telekom-System stehen die Produkte von Netatmo als Luftsensoren zur Verfügung. Nach Hinzufügen der Wetterstation oder des Raumluftsensors lässt sich die CO2-Konzentration als Auslöser nutzen. Philips Hue und andere Funklampen, die Magenta Smarthome unterstützt, zeigen die gewünschte Farbe an.

Eine Regel mit Netatmo-Luftsensor und Hue-Lampe in Magenta Smarthome. ©digitalzimmer

Diese Liste wird bei Gelegenheit erweitert und um Beispiele gergänzt. Die Variante mit IFTTT etwa kann ich aktuell nicht zeigen, weil sich mein Netatmo-Konto nach der Trennung nicht mehr mit IFTTT verbinden lässt. Die Götter in der Cloud wissen warum. Aber vielleicht hat der Beitrag ja auch so etwas gebracht und regt zum Experimentieren an. Wir werden im Herbst und Winter zwangsläufig viel drinnen sitzen. Warum also nicht Smarthome-Technik nutzen, um diese Zeit möglichst sicher und angenehm zu verbringen – beim Spieleabend oder zu anderen Gelegenheiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.