Die Hue Sync Box hat vier HDMI-Eingänge und einen Ausgang für den TV.

Hue Sync Box gegen Ambilight – der grosse Vergleich

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Anschluss und Betrieb mit AV-Receiver

In vielen Heimkinos sorgt ein AV-Receiver für guten Ton. Dabei kommt der sogenannte Audio Return Channel (ARC) zum Einsatz. Er nutzt das HDMI-Kabel zwischen Fernseher und Receiver, um TV-Ton auf die Heimkino-Anlage zu übertragen. So erklingen auch Fernsehsendungen vom integrierten TV-Tuner mit Surround-Sound.

Ein Philips-TV mit Ambilight wird dazu ganz normal an den AV-Receiver angeschlossen. Bei der Hue Sync Box gibt es einige Dinge zu beachten. So ist der richtige Platz für die zusätzliche Hardware zwischen AV-Anlage und Fernseher. Der HDMI-Ausgang des Receivers kommt an einen HDMI-Eingang der Box. Vom HDMI-Ausgang der Box führt ein weiteres Kabel zum TV. Nur in dieser Reihenfolge klappt die Wiedergabe mit Audio Return Channel.

Die Hue-Sync-Box sitzt im Signalweg zwischen AV-Receiver und TV-Gerät. ©digitalzimmer

Wichtig: Im ARC-Betrieb müssen die übrigen drei HDMI-Eingänge an der Sync-Box leer bleiben. Das Umschalten zwischen Videoquellen übernimmt wie bisher der AV-Receiver. Damit die Box das Tonsignal vom Fernseher zum AV-Receiver durchschleift, gibt es zusätzlich eine Option in der Einstellungen der Sync-App. Sie heißt Enable ARC bypass. Der Schieber lässt sich nur aktivieren, wenn auch wirklich drei Buchsen unbelegt sind. Ansonsten springt er zurück in seine Ausgangsposition.

Weitere Einstellungen sorgen dafür, dass die Box sich zusammen mit dem Fernseher ein- und ausschaltet. Das geht wahlweise über die Signalerkennung von HDMI – auch Consumer Electronics Control oder CEC genannt – oder über ein zusätzliches USB-Kabel, das TV und Sync-Box verbindet. Die sonstigen Optionen haben am AV-Receiver keine Bedeutung. Sie dienen vor allem dazu, automatisch die HDMI-Eingänge der Box zu wechseln, falls dort mehrere Zuspieler angeschlossen sind.

Für Tonwiedergabe vom TV muss die ARC-Option in den Einstellungen aktiv sein (Mitte).

Eine Einschränkung ist mir im Musik-Modus aufgefallen: Er scheint sich mit meinem AV-Receiver von Denon nicht zu vertragen. Sobald ich in der App von Video oder Game auf Musik umschalte, gehen die Hue-Lampen aus und der Raum bleibt dunkel. Eine Anfrage beim Hersteller dazu läuft. Sobald ich mehr weiß, werde ich berichten.

Unterschiede im praktischen Einsatz

Der Vergleich mit Ambilight ist etwas unfair. Denn Philips-TVs beleuchten die Wand hinter ihrem Bildschirm mit mehreren voneinander unabhängigen LED-Gruppen. An meinem Testgerät 50PUS8804 waren das jeweils drei Sektoren auf der rechten und der linken Seite sowie sechs am oberen Bildschirmrand. Macht zwölf individuell regelbare Lichtfelder – an einem 50-Zoll-Fernseher.

Ein Philips-TV mit aktiviertem Ambilight. Filmszene: Avengers: Endgame (Marvel Studios)

Wer mit einer Hue Sync Box dieselbe Menge an Leuchtgruppen erreichten wollte, müsste ein Dutzend Hue Play Lightbars hinter seinem TV montieren. Das kostet nicht nur mehr als 700 Euro, es ist vom Platz her auch gar nicht machbar. In der Regel dürften drei oder vier Hue Play zum Einsatz kommen – oder drei Lightstrips, die auf Länge der Bildschirmseiten zurechtgeschnitten sind.

Die Sync Box mit drei Hue Play Lightbars hinter dem TV. Filmszene: Avengers: Endgame

Klar, dass so eine Konfiguration den Szeneninhalt weniger genau abbildet als ein Ambilight-TV. Statt den Bildschirm optisch zu vergrößern, nimmt die Sync-Box eher seine Farbstimmung auf. Beispiel: Wenn die Avengers im letzten Teil der Superhelden-Saga zum Endgame antreten, zeichnet der Philips-Fernseher einzelne Lücken im wolkenverhangenen Himmel mit hoffnungsvollem Blau nach. Die Hue Sync Box gibt sich weitgehend den Orange- und Brauntönen des Schlachtengetümmels hin.

Für den Test habe ich Hue Play Lightbars an einem Ambilight-TV montiert. ©digitalzimmer

Über die Sync-App ist die Intensität der Lichteffekte fein dosierbar. In der Einstellung „Extreme“ reagiert das Hue-System auf jede Änderung im Bild. Strahlenwaffen der Avengers lassen die Hue-Lampen heftig blinken. Dieser Effekt wird im Game-Modus noch verstärkt. Mir persönlich ist das auf Dauer zu hektisch. Vor allem Filme wirken besser in den Stufen „Hoch“ und „moderat“. Oft lief die Box im Test auch auf kleinster Stufe („Subtil“). Ich finde, das Raumlicht soll die Stimmung verstärken, ohne allzu sehr vom Bildschirm abzulenken. Aber das ist sicher Geschmacksache.

Ein Vergleich mit Ambilight + Hue zeigt, dass der Philips-TV feinfühliger jedoch auch nervöser auf Bildänderungen reagiert. Selbst in den gemäßigten Einstellungen „Komfort“ und „Entspannung“ wechseln Hue-Lampen am Fernseher recht häufig die Farbe. Nimmt man ihre Helligkeit im Menü zurück, beruhigt das den Eindruck. Sind später beim Spielen an der Playstation aber wieder knallige Effekte gefragt, heißt das extra Arbeit – denn jedes Leuchtmittel hat seinen eigenen Regler tief im Untermenü. Es gibt keine Möglichkeit, die Helligkeit zentral für alle anzupassen.

Die Sync-App zur Box erlaubt schnelle Einstellungen im laufenden Betrieb. ©digitalzimmer

Mit der App zur Sync-Box gelingt das ohne Probleme. Die Schaltflächen für alle Betriebsarten und ein großer Helligkeitsregler liegen quasi auf der Hand. Das motiviert dazu, mit der Intensität zu spielen und individuelle Einstellungen für jeden Programmtyp zu wählen. Im Falle von Ambilight + Hue würde ich wohl eher eine möglichst unaufgeregte Grundkonfiguration nehmen und es dabei belassen.

Laufzeitunterschiede zwischen den Systemen konnte ich mit bloßem Auge übrigens keine feststellen. Leuchtmittel, die am TV angemeldet waren, reagierten im Test genauso flott wie an der Box.

Hue Sync Box vs. Ambilight-TV – das Fazit

Ambilight ist klar im Vorteil, wenn es darum geht, den Bildschirm mit farbigem Licht einzurahmen. Hue-Leuchtmittel hinter dem Fernseher können die vielen LED-Gruppen eines Philips-TV nicht komplett ersetzen – oder ihre Anschaffung wird sehr teuer. Auch die Fernbedienung spricht für das integrierte Konzept von TPVision. Die Ambilight-Taste auf dem Infrarot-Sender schaltet die Lichtspiele bequem an und aus. Nutzer müssen sich keine Gedanken über Dolby Vision, Videoquellen und Anschlüsse machen.

Anders sieht es aus, wenn Hue-Lampen das Film- und Spielerlebnis in den Raum hineintragen sollen. Hier ist die Sync Box in ihrem Element. Per App am Smartphone haben Fans ihr drahtloses Lichtsystems im Griff. Die Mengenbegrenzung auf 27 Leuchtmittel in der Auswahl entfällt und Änderungen an der Konfiguration lassen sich schnell vornehmen. Vor allem aber ist die Intensität der Effekte besser dosierbar. Von einer modulierten Hintergrundbeleuchtung hin zum Lichtgewitter und zurück bedarf es nur weniger Handgriffe.

Die Sync-Box hat ihre App, der TV eine Ambilight-Taste auf der Fernbedienung. ©digitalzimmer

Was nicht verschwiegen werden soll: Die Nachrüstung geht ins Geld. Mit einer Hue Sync Box und drei Hue Play Lightbars fängt der Spaß erst an. Diese Kombination kostet regulär etwa 450 Euro. Ab 600 Euro unverbindliche Preisempfehlung gibt es bereits Philips-TVs mit 55 Zoll Bilddiagonale und dreiseitigem Ambilight. Andererseits funktioniert die Lösung von Signify eben mit allen TV-Geräten. Und sie ist leicht zu installieren. Noch nie war es so einfach, jedes beliebige Heimkino in ein Lichtspielhaus zu verwandeln.


auf Seite 1:


6 Gedanken zu „Hue Sync Box gegen Ambilight – der grosse Vergleich“

  1. Hallo Herr Grün,
    bei mir schaltet sich die Box nicht automatisch aus und wieder ein. Ich habe schon alles versucht. Haben Sie einen Tipp für mich?
    Beste Grüße aus Westfalen
    Sven K.

    1. Hallo Herr K.

      hängt die Box mit ihren HDMI-Geräten direkt am Fernseher oder ist noch ein AV-Receiver im Spiel? Im Betrieb ohne Receiver genügt es normalerweise, die CEC-Funktion am TV und an den Zuspielern zu aktivieren. Dann schaltet sich die Box zusammen mit einem angeschlossenen Gerät ein oder aus.

      Schwieriger wird es, wenn die Geräte an einem AV-Receiver angeschlossen sind und dieser wiederum an der Sync Box hängt. Dann dringt nach meiner Erfahrung das Schaltsignal nicht bis zur Sync-Box durch.

      In solchen Fällen klappt die Steuerung per USB besser: Einen freien USB-Anschluss am Fernseher über ein Kabel mit der entsprechenden Buchse an der Box verbinden. Dann wacht die Box automatisch aus dem Standby auf, sobald der Fernseher eingeschaltet wird.

      Viele Grüße aus dem Digitalzimmer
      Frank-Oliver G.

  2. Und hier der im Beitrag angesprochene Workaround für die Synchronisation mit Dolby-Vision-Programmen von einem Apple TV:

    1. In den Video-Einstellungen des Apple TV Dolby Vision abschalten
    2. Stattdessen als Videoformat 4K SDR wählen (kein HDR).
    3. Die HDMI-Ausgabe auf RGB (hoch) stellen. Es darf nicht YPbPr eingestellt sein.
    4. Im Menü „An Inhalt anpassen“ festlegen, dass der Dynamikbereich des Videos übernommen wird.

    Workaround für Hue Sync mit Dolby Vision.

    Diese etwas verquere Einstellung führt offenbar dazu, dass ein Dolby Vision-Signal mit erweitertem Kontrastumfang abgespielt wird, obwohl unter Punkt 2 SDR eingestellt ist. Gleichzeitig synchronisiert die Hue-Box ihre Lampen mit dem Bildinhalt.

    Vielen Dank an den Nutzer, der diesen Trick entdeckt und in der Facebook-Gruppe Philips Hue Germany geteilt hat. Bei mir funktioniert er. Wer andere Erfahrungen gemacht hat: Gerne hier in den Kommentaren posten.

      1. Darf ich raten? Da ist wahrscheinlich ein Apple TV im Spiel. Damit das automatische Umschalten klappt, dürfen nicht benötigte Geräte kein HDMI-Signal mehr liefern. Sonst „weiß“ die Box nicht, für welchen Eingang sie sich entscheiden soll.

        Ein Apple TV braucht je nach Einstellung aber 15 Minute und mehr, um in den Ruhezustand zu gehen. Einzige Lösung, die mir aktuell einfällt: Das nicht mehr benötigte Gerät mit seiner Fernbedienung in den Standby schicken und dann erst die neue Quelle einschalten.

        Viel Erfolg und beste Grüße aus dem Digitalzimmer

    1. Hab ich ausprobiert, funktioniert bei mir leider nicht. Hab die empfohlenen Einstellungen mit einer Serie mit Dolby Vision bei Netflix getestet. Leider ohne Erfolg. Ich hoffe der offizielle Support für Dolby Vision kommt noch.

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