Philips OLED805 mit DTS Play-Fi.

Play-Fi: Philips-TV setzt auf den Multiroom-Standard

DTS Play-Fi ist wieder da. Ja eigentlich war der markenübergreifende Multiroom-Standard war nie ganz weg. Die Welt hat nur vergleichsweise wenig Notiz von ihm genommen. Da möchte ich mich gar nicht ausnehmen. Nach einem ersten Bericht anno 2015 und ein paar News-Updates im Jahr 2017 lief Play-Fi (sprich: Plei-fei) weitgehend unter meinem Radar. Bis heute.

Denn mit Philips-Fernsehern kehrt das System jetzt in die öffentliche Wahrnehmung zurück. Hersteller TP Vision hat angekündigt, ab diesem Jahr alle Android-TVs der Marke Philips mit Play-Fi auszustatten. Modelle der vergangenen Saison 2019 sollen ein Software-Update bekommen, das sie ebenfalls für die Multiroom-Wiedergabe fit macht. Außerdem sind für dieses Jahr noch Soundbars und kabellose Lautsprecher mit der Technik geplant.

Screenshots der Play-Fi-App
Schaltzentrale des Multiroom-Systems: die Play-Fi-App. ©digitalzimmer
DTS Play-Fi – der unterschätzte Streaming-Standard

Warum das interessant ist? Nun, die Streaming-Plattform des Dolby-Konkurrenten DTS (Digital Theater Systems) bringt eine Reihe nützlicher Eigenschaften mit:

  • Sie ist nicht an einen Hersteller gebunden – wenn auch die Unterstützer bislang wenig Profit aus diesem Vorteil schlagen. Welcher potenzielle Kunde weiß schon, dass Play-Fi in vielen Produkten von Onkyo, Pioneer Polk oder Rotel steckt?
  • Die Smartphone-App des Systems streamt eine ordentliche Auswahl an Musik-Diensten – von Amazon über Deezer, Qobuz und Spotify bis hinzu Tidal reicht das Angebot.
  • An Audioformaten werden alle gängigen Codecs (MP3, AAC, ALAC, FLAC WAV) unterstützt – bei Bedarf auch in hoher Auflösung bis 24 Bit und 192 Kilohertz Samplingfrequenz.
  • Play-Fi-Geräte beherrschen DLNA/UPnP und sind dabei ein Digital Media Renderer (DMR). Das heißt: Sie lassen sich von jedem beliebigen UPnP-Programm aus mit Musik bespielen.
  • Eine Soundbar und zwei WLAN-Lautsprechern mit DTS Play-Fi können gemeinsam eine Surround-Gruppe bilden. So ein Set gibt dann 5.1-Sound von Dolby- und DTS-Quellen wieder.
  • Play-Fi-Geräte beherrschen Alexa Cast und es gibt einen Alexa-Skill für die sprachgesteuerte Musikwiedergabe mit der digitalen Assistentin von Amazon.
  • Eine App namens Play-Fi Headphone empfängt Ton von Audioquellen, die an Play-Fi-Geräte angeschlossen sind. Ohrstöpsel am Smartphone werden damit beispielsweise zum TV-Kopfhörer.

Eigentlich schade, dass diese Vorzüge sich nicht mehr herumgesprochen haben. Andererseits ist der Multiroom-Markt ziemlich aufgeteilt. Ein großes Stück vom Kuchen nimmt Sonos in Anspruch, Denon und Marantz haben Heos etabliert, Yamaha ist mit MusicCast unterwegs. Von kleineren Anbietern wie Bowers & Wilkins, Bluesound oder Dynaudio ganz zu schweigen. Ein Neueinsteiger wie TP Vision hätte es da schwer, seine eigene Technik zu etablieren.

Die Entscheidung für DTS Play-Fi könnte jedoch ein kluger Schachzug sein. Das System eignet sich gut für den Surround-Betrieb. Im ersten Schritt werden Philips-Fernseher wie die Serie OLED805 (Bild oben) eine Multiroom-Funktion bekommen. Doch bereits in der zweiten Jahreshälfte sollten Soundbars und Surround-Boxen folgen. Sie erweitern den TV zur Heimkino-Anlage – ohne seinen Besitzer auf die Marke Philips festzulegen. Denn wer mag, kann in den anderen Räumen ja Play-Fi-Produkte der übrigen Hersteller nutzen.

Womöglich verhilft der Name Philips dem Multiroom-System ja zu mehr Bekanntheit und größerer Produktauswahl. Dann müsste ich am Ende noch überlegen, im Smarthome-Suchbaum eine eigene Kategorie mit Abzweigung dafür einzurichten.

Aufmacherbild: TP Vision

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