HomeKit: So steuert Apple das Haus per iPhone

Apple hat mit seinen Standards schon viele Branchen aufgemischt. AirPlay etwa streamt Musik auf Geräte verschiedenster Hersteller, AirPrint erlaubt drahtloses Drucken und CarPlay integriert das iPhone ins Auto. Als nächstes ist die Wohnung dran: Mit der Software-Schnittstelle HomeKit will der US-Konzern eine Universal-Fernbedienung für das intelligente Haus liefern. Lampen, Heizung und Garagentor, aber auch Steckdosen oder Türschlösser sollen per Funk bedienbar sein und miteinander kommunizieren.

Die Funksteckdose „Switch“ von iDevices in den USA soll HomeKit unterstützen. ©iDevices
Die Funksteckdose „Switch“ von iDevices in den USA soll HomeKit unterstützen. ©iDevices

Smartes Haus zum Selbermachen
Fernziel ist ein Smart Home, das keine übergeordnete Gebäudeintelligenz wie Bussysteme (KNX) oder Digitalstrom-Installationen mehr bedarf. HomeKit-Geräte werden vom Nutzer nur mit dem Heimnetzwerk verbunden. Danach sind sie per App steuerbar und können sogar zusammenarbeiten. Ein gesprochener Satz wie „Siri, ich gehe jetzt ins Bett“, würde zum Beispiel genügen, um die Nachtabsenkung der Heizung zu aktivieren, die Rollläden herunter zu fahren, die Eingangstür zu verriegeln und überall außer im Schlafzimmer das Licht zu löschen. Die grundlegenden Voraussetzungen dafür hat Apple mit iOS 8 geschaffen: Nummer acht des iPhone- und iPad-Betriebssystems ist für HomeKit vorbereitet. Außerdem bietet es die Möglichkeit, den persönlichen Sprachassistenten mit dem Kommando „Hey Siri“ quasi im Vorbeigehen zu aktivieren – ohne das Apple-Gerät anzufassen.

Das Bluetooth-Schloss Schlage Sense sollen sich auch mit Siri entriegeln lassen. ©Schlage
Das Bluetooth-Schloss Schlage Sense sollen sich auch mit Siri entriegeln lassen. ©Schlage

Was immer noch fehlt, sind die passenden Produkte. Ein Dreivierteljahr nach der ersten Ankündigung von HomeKit im Juni 2014 gibt es vor allem Absichtserklärungen. Philips und Osram haben schon länger angekündigt, ihre Lichtsysteme Hue und Lightify für HomeKit fit zu machen. Elgato will mit Eve gleich eine ganze Produktlinie auf den Markt bringen. Heizungssteuerer Tado und Wetterfühler Netatmo sind ebenso mit von der Partie die Gesundheitsapostel von Withings. Matthias Dornbracht vom gleichnamigen Armaturenhersteller hat mir versichert: „Bis spätestens Frühjahr 2015 sind wir soweit“. Dann sollen digitale Premiumventile automatisch die Wassertemperatur einstellen oder fürs Hundebad die Wanne einlaufen lassen.  Auf der CES in Las Vegas Anfang Januar 2015 waren erste HomeKit-Produkte zu sehen: Schaltsteckdosen wie der Switch von iDevices, der Garagenantrieb MiQ von Chamberlain oder das Bluetooth-Türschloss Sense von Schlage. Allerdings werden diese auch erst im Laufe des Jahres lieferbar sein, Markteinführung in Deutschland ungewiss.

Dornbracht wil seine digitalen Armaturen ebenfalls fit für HomeKit machen. ©Dornbracht
Dornbracht wil seine digitalen Armaturen ebenfalls fit für HomeKit machen. ©Dornbracht

Warum braucht HomeKit so lange?
Die Einführung lässt Erinnerungen an AirPlay wach werden. Der Start von Apples Streaming-Standard vor vier Jahren ging ebenfalls schleppend vonstatten – was nicht zuletzt an den umfangreichen Vorgaben und Zertifizierungsmaßnahmen lag. Auch HomeKit gehört zum Lizenzprogramm MFI („Made für iPhone/iPad/iPod“), das viele Details den Herstellern vorschreibt. So müssen HomeKit-Geräte bestimmte Bluetooth- und WLAN-Chips verwenden. Als Zulieferer sind Broadcom, Marvell und Texas Instruments zugelassen. Die drei Hoflieferanten haben aber erst im November 2014 mit dem Versand ihrer Funkchips begonnen. Laut Aussage von Broadcom in einem Forbes-Interview war das HomeKit-Protokoll zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht fertig. Es dürfte also wiederholt Firmware-Updates gegeben haben, was Zeit kostet.

2 Gedanken zu „HomeKit: So steuert Apple das Haus per iPhone“

  1. …..und Apple hoert und schneidet alles mit…..siehe Sicherheitsinfo beim iPad beim Einschalten von Siri……

    1. Das stimmt. Wie im Artikel beschrieben, bleiben Siri-Daten sechs Monate lang auf den Apple-Servern gespeichert. Allerdings betont das Unternehmen immer wieder, dass dies mit einer anonymen Zufalls-ID passiert und sämtliche HomeKit-Daten verschlüsselt sind. Nicht einmal der Hersteller selbst soll etwas damit anfangen können. Das ist Teil von Apples Firmenstrategie, sich als Datenschützer unter den großen Konzernen zu positionieren. Laut CEO Tim Cook verlange Apple – anders als Facebook oder Google – für seine Dienste auch deshalb Geld, weil der Nutzer mit harter Währung bezahlt, statt mit seinen Daten. Alle Sicherheitsvorkehrungen ändern freilich nichts daran, dass jeder Dienst mit einer Internetverbindung potentiell angreifbarer ist als ein unversetztes System. Das gilt für Cloud-Speicher genauso wie für Hauselektronik.

Kommentare sind geschlossen.