Das Sonos Multiroom-System: wirklich so gut?

Apropos Bedientasten: Mit dem aktualisierten Play:5 hat Sonos im vergangenen Jahr ein neues Kontrollfeld eingeführt. Es arbeitet berührungsempfindlich. Die Lautstärkewippe mit „Plus“ und „Minus“ ist dabei zwei Sensorflächen rechts und links der Mute-Taste gewichen. Sie sind nicht mehr eindeutig beschriftet, was seinen Grund hat: Beim normalen Antippen steigt der Pegel (rechts) oder sinkt (links). Wer seitlich darüber wischt, springt aber zum nächsten oder vorigen Titel. Und da der neue Play:5 wahlweise liegend oder hochkant betrieben werden kann, passen Sensoren im Innern die Tastenbelegung an die Ausrichtung des Lautsprechers an: Spielt er senkrecht, ist die oben liegende Fläche für „lauter“ zuständig, die untere für „leiser“. Das heißt für langjährige Sonos-Nutzer Umlernen,  ist dann aber sehr bequem, weil es das Smartphone in vielen Fällen überflüssig macht. Noch komfortabler sind nur Stationstasten am Gerät, wie sie Bose oder Raumfeld bieten.

Die Tasten des alten Play:5 (links) und die Sensorplächen am neuen. ©digitalzimmer
Die Tasten des alten Play:5 (links) und die Sensorflächen am neuen. ©digitalzimmer
Der Klang: ausgewogen und natürlich

Wie gut ein Connect oder Connect:Amp zu Hause klingt, hängt maßgeblich von den angeschlossenen Lautsprechern ab. Deshalb spare ich mir hier eine Bewertung. Die übrigen Player gehören in ihren Produktbereichen aber durchweg zu den Klassenbesten. Mein Vergleich von Multiroom-Soundbars im Magazin „video“ (Ausgabe 12/1015 und 1/2016) hat das für den Playbar gerade wieder bestätigt. Über Jahre war der Play:1 mein Favorit im Sonos-Sortiment. Auch nach der Preiserhöhung von 200 auf 230 Euro halte ich ihn für ein Schnäppchen. Was die Entwickler hier aus einem kompakten Zwei-Wege-System herauskitzeln, verdient Respekt. Frauenstimmen wie die von Eva Cassidy (Album „Nightbird“) oder Jeanette Lindström („Feathers“) kommen klar und natürlich. Selbst bei hohen Pegeln neigen sie nicht zum Schreien oder entwickeln die unangenehme Schärfe einer Membran im Grenzbereich. Unten herum sieht es ähnlich aus. Der neun Zentimeter messende Mittel-/Tieftöner drückt Bässe in den Raum, wie man sie einer Box dieser Größe nicht zutrauen würde. Das liegt nicht zuletzt an der massiven Bauweise (Gewicht: 1,85 Kilogramm), die Membranauslenkungen von über einem Zentimeter ohne übertriebene Gehäusevibrationen verkraftet. Und wenn es dem Chassis dann doch zu viel wird, nimmt die Signalverarbeitung den Tieftonanteil soweit zurück, dass immer noch kraftvolles, unverzerrtes Klangbild entsteht.

Sonos Play:5 – das alte und das neue Modell im Vergleich. ©digitalzimmer
Sonos Play:5 – das alte und das neue Modell im Vergleich. ©digitalzimmer

Der Play:3 und vor allem die etwas glanzlos klingende erste Version des Play:5 taten sich da schwer, ihren Aufpreis zu rechtfertigen. Wer mochte, konnte zwei Play:1 mit dem Sub ja auch nachträglich noch in ein bassgewaltiges Partymonster verwandeln. Dass diese Kombi mehr als 1200 Euro kostete – geschenkt. Doch dann kam im November 2015 der Nachfolger des Play:5 auf den Markt und mischte die Karten neu. Die Neuauflage des größten Sonos-Lautsprechers hat in allen Belangen zugelegt. Der Bass kann mit deutlich größeren HiFi-Standboxen mithalten – vor allem, wenn der Play:5 im Doppelpack als Stereopaar auftritt. Die Höhen haben mehr Strahlkraft und machen das Klangbild transparenter als beim Vorgänger. Höhenlastige Aufnahmen wirken für meinen Geschmack schon beinahe zu brillant. Aber das ist Geschmackssache und hängt vom Programmmaterial ab. Eine deutliche Klangverbesserung bewirkt die Einmessung mit Trueplay, wenn die Player ungünstig in einer Wandnische oder Raumecke stehen. Wer es darauf anlegt, kann Lautsprecher sogar hinter einem dünnen Vorhang verstecken (welch Frevel) und die Höhenverluste damit ausgleichen. Unter normalen Umständen greift die Frequenzgang-Tuning aber nur behutsam ein. Die Boxen klingen auch so sehr gut.

Der 16 Kilo schwere Sub verleiht Sonos-Systemen ein beeindruckendes Bassfundament. ©digitalzimmer
Der 16 Kilo schwere Sub verleiht Sonos-Systemen ein beeindruckendes Bassfundament.

Gegner des Sonos-Systems führen mitunter Laufzeitunterschiede zwischen den Lautsprechern als Kritik ins Feld. Auch Konkurrenten weisen darauf hin – vor allem wenn ihr eigenes System eine geringere sogenannte Latenz aufweist. In der Tat spielen drahtlose Stereopaare niemals so synchron wie zwei Lautsprecher, die per Kabel verbunden sind. Die Unterschiede liegen im Millisekunden-Bereich, können aber theoretisch die Ortung von Stimmen und Instrumenten beeinflussen. Einige Experten sagen, dass sich 25 Mikrosekunden Schallverzögerung (0,025 ms) für das menschlichen Ohr wie eine Richtungsänderung von drei Grad anhören. Schwankt der Wert, sollen Schallereignisse sogar unbestimmbar zwischen zwei Stereoboxen umherwabern. Entsprechende Effekte sind mir im Sonos-System noch nicht aufgefallen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann einen Stream-Player Connect mit der vorhandenen HiFi-Anlage verbinden. Oder er schließt eigene Lautsprecher an den Connect:Amp an. Das bevorzugte Einsatzgebiet liegt meiner Meinung nach aber ohnehin nicht im Hörraum, wo es audiophilen Musikfans darum geht, das akustische Abbild eines Künstlers exakt auf der unsichtbaren Klangbühne festzunageln. Das Sonos-System soll im ganzen Haus und in jeder Situation möglichst gut klingen. Und das ist den Erfindern ohne jede Frage gelungen.

Besonderheiten:
  • größte Auswahl an Streaming-Diensten
  • viele Lautsprecher-Kombinationen
  • drahtloser Subwoofer
  • Surround-Lösung fürs Heimkino
  • TV-Ton synchron in allen Räumen
  • sich selbst verstärkendes Mesh-Netzwerk

2 Gedanken zu „Das Sonos Multiroom-System: wirklich so gut?“

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