Rademacher-Gurtwickler mit Matter im Praxistest

Zum Rademacher Universal Gurtwickler smart gibt es kaum Alternativen. Er ist das einzige Aufputz-Modell auf dem deutschen Markt, das nativ den Smarthome-Standard Matter unterstützt. Meross aus China hat zwar auch ein Exemplar im Programm, allerdings nur für die Unterputzmontage in einem vorhandenen Mauerkasten.



Aufgesetzt oder integriert nutzbar

Rademacher (link) ermöglicht beides: Der Rollladenmotor kann wahlweise als Aufputz-Schwenkwickler montiert werden – in einer mitgelieferten Halteschiene. Oder er verschwindet – um 90 Grad nach vorn gekippt – im Mauerwerk. Nur eine etwa 35 Millimeter starke Blende ragt dann noch aus der Wand hervor. Das Zubehör für beide Installationswege liegt der Verpackung serienmäßig bei.

Ein Kunststoffeinsatz (Pfeil) passt die Breite des Wickelmechanismus an schmale Gurte an.

Auch sonst passt die Bezeichnung „Universal“. Denn anders als bei den bisherigen Rademacher-Gurtwicklern der Baureihe „Rollotron“ gibt es keine zwei Gehäusevarianten mehr. Schmale (15 mm) und breite (23 mm) Gurtbänder laufen durch dasselbe Gerät. Bei Bedarf werden Bandführung und Wickelfach mit Kunststoffeinsätzen so verengt, dass auch 15-mm-Gurte eine saubere Führung haben.

Das senkt die Kosten beim Hersteller, weil keine unterschiedlichen Ausführungen produziert und bevorratet werden müssen. „One fits all“, lautet die Devise. Unterm Strich profitieren aber auch die Käufer davon: Mit einem Preis von rund 150 Euro kostet der Universal-Gurtwickler im Online-Handel etwa 30 Prozent weniger als Rollotron-Modelle des Herstellers, die das hauseigene Funkprotokoll „DuoFern“ verwenden.

Spezialität von Rademacher: Elektrische Gurtwickler zum Nachrüsten. ©digitalzimmer
Die Rollotron-Gurtwickler von Rademacher nutzen das Funkprotokoll DuoFern. ©digitalzimmer

Den Rademacher-Standard DuoFern beherrscht der Matter-Gurtwickler übrigens trotzdem. Über einen langen Tastendruck am Gehäuse wechselt das Funkprotokoll von Thread in den Modus des Herstellers. Damit lässt sich der Antrieb dann an Zentralen von Rademacher wie der SmartHomeBox und dem HomePilot Gateway anmelden – oder mit einer drahtlosen Fernbedienung des Unternehmens verbinden. Ein wirklich universelles Produkt also.

Strom kommt über ein externes Netzteil

Im Vergleich mit den Rollotron-Kollegen fällt auf, dass die Konstruktion nicht ganz so massiv und solide wirkt. Das neue Gehäuse ähnelt Gurtwickler-Modellen, wie es sie auch von Jarolift oder Superrollo gibt – ohne Matter, aber zu niedrigeren Preisen.

Das integrierte Netzteil bisheriger Modelle ist einem Steckernetzteil im Format 55 × 85 × 35 mm gewichen. Das hat Vor- und Nachteile: So lässt sich das dünne, zweiadrige Niedervoltkabel nun leichter biegen und in die Fensternische kleben. Mit 1,90 Metern Länge bietet es auch einigen Verlegespielraum. Dafür beansprucht der Power-Adapter viel Platz in der Steckdose. In engen Steckerleisten kann das zum Problem werden (siehe Bild unten).

Das externe Netzteil beansprucht einigen Platz an der Steckdose. ©digitalzimmer

Die Installation des Matter-Gurtwicklers

Dank seines Funkprotokolls Thread kann der Gurtwickler mit jedem Matter-fähigen Smarthome-System betrieben werden, das über einen Thread Border Router verfügt. „Matter over Thread“ heißt diese Art der drahtlosen Verbindung.

In sprachgesteuerten Lautsprechern wie dem HomePod mini von Apple oder aktuellen Echo-Modellen von Amazon ist der Border Router bereits eingebaut. Auch Smarthome-Zentralen wie ein Dirigera Hub von Ikea, der Google-TV-Streamer und moderne Samsung-Fernseher sind damit ausgestattet. Mehr dazu im Beitrag: „Was ist ein Thread Border Router“ auf matter-smarthome.de.

Die Inbetriebnahme des Gurtwicklers läuft fast überall gleich ab: Der Antrieb wird zuerst mit seinem Montagezubehör am Installationsort fixiert, ans Stromnetz angeschlossen und dann das Gurtband eingefädelt. Alle Schritte sind in der mitgelieferten Papier-Anleitung erklärt – bis hin zum Einstellen der Endpunkte für einen vollständig geöffneten oder geschlossenen Rollladen.

Eine Wippe und zwei Favoriten-Tasten ermöglichen die Bedienung am Gerät. ©digitalzimmer

Zwei Favoritentasten am Gerät speichern auf Wunsch eine weitere obere und untere Position des Rollladens – um sie später auf Knopfdruck wieder anzufahren. Mit der Auf/Ab-Wippe und den beiden Favoriten lässt sich der Gurtwickler bereits manuell bedienen. Ohne jede App oder weiteres Zubehör. Die smarten Möglichkeiten bringt aber erst ein Matter-fähiges System ins Spiel.

Integration in Smarthome-Systeme

Die Verbindung mit Amazon Alexa, Apple Home, Google Home oder anderen Matter-fähigen Plattformen stellt das Smartphone her. Dazu klebt auf dem Deckel des Gurtwicklers (und sicherheitshalber noch einmal darunter im Gehäuse) ein QR-Code. Die App des gewünschten Systems nimmt ihn während der Einrichtung auf und fügt den Gurtwickler zu ihrer Smarthome-Installation hinzu.

Der Matter-Code stellt eine verschlüsselte Verbindung zum Smarthome her. ©digitalzimmer

Dort lässt er sich fortan steuern und über die jeweilige Matter-Plattform automatisieren. So können beispielsweise die Rollläden zeitgesteuert öffnen und schließen. Alexa, Bixbi, Siri und andere Sprachassistenten erhalten Zugriff auf das Gerät. Ein Helligkeitssensor sorgt für Schatten, wenn die Sonne durchs Fenster scheint. Oder ein System wie Home Assistant berechnet den Sonnenstand astronomisch und bezieht Wetterdaten in seine Kalkulation mit ein.

Einrichtung des Universal-Gurtwicklers in der App Google Home. ©digitalzimmer

Was im Einzelfall möglich ist, hängt von der genutzten Smarthome-Plattform ab. Auch die Darstellung des Rollladens und seiner Bedienelemente variiert von System zu System. Denn Matter standardisiert zwar die Art und Weise der Verbindung, macht aber keine Vorschriften zur Bedienung. So passiert es, dass Home Assistant unter dem zentralen Schieberegler noch Voreinstellungen für verschiedene Öffnungsgrade anbietet, während die Oberflächen bei Amazon, Apple oder Google geradezu nackt erscheinen.

Bedienelement für Rollläden in Home Assistant, Apple Home und Google (v.l.n.r.) ©digitalzimmer

Erfahrungen und Testfazit

Der Hersteller Delta Dore Rademacher hat mir freundlicherweise ein Muster des Universal Gurtwicklers smart für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Nach mehreren Wochen Dauerbetrieb, auch mit Sonnenschutz-Automatik, und nach der Integration in diverse Smarthome-Systeme kann ich sagen: Das Gerät tut, was es soll.

Es geht nicht unbedingt leise ans Werk. Vor allem im Aufputz-Betrieb sind Motorgeräusche gut zu vernehmen. Die Anleitung könnte manchmal ausführlicher formuliert sein – etwa wenn es um Leuchtanzeigen geht. So war die Hilfe des Kundendiensts nötig, um zu verstehen, was eine abwechselnd rot und grün blinkende LED bedeutet: Ich hatte beim Programmieren von Favoriten die Taste länger gedrückt als angegeben („2 bis 4 Sekunden“). Leider verliert die Anleitung zur Bedeutung dieses Blinkzeichens kein Wort.

In seiner Funktion als Matter-Gurtwickler macht der Rademacher aber einen sehr guten Job. Er funktioniert reibungslos und hält zuverlässig den Kontakt zum Thread-Netzwerk. Ja, mehr noch: Als stromversorgtes Gerät dient er dem Mesh als Router und kann Befehle an andere Teilnehmer weiterleiten. Die aktuelle Thread-Version (1.4) und eine Zertifizierung nach Matter 1.4 sprechen dafür, dass er dieser Aufgabe in vollem Umfang gerecht wird.

Der Rademacher-Gurtwickler dient im Thread-Netzwrek als Router und leitet Befehle weiter.

Würde ich mir den Gurtwickler mit Matter over Thread selbst kaufen? In jedem Fall. Auch weil es bislang keine echte Alternative dazu gibt. Klar: Mit einer SmartHomeBox von Rademacher als Matter-Bridge (externer Link: Was ist eine Matter-Bridge?) finden alle Funkwickler des Herstellers Anschluss an Matter-Systeme. Das ist eine Überlegung wert, wenn noch mehr Produkte wie Rohrmotoren oder Beschattungsaktoren gesteuert werden sollen.

Wer keine extra Bridge möchte, bekommt mit dem Gurtwickler Universal aber die einfachere und kostengünstigere Lösung.