Philips Hue unterstützt keine Lampen anderer Hersteller mehr

Mit der HomeKit-Integration hat es sich schon angedeutet: Das Lichtsystem Hue wird zur reinen Philips-Veranstaltung. So unterstützt die neue Bridge zwar Apples Haussteuerung, kann aber keine Leuchtmittel von Fremdherstellern wie Osram darüber fernbedienen. Wer mit Siri das Licht einschaltet, erhält die Fehlermeldung, dass einige Lampen nicht reagiert haben. Mehr dazu im Blog-Beitrag über die HomeKit-Funktionen von Hue.

Mit dem jüngsten Software-Update der Bridge (Firmware-Version 01029624) geht Philips nun offenbar noch einen Schritt weiter: Laut Berichten im Netz lassen sich Zigbee-Lampen anderer Hersteller nicht mehr an der Bridge anmelden. Das Hue-Team hat diese Beobachtung in seinem offiziellen Twitter-Account bestätigt. Dort heißt es am 8. Dezember: Um die Qualität der Nutzererfahrung zu garantieren, können nur Hue-Lampen und Modelle der Serie Friends of Hue (FoH) in der Hue-App hinzugefügt werden.

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Bereits installierte Lampen lassen sich – zumindest im Augenblick – weiter nutzen. Sie reagieren in unserem Digitalzimmer auf Befehle der App und funktionieren in Lichtszenen wie bisher. Die Bedienung über HomeKit ist davon wie gesagt ausgenommen. Trotzdem kann der Einsatz von Fremdfabrikaten künftig nicht mehr empfohlen werden. Schließlich wäre es möglich, dass ein weiteres Firmware-Update auch die verbliebenen Osram-Lampen aus dem System wirft. Das bringt etliche Hue-Nutzer in die Bredouille. Sie haben sich bewusst für Osram-Produkte entschieden, weil Philips für manche Einsatzgebiete keine eigenen Lösungen anbietet. So gibt es für Hue bislang weder wetterfeste Gartenspots noch Kerzenlampen für das kleine E14-Gewinde. Bei einem Wegfall der Hue-Unterstützung müssen sie zusätzlich das Lightify-Gateway von Osram installieren und beide Systeme parallel fahren – oder die teuren Funkleuchten unvernetzt als „dumme“ LED-Lampen betreiben.

digitalzimmer.de meint: Mit dieser Entscheidung verärgert Philips viele Kunden. Der Frust macht sich auf Facebook, Twitter und an anderen Stellen im Internet Luft. Man mag darüber streiten, ob das Unternehmen Verbraucher je dazu ermuntert hat, Fremdprodukte an seiner Hue-Bridge einzusetzen. Fakt ist, dass der Funkstandard Zigbee Light Link für genau so einen Mischbetrieb entwickelt wurde.  Außerdem ist Philips Mitglied der Connected Lighting Alliance, in der Firmen wie General Electric, LG, Panasonic und Osram zusammenarbeiten, um derlei Einschränkungen zu vermeiden. Ziel der Allianz ist es laut Webseite, „die Lichtindustrie auf einen einheitlichen Ansatz auszurichten“ und „risikoarme Kaufentscheidungen für Konsumenten zu ermöglichen“. Das jüngste Hue-Update weist eher in die entgegengesetzte Richtung. Vor allem aber zeigt es, dass für vernetzte Produkte im Smart Home andere Regeln gelten als früher. Ähnlich wie bei Medien mit Rechtemanagement (DRM) kann der Kunde nicht mehr allein entscheiden, was er mit der gekauften Ware anfängt. Er darf nur das tun, was der Hersteller ihn lässt– und das kann sich auch nachträglich jederzeit ändern.

Update 1 vom 16.12.2015: iPhone-Ticker.de hat inzwischen Statemens von Philips und Osram zusammengetragen. Laut Berichterstattung der Kollegen plant Philips unter dem Namen Friends of Hue ein Lizenzprogramm, in dem Fremdhersteller ihre Lampen für den Betrieb mit Hue zertifizieren lassen können. Das erinnert an die Strategie von Apple, mit der ein reibungsloses Zusammenspiel von Peripheriegeräten mit der Apple-Hardware gewährleistet wird. Sicher keine ganz billige Lösung für den Verbraucher – aber auch verständlich, weil Philips damit ausschließen kann, dass Bedienprobleme mit Leuchtmitteln anderer Hersteller auf das Hue-System zurückfallen und dessen Ruf schädigen.

Update 2 vom 16.12.2015: Philips zieht sein Update der Bridge und damit die oben genannten Einschränkungen zurück. Pressesprecher Oliver Klug gab dazu heute ein offizielles Statement ab: „Wir haben kürzlich die Software von Philips Hue aktualisiert. Unser Ziel ist, den Produktnutzen sowie die Benutzerfreundlichkeit der Anwendung zu erhöhen. Die Anpassungen erfolgten mit bester Intention für Philips Hue-Nutzer. Diese Weiterentwicklung unseres Systems hat auch Auswirkungen auf eine kleine Gruppe von Anwendern, die Lampen anderer Herstellern in Philips Hue eingebunden haben, welche sich nicht in vollem Umfang mittels der Philips Hue-Software steuern lassen. Wir nehmen die Rückmeldung diese Nutzergruppe sehr ernst und ziehen das erfolgte Update zurück. Lampen anderer Hersteller werden damit weiterhin in ihrem gegebenen Funktionsumfang innerhalb von Philips Hue nutzbar sein.“

Wann das erneute Software-Update verfügbar ist, konnte er noch nicht sagen. Philips arbeite aber an der Umsetzung und werde die Fertigstellung zeitnah bestätigen. Sobald sie verfügbar ist, werden Besitzer eines Systems in der Hue-App aufgefordert, die aktualisierte Version zu installieren. Sollte es Probleme mit Lichtszenen geben, empfiehlt Philips, die betreffende Szene zu bearbeiten und einmal neu zu speichern. Um die Szenen mit Hardware wie dem Hue Tap oder dem Wireless Dimming Kit zu verwenden, müssen sie dem Schalter noch einmal zugewiesen werden. Das neue Friends of Hue-Partnerprogramm behält laut Klug aber weiterhein seine Berechtigung: „In diesem Rahmen testen und zertifizieren wir Produkte und Plattformen anderer Marken, um sicherzustellen, dass sie nahtlos mit Philips Hue funktionieren. Anwender, die unzertifizierte Produkte nutzen, werden deren Kompatibilitätseinschränkungen möglicherweise weiterhin erleben. Beispielsweise dass diese Lampen nicht wie vorgesehen vollständig ausdimmen sowie abweichende Farben oder Reaktionen auf Ambienteszenen.“

2 Gedanken zu „Philips Hue unterstützt keine Lampen anderer Hersteller mehr“

  1. Danke für die Warnung. Inzwischen erklärt auch Osram in den Lightify-Faq, dass seine Lampen nicht mehr mit Hue kompatibel sind. Ohne Worte sowas. Aber die ganzen smarthome-Befürworter wie ihr werdet wohl weiter versuchen, uns solche Systeme schmackhaft zu machen.

    1. Wieso? Wir schreiben doch gleichermaßen über Vor- und Nachteile der Technik? digitalzimmer.de ist ganz sicher kein Jubel-Blog. Wir verstehen uns als neutraler Berichterstatter und Berater.

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