Humax HMS: HDTV-Recorder mit Cloud-Server

Das Fernsehprogramm an einem zentralen Ort im Haushalt empfangen und bei Bedarf aufnehmen, das Ganze aber von überall aus steuern und im ganzen Haus auf Live-TV und Aufnahmen zugreifen. Zur Not aus dem Urlaub im Ausland die Aufnahme eines Blockbusters programmieren und die samstägliche Sportschau übers Hotel-WLAN anschauen – das wär’s doch!

Der koreanische Digital-TV-Spezialist Humax kommt diesem Traum mit einem brandneuen Konzept-Gerät verdammt nah. Der Prototyp, den Humax vor wenigen Tagen auf der Fachmesse ANGA Cable in Köln präsentierte, firmiert unter dem Arbeitstitel „HMS“ – eine Abkürzung für „Home Media Server“. Im Grunde sieht das Gerät ähnlich aus wie einer der beliebten iCord-HDTV-Recorder des Herstellers, doch technisch hat er einiges mehr auf dem Kasten: Vier HDTV-Tuner empfangen ein Quartett an HD- oder SD-Sendern parallel und zeichnen diese wahlweise auf eine fest eingebaute oder eine zweite, wechselbare Festplatte auf. Oder das Live-Programm wird mit geringer Zeitverzögerung gleich an einen passenden HMS-Client im lokalen Netzwerk gestreamt. Das kann nach den Plänen von Humax wahlweise eine passende Streamingbox, ein iPhone, iPad oder ein Mobilgeräte mit anderem Betriebssystem wie Android oder Windows Mobile sein. Passende Apps befinden sich laut Humax in Entwicklung, auf dem iPad und iPhone wurden bereits Anwendungen gezeigt. Auch Computer sollen als Streaming-Client infrage kommen.

Gegenüber den meisten aktuellen TV-Streaminglösungen, wie sie etwa Set-Top-Boxen von Kathrein anbieten, soll der HMS auch ein Transcoding des Liveprogramms in Echtzeit bieten. So werden etwa Mobilgeräte und das WLAN-Netzwerk nicht über Gebühr mit hohen Datenraten und HDTV-Videos belastet, wenn sie diese gar nicht darstellen. Für die integrierten Transcoding-Talente zeichnet laut Humax ein neuer Digital-TV-Chipsatz von Broadcom verantwortlich, den der Chiphersteller derzeit parallel zum Humax-Konzept entwickelt.

Mit Aufnahmen auf seinen beiden Festplatten lässt sich ebenfalls freizügig umgehen: Man kann sie im lokalen Netzwerk zum Streaming freigeben, aber auch außerhalb mit Freunden teilen. Laut den Plänen von Humax soll dazu der Online-Clouddienst „WOON” zum Einsatz kommen, der ähnlich wie etwa Pogoplug oder WD2Go aus den Daten auf einer Computer-, NAS oder eben der HMS-Festplatte eine Art „Personal Cloud“ bildet. Auf diese Weise lassen sich einzelne Dateien oder ganze Verzeichnisse von der lokalen Festplatten für bestimmte Empfänger zum Abruf über das Internet freigeben. So sollen sich Aufnahmen von der HMS-Festplatte auch über Mobilgeräte oder Computer irgendwo anders auf der Welt abrufen lassen. Auch hier passt der Humax HMS die Videoauflösung und Datenrate in Echtzeit an die Streaminggeschwindigkeit an. Voraussetzung: Ein schneller Internetzugang auf der Server- und der Clientseite. Das Ganze erinnert funktional ein bisschen an das System der Slingbox ist aber bereits im HDTV-Recorder eingebaut.

Ob Humax ein Gerät mit genau diesen Features auf den Markt bringen wird, ist nach Firmenangaben noch nicht sicher – neben der technischen Machbarkeit spräche bei derartigen Produkten auch die Rechtsabteilung mit, so der Humax-Präsentator. Denn es ist noch keineswegs klar, ob etwa die cloudbasierte Verbreitung von TV-Aufnahmen im Freundeskreis uneingeschränkt legal ist. Online-Videorecorder wie Save.tv oder Bong.tv (siehe Zusatz-Infos) etwa kämpfen seit Jahren um die Legalität ihrer cloudbasierter Aufnahmedienste – mit offenem Ausgang. Die Slingbox dagegen ist frei verkäuflich und ohne Einschränkungen einsatzbereit. Preise und ein möglicher Starttermin des HMS stehen derzeit noch nicht fest, laut Humax soll das Entwicklungsprojekt aber Anfang 2013 technisch vollendet sein.

digitalroom.de meint: Ein leistungsfähiger Heimserver für HDTV-Mitschnitte und -Streaming, das klingt verlockend. Ähnliche Konzepte gibt es derzeit zwar schon von Panasonic oder Macro System, doch einen Cloud-Dienst für TV-Mitschnitte wie im HMS gibt es derzeit noch nicht. Nicht nur Humax arbeitet daran, auch andere Hersteller haben Zugriff auf die nächste Generation Chipsätze von Broadcom, ST Microsystems & Co. Allerdings müssen sich die Hersteller mit ihren Servern ranhalten, denn es dauert wohl nicht mehr lange, bis es solche Funktionen als reine Cloudanwendungen gibt. Der Online-TV-Service Zattoo etwa bietet in seiner Premiumversion bereits eine ansehnliche Qualität, Onlinerecorder wie Save.tv und bong.tv liefern Aufnahmen recht zuverlässig aus der Cloud. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis Kombinationen dieser Dienste kommen und aufwendige Hardware zu Hause überflüssig machen.