Nuki-Keypad mit NFC im Test: Türöffner zum Antippen

Der Smart-Lock-Pionier Nuki hat ein neues Keypad zu seinen Schlossantrieben auf den Markt gebracht. Das Keypad 2.0 NFC (Link) ist ab sofort erhältlich und öffnet Türen erstmals auch durch bloßes Antippen mit dem Smartphone oder der Smartwatch.

Das Feature heißt „Tap to Unlock“ und basiert auf einem integrierten Chip für den Kurzstreckenfunk Near Field Communication – besser bekannt unter dem Kürzel NFC. Es ist dieselbe Technologie, die Smartphones zum Bezahlen im Einzelhandel verwenden, etwa mit Apple Pay oder Google Pay. Am iPhone hielt NFC mit der Baureihe 7 im Jahr 2016 Einzug, Samsung stattet die Galaxy-S-Serie seit dem S6 damit aus und Google stieß 2017 mit dem Pixel 2 dazu.

Inzwischen sind NFC-fähige Smartphones ziemlich verbreitet. Smart Locks, die von ihren Fähigkeiten machen, muss man hingegen mit der Lupe suchen. Und wenn man welche findet, funktionieren sie oft nur in bestimmten Ökosystemen wie Apple HomeKey. Das soll bei Nuki anders sein. Der Hersteller hat mir vorab ein Testexemplar des neuen Keypads zur Verfügung gestellt. So konnte ich die neue Funktion schon einige Wochen lang ausprobieren.

Ein Funksymbol unterscheidet das Keypad 2.0 NFC vom bisherigen Modell. Bild: digitalzimmer

Gleicher Formfaktor, erweiterte Technik

Äußerlich unterscheidet sich das Keypad 2.0 NFC kaum vom bisherigen Modell, das übrigens im Programm bleibt. Größe und Form sind identisch, Fingerabdruckscanner und Tastatur liegen an derselben Stelle. Dazwischen markiert ein neues, aufgedrucktes Symbol den Punkt, an den das Smartphone gehalten werden muss. Nuki hat den Funktionsumfang also erweitert, was sich in einem etwas höheren Preis niederschlägt: Das Keypad 2.0 NFC kostet 179 Euro, die Version ohne NFC liegt weiterhin bei 159 Euro.

Unterstützt den Aliro-Standard

Zur Kommunikation mit dem Smartphone setzt das Keypad auf den herstellerübergreifenden Aliro-Standard. Er wurde – ähnlich wie Matter – von einigen Hundert Herstellern unter dem Dach der Connectivity Standards Alliance (CSA) entwickelt (Link). Apple, Google und Samsung haben sich bereits dazu bekannt und erklärt, dass ihre Smartphone-Betriebssysteme Aliro unterstützen werden.

Technisch bedeutet das: Die Zutrittsberechtigung wird als digitaler Schlüssel in den sogenannten Wallets von Apple (iOS), Google (Android) und Samsung gespeichert. Ein Smartphone – oder eine smarte Armbanduhr mit Wallet-App – kann sich damit ausweisen und die Tür öffnen. Und da Nuki die Lesetechnik in sein Keypad integriert, lassen sich auch ältere Smart Locks des Unternehmens damit nachrüsten. Laut Hersteller können alle Matter-fähigen Nuki-Schlösser ab der 4. Generation auf diese Weise kompatibel werden.

Dank Wallet haben Apple-Nutzer ihren Türschlüssel auch auf der Watch. Bild: digitalzimmer

Funktioniert mit und ohne Matter

Der herstellerübergreifende Smarthome-Standard Matter ist deshalb von Bedeutung, weil alle drei Ökosysteme – Apple, Google und Samsung (SmartThings) – ihn als technische Basis für Aliro nutzen. Sie speichern und verwalten Zugangsdaten auf einer Matter-Zentrale in der Wohnung. Daher muss ein entsprechender Hub zu Hause installiert sein. Im Falle von Apple wäre das beispielsweise ein HomePod mini oder ein Apple TV, bei Samsung etwa ein Aeotec-Hub oder Smart-TV mit entsprechender Ausstattung.

Google bleibt zum Start außen vor: Die Amerikaner haben Aliro noch nicht in ihr Smarthome-Ökosystem integriert, weshalb im Augenblick nur Geräte mit einer Apple- oder Samsung-Wallet für diese neue Betriebsart infrage kommen.

Nicht zuletzt deshalb dürfte Nuki eine eigene Lösung entwickelt haben – um unabhängiger von den großen Plattformen zu sein. Alternativ zum Smart-Home-Modus, der ein installiertes Matter-Ökosystem voraussetzt, gibt es den rein appgestützten NFC-Betrieb. Er funktioniert ohne Matter, weil die Zugangsdaten direkt in der Nuki-App auf dem Smartphone gespeichert werden. So steht „Tap to Unlock“ auch solchen Haushalten zur Verfügung, die über keine Matter-Installation verfügen – oder NFC-fähige Smartphones von anderen Herstellern als Apple und Samsung nutzen.

Die NFC-Funktion lässt sich wahlweise im Nuki-App-Mode nutzen oder in einem Matter-Ökosystem.

Das Nuki Keypad 2.0 NFC im Test

Genug der Vorrede, wie schlägt sich die Kombination aus Keypad und Smart Lock in der Praxis? Für den Test habe ich ein Nuki Go (Link) mit der neuen Tastatur gekoppelt. Wer das Keypad ohne NFC kennt, weiß: Die Grundlage ist solide. Der Fingerprint-Sensor reagiert prompt, nahezu unbeeindruckt von Lage und Orientierung der Griffel. Auch feuchte Fingerkuppen sind kein Problem.

Wie gehabt gibt es keine Null auf der Tastatur, was die Kombinationsmöglichkeiten für Zutrittscodes etwas einschränkt. Bis zu 20 Fingerabdrücke und 200 Ziffernkombinationen lassen sich speichern. Mit NFC kommen 35 weitere Berechtigungen hinzu, die auf Smartphone-Nutzer verteilt werden können. Das dürfte für die meisten Wohnungen, Eigenheime und sogar Zwei- oder Dreifamilienhäuser ausreichen.

Die Energieversorgung des Keypads übernehmen vier AAA-Batterien. Bild: digitalzimmer

Die Installation geht denkbar schnell vonstatten: Montageplatte ankleben oder anschrauben, Batterien einlegen und das Keypad aufstecken. Die Nuki-App führt am Bildschirm durch den Installationsprozess und stellt dabei auch gleich die Betriebsart ein: Smart-Home-Mode für den Einsatz in einem Matter-Ökosystem und App-Mode für das Aufschließen per Nuki-App.

Mangels Samsung-Telefon konnte ich das Tap-to-Unlock via Matter nur mit dem iPhone und meiner Apple Watch ausprobieren. In beiden Fällen klappt das Aufsperren problemlos. Apple Home erkennt die NFC-Funktion nach der Installation automatisch und bietet sie der Home-App an (siehe Screenshots unten). Nach kurzem Bildschirmdialog ist der digitale Hausschlüssel in der Wallet verfügbar und kann zum Öffnen genutzt werden.

Apple Home erkennt die NFC-Funktion von selbst und bietet den digitalen Hausschlüssel an.

Ist Apples Express-Modus aktiviert, öffnet das Schloss direkt beim Antippen des Keypads. Andernfalls muss der Einsatz des digitalen Schlüssels zuvor in der Wallet-App bestätigt werden, etwa per Face ID. Praktischer Nebeneffekt der Express-Konfiguration: Mit ihr klappt das Aufsperren auch dann, wenn das iPhone keine Bildschirmanzeige mehr hat und geladen werden muss. Die Energiereserve des Apple-Telefons versorgt den digitalen Haustürschlüssel einige Stunden lang mit Strom. Gerade so viel, dass die Kommunikation mit dem NFC-Chip im Keypad möglich ist.

Fazit und Testergebnis

Ich persönlich würde NFC nicht unbedingt benötigen, weil Nukis bisheriges „Auto Unlock“ via Bluetooth gut funktioniert: Das Smart Lock öffnet automatisch, sobald ein autorisiertes Smartphone in Funkreichweite kommt. Welchen Aufwand der Hersteller dabei in Sachen Datenschutz und Sicherheit betreibt, habe ich vor längerer Zeit in diesem Beitrag erklärt.

„Tap to Unlock“ zieht jedoch eine weitere Schutzebene ein – weil das Aufschließen nur dann erfolgt, wenn der Nutzer es aktiv bestätigt. Mit einer Watch am Handgelenk gelingt das quasi im Vorbeigehen, was die Nutzung komfortabel und alltagstauglich macht. Es verhindert gleichzeitig, dass die Tür versehentlich aufgeht, wenn man beim Nachhausekommen auf halbem Weg noch einmal umkehrt, etwa um vergessene Einkäufe aus dem Auto zu holen.

Während der gesamten Testperiode funktionierte mein Set-up problemlos. Einen Kritikpunkt gibt es trotzdem: Aktuell kann das Keypad nur an eine Matter-Plattform gekoppelt werden. Der parallele Einsatz von mehreren Ökosystemen, wie Matter ihn eigentlich vorsieht, ist nicht möglich. Nuki hat auf Nachfrage erklärt, dass diese Einschränkung nicht am Keypad liegt, sondern am Zusammenspiel von Aliro und Matter. Hier gebe es noch Verbesserungspotenzial, was auch an der jungen Technologie liegt. Die finalen Aliro-Spezifikationen (v1.0) wurden gerade erst veröffentlicht.

Wer Tap to Unlock in einem Smarthome-System mit Matter nutzen will, muss sich vorerst also für einen digitalen Schlüsselbund entscheiden: Apple, Samsung oder – demnächst – Google. Ein Trost: Die übrigen Öffnungsmethoden per Fingerabdruck, Zifferncode und Nuki-App sind davon nicht betroffen. Sie funktionieren unabhängig von den Plattformen. Und was nicht ist, kann ja noch werden: Die nächste Spezifikation von Aliro oder Matter kommt bestimmt – und mit ihr vielleicht der Parallelbetrieb mehrerer Ökosysteme.

Update vom 24. März 2026: Nach neuesten Informationen von Nuki ist ein Parallelbetrieb unter bestimmten Umständen doch möglich. Und zwar dann, wenn das Smart Lock zuerst mit Apple Home gekoppelt und SmartThings anschließend hinzugefügt wird. „Wir arbeiten kontinuierlich mit den Wallet-Anbietern zusammen, um die Interoperabilität zwischen ihren Systemen zu verbessern, können jedoch keine konkreten Zeitpläne für zukünftige Änderungen oder Verbesserungen nennen“, heißt es aus dem Unternehmen.