Teuere Grätsche: Sky überträgt Bundesliga weiter

Lange Gesichter bei der Deutschen Telekom und ihrem IPTV-Angebot „Entertain“. Jubel bei den erst- und zweitklassigen Fussballclubs. Aufatmen in der Chefetage von Sky, aber auch ein flaues Gefühl in der Magengegend des Pay-TV-Kassenwartes. So könnte man den Ausgang des aktuellen Rechtepokers um die Fernsehverwertung der Fussball-Bundesliga zwischen Sommer 2013 und 2017 zusammenfassen. Denn der Pay-TV-Sender Sky behält ab Sommer nächsten Jahres die Übertragungsrechte für alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga. Zu den bisherigen Rechten für Live Pay-TV über Satellit und Kabel sowie übertragungen im stationären Internet kaufte der Sender nun auch die Rechte für die Übertragung der Spiele im mobilen Internet und via IPTV ein.

Sky zeigt auch künftig alle Bundesligaspiele live im Pay-TV. (Bild: DFL)
Sky zeigt auch künftig alle Bundesligaspiele live im Pay-TV. (Bild: DFL)

Diese beiden Verwertungsformen hat bislang die Deutsche Telekom inne und nutzt sie für das Pay-TV-Paket „Liga Total“ in ihrem IPTV-Angebot Telekom Entertain sowie für mobile Liga-Total-Apps in Smartphones. Die werden nach der aktuellen Vergaberunde nicht mehr in der selben Form existieren, dafür kann Sky Bundesligaspiele künftig nicht nur per WLAN, sondern auch über das 3G-Netz in seiner mobilen Pay-TV-App „Sky Go“ übertragen. Und Sky kann sein Angebot an IPTV-Anbieter weiter verkaufen – wie etwa die Telekom. „Wir werden alles daran setzen, dass unsere Kunden bei Entertain auch über 2013 hinaus die Bundesliga-Spiele live sehen können.“ sagt denn auch Telekom-Kommunikationschef Stephan Althoff. Man werde das Gespräch mit Sky suchen, um den Kunden auch in Zukunft ein attraktives Fußballangebot unterbreiten zu können.

Das klingt nach dem Beginn eines neuen Burgfriedens in der deutschen Pay-TV-Landschaft. Immerhin hatte Sky in der Folge der letzten Rechtevergabe sein komplettes Pay-TV-Programm von Telekom Entertain abgezogen, nachdem der IPTV-Anbieter ein eigenes Bundesligaprogamm startete. Nun wird die Telekom wieder zum Bittsteller, denn unter deren IPTV-Kunden befinden sich nicht wenige Fusssballfans, die den Anschluss wegen dem vergleichsweise günstigen Live-Bundesliga-Paket gebucht haben. Doch auch Sky wird ein Interesse an der Zusammenarbeit mit der Telekom haben.

Denn das Pay-TV-Unternehmen zahlt nach eigenen Angaben für die vier Spielzeiten ab Sommer 2013 durchschnittlich 485,7 Millionen pro Saison an die Deutsche Fussball Liga (DFL) – fast doppelt so viel wie derzeit (je 250 Millionen). Diesen Preis muss Sky erst einmal erwirtschaften. Schon bisher schaffte es der defizitäre Bezahlsender immer nur dann, die Abonnentenzahl deutlich zu steigern, wenn man diese mit kräftigen Rabatten lockte – satte Preissteigerungen kann es sich also kaum leisten. Um die finanzielle Blutgrätsche gegen die Telekom zu refinanzieren, wird Sky mit dem Bieter-Konkurrenten kooperieren und ihm Übertragungsrechte für Entertain-Kunden einräumen müssen.

Insgesamt sammelt die DFL laut ihrem Geschäftsführer Christian Seifert künftig pro Saison 628 Millionen Euro ein – gut ein Drittel mehr als bisher (412 Millionen). Neben Sky sind wie bisher die ARD mit der Sportschau beteiligt sowie das ZDF (aktuelles Sportstudio) und Sport1 (Sonntagsspiele und zweite Liga). Ein neues Rechtepaket hat der Axel Springer Verlag erworben. Er will über „Bild.de“ im Internet künftig gegen Gebühr ab eine Stunde nach Spielende Zusammenfassungen aller Erst- und Zweitliga-Partien zum Abruf anbieten. Ein solches VOD-Angebot gab es bislang nicht.

digitalzimmer.de meint: Planspiele der DFL, die Free-TV-Berichterstattung über die Bundesliga künftig mit Yahoo oder anderen Onlineanbietern in einer Art Web-Sportschau ins Internet und auf Smart-TVs zu verlagern, sind vorerst gescheitert. Die Onlinekonzerne hätten damit nach eigenen Erkenntnissen schlicht zu wenig Geld verdient, um die Rechte zu refinanzieren. Doch die Wandlung vom klassischen Fernseh-Fussball zum Online-Event ist dennoch in vollem Gange. Nur eben vorerst im Pay-TV-Bereich – seien es die Sky-Apps oder Spielberichte gegen Bares bei Bild.de. Beides wird nicht nur am Computer stattfinden, sondern auch auf Tablets, Smartphones und natürlich via Smart-TV – spannend für alle, die bereit sind, für’s Fussballgucken zu bezahlen. Allen anderen bleibt der bewährte Bundesliga-Termin samstags kurz nach Sechs – ohne technische Innovationen. Auch gut.