Kiko: Netzwerk-Anlage mit High-End-Anspruch

Ein Steuergerät, zwei Boxen – fertig. So sieht eine Musik-Minianlage seit jeher aus. Im Prinzip. Doch es gab über die letzten Jahrzehnte ganz unterschiedliche Ansätze für kompakte Geräte. Anfangs mit Kassettenlaufwerk, dann mit CD-Player. Kurz nach dem Jahrtausendwechsel hatten dann immer mehr Musikanlagen auch DVD-Laufwerke eingebaut. Die Minianlage von heute hat weder noch, zumindest wenn sie vom schottischen HiFi- und High-End-Hersteller Linn stammt. Die ausgewiesenen Whisky-Liebhaber aus Glasgow zählen zu den HiFi-Entwicklern, die sich bereits früh auch in ihren größeren Geräten Schritt für Schritt von optischen Laufwerken getrennt haben und Musik fast nur noch übers Netzwerk empfangen. Das Modul, das in jedem Wiedergabegerät von Linn steckt, heißt „DS-Player“. So auch im jüngsten Spross des Linn-Clans, der Edel-Komplettanlage Kiko.

Die Linn Kiko für 2950 Euro bietet die gleichen Streamingtalente wie größere Linn-Geräte wie etwa der Majik DMS. (Bild: Hersteller)
Die Linn Kiko für 2950 Euro bietet die gleichen Streamingtalente wie größere Linn-Geräte wie etwa der Majik DMS. (Bild: Hersteller)

Die Anlage besteht aus einer schlanken Zentrale mit leicht gerundetem Deckel in Hochglanz-Optik. Die lässt sich wahlweise liegend oder stehend betreiben. Mit 28 mal 7,5 Zentimetern Frontmaß – wahlweise Breite mal Höhe oder umgekehrt – und 27 Zentimetern Tiefe passt die Kiko-Zentrale in jeder Richtung in übliche Regale, aufs Küchenboard oder sogar auf größere Nachttische. Die Lautsprecher im passenden Design sind wie die Zentrale in sechs verschiedenen Farben zu haben – und ähnlich kompakt. In beiden Komponenten ist feinste Linn-Technik verbaut, die auf Augenhöhe mit den großen Geräten des Herstellers spielen dürfte.

Der DS-Player in der Kiko verarbeitet ebenso wie in allen anderen DS-Playern von Linn sämtliche üblichen Audio-Streamingformate von MP3 über OGG, WMA und FLAC bis Apple Lossless, AIFF und WAV. Dabei versteht der Decoder Samplingraten und Digitalauflösungen bis 192 kHz und 24 Bit. Der Client ist laut Linn mit allen UPnP-Servern und Controllern kompatibel, die mindestens dem Standard 1.0 entsprechen – das sind praktisch alle Geräte auf dem Markt, auch DLNA-Geräte unterstützten diesen Standard. Gesteuert wird die Kiko wie andere Linn-DS-Player in der Regel über eine Smartphone- oder Tablet-App. Es gibt eine große Auswahl an solchen UPnP-Controller-Apps von unabhängigen Entwicklern wie etwa Chorus DS für iPad und iPhone oder Bubble DS für Android-Geräte – oder die bekannte Plugplayer-App. Für Apple-Geräte und den Einsatz an Mac-, Windows- und Linux-Computern hat Linn ein eigenes Programm namens Kinsky im Angebot, das eigens für die Steuerung der DS-Streamer entwickelt wurde (siehe Zusatz-Infos unten). Daneben unterstützt die Anlage auch AirPlay von Apple. Sie ist zwar nicht offiziell dafür zertifiziert, soll aber Musik vom iPad, iPhone und aus iTunes auch per Airplay-Befehl wiedergeben.

Und Kiko kann mit klassischen Quellen: Die Anlage hat neben ihrem Ethernetanschluss einen anlogen Stereoeingang, zwei digitale S/PDIF-Eingänge sowie drei HDMI-Buchsen für Audio-Video-Zuspieler. Die Einrichtung der Anlage erfolgt über das Netzwerk von einem Computer aus. Damit wir die Anlage ins Netzwerkeingebunden und mit allen verfügbaren Servern und Controllern gekoppelt. Die Menü-Software dafür sitzt im Steuergerät. Zum Start der Kiko hat Linn diesen „Setup Wizard“ nach eigenen Angaben runderneuert und bietet ihn in der neuen Version per Update ab Anfang Juli 2012 für alle DS-Player an.

Die Anlage wäre nicht von Linn, hätte sie nicht auch besonders ausgefeilte HiFi-Talente. Zum Beispiel die bei den Schotten weit verbreitete vollaktive, digitale Verstärkertechnik. Im Klartext: Das Kiko-Steuerteil versorgt die zugehörigen Zweiwegeboxen über je eine Endstufe für den Tief- und den Mittelhochtöner. Eine digitale Frequenzweiche trennt die beiden Tonbereiche vor den Verstärkern im Digitalsignal besonders präzise auf – ein System, das Linn bis zu seinen Vierwege-Standboxen in alle Verstärker integriert oder zum Nachrüsten anbietet. Vorteil gegenüber konventionellen Boxen mit Passiv-Weichen: Weniger Klang- und vor allem Leistungsverluste in den Boxen. So muten die vier mal 33 Watt Endstufenleistung in den Kiko-Amps nicht eben brachial an, dürften aber bei Weitem ausreichen. Wem all das 2950 Euro wert ist, der kann ab Anfang Juli 2012 beim Händler seines Vertrauens zuschlagen.

digitalzimmer.de meint: Bewundernswert, wie konsequent Linn seinen Weg des Netzwerk-Streamings geht – jetzt auch in einer Minianlage für Arbeitszimmer, Schlafgemach oder Küche. Die Kiko macht Lust auf Musik in allen möglichen Räumen, klanglich dürfte sie in ihrer Klasse Standards setzen. Dafür spricht schon der vollaktive Aufbau und die damit mögliche optimale Abstimmung von Frequenzweiche, Verstärker und Lautsprecherchassis. Wer es sich leisten kann, der sollte ein Auge auf Kiko werfen – ein Ohr sowieso.