Dauertest: Ein Winter mit Tado Heizungssteuerung

So soll es sein, doch bei mir klappte das erst nach einem Anruf bei der Tado-Hotline. Das System wollte meinen Thermostat einfach nicht erkennen und tat so, als bestünde kein Kontakt zwischen den Komponenten. Da sich das Problem nicht sofort lösen ließ, ich die Wohnung aber weiter heizen musste, baute ich das Ganze wieder ab und den alten Thermostat-Regler ein. Am nächsten Tag kam die Auflösung des Problems: Ein Fehler in der Tado-Firmware hatte die Verbindung verhindert. Die Lösung kam durch die Cloud: Der Support spielte neue Software auf meine Komponenten, und schon ließen sie sich in den Tado-Account integrieren. Das Problem betraf laut Tado nur die ersten Geräte der aktuellen Baureihe, es sei inzwischen bei allen Neugeräten behoben. Auf jeden Fall gibt es seither im Normalbetrieb keine Verbindungsstörungen mehr durch die Komponenten selbst.

Bei der Ferndiagnose fragte der Tado-Techniker auch, ob die beiden berührungssensitiven Leucht-Tasten unten am Gerät eindeutig zu steuern seien. Die beiden Touch-Flächen erlauben manuelle Anpassungen der Betriebsart oder der Temperatur vor Ort. Eine davon reagierte bei mir tatsächlich etwas übersensibel und schaltete bei einem Druck auch mal zwei oder drei Zehntel Grad weiter. Per Fernwartung stellte der Techniker die Empfindlichkeit herunter – auch das geht.

Die Konfiguration und erste Schritte

Endlich war Tado betriebsbereit. Über das Webinterface – oder eine der Mobil-Apps  – sind nun alle möglichen Parameter einzustellen. Wo steht die Heizung überhaupt? Wann soll die Heizung die Nachtabsenkung einschalten? Wann morgens hochregeln? Das lässt sich pauschal, nach Wochen- und Wochenendtagen oder für jeden Tag einzeln einstellen.

Als Erstes wird der eigene Standort des Tad-System auf der Karte markiert.
Als Erstes wird der eigene Standort des Tad-System auf der Karte markiert.

Dann folgte die Einstellung der Zu-Hause-und der Nacht-Temperatur und schließlich die Freischaltung der Tado-Apps auf allen Smartphones und Tablets im Haus. Diese erfolgt über Einladungen per Mails, die über die Mobilgeräte empfangen werden können. Die Apps für iPhone und iPad sowie Android-Geräte sind kostenlos in den jeweiligen Stores zu haben. Auch in den Apps sind alle Konfigurationen für die Heizung möglich.

In erster Linie zeigen die Apps aber an, in welchem Betriebszustand sich Tado gerade befindet und wie warm es zu Hause ist – egal ob man sich gerade zu Hause aufhält oder unterwegs ist. Und sie zeigen an, wer sich gerade zu Hause befindet und wer in der Nähe oder weiter entfernt unterwegs ist. Ob andere Bewohner das in ihren Apps sehen oder nicht, lässt sich immerhin für jedes Mobilgerät einzeln einstellen. Und man kann die Anwesenheitserkennung auch für jedes einzelne Gerät unterbinden – etwa für ein iPad, das zu Hause fest in der Wandhalterung sitzt.

Tado_Zustaende
An- und Abwesenheit sowie die Nachtabsenkung zeigt Tado farbig und mit Text-Infos an.
 Alltag mit Tado

Die ersten Tage und Wochen waren Experimenten mit dem System Tado gewidmet. Und spannenden Erkenntnissen. Unsere elfjährige Tochter etwa wünscht sich nur eines mehr als ein Smartphone: Ein Pferd. Beides hat sie aber nicht – noch nicht. Dabei ist vor allem das Leben mit Tado und ohne Smartphone recht zäh. Für die Nachmittage, an denen sie als Erste aus der Schule nach Hause kommt, richtete ich also zusätzliche manuelle Zeitpläne ein. Nein, anders herum: Manuelle Zeitpläne bei Tado bedeuten, dass man einstellt, wann der Smartphone-lose Benutzer NICHT zu Hause ist. Zu allen übrigen Zeiten geht Tado dann automatisch in den Home-Modus. In der Praxis war es dann aber häufig so, dass eben doch niemand zu Hause war und die Heizung „leer“ lief – bleibt Tado, dann wird es eben doch Zeit für ein Kinder-Smartphone.

Zeitplan-Einstellungen in der App
In der App und über das Webinterface lassen sich manuelle Zeitpläne einstellen – pauschal oder für jeden Wochentag einzeln.

Ein anderes Phänomen betraf mich selbst und mein ungewöhnliches Arbeitsumfeld: Ich arbeite meist nicht zu Hause, das Büro ist aber Luftlinie nur etwa 200 Meter entfernt. Diesen Abstand erkennt Tado nicht als Abwesenheit. Nach Auskunft des Supports stellt Tado standardmäßig erst dann auf „Unterwegs“, wenn man sich mindestens 400 Meter entfernt. Bei einer regelmäßigen längeren Abwesenheit in der Nähe an einem bestimmten Ort kann Tado lernt angeblich auch selbst, dass dieser Ort „Abwesenheit“ bedeutet. Meine Arbeitszeiten sind aber eben nicht allzu regelmäßig und so lernte Tado diese Nicht-Gewohnheit auch nach zwei bis drei Wochen noch nicht.

Ich ließ den Abwesenheits-Mindestabstand für mein System auf 200 Meter herabsetzen, was der Support per Fernwartung einpflegte. Das reicht aber noch immer nicht aus. Erst eine Straßenecke weiter, beim Metzger meines Vertrauens, schaltete Tado auf Abwesenheit (Die Verkäuferin dürfte mich inzwischen für einigermaßen bekloppt halten, so oft wie ich mich im Laden oder im Vorbeigehen übers Smartphone gebeugt habe, um in der App nachzusehen). Schließlich deaktivierte ich die Anwesenheitserkennung an Büro-Tagen, um weiterhin eine realistische Test-Umgebung zu haben. Leider vergaß ich dann hin und wieder, vor dem Heimgehen manuell auf „zu Hause“ zu stellen – und kam in eine eher kühle Wohnung. Tado kann ich meine persönlichen Verhältnisse kaum ankreiden. Sie zeigen aber, dass das System eben nicht immer und für jeden optimal funktioniert.

Kein Internet, keine Steuerung

In den ersten Wochen meines Tests nutzte ich einen brandneuen 200-Megabit-Testanschluss im Breitband-Kabelnetz von Unitymedia Kabel BW, den ich über einem brandneuen „Horizon“-Receiver von Samsung betrieb. Zu dieser Zeit war der Kabelnetzbetreiber offenbar noch in der Testphase des Systems, denn hin und wieder verlor der Receiver die Netz-Synchronisierung und musste dann manuell neu gestartet werden. Die Folge: Kein Internet, keine Heizungsregelung. Tado bleibt bei einem Verbindungsabbruch in der zuvor eingestellten Betriebsart. Tagsüber ist das weniger tragisch als bei einem Netzabbruch während der Nachtabsenkung. Zu dieser Zeit gab es also morgens klare, meist aber recht übellaunige Diagnosen:  „Bad kalt“ gleich „kein Internet“ gleich „Horizon-Box neu starten“. Nach zwei dieser Vorfälle hängte ich die Tado-Verbindungsbox an den bewährten DSL-Telefonschluss. Doch auch hier gibt es hin und wieder kurze Aussetzer, die aber nie länger dauern. Dank Tado sind sie jetzt aber gut nachvollziehbar. Streikt das Netzwerk aber einmal komplett, dann bleibt für Tado nur der manuelle Betrieb, in dem der Thermostat eine vorgegebene Temperatur dauerhaft hält.

Hat Tado keine Verbindung zum Internet, dann is die Automatik abgeschaltet und der Thermostat hält die zuvor eingestellte Temperatur. Nebenbei dokumentiert das System so Online-Dropouts.
Hat Tado keine Verbindung zum Internet, dann is die Automatik abgeschaltet und der Thermostat hält die zuvor eingestellte Temperatur. Nebenbei dokumentiert das System so Online-Dropouts.

Tado protokolliert übrigens sehr detailliert, wann die Heizung aktiv ist, wann nicht und welche Temperaturen im Raum herrschen. In der Smartphone- und Tablet-App lassen sic diese Statistiken tageweise aufrufen, indem man den Bildschirm in die Horizontale dreht

Nadeln nach unten in er Heizkurve zeigen an, wann die Wohnung gelüftet wurde. Tado erkennt auch, wenn die Sonne scheint und die Wohnung ohne Heizungsunterstützung erwärmt.
Nadeln nach unten in der Heizkurve zeigen an, wann die Wohnung gelüftet wurde. Tado erkennt auch, wenn die Sonne scheint und die Wohnung ohne Heizungsunterstützung erwärmt.
Per Fingerspitzen auf das Flammen-Symbol zeigt Tado, wann der Heizungsbrenner tatsächlich lief.
Per Fingertippen auf das Flammen-Symbol zeigt Tado, wann der Heizungsbrenner tatsächlich lief.
Urlaub und Heimkehr

Fährt man weit weg, dann regelt Tado die Temperatur auch weit herunter. Während eines Aufenthaltes am Mittelmeer – etwa 700 Kilometer Luftlinie entfernt – betrug sie nur noch gut15 Grad. Das halte ich für Wohnräume in Altbauten für recht wenig, weil die Gefahr für Schimmelbildung in den Außenwänden so wachsen kann. Andererseits war zu dieser Zeit niemand zu Hause, der Feuchtigkeit in die Luft abgibt. Ich stellte den Thermostat dennoch auf sichere 17 Grad im manuellen Modus hoch.

Die Überraschung kam aber bei der Heimkehr: Tado schaffte, nachdem wir den Thermostat zuvor wieder in den Automatik-Modus umgestellt hatten, nicht, die Wohnung bis zu unserer Rückkehr aufzuheizen. Nach meiner Beobachtung auf dem Heimweg startete das System schlicht zu spät mit dem Heizen. Dazu trägt vielleicht die Tatsache bei, dass wir erst gegen Mitternacht nach Hause kamen. Die Nacht-Absenktemperatur von 17 Grad hatte Tado aber auch nicht erreicht, als ich aus 20 Kilometer Entfernung die Notbremse zog und auf manuellen Betrieb umschaltete, damit die Wohnung uns zumindest halbwegs warm empfing. Aber gegenüber der Heimfahrt aus dem Büro mit der Bummel-U-Bahn geht freie Fahrt auf der Autobahn eben auch einfach schneller. Und: Praktischer als der Anruf bei den Nachbarn mit der Bitte, die Heizung einzuschalten, ist eine Fernsteuerung über Tado allemal. Und besser als die Urlaubsschaltung in unserem früheren Raumregler von Junkers: Da ließ sich der Urlaubsmodus, einmal aktiviert, gar nicht früher ausschalten. Wer zu früh heimkam, der musste bis zum Ende des Urlaubs-Zyklus voll manuell heizen.

Was spart Tado?

Die Tado-App bietet einen einfachen Kostenvergleich. Gibt man seine bisherigen Heizkosten pro Jahr ein, dann zeigt sie Tag für Tag die aktuellen Heizzeiten, deren hochgerechneten Kosten und vergleicht diese mit den bisherigen, durchschnittlichen Heizkosten. Diese Berechnung ist allerdings recht grob. Sie geht davon aus, dass man zuvor seine Heizung ausschließlich mit Nachtabsenkung betrieben hat und ansonsten den ganzen Tag durchgeheizt hat. Viele ältere Etagenheizungen und deren Raumregler können tatsächlich nicht mehr, dann kann die Berechnung ungefähr passen. Wir nutzten aber schon bisher einen Thermostat-Regler, der für jeden Tag mehrere Schaltzeiten erlaubte und so etwa an Schultagen vormittags die Temperatur um ein paar Grad absenkte. Um die Ersparnis zu bewerten, bleibt also nur der Vergleich übers Jahr – und regelmäßiges Ablesen des Gaszählers.

Das mache ich seit letztem Sommer und bin so ganz zuversichtlich, dass ich zum Ende der Heizperiode einen seriösen Vergleich vor und nach der Installation von Tado liefern kann. Aber: Schon nach aktuellen Hochrechnungen ist klar, dass wir diesen Winter mit Tado kaum weniger Gas benötigen werden als im letzten Winter ohne. Daran ist allerdings nicht Tado schuld, sondern der milde Winter 2013/14. In Anbetracht dessen – seit Mitte Januar haben wir fast ständig Frost – wäre das aber schon beachtlich. Eine absolute Ersparnis – 31 Prozent oder doch nur zehn? – lässt sich in einem Praxistest wie diesem aber kaum errechnen. Dennoch bin ich gespannt auf die Bilanz nach einer vollen Heizperiode – dann eben im Vergleich zu mehreren Jahren.

Wem nutzt Tado, wem nicht?

Klare Sache: Tado ist ideal für Altbaubewohner mit einer Etagentherme, vollständiger Smartphone-Versorgung, unregelmäßigen Arbeitszeiten und Spaß am Experimentieren. Damit kommen Studenten-WGs ebenso infrage wie Double-Income-No-Kids-Paare oder Familien mit älterem, WatsApp-infiziertem Nachwuchs. Wer sein Domizil häufig Gästen, Babysittern, Großeltern oder eben Kindern ohne Smartphone überlässt, der muss viel manuell nachregeln. Das ist nicht kompliziert, aus der Ferne möglich – aber dennoch lästig. Unpraktisch ist Tado auch für Menschen, die ihr Leben und Arbeiten im selben Viertel organisieren oder große Haushalte, in denen praktisch den ganzen Tag jemand zu Hause ist. Will man hier Heizenergie sparen, dann ist eine Regelung einzelner Räume sinnvoller – je nachdem, zu welcher Tageszeit welches Zimmer überwiegend genutzt wird. Das kann Tado nicht, dafür gibt es aber andere Steuerungssysteme wie Alpha EOS, RWE-Smarthome, Max! oder Qivicon. Das eine oder andere dieser Systeme werde ich mir als Nächstes genauer anschauen.

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