4K: Kommt jetzt Super-HDTV fürs Heimkino?

Kaum hat sich der Filmfan an den Gedanken gewöhnt, seine Heimkino-Anlage auf 3D umzurüsten, da steht schon die nächste Innovation ins Haus: 4K. HiFi-Spezialist Onkyo hat für April den ersten AV-Receiver angekündigt, der Videosignale bis zur Auflösung 4096 x 2160 Pixel hochrechnet. Das sind mehr als viermal so viele Bildpunkte wie auf einem Full-HD-Fernseher (1920 x 1080).

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Onkyo-Receiver TX-NR609 mit 4K-Upscaling. (Bild: Hersteller)

Dabei ist der TX-NR609 für knapp 600 Euro nicht einmal teuer. Noch dazu wenn man bedenkt, dass seine Ausstattung mit Netzwerk-Funktion, Lautsprecher-Ausgängen für 7.2-Kanal-Surround und USB-Buchse zum Anschluss von iPod oder iPhone sonst einiges hermacht. Die Möglichkeit zur 3D-Wiedergabe, bis vor kurzem ein schlagendes Kaufargument, wird vom Hersteller nur noch beiläufig erwähnt. Stattdessen streicht Onkyo die 4K-Funktion heraus.

Andere Surround-Receiver mit HDMI-Anschluss beherrschen die hohe Auflösung vermutlich auch. Sie ist in den Spezifikationen des HDMI-Standards 1.4 zumindest enthalten. Mehr dazu in unserem Video „HDMI-Versionen im Vergleich” unten auf dieser Seite. Streng genommen steht 4K für 4096 mal 2160 Bildpunkte (4K x 2K), allerdings kommen in der Praxis viele verschiedene Zahlen-Kombinationen vor. So entspricht das TV-Seitenverhältnis 16:9 (1:1,78) eigentlich der Auflösung 4096 x 2300 Pixel. Das digitale Kino definiert 4096 x 1714 (Cinemascope-Format) oder 3996 x 2160 Bildpunkte (35 mm-Format) ebenfalls als 4K. Im HDMI-Standard sind zwei Varianten festgelegt: 3840 x 2160 und 4096 x 2160 Pixel. Das Besondere am Onkyo TX-NR609 ist aber nicht die Auflösung, sondern das sogenannte Upscaling: Ein Video-Prozessor von Chip-Hersteller Marvell verwandelt normales HD-Material, etwa von Blu-ray-Disc, in eine Pixel-Orgie. Doch wer braucht solche extremen Auflösungen überhaupt?

Die Entwicklung kommt, wie so oft, aus dem Kino. Dort sind bereits seit geraumer Zeit Projektoren wie der Sony SRX-R320 im Einsatz. Sie werden benötigt, um 3D-Filme ohne Auflösungsverluste vorzuführen. Weil digitale Filme meist in 2K (2048 x 1080) vorliegen, ergibt sich aus der Bildverdoppelung für rechtes und linkes Auge eine 4K-Auflösung. Der Projektor muss doppelt soviel leisten, obwohl der Zuschauer durch seine Polarisationsbrille nur die normale Bildschärfe sieht.

Und weil es die Projektoren nun schon gibt, könnten Filmstudios das bessere Bild auch für 2D-Filme nutzen. Ein Argument für mehr Auflösung ist die Sitzordnung heutiger Kinos. Früher waren Lichtspiel-Theater schmal und lang gebaut, so dass die meisten Zuschauer recht weit von der Leinwand entfernt saßen. Steil ansteigende Stuhlreihen in modernen Sälen verringern jedoch den Abstand des Publikums. „Stadium Seating” nennt der Amerikaner diesen Aufbau, weil er an die Bestuhlung großer Sportarenen erinnert. Das ermöglicht freien Blick, verringert aber die Distanz zur Leinwand. In vielen Theatern beträgt der Betrachtungsabstand nur noch das Ein- bis Zweifache der Bildhöhe. Für so kurze Entfernungen ist 2K nicht gemacht, die Bilder wirken unscharf. Das Kino muss aufrüsten, wenn es einen Qualitätsvorsprung gegenüber den HD-Fernsehern zu Hause behalten will.

Noch schrecken die Studios allerdings vor den Kosten zurück. Sowohl Produktion als auch Nachbearbeitung, Übertragung und Archivierung digitaler 4K-Streifen sind dramatisch teurer als ein konventioneller Film. Schützenhilfe kommt von ganz anderer Seite: YouTube hat vergangenen Sommer seine Upload-Beschränkungen angehoben und akzeptiert seither Video-Auflösungen von 360p bis hinauf zu 4K. Auch wenn diese Qualität am PC-Bildschirm auf absehbare Zeit niemand braucht – 4K-Auflösung ist für Bilddiagonalen ab etwa sieben Meter gedacht –, zeigt sie doch, dass YouTube für die Bildformate der Zukunft gerüstet sein will.

Erste TV-Geräte mit 4K-Bildschirm setzt Toshiba für seine autostereoskopischen 3D-Fernseher ein, die in Japan bereits verkauft werden. Sie zeigen 3D ohne Brille und verwenden die hohe Pixelzahl, um aus verschiedenen Blickwinkeln dreidimensionale Bilder zu erzeugen. Für den einzelnen Betrachter bleiben dabei nur 1280 x 720 Pixel übrig. Außerdem ist der umgerechnet über 2000 Euro teure LCD-TV mit 20 Zoll noch recht klein. Eine 40-Zoll-Variante soll dieses Jahr folgen, hat Toshiba auf der CES in Las Vegas angekündigt. Bis es preisgünstige 4K-Bildschirme in großen Diagonalen gibt, dürften aber noch einige Jahre vergehen.

digitalzimmer.de meint: 4K fürs Wohnzimmer ist die Lösung eines Problems, das sich bislang gar nicht stellt. Derzeit gibt es weder großformatige Fernseher noch bezahlbare Heimkino-Projektoren, die 4096 x 2160 Pixel wiedergeben könnten. Und wann Hollywood entsprechenden Content liefert, scheint ungewiss. Experten wie „Avatar”-Regisseur James Cameron halten die doppelte Auflösung im Kino für unnötig. Sie sprechen sich eher für eine Verdoppelung der Bildfrequenz aus (48 statt 24 fps), um Bewegungen flüssiger darstellen zu können. Das Upscaling eines TX-NR609 könnte dann sogar helfen, die Software-Lücke zu schließen und 4K-Bildschirme zu Hause mit ultrahoch auflösenden Inhalten versorgen – wenn das die künftigen Fernseher nicht ohnehin selbst erledigen. Aber der Onkyo erfüllt ja auch so seinen Zweck: als gut ausgestatteter AV-Receiver.

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